{"id":1014029,"date":"2026-05-12T18:27:17","date_gmt":"2026-05-12T18:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014029\/"},"modified":"2026-05-12T18:27:17","modified_gmt":"2026-05-12T18:27:17","slug":"rechtsextremismus-berlin-jede-stunde-ein-rechter-vorfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014029\/","title":{"rendered":"Rechtsextremismus \u2013 Berlin: Jede Stunde ein rechter Vorfall"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321566\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321566.jpeg\" alt=\"Dumpfe Parolen: Neuer Rekordwert bei rechten Vorf\u00e4llen\"\/><\/p>\n<p>Dumpfe Parolen: Neuer Rekordwert bei rechten Vorf\u00e4llen<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Michael Kappeler<\/p>\n<p>Der 5. April 2025 war ein ganz normaler Tag \u2013 in mehrfacher Hinsicht. Bereits am Morgen bep\u00f6beln mit einer Reichssturmfahne ausgestattete Neonazis Teilnehmer einer antifaschistischen Kundgebung in Pankow. In Lichtenberg tritt ein Mann wenig sp\u00e4ter auf eine schwarze Frau ein und beleidigt sie rassistisch. Am Nachmittag werden in der U5 Aufkleber mit der Beschriftung \u00bbNS-Zone\u00ab gefunden. An der Friedrichstra\u00dfe rempelt ein Mann zun\u00e4chst eine Frau an und beleidigt sie dann queerfeindlich. Der Tag endet damit, dass einer Frau in Prenzlauer Berg \u00bbSchei\u00dfj\u00fcdin\u00ab hinterhergerufen wird.<\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlich war dieser 5.\u2005April nicht. Insgesamt 8286 Vorf\u00e4lle rechter Gewalt, verbaler Angriffe und Diskriminierung haben die Berliner Register 2025 dokumentiert \u2013 pro Tag\u200522. Mithin kam es in Berlin im vergangenen Jahr fast st\u00fcndlich zu einem Vorfall. Die Zahlen stellen einen neuen Rekordwert dar. Im Vorjahr waren 566\u2005F\u00e4lle weniger registriert worden. \u00bbDie Attacken richten sich gegen alle, die in rechtsextreme Feindbilder passen\u00ab, sagt Lea L\u00f6lh\u00f6ffel, Koordinatorin der Register, am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichts. \u00bbDie Betroffenen bekommen die Zuspitzung der gesellschaftlichen Diskussion zu sp\u00fcren.\u00ab<\/p>\n<p>In allen Berliner Bezirken gibt es \u00f6rtliche Registerstellen. Dort k\u00f6nnen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190314.berliner-register-vorfaelle-am-tag-n-hoechstand-an-diskriminierung-in-berlin.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Opfer rechter Angriffe oder Zeugen Vorf\u00e4lle melden<\/a>. Hinzu kommt Recherche, die die Mitarbeiter der Register selbst durchf\u00fchren. So beobachten sie die Berichterstattung und einschl\u00e4gige Kan\u00e4le in den sozialen Medien. Etwa zehn Prozent der dokumentierten F\u00e4lle wurden im Internet registriert.<\/p>\n<p>423 Mal kam es zu gewaltvollen \u00dcbergriffen, 1388 Mal zu Bedrohungen. In der H\u00e4lfte der F\u00e4lle waren die Angriffe rassistisch motiviert. Dabei wurden auch immer wieder Kinder und Jugendliche Opfer. Bei Gewalt\u00fcbergriffen, die sich gegen schwarze Menschen richteten, war beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1181412.rechte-gewalt-berliner-register-mehr-rechte-gewalt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein Drittel der Opfer noch minderj\u00e4hrig<\/a>. Aber auch politische Gegner haben Rechte als Ziel auserkoren: 67\u2005Angriffe richteten sich gegen Antifaschisten. \u00bbZufallsbegegnungen verlaufen gewaltvoll\u00ab, beschreibt Registerkoordinatorin Naim Ahrens das Muster hinter den Angriffen.<\/p>\n<p>Das Gros der F\u00e4lle macht jedoch Propaganda aus. Flyer, Aufkleber, Graffiti: Die genutzten Medien sind vielf\u00e4ltig, die Botschaft zumeist dumpf. Hass, Hetze \u2013 und immer wieder das gesetzlich verbotene Hakenkreuz, ein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Widerstand dagegen kann gef\u00e4hrlich werden. Immer wieder w\u00fcrden Menschen k\u00f6rperlich angegriffen, wenn sie Sticker mit rechten Inhalten zu entfernen versuchen, wie der Jahresbericht dokumentiert.<\/p>\n<blockquote>\n<p>423 Mal kam es zu gewaltvollen \u00dcbergriffen, hinzu kommen 1388 Bedrohungen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Urheber der Gewalt sind nicht nur Einzelpersonen, sondern auch organisierte Gruppen. In den vergangenen Jahren machten vor allem rechte Jugendgruppen auf sich aufmerksam. Bekannt wurde vor allem \u00bbDeutsche Jugend Voran\u00ab. Die Jugendgruppen h\u00e4tten sich stabilisiert, stagnierten aber auch, fasst Ahrens das Szenegeschehen zusammen. \u00bbSie sind nicht verschwunden, aber ihr Wachstum hat sich nicht fortgef\u00fchrt\u00ab, sagt sie. Zuletzt h\u00e4tten sich die Jugendgruppen vermehrt an etablierten Akteuren der extremen Rechten orientiert \u2013 vor allem an der NPD-Nachfolgepartei Die Heimat.<\/p>\n<p>Besonders Lesben, Schwule und trans Menschen sind den Rechten ein Dorn im Auge. Immer wieder wurden sie Opfer ihrer Angriffe. Paraden zum Christopher Street Day wurden 2025 vor allem in den Ostbezirken der Hauptstadt von den Neonazis mit Gegenkundgebungen begleitet.<\/p>\n<p>\u00bbDie Zahl der Versammlungen war so hoch wie noch nie, aber es kamen nie mehr als 50\u2005Personen zusammen\u00ab, sagt Ahrens. Bei Kundgebungen belie\u00dfen es die Nazis allerdings nicht. In einem Fall wurde eine bekannte Cruising-Zone, in der sich schwule Menschen zum Sex treffen, in einem Berliner Park von einer organisierten Gruppe Rechter angegriffen. Die Register sprechen von einer \u00bbTreibjagd\u00ab, die sich zwischen den Str\u00e4uchern abgespielt habe.<\/p>\n<p>Knapp ein Viertel der Meldungen geht auf antisemitisch motivierte F\u00e4lle zur\u00fcck. \u00bbWir beobachten seit Oktober 2023 eine anhaltende antisemitische Mobilisierung\u00ab, sagt Register-Koordinatorin Lea L\u00f6lh\u00f6ffel. Seit dem Hamas-Massaker am 7.\u2005Oktober 2023 habe man einen sprunghaften Anstieg der Meldungen in diesem Bereich beobachtet.<\/p>\n<p>Zuletzt sei die Zahl der Meldungen allerdings etwas zur\u00fcckgegangen. Mit 1705 antisemitischen Vorf\u00e4llen habe man weniger als im Vorjahr (2200) registriert. Die Autoren des Berichts f\u00fchren das auf den im Oktober vergangenen Jahres geschlossenen Waffenstillstand in Nahost und die seitdem sp\u00fcrbar nachgelassenen antiisraelischen Aktivit\u00e4ten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Verschwunden ist die Bedrohung deswegen nicht. F\u00fcr viel Aufsehen sorgte ein Messerangriff auf einen spanischen Touristen am Holocaust-Mahnmal im Februar des vergangenen Jahres, f\u00fcr den der T\u00e4ter inzwischen zu einer Haftstrafe von 13\u2005Jahren verurteilt wurde. Nach der Gewalttat hatte der T\u00e4ter Polizisten gesagt, er habe Juden t\u00f6ten wollen.<\/p>\n<p>Auch verbal kommt es immer wieder zu Beleidigungen und Drohungen. Bei 200\u2005Demonstrationen und Kundgebungen dokumentierten die Register antisemitische \u00c4u\u00dferungen. Dabei seien nicht alle Veranstaltungen mit Nahost-Bezug aufgenommen worden, sondern nur solche, auf denen eindeutig antisemitische Inhalte verbreitet worden seien, so die Autoren. Etwa bei einer Kundgebung im Ortsteil Wedding, auf der ein Redner Israelis als \u00bbBlutsauger\u00ab bezeichnete.<\/p>\n<p>Die Koordinatorinnen der Register glauben, dass ihr Bericht nur einen Teil der real geschehenen Vorf\u00e4lle abdecken. \u00bbH\u00e4ufig wissen Betroffene nicht, dass ihnen weitergeholfen werden kann\u00ab, sagt L\u00f6lh\u00f6ffel. Auch wenn die Register dokumentieren und nicht beraten, leisteten sie Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Opfer der Angriffe. \u00bbEs ist wichtig, dass der Eindruck entsteht, dass man ernst genommen wird\u00ab, so L\u00f6lh\u00f6ffel.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dumpfe Parolen: Neuer Rekordwert bei rechten Vorf\u00e4llen Foto: dpa\/Michael Kappeler Der 5. 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