{"id":1014417,"date":"2026-05-12T22:04:40","date_gmt":"2026-05-12T22:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014417\/"},"modified":"2026-05-12T22:04:40","modified_gmt":"2026-05-12T22:04:40","slug":"wie-der-homo-oeconomicus-klingt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014417\/","title":{"rendered":"Wie der Homo oeconomicus klingt"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Adam Smith, Moralphilosoph und Urvater der Volkswirtschaftslehre, auf eine Opernb\u00fchne bringen? Die Staatsoper in Hannover hat&#8217;s gemacht. Die Auftragsarbeit l\u00e4uft in dieser Spielzeit noch bis Ende Mai.<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u201eWie klingt der Homo oeconomicus, wenn er singt?\u201c Die Frage klingt erstmal etwas abgedreht: Warum sollte er \u00fcberhaupt? Oder, dazu kommen wir noch, sie?<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Der homo oeconomicus ist kein Mensch, sondern eine Denkfigur. Rein rational in allem, was er tut. In seiner urspr\u00fcnglichen Form n\u00fcchtern bis zur Blutleere. Der \u00f6konomische Mensch entscheidet sich immer f\u00fcr das, was ihm den h\u00f6chsten Nutzen bringt. Er hat den Durchblick, wei\u00df also alles, was n\u00f6tig ist, um sich nutzenmaximierend zu verhalten. Singen allerdings muss er nicht.<\/p>\n<p>Es sei denn, er ger\u00e4t auf eine B\u00fchne. Oder eben sie, denn den Part des Homo oeconomicus singt in der gleichnamigen Oper, die in dieser Spielzeit in Hannover uraufgef\u00fchrt wurde, Katharina von B\u00fclow. Sie ist Conf\u00e9rencier, Moderatorin, Vermittlerin zwischen den beiden Handlungsebenen. Die eine: Adam Smith und seine Mutter Margaret Douglas. Deren Name ist weit weniger bekannt als der ihres Sohnes, der vor genau 250 Jahren mit seinem Buch vom Reichtum der Nationen den Grundstein f\u00fcr die wissenschaftliche \u00d6konomie legte. Der noch nichts vom Homo oeconomicus wusste, der kam sp\u00e4ter. Aber als Moralphilosoph, der er war, den Zusammenhang erkannte, dass die jeweils ihr eigenes Wohl verfolgenden Menschen wie von einer unsichtbaren Hand geleitet auch zum Besten der Gemeinschaft handeln. Die zweite Ebene der Oper spielt heute, mit der alleinerziehenden Melissa, die sich ebenfalls um ihren Sohn, Alfred, k\u00fcmmert. Wie Margaret, die ihren Sohn Adam betreuend dessen Studien vielleicht erst erm\u00f6glichte. Aber wirtschaftlich viel schlechter gestellt.<\/p>\n<p>Entstehung und Grundlagen der \u00d6konomie: Ein eher spr\u00f6des Thema f\u00fcr die B\u00fchne, und weniger durch Handlung als durch Beziehungen getrieben. Die Staatsoper Hannover hat es bei den schwedischen Autorinnen Andrea Tarrodi (Musik) und Helena R\u00f6hr (Text) in Auftrag gegeben. Warum? \u201eWeil es ein wichtiges gesellschaftliches Thema ist\u201c, sagt Dramaturgin Dr. Ann-Christine Mecke. Der Philosoph, der die unsichtbare Hand des Marktes erkennt, aber die sichtbar ihn umsorgenden H\u00e4nde nicht wahrnimmt? Und damit vielleicht Weichen gestellt hat bis heute, wo eine alleinerziehende Mutter die Hand des Marktes weniger als unsichtbar, sondern vor allem in ihrer H\u00e4rte sp\u00fcrt.\u00a0<\/p>\n<p>Darum dreht sich die Oper Homo oeconomicus. Zu sehen noch an vier Terminen bis Ende Mai \u2013 und zum Abschluss mit einem Vortrag von Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok von der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin \u00fcber feministische \u00d6konomik. Titel: Der Homo oeconomicus hat (k)ein Geschlecht.\u00a0<\/p>\n<p>Na gut: Auf der B\u00fchne des hannoverschen Ballhofs bekommt er dann eines, wenn sich Katharina von B\u00fclow aus ihrer zun\u00e4chst neutralen Rolle herausl\u00f6st und eindeutig zur Moderatorin wird. Und sich mit etwas konfrontiert sieht, das zumindest zur urspr\u00fcnglichen Figur des Homo oeconomicus nicht geh\u00f6rte: Emotionen. In dem Fall zwischen M\u00fcttern und S\u00f6hnen.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/assets.coco-online.de\/89141778590822-B9TGJCHz\/homo-oeconomicus-c-bettina-stoess-2_large_w.jpg\" data-lightbox=\"1778623476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"aspect-ratio:768\/492;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/homo-oeconomicus-c-bettina-stoess-2_medium_w.jpg\" alt=\"Theaterszene aus Homo Oeconomicus, fotografiert von Bettina Stoess, mit mehreren Darstellern auf der Bhne\" width=\"768\" height=\"492\" title=\"Theaterauffhrung Homo Oeconomicus, Foto von Bettina Stoess, mit Ensemble auf der Bhne\" data-media-id=\"309040\"\/><\/a>Die beiden Ebenen: links Margaret und Adam, rechts Melissa und Alfred. Dazwischen der Homo oeconomicus. Foto: Bettina Stoess<\/p>\n<p>Das Opern-Projekt bietet eine ganze Reihe von Facetten. Ein Ausgangspunkt war ein Buch der schwedischen Autorin Katrine Marcal \u00fcber Frauen und Wirtschaft: \u201eWho cooked Adam Smith\u2019s Dinner?\u201c Eben seine Mutter war es, die den Urvater der \u00d6konomie bekochte. In einem Zitat von EZB-Chefin Christine Lagarde, dass der St\u00fcckbeschreibung im Internet vorangestellt ist, klingt die hin- und herschwingende Diskussion darum an, wie wichtig Diversit\u00e4t in Unternehmen und Wirtschaft ist: \u201eW\u00e4ren es \u201aLehman Sisters\u2018 und nicht \u201aLehman Brothers\u2018 gewesen, s\u00e4he die Welt heute vielleicht ganz anders aus.\u201c Und die Wirtschafts- und Finanzkrise nach 2009 hat der Volkswirtschaftslehre tats\u00e4chlich eine Sinnkrise beschert: Auch der B\u00f6rsencrash schafft es vom Aktienparkett auf die hannoversche B\u00fchne. Das alles geh\u00f6rt zu den Impulsen, die Homo oeconomicus liefern soll: Nicht fertige Antworten auf komplexe Sachfragen, \u201edas w\u00fcrde die Oper \u00fcberfordern\u201c, sagt Dramaturgin Mecke.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/assets.coco-online.de\/89141778592268-IAskvyBG\/homo-oeconomicus-c-bettina-stoess-6_large_w.jpg\" data-lightbox=\"1778623476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"aspect-ratio:768\/511;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/homo-oeconomicus-c-bettina-stoess-6_medium_w.jpg\" alt=\"Szenenbild aus Homo Oeconomicus, fotografiert von Bettina Stoess: Person im Frack und Zylinder mit rosa Blume vor einer Gruppe Menschen\" width=\"768\" height=\"511\" title=\"Homo Oeconomicus \u2013 Szene mit Frack und Zylinder, Foto von Bettina Stoess\" data-media-id=\"309050\"\/><\/a>Homo oeconomicus und die B\u00f6rsenmakler. Bettina Stoess<\/p>\n<p>Noch ein Aspekt: Die Rolle der B\u00f6rsenmakler und -maklerinnen \u00fcbernimmt der Kinderchor, etwas zuf\u00e4llig, aber nicht ohne Hintersinn. Damit stehen junge Menschen auf der B\u00fchne, die die Frage stellen, wie es weitergehen soll mit dem Wirtschaftssystem. Und die jungen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger haben mit der Oper ein eigenes Projekt bekommen, das sie musikalisch fordert: durch lernen sich weiterentwickeln, ein zentraler Gedanke der Sozialen Marktwirtschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Und nicht nur auf der B\u00fchne, sondern auch davor sei zur Halbzeit der acht Auff\u00fchrungen das Publikum etwas j\u00fcnger, sagt Dramaturgin Ann-Christine Mecke. Aber Homo oeconomicus ist ohnehin als leicht zug\u00e4ngliches St\u00fcck gedacht, \u201enicht nur f\u00fcr Jugendliche, sondern auch f\u00fcr Erwachsene, die noch nie in der Oper waren.\u201c Schon an der Titelfigur l\u00e4sst sich durchaus erkennen, dass die die Autorinnen Tarrodi und R\u00f6hr auch mit Musicals etwas anfangen k\u00f6nnen. \u201eCabaret\u201c nennen beide als Favorit. Und auch darin gibt es ein Lied, dass ma\u00dfgeschneidert auf den Homo oeconomicus passt: Money, money \u2013 mit dem pr\u00e4genden Gedanken, dass Geld die Welt regiert: \u201eMoney makes the world go round.\u201c\u00a0<\/p>\n<p class=\"kategorie-rot\">Die weiteren Auff\u00fchrungstermine im Ballhof in Hannover: 17. Mai, 22. Mai, 25. Mai, 31. Mai<br \/>Weitere Informatioen: <a href=\"https:\/\/staatstheater-hannover.de\/de_DE\/programm\/homo-oeconomicus.1378579#nav-ensemble\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tickets, Zeiten, Besetzung, Vortrag und Einf\u00fchrung<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Adam Smith, Moralphilosoph und Urvater der Volkswirtschaftslehre, auf eine Opernb\u00fchne bringen? Die Staatsoper in Hannover hat&#8217;s gemacht. 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