{"id":1014445,"date":"2026-05-12T22:19:17","date_gmt":"2026-05-12T22:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014445\/"},"modified":"2026-05-12T22:19:17","modified_gmt":"2026-05-12T22:19:17","slug":"muslimisches-leben-in-stuttgart-dialog-statt-bitterkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014445\/","title":{"rendered":"Muslimisches Leben in Stuttgart: Dialog statt Bitterkeit"},"content":{"rendered":"<p>Al Saadi wurde als Sohn pal\u00e4stinensischer Eltern im Fl\u00fcchtlingslager Jarmuk in Syrien geboren. Er studierte dort Architektur, aber als 2011 der B\u00fcrgerkrieg ausbrach, floh er nach Deutschland. Er lernte die deutsche Sprache, engagierte sich in der Fl\u00fcchtlingshilfe, wurde schlie\u00dflich der Leiter von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften und Erstaufnahmeeinrichtungen in Chemnitz. &#8222;Ich habe das Chaos in Chemnitz erlebt und die ersten Pegida-Demonstrationen gegen Gefl\u00fcchtete und Muslime 2014&#8220;, erz\u00e4hlt er. Man h\u00f6rt heraus, wie stolz er ist, es geschafft zu haben, mitten in diesem Hass seine Aufgabe gut zu erf\u00fcllen.\u00a0<\/p>\n<p>Im Jahr 2015 kam er nach Stuttgart, wo er eine Unterkunft mitaufbaute, in der kurzfristig rund 500 Gefl\u00fcchtete untergebracht werden mussten. In Stuttgart erlebte er Offenheit und Hilfsbereitschaft, sagt Al Saadi. Im selben Jahr kam sein Sohn zur Welt und der junge Vater wollte, dass sein Kind in einem Umfeld aufw\u00e4chst, in dem Hass, Ausgrenzung und Radikalisierung keinen Platz haben.\u00a0<\/p>\n<p>Zum K\u00e4mpfer des Friedens geworden\u00a0<\/p>\n<p>Denn er selbst hatte andere pr\u00e4gende Erfahrungen gemacht: 2011 wurde er in Syrien bei einer Demonstration an der israelischen Grenze, die in Gewalt und Chaos endete, am Fu\u00df verletzt. Dieses Erlebnis machte den Konflikt zwischen den Staaten f\u00fcr ihn pers\u00f6nlich, nicht nur zum ererbten Schicksal einer Familie, die seit drei Generationen im Fl\u00fcchtlingslager lebte. Doch statt Bitterkeit w\u00e4hlte Al Saadi den Dialog.<\/p>\n<p>Al Saadi hat Freude an Argumentation und friedlicher Auseinandersetzung, deshalb interessierte ihn, den Pal\u00e4stinenser, die Begegnung mit Israelis schon immer, sagt er. Schon die feministische Friedensbewegung in Israel 2012 inspirierte ihn, doch Jahre sp\u00e4ter sollte es die Musik sein, die den entscheidenden Funken entfachte: Die Lieder von Yael Deckelbaum auf einem Sommerfestival der Kulturen in Stuttgart weckten in ihm die Hoffnung auf ein gutes Miteinander zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis und machten greifbar, was bis dahin f\u00fcr ihn abstrakt geblieben war.<\/p>\n<p>&#8222;In Deutschland habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich nicht k\u00e4mpfen muss, um als Mensch mit Rechten wahrgenommen zu werden&#8220;, sagt er. Er wirkt ernst, als er das harte Leben pal\u00e4stinensischer Gefl\u00fcchteter in Syrien und anderen Nachbarl\u00e4ndern anspricht. Nach und nach sei ihm klargeworden: &#8222;Ich wollte ein K\u00e4mpfer f\u00fcr den Frieden sein.&#8220; F\u00fcnf Jahre lang arbeitete er im Projekt Shalom und Salam des Vereins Kubus, <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/gesellschaft\/709\/begegnen-statt-verurteilen-9792.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">das Begegnungen zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis f\u00f6rdert<\/a>. Dort lernte er die Werkzeuge des Dialogs und der Friedensarbeit. Einfach war das nicht immer, gibt er zu. &#8222;Die Auseinandersetzung mit mir selbst war die schwierigste.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Al Saadi wurde als Sohn pal\u00e4stinensischer Eltern im Fl\u00fcchtlingslager Jarmuk in Syrien geboren. 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