{"id":1014918,"date":"2026-05-13T02:48:24","date_gmt":"2026-05-13T02:48:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014918\/"},"modified":"2026-05-13T02:48:24","modified_gmt":"2026-05-13T02:48:24","slug":"jacob-grimm-preis-fuer-annette-humpe-da-bleib-ich-kuehl-kein-gefuehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1014918\/","title":{"rendered":"Jacob-Grimm-Preis f\u00fcr Annette Humpe: \u201eDa bleib ich k\u00fchl, kein Gef\u00fchl\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eMit dem musikalischen Werk von Annette Humpe wurde die deutsche Sprache cool, l\u00e4ssig und emotional\u201c: So begr\u00fcndete Wolf Peter Klein am Dienstag die Entscheidung der Jury f\u00fcr den Jacob-Grimm-Preis, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Annette-Humpe-hat-Geburtstag\/!5720889\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die S\u00e4ngerin Annette Humpe<\/a> auszuzeichnen. Vergeben wird die Auszeichnung von der Eberhard-Sch\u00f6ck-Stiftung und der Deutschen Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung. Orientiert an der Ausdruckskraft der Alltagskommunikation habe Humpe eine nat\u00fcrliche und unpr\u00e4tenti\u00f6se Popsprache entwickelt, die von Direktheit und unmittelbarer Eindringlichkeit gepr\u00e4gt sei.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Nat\u00fcrlich ist an Humpes Popsprache nat\u00fcrlich nichts, sie ist gro\u00dfe Kunst, durch und durch artifiziell. Das Sch\u00f6ne an Humpes Texten ist allerdings in der Tat, dass sie gesprochenes Deutsch auf eine so l\u00e4ssige wie poetische Weise in ihre eing\u00e4ngigen Lyrics einflie\u00dfen l\u00e4sst. Ihre wohl immer noch bekanntesten St\u00fccke stammen vom ersten Album ihrer Band Ideal aus dem Jahr 1980: \u201eBerlin\u201c und \u201eBlaue Augen\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Letzteres \u00fcbernahm Ideal aus dem Repertoire der Neonbabies, die Annette Humpe mit ihrer Schwester Inga 1979 in Westberlin gegr\u00fcndet hatte: \u201eDer ganze Hassel um die Knete \/ Macht mich taub und stumm \/ F\u00fcr den halben Luxus \/ Leg ich mich nicht krumm \/ Nur der Scheich ist wirklich reich\u201c, hei\u00dft es da. Auch \u201eBerlin\u201c ist voller Zeilen, die einem nicht wieder aus dem Kopf gehen: \u201eKottbusser Tor, ich spring vom Zug \/ Zwei Kontrolleure ahnen Betrug \/ Im Affenzahn die Rolltreppe rauf \/ Zwei T\u00fcrken halten die Beamten auf.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Humpe wuchs in Hagen und Herdecke auf, studierte an der K\u00f6lner Musikhochschule sechs Semester Komposition und zog 1974 nach Berlin, wo sie auch heute lebt.<\/p>\n<p>      Das Westberlin der 1970er<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Niemand hat <a href=\"https:\/\/taz.de\/Songs-ueber-Berlin\/!5931634\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das Westberliner Lebensgef\u00fchl der sp\u00e4ten 1970er und fr\u00fchen 1980er<\/a> besser eingefangen als Humpe in diesem Lied. Cool und nebenher lie\u00df sie die Namen angesagter Caf\u00e9s und Discos fallen, das Morgenrot, den Dschungel, und die Bar von Romy Haag: \u201eEin Taxi f\u00e4hrt zu Romy Haag \/ Flasche Sekt hundertf\u00fcnfzig Mark \/ F\u00fcr\u2019n Westdeutschen, der sein Geld vers\u00e4uft \/ Mal seh\u2019n, was im Dschungel l\u00e4uft\u201c.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Humpe interpretierte ihre Texte mit einer scharfen K\u00e4lte, die in der neonerleuchtenden Welt der Neuen Welle zu Hause war<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Humpe interpretierte ihre Texte mit einer scharfen K\u00e4lte, die in der neonerleuchtenden Welt der Neuen Welle zu Hause war: \u201eKomm, wir lassen uns erschie\u00dfen \/ Sonntag morgens 5 vor 10 \/ Ich kann den Sonntag nicht ertragen \/ Und ich will keinen Montag seh\u2019n.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Nach Ideal trat Humpe zusammen mit Adel Tawil unter dem Namen Ich &amp; Ich noch einmal als Interpretin ihrer eigenen Songs in Erscheinung. Sie schrieb und produzierte in den vergangenen Jahrzehnten vor allem aber viele erfolgreiche Titel f\u00fcr Kollegen wie Rio Reiser, Udo Lindenberg oder die Prinzen.<\/p>\n<p>      Mit dem Punk im R\u00fccken<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Ihr gesamtes Wirken habe ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass sich die deutsche Sprache in der popul\u00e4ren Musik durchsetzen konnte, meint die Jury des Jacob-Grimm-Preises. Das ist korrekt, w\u00e4re aber kaum m\u00f6glich gewesen, h\u00e4tte Punk nicht eine ganze Generation junger Mu\u00adsi\u00adke\u00adr*in\u00adnen dazu angestiftet, auf Deutsch zu singen. Nur wenigen ist es aber gelungen, wahre Popsongs zu schreiben. Lieder also, die das Potenzial haben, alle anzusprechen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">So oder so ist es nur zu begr\u00fc\u00dfen, dass der leicht verschlafene deutsche Literaturbetrieb und seine preisverleihenden Institutionen langsam zu begreifen scheinen, dass Poplyriker wie Annette Humpe eventuell mehr zur deutschen Literatur beigetragen haben als manch hochdekorierter Autor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eMit dem musikalischen Werk von Annette Humpe wurde die deutsche Sprache cool, l\u00e4ssig und emotional\u201c: So begr\u00fcndete Wolf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1014919,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,30,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-1014918","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-music","12":"tag-musik","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116564990802398686","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1014918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1014918"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1014918\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1014919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1014918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1014918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1014918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}