{"id":1016393,"date":"2026-05-13T16:43:27","date_gmt":"2026-05-13T16:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1016393\/"},"modified":"2026-05-13T16:43:27","modified_gmt":"2026-05-13T16:43:27","slug":"neue-gaskraftwerke-kritik-an-wasserstoffstrategie-der-bundesregierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1016393\/","title":{"rendered":"Neue Gaskraftwerke: Kritik an Wasserstoffstrategie der Bundesregierung"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/gaskraftwerk-gelsenkirchen-100.jpg\" alt=\"Gaskraftwerk auf dem Uniper Gel\u00e4nde am Standort Gelsenkirchen-Scholven.\" title=\"Gaskraftwerk auf dem Uniper Gel\u00e4nde am Standort Gelsenkirchen-Scholven. | Oliver Berg\/dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.05.2026 \u2022 15:41 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Wirtschaftsministerin Reiche will Gaskraftwerke bauen lassen, um L\u00fccken bei der Stromversorgung zu schlie\u00dfen. Die sollen auch Wasserstoff verbrennen k\u00f6nnen. Doch Forschende pl\u00e4dieren f\u00fcr andere Technologien. <\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bundesregierung will neue Gaskraftwerke bauen, um Stroml\u00fccken zu schlie\u00dfen, wenn Sonne und Wind ausfallen &#8211; die gef\u00fcrchtete Dunkelflaute. Das Bundeswirtschaftsministerium ver\u00f6ffentlichte einen <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Gesetz\/2026\/20260427-entwurf-eines-gesetzes-zur-sicherung-der-versorgungssicherheit-strom-und-zur-bereitstellung-neuer-kapazitaeten.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\" title=\"Gesetzentwurf\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Entwurf f\u00fcr ein neues Gesetz<\/a> zum Bau neuer Gaskraftwerke. Diese sollen nicht nur Erdgas, sondern auch Wasserstoff verbrennen k\u00f6nnen, also &#8222;H2-ready&#8220; sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Daran gibt es von Seiten der Wissenschaft Kritik: zu teuer, technisch aufwendig, und es w\u00fcrden alternative und erg\u00e4nzende Technologien ausgespart.<\/p>\n<p>    Dunkelflaute: Warum Back-up-Kraftwerke n\u00f6tig sind<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Weil die Kohlekraftwerke bis 2038 abgeschaltet werden und die letzten Atomkraftwerke bereits 2023 vom Netz gingen, sei es n\u00f6tig, zus\u00e4tzliche Kraftwerke zu bauen, um bei Dunkelflauten die Versorgungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten, meint der \u00d6konom Manuel Frondel vom RWI-Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung in Essen: &#8222;Die Stromfrequenz muss auf 50 Hertz stabilisiert werden, daf\u00fcr brauchen wir konventionelle Kraftwerke.&#8220; Dar\u00fcber bestehe auch weitgehend Einigkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber Frondel bef\u00fcrchtet, dass das teuer werden k\u00f6nnte. Grund sei die Vorgabe, dass diese Kraftwerke &#8222;H2-ready&#8220; sein m\u00fcssen. Wasserstoff kostet derzeit etwa das <a href=\"https:\/\/www.frontier-economics.com\/media\/zg0hxv42\/frontier-economics-wasserstoffhochlauf-in-deutschland-studie-fuer-eon-hydrogen-2023-11-28-stc.pdf\" title=\"Wasserstoffpreis\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Vierfache von Erdgas<\/a>. Und nicht nur die Betriebskosten sind hoch, sondern auch die Baukosten. Denn die Lagerung, der Transport und die Verbrennung von Wasserstoff sind schwieriger als die von Erdgas.<\/p>\n<p>    Hohe technische Auflagen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Man habe hohe technische Auflagen, meint Michael Sterner, Experte f\u00fcr Energiesysteme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg: &#8222;Die Flammengeschwindigkeit ist anders, die Temperatur der Verbrennungsprozesse ist h\u00f6her.&#8220; Man m\u00fcsste viel neue Technik, andere Brenner, andere Brennkammern und andere Rohrleitungssysteme einbauen. Das treibe die Kosten in die H\u00f6he.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und bisher seien Gasturbinen f\u00fcr Wasserstoff erst im kleinen Ma\u00dfstab &#8211; nur f\u00fcr ein, zwei Stunden &#8211; erprobt worden: &#8222;Es gab noch nie ein Gaskraftwerk, das l\u00e4nger zu 100 Prozent auf Wasserstoff gelaufen ist.&#8220;<\/p>\n<p>    Wasserstoffverbrennung erzeugt giftige Stickoxide<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinzu komme, so Sterner, dass bei der Wasserstoffverbrennung gesundheitssch\u00e4dliche Stickoxide entstehen. Damit Wasserstoff so sauber verbrennt, wie man es sich immer vorstellt, m\u00fcsse reiner Sauerstoff verwendet werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Kraftwerken w\u00fcrde stattdessen aber Luft genommen, die auch Stickstoff enth\u00e4lt. Der f\u00fchre dann zur Bildung von Stickoxiden. Daher sei eine aufwendige Abgasreinigung n\u00f6tig, was ebenfalls die Kosten steigere.<\/p>\n<p>    Erdgas und Steinkohle als g\u00fcnstige Alternativen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Energie\u00f6konom Frondel schl\u00e4gt vor, konventionelle, g\u00fcnstigere Erdgas-Kraftwerke zu bauen. Selbst Steinkohle sei zur \u00dcberbr\u00fcckung der Dunkelflauten sinnvoll. Die dadurch w\u00e4hrend der Dunkelflauten entstehenden CO2-Emissionen w\u00fcrden durch den EU-weiten Emissionshandel ausgeglichen, sagt er. Zudem seien die Dunkelflaute-Tage relativ kurz, die Emissionen w\u00fcrden daher ihm zufolge nicht ins Gewicht fallen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/ab91e9\/pdf\" title=\"Dunkelflaute\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie<\/a> des Mercator Forschungsinstituts und des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass man mit drei bis acht Dunkelflaute-Tagen im Jahr rechnen m\u00fcsse. Laut <a href=\"https:\/\/www.dwd.de\/DE\/leistungen\/besondereereignisse\/verschiedenes\/20241217_Dunkelflaute_im_November.pdf;jsessionid=AA77DA6ABF50D5D2961404F9BCBA3D16.live21071?__blob=publicationFile&amp;v=5\" title=\"Dunkelflaute\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Deutschem Wetterdienst DWD<\/a> gibt es kein &#8222;zunehmendes Risiko f\u00fcr die Windenergieerzeugung durch den Klimawandel&#8220;.<\/p>\n<p>    Gr\u00fcner Wasserstoff ist ein teures, knappes Gut<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sowohl Frondel als auch Sterner sind der Meinung: Gr\u00fcner Wasserstoff &#8211; also solcher, der aus Erneuerbaren Energien statt aus Erdgas erzeugt wird &#8211; m\u00fcsse vorrangig der Industrie zugestanden werden. Denn diese k\u00f6nne ohne diesen Rohstoff nicht CO2-frei produzieren, wie etwa in der Stahlproduktion, Teilen der chemischen Industrie oder der D\u00fcngemittelherstellung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor f\u00fcnf Jahren ver\u00f6ffentlichte der in der Branche der Erneuerbaren Energien einflussreiche Investor Michael Liebreich, der fr\u00fcher auch die Vereinten Nationen und die britische Regierung beriet, seine <a href=\"https:\/\/liebreich.com\/the-clean-hydrogen-ladder-now-updated-to-v4-1\/\" title=\"&quot;H2-Leiter&quot;\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">&#8222;H2-Leiter&#8220;<\/a>. Darin stellt er die Verwendung von Wasserstoff zur Stromerzeugung wegen ihrer Unwirtschaftlichkeit an die letzte Stelle und priorisiert ebenfalls den industriellen Einsatz.<\/p>\n<p>    Keine Ber\u00fccksichtigung von Energiespeichern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Energieexperte Sterner emp\u00f6rt sich vor allem dar\u00fcber, dass der Gesetzesentwurf Techniken wie Batterie- oder Pumpspeicher ausklammere. Es sei &#8222;pervers &#8211; wir haben heute schon Batteriespeicher, die drei bis vier Gigawatt speichern k\u00f6nnen.&#8220; Die seien alle ohne Steuergelder errichtet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und es gebe Netzanfragen f\u00fcr weitere 500 Gigawatt Speicher. Wenn nur zehn Prozent davon realisiert w\u00fcrden, w\u00fcrde das die jetzt im Referentenentwurf ausgeschriebene Kraftwerksleistung von elf Gigawatt \u00fcbertreffen, sagt er. &#8222;Dadurch verspielen wir in Deutschland wieder Chancen, legen uns auf Gaskraftwerke fest, obwohl wir gar nicht wissen, wo der Wasserstoff \u00fcberhaupt herkommt.&#8220;<\/p>\n<p>    Verheiraten von Wasserstoff und Kohlendioxid<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sterner preist als Alternative zudem die von ihm mitentwickelte <a href=\"https:\/\/fenes.oth-regensburg.de\/forschung\/methanisierung\" title=\"Power-To-Gas\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Power-To-Gas-Technologie<\/a> an, bei der gr\u00fcner Wasserstoff mit CO2, etwa aus Biogasanlagen, verbunden wird: &#8222;Wir verheiraten Wasserstoff mit CO2. Heraus kommt gr\u00fcnes Methan, letztlich Erdgas. Und daf\u00fcr ist alles da &#8211; die Gaskraftwerke, die Speicher, die Gasnetze &#8211; und kann sofort genutzt werden.&#8220; Teure Investitionen in wasserstofff\u00e4hige Gaskraftwerke w\u00fcrden dadurch \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 13.05.2026 \u2022 15:41 Uhr Wirtschaftsministerin Reiche will Gaskraftwerke bauen lassen, um L\u00fccken bei der Stromversorgung zu schlie\u00dfen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1016394,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1848],"tags":[3364,29,1149,548,663,3934,1522,3658,30,13,14,15,1209,12,5702],"class_list":{"0":"post-1016393","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gelsenkirchen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-energie","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-gaskraftwerke","15":"tag-gelsenkirchen","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-nordrhein-westfalen","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-wasserstoff"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116568274539069860","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1016393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1016393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1016393\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1016394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1016393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1016393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1016393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}