{"id":1017200,"date":"2026-05-14T00:16:27","date_gmt":"2026-05-14T00:16:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1017200\/"},"modified":"2026-05-14T00:16:27","modified_gmt":"2026-05-14T00:16:27","slug":"junge-stuttgarter-autorin-kaja-grimme-zeigt-mit-fraeulein-renee-wie-abi-lektueren-inspirieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1017200\/","title":{"rendered":"Junge Stuttgarter Autorin: Kaja Grimme zeigt mit \u201eFr\u00e4ulein Ren\u00e9e\u201c, wie Abi-Lekt\u00fcren inspirieren"},"content":{"rendered":"<p>Kaja Grimme, 21, ist kaum \u00e4lter als die Helden ihres ersten Jugendromans. Kolonialismus, Abi-Stoff und ihre Heimatstadt Stuttgart regten die Studentin zu einem historischen Krimi an.<\/p>\n<p>Jetzt schwitzen sie wieder. Ein neuer Abiturienten-Jahrgang fiebert derzeit den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.abi-2026-in-baden-wuerttemberg-um-diese-aufgaben-ging-es-diesmal-im-deutsch-abitur-haetten-sie-s-gewusst.f648d139-84ee-41d8-9e71-84e260ffd7c0.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ergebnissen des Schriftlichen entgegen<\/a>, packt vielleicht schon mal die Deutsch-Lekt\u00fcren weit nach hinten ins B\u00fccherregal. Kaja Grimme kann sich gut an diese Zeit erinnern. Als wir die junge Frau, Abi 2022, in der D\u00fcrnitz des Alten Schlosses zum Gespr\u00e4ch treffen, sagt sie: \u201eIch will nicht sagen, dass es ganz gro\u00dfen Spa\u00df gemacht hat. Aber ich habe mich gern reingeh\u00e4ngt ins Deutsch-Abi und fand es gar nicht so schlimm, lange sitzen und schreiben zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Etwas anderes h\u00e4tte man kaum erwartet von einer Autorin, die gerade am Durchstarten ist. Im Fr\u00fchjahr hat die Stuttgarterin ihr erstes Buch unterm Dach eines Verlags ver\u00f6ffentlicht. \u201eMeinen ersten Roman habe ich mit 12 begonnen\u201c, sagt sie. Weitere folgten, manche hat sie vollendet und teilweise im Selbstverlag publiziert. \u201eIch habe experimentiert, einige Manuskripte sind in einer Schublade und bleiben dort\u201c, blickt sie zur\u00fcck und f\u00fcgt an: \u201eSchreiben ist auch etwas, das man lernt und das mit jedem Text besser wird.\u201c<\/p>\n<p>Der Roman spielt im Jahr 1908 <\/p>\n<p>Richtig gut ist es ihr im Fall von \u201eFr\u00e4ulein Ren\u00e9e und das kartografische Komplott\u201c gelungen. Freche Dialoge, ein ungew\u00f6hnliches Detektiv-Duo, in das sich ein junges Lesepublikum gut einf\u00fchlen kann, und bis heute aktuelle Themen wie Kolonialismus, Ungleichheit, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Frauen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Frauenrechte<\/a> machen die Lekt\u00fcre von Kaja Grimmes Jugendbuch-Deb\u00fct zum spannenden Vergn\u00fcgen. Dass der Mordfall, in den die reich verwaiste Ren\u00e9e mit ihrem frisch angestellten Chronisten Caspar schlittert, im Jahr 1908 spielt, vergisst man stellenweise und darf staunen, wie tief heutige Probleme wurzeln.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.4e90e63b-5ca5-4012-bbe4-42036c86f044.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Autorin Kaja Grimme freut sich \u00fcber ihre erste Ver\u00f6ffentlichung unter dem Dach eines Verlags.    Foto: privat\/Kaja Grimme    <\/p>\n<p>\u201eMir macht Geschichte und die historische Recherche unglaublich viel Spa\u00df. Ich mag es, mich in andere Epochen hineinzuversetzen\u201c, sagt die Autorin. Ihr Ausflug ins <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> der Gr\u00fcnderjahre hat aber auch einen praktischen Grund, wie sie beschreibt: \u201eIn diesem Rahmen ist es nachvollziehbar, dass jugendliche Amateurdetektive einen Mord schneller als die Polizei aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen.\u201c Bei den computergest\u00fctzten M\u00f6glichkeiten der kriminalistischen Arbeit heute sei das schwer vorstellbar, gibt die Autorin zu bedenken.<\/p>\n<p>Geschrieben hat Kaja Grimme den Roman direkt nach dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Abitur\" title=\"Abitur\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abitur<\/a> neben einem Freiwilligenjahr. Goethe, Gretchen, Goldener Topf: Die Abi-Lekt\u00fcren von damals haben Spuren hinterlassen. \u201eIch war keine gro\u00dfe Freundin davon, aber sie haben mich nicht davon abgehalten, Literatur zu studieren\u201c, sagt die 21-J\u00e4hrige und lacht. Wie sie als Autorin Zitate und Anspielungen verpackt, wie sie augenzwinkernd Stilmittel, Reimschemata und Versma\u00df vorf\u00fchrt, l\u00e4sst beim Lesen nicht nur Lehrerherzen h\u00f6herschlagen.<\/p>\n<p>Die Autorin ist ehemalige Sch\u00fclerin des Katharinen-Stifts <\/p>\n<p>\u201eBeim Schreiben war ich genauso alt wie meine Protagonisten, dieser besondere Moment im Leben ist intensiv in die Stimmung des Buchs eingeflossen\u201c, sagt Kaja Grimme. Auch Ren\u00e9e und Caspar, der in der Ich-Person erz\u00e4hlt, stehen nach der Reifepr\u00fcfung an einem Wendepunkt, an dem sie neugierig auf die Welt und auf das schauen, was kommen k\u00f6nnte. \u201eIch habe auf der Kulturmeile Abitur gemacht, deshalb treiben sich auch meine Figuren dort herum\u201c, sagt die ehemalige Sch\u00fclerin des K\u00f6nigin-Katharinen Stifts, ihre Vertrautheit mit der Stadt sorgt f\u00fcr viel Stuttgart-Flair im Buch. Nicht nur n\u00e4chtliche Einbr\u00fcche in ein M\u00e4dchengymnasium und in die Wilhelma f\u00fchren Ren\u00e9e und Caspar in die City und sorgen f\u00fcr Spannung.<\/p>\n<p>Reale Vorbilder hatte Kaja Grimme auch f\u00fcr das dem Kriminalfall zugrunde liegende Komplott. Es basiert, wie die Autorin schildert, auf realen Vorf\u00e4llen, als in der Vergangenheit L\u00e4ndereien erfunden wurden, um Zeitgenossen durch den Verkauf von fiktiven Grundst\u00fccken \u201e\u00fcber den Tisch zu ziehen\u201c. Als Hort der Strippenzieher hat sie sich die \u201eGeographische Gesellschaft W\u00fcrttemberg\u201c ausgedacht und erkl\u00e4rt: \u201eEs gab \u00e4hnliche Organisationen, aber bei einer fiktiven konnte ich mir ihre Funktionsweise so zurechtbiegen, dass sie zum Fall passt.\u201c<\/p>\n<p> Die Autorin freut sich \u00fcber positive Reaktionen bei Lesungen <\/p>\n<p>Junge Menschen mit dem ihrer Meinung nach in der Schule \u201eeher abwesenden\u201c Thema Kolonialismus in Ber\u00fchrung zu bringen, war Kaja Grimme wichtig. Jetzt freut sie sich \u00fcber Reaktionen bei Lesungen, die \u201etotal positiv\u201c seien und dar\u00fcber, dass sie bei diesen Gelegenheiten auch ihr Wissen aus der Recherche f\u00fcr das Buch teilen kann. <\/p>\n<p>   Ein zweiter Band? Die Autorin ist nicht abgeneigt <\/p>\n<p>Caspar liebt Literatur, Freiheit und den Kampf daf\u00fcr, Ren\u00e9e ist lesbisch, hat arabische Wurzeln und eine Armprothese. Zwei starke Helden also, die eigentlich nach einem zweiten Band verlangen. \u201eIch w\u00e4re da nicht per se abgeneigt\u201c, sagt Kaja Grimme. \u00dcberhaupt wei\u00df die junge Frau, was sie will. Erst einmal das Studium abschlie\u00dfen und eines ihrer n\u00e4chsten B\u00fccher, die schon geschrieben sind, ver\u00f6ffentlichen. Danach ein Leben als freie Autorin? \u201eDas w\u00e4re ein Traum\u201c, sagt Kaja Grimme. Sicher ist auf alle F\u00e4lle: \u00dcber ihrer Bachelor-Arbeit wird sie nicht schwitzend, sondern mit zufriedenem L\u00e4cheln sitzen. <\/p>\n<p> Mit Dank an die Deutschlehrerinnen <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Buch<\/strong><br \/>Kaja Grimme: \u201eFr\u00e4ulein Ren\u00e9e und das kartografische Komplott\u201c. S\u00fcdpol-Verlag. 379 Seiten. 20 Euro. Ab 14 Jahren<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Autorin<\/strong><br \/>Kaja Grimme hat als Kind vier Jahre auf dem englischen Land und als Teenager in einer US-Metropole gelebt. Heute ist ihre Familie wieder in Stuttgart zu Hause. Aktuell studiert Grimme Literaturwissenschaft am Bodensee und ist auch als Poetry Slammerin unterwegs.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Schule <\/strong><br \/>Alles richtig gemacht! \u00dcber das Buchdeb\u00fct d\u00fcrften sich auch die Deutschlehrerinnen von Kaja Grimme freuen. Auf einem Extra-Block habe sie im Unterricht Anregungen f\u00fcrs eigene Schreiben gesammelt und sich darin immer best\u00e4tigt gef\u00fchlt. \u201eSie haben mir Ideen gegeben, was man mit Texten alles machen kann\u201c, lobt die Jung-Autorin und bedankt sich mit einer Widmung.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Perspektive<\/strong><br \/>\u201eF\u00fcr meine Heimatstadt Stuttgart, f\u00fcr meine alte Schule\u2026\u201c beginnt Kaja Grimmes Widmung und endet mit einem Lehrsatz aus dem Deutschunterricht, der f\u00fcr erste Spannung sorgt: \u201eVertraue niemals einem Ich-Erz\u00e4hler.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kaja Grimme, 21, ist kaum \u00e4lter als die Helden ihres ersten Jugendromans. 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