{"id":1017335,"date":"2026-05-14T01:43:17","date_gmt":"2026-05-14T01:43:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1017335\/"},"modified":"2026-05-14T01:43:17","modified_gmt":"2026-05-14T01:43:17","slug":"ausstellung-celebrating-womanhood-die-perlen-der-hueftschmuck-das-messer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1017335\/","title":{"rendered":"Ausstellung \u201eCelebrating Womanhood\u201c: Die Perlen, der H\u00fcftschmuck, das Messer"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">In dem abgedunkelten Raum stehen Vitrinen, in denen perlenbestickter Schmuck schimmert: ein Rock, ein Halsschmuck, ein Armschmuck, H\u00fcftringe. Es m\u00fcsse sich um den Besitz einer Familie gehandelt haben, die zur Elite der Chagga geh\u00f6rt habe, sagt Fiona Siegenthaler. Zusammen mit dem tansanischen Arch\u00e4ologen Valence Silayo hat die Sozialanthropologin im Linden-Museum Stuttgart die Studio-Ausstellung \u201eCelebrating Womanhood. Kulturerbe am Kilimandscharo\u201c zusammengestellt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\u201eGlasperlen dienten als W\u00e4hrung\u201c, erkl\u00e4rt sie im Telefongespr\u00e4ch. Seit dem 18. Jahrhundert florierte ein globaler Handel damit. Siegenthaler entdeckte bei ihren Nachforschungen einen Lieferschein, in dem \u201erote und t\u00fcrkisfarbene Perlen f\u00fcr die Chagga\u201c erw\u00e4hnt sind. Den Perlenschmuck stellten die M\u00e4dchen vor der Initiation mithilfe ihrer M\u00fctter und Gro\u00dfm\u00fctter her. H\u00fcftringe dienten der sozialen Identifikation. Sie zeigten ihre Initiation an, im Fall mehrerer Ringe, die Zahl der Kinder.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Die \u201eFeier der Weiblichkeit\u201c, wie sie im Titel der Ausstellung angek\u00fcndigt ist, hat aber auch eine dunkle Seite. In einer Vitrine gl\u00e4nzen ein H\u00fcftschmuck aus feingliedrigen Eisenelementen und ein Fu\u00dfschmuck aus Gl\u00f6ckchen im Licht der Scheinwerfer. Beides muss f\u00fcr ein sehr schmales M\u00e4dchen angefertigt worden sein. Daneben liegt ein Beschneidungsmesser aus Eisen, kaum gr\u00f6\u00dfer als eine Rasierklinge.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>\u201eCelebrating Womanhood. Kulturerbe vom Kilimandscharo\u201c<\/strong>. Linden-Museum Stuttgart, bis 7. Juni<\/p>\n<p>      Beschneidungsverbot, westlicher Import?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">Wandtexte kl\u00e4ren dar\u00fcber auf, dass in Tansania seit den 1950er-Jahren die M\u00e4dchenbeschneidung, bei der die Klitoris oder Teile der Klitoris entfernt werden, kaum noch praktiziert wird. Seit 1998 ist <a href=\"https:\/\/taz.de\/Weibliche-Genitalverstuemmelung-in-Kenia\/!6136601\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die weibliche Genitalverst\u00fcmmelung verboten<\/a>. Wie Statistiken der Beratungsstellen jedoch zeigen, werden M\u00e4dchen weltweit weiterhin Opfer dieses archaischen Rituals.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Die Ausstellung spart diese Problematik nicht aus. Sie enth\u00e4lt sich aber eines Kommentars. Fiona Siegenthaler: \u201eWir wollten keine Bewertung vorgeben, sondern verschiedene Perspektiven erm\u00f6glichen.\u201c So ist auch zu lesen, dass Traditionalisten die internationalen Menschenrechte \u2013 und damit das Verbot der Beschneidung \u2013 nicht anerkennen, weil sie ein Produkt westlicher Kultur seien.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Die Beschneidung ist nicht nur eine Tortur und verursacht lebenslang Schmerzen, sie nimmt den Frauen auch die Lust am Geschlechtsverkehr. Das Ritual stand f\u00fcr den \u00dcbergang heranwachsender M\u00e4dchen zu heiratsf\u00e4higen Frauen, die beim Verkehr starr wie B\u00e4ume sein sollten. Verweigerung f\u00fchrte zu sozialer Ausgrenzung. Das belegt ein Liedtext, der nun vergr\u00f6\u00dfert auf eine Plexiglasscheibe gedruckt ist. \u00dcber einen Kontakt Silayos zum <a href=\"https:\/\/taz.de\/In-der-Konservendose\/!582015&amp;s=Phonogrammarchiv\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Phonogrammarchiv<\/a> des Humboldt Forums Berlin erfuhr das Kuratoren-Team von einem vor mehr als hundert Jahren aufgenommenen Lied, das von Ndesamiro erz\u00e4hlt, einem M\u00e4dchen, das vor der Beschneidung geflohen war.<\/p>\n<p>      Kulturerbe der Chagga<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Ein <a href=\"https:\/\/sammlung-digital.lindenmuseum.de\/de\/thema\/geschichten-der-chagga-am-kilimandscharo-landschaft-erinnerung-museen_17647\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Feature auf der Homepage<\/a> liefert den kolonialen Kontext der Ausstellung, die exemplarisch Silayos Ergebnisse des zweij\u00e4hrigen Forschungsprojekts zum Kulturerbe der Chagga am Linden-Museum zeigt.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/8396900\/1200\/Valence-Silayo-und-Fiona-Siegenthaler-Eroeffnung-Copyright-Linden-Museum-Stuttgart-Foto-Dominik-Drasdow.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"675\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Valence-Silayo-und-Fiona-Siegenthaler-Eroeffnung-Copyright-Linden-Museum-Stuttgart-Foto-Dominik-Dras.webp\" alt=\"Die beiden Kurator:innen der Ausstellung, Valence Silayo und Fiona Siegenthaler, stehen vor einer Vitrine mit K\u00f6rperschmuck in der Ausstellung &quot;Celebrating Womanhood&quot;\" title=\"Die beiden Kurator:innen der Ausstellung, Valence Silayo und Fiona Siegenthaler, stehen vor einer Vitrine mit K\u00f6rperschmuck in der Ausstellung &quot;Celebrating Womanhood&quot;\" height=\"374\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Valence Silayo (Mitte) und Fiona Siegenthaler (rechts) kuratierten die Ausstellung \u201eCelebrating Womanhood\u201c<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nDominik Drasdow\/Linden-Museum Stuttgart<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">1890 \u00fcbernahm das Deutsche Reich die sogenannten Schutzgebiete der Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG). Mit der Verstaatlichung der Kolonie wurde Moshi, s\u00fcdlich des Kilimandscharo-Massivs gelegen, zum Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt. Der Leiter der Station, Kurt Johannes, lie\u00df 1900 Manga Meli, den Anf\u00fchrer der Chagga, h\u00e4ngen, um den Widerstand der Einheimischen gegen die Kolonisten zu brechen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">Johannes&#8216; Name ist auf vielen Objektschildern der Stuttgarter Ausstellung zu lesen. Auch sein Mitarbeiter Moritz Merker habe viel fotografiert, berichtet Siegenthaler. Es habe sich sogar eine Aufnahme von zwei M\u00e4dchen in Initiationsbekleidung gefunden. Sie wurde aber nicht in die Ausstellung \u00fcbernommen, offenbar weil damit der koloniale Kontext zu sehr in den Vordergrund getreten w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">Der Kolonialismus ist bei der Aufarbeitung der Best\u00e4nde ethnologischer Museen allgegenw\u00e4rtig. Auch Silayo \u00e4u\u00dferte in Interviews mehrfach den Wunsch, das materielle kulturelle Erbe der Chagga nach Hause zu bringen, unter anderem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rueckgabe-von-Beutekunst\/!6084450\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in der taz<\/a>.<\/p>\n<p>      Museen als Mittler im Restitutionsverfahren<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"14\">\u201eAus Provenienzforschung resultiert nicht automatisch Restitution\u201c, sagt die Direktorin des Linden-Museums, In\u00e9s de Castro. F\u00fcr sie steht die gemeinschaftliche Erforschung der Objekte aus kolonialem Kontext im Zentrum. Dem Community-Ansatz geh\u00f6re die Zukunft der Museumsarbeit. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Restitution-geraubter-Kulturgueter\/!6131005\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Restitution werde von Komitees zwischen Staaten verhandelt<\/a>, die Museen seien nur Mittler.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"15\">Als solche ist ihre Arbeit f\u00fcr das Ergebnis jedoch entscheidend. Das Linden-Museum initiierte zuletzt selbst zusammen mit dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Kulturgutverluste ein Forschungsprojekt zu den Best\u00e4nden aus Kamerun in deutschen Museen, das auch die Grundlage f\u00fcr Restitutionen schaffen soll. In\u00e9s des Castro sprach von \u201eeinem neuen partnerschaftlichen Weg in der Aufarbeitung der Kolonialzeit, der Br\u00fccken in die Zukunft bauen m\u00f6chte\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"16\">Bis diese Br\u00fccken tragf\u00e4hig sind, scheint es geboten, selbst archaische Traditionen wie die Beschneidung ausgewogen darzustellen \u2013 mit R\u00fccksicht auf die Herkunftsgemeinschaften. Das ist ein ziemlicher Balanceakt, wenn nicht sogar ein moralisches Dilemma. Insofern ist es gut, dass dies schwierige Thema in Stuttgart nicht komplett ausgegrenzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In dem abgedunkelten Raum stehen Vitrinen, in denen perlenbestickter Schmuck schimmert: ein Rock, ein Halsschmuck, ein Armschmuck, H\u00fcftringe.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1017336,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,30,1441],"class_list":{"0":"post-1017335","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116570397626037828","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1017335"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017335\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1017336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1017335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1017335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1017335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}