{"id":1017565,"date":"2026-05-14T03:58:14","date_gmt":"2026-05-14T03:58:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1017565\/"},"modified":"2026-05-14T03:58:14","modified_gmt":"2026-05-14T03:58:14","slug":"game-of-drones-wie-die-ukraine-vom-bittsteller-zum-ruestungsriesen-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1017565\/","title":{"rendered":"Game of Drones: Wie die Ukraine vom Bittsteller zum R\u00fcstungsriesen wurde"},"content":{"rendered":"<p>Als <strong>Armin Papperger<\/strong> vor einiger Zeit meinte, in der Ukraine sehe er keinerlei sinnvolle Innovation, erntete er viel Gel\u00e4chter. \u201eLego-Spielzeug\u201c w\u00fcrden die \u201eukrainischen Hausfrauen in ihren K\u00fcchen\u201c herstellen, sagte der stets wortgewaltige Chef des deutschen R\u00fcstungsriesen <strong>Rheinmetall<\/strong> \u00fcber die Drohnenproduktion des Landes. Mit 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz im R\u00fccken l\u00e4sst sich so etwas leicht behaupten.<\/p>\n<p>Mittlerweile kann man sagen: Der Satz ist schlecht gealtert. Am Dienstag wurde publik, dass das US-Pentagon dabei ist, ukrainische Drohnen zu Testzwecken zu bestellen. Und in Berlin debattiert man dar\u00fcber, ob man die Tomahawks, die US-Pr\u00e4sident <strong>Donald Trump<\/strong> aus Zorn \u00fcber den renitenten <strong>Friedrich Merz<\/strong> nun doch nicht in Deutschland stationieren will, durch Systeme aus der Ukraine ersetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Welt der R\u00fcstung hat sich damit einigerma\u00dfen verkehrt. Die Ukraine, die seit 2022 vom westlichen Waffenkonzernen abh\u00e4ngig war wie kaum ein anderes Land der Welt, hat sich selbst zum Schwergewicht der R\u00fcstungsindustrie gemausert. Bevor <strong>Wladimir Putin<\/strong> das Land zu seinem Schlachtfeld machte, wurden gerade mal 3000 Drohnen pro Jahr gefertigt. Mittlerweile sind es 4,5 Millionen, Kapazit\u00e4ten g\u00e4be es sogar f\u00fcr zehn Millionen.<\/p>\n<p>    Findige Soldaten<\/p>\n<p>M\u00f6glich machten das genau jene \u201eHausfrauen\u201c, \u00fcber die Papperger spottete \u2013 sprich Unterst\u00fctzer aus der Bev\u00f6lkerung und experimentierfreudige Soldaten. W\u00e4hrend Russland die Ukraine bald nach Kriegsbeginn mit iranischen <strong>Shahed<\/strong>-Drohnen \u00fcberzog, wartete man in Kiew monatelang auf westliche Hilfe. Effektive Luftabwehr traf erst ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn ein, Panzer folgten \u00fcberhaupt erst im ersten Kriegswinter.<\/p>\n<p>An der Front behalfen sich Soldaten darum mit Do-it-yourself-Waffen. Sie kauften Drohnen, oft finanziert durch <strong>Crowdfunding<\/strong>-Kampagnen im Netz, montierten Granaten darauf und attackierten den Gegner. Die Streitkr\u00e4fte machten daraus ein Erfolgsmodell, gr\u00fcndeten 2023 die weltweit ersten Drohnenkompanien; parallel f\u00f6rderte der Staat Firmen, die Drohnen herstellten \u2013 in Garagen, Werkst\u00e4tten, K\u00fcchen.<\/p>\n<p>Dank des Geldflusses aus Kiew \u2013 2025 gingen mit 23 Milliarden Dollar fast ein F\u00fcnftel des Staatsbudgets in den Drohnenbereich \u2013 floriert der Sektor. Seit 2023 schreibt die Branche schwarze Zahlen, mittlerweile gibt es mehr als 500 Drohnenhersteller und ebenso viele Defense-Tech-Start-ups im Land \u2013 die Szene \u00e4hnelt damit eher einem <strong>milit\u00e4rischen Silicon Valley<\/strong> als klassischer R\u00fcstungsindustrie. An der Front macht sich das bezahlt: 85 Prozent der Treffer werden mittlerweile per Drohne erzielt, zu einem Bruchteil der Kosten traditioneller Waffen.<\/p>\n<p>    Unabh\u00e4ngiger vom Westen<\/p>\n<p>Das macht Kiew nicht nur unabh\u00e4ngiger von politischen Stimmungsschwankungen im Westen, die ukrainische Produktion wird so auch f\u00fcrs Ausland interessant. <strong>Saudi-Arabien<\/strong>, die <strong>Vereinigten Arabischen Emirate<\/strong> und <strong>Katar<\/strong> etwa haben nach den Angriffen Irans ihre teuren, West-Waffen teils durch ukrainisches Ger\u00e4t ersetzt. <strong>Kanada<\/strong>, <strong>D\u00e4nemark<\/strong>, <strong>Deutschland<\/strong>, <strong>Litauen<\/strong>, <strong>Norwegen<\/strong> und <strong>Gro\u00dfbritannien<\/strong> planen Drohenbau-Joint-Ventures mit Kiew.<\/p>\n<p>Dass nun auch die USA Interesse an ukrainischen Entwicklungen zeigt, ist f\u00fcr das kriegsgebeutelte Land aber das gr\u00f6\u00dfte Geschenk. \u201eWir wissen mehr \u00fcber Drohnen als jeder andere. Wir haben sogar die besten Drohnen der Welt\u201c, sagte US-Pr\u00e4sident ta_chunk_0 noch zur Beginn des Irankriegs, als sein ukrainischer Amtskollege ihm Hilfe anbot. Ganz stimmt das nicht mehr. Zwar war die US-R\u00fcstungsindustrie jahrelang f\u00fchrend im Drohnenbau, die <strong>Reaper<\/strong> \u2013 mit ihr wurden in <strong>Afghanistan<\/strong> und im <strong>Irak<\/strong> gezielte T\u00f6tungen vorgenommen \u2013 war lange Symbol amerikanischer Fernkriegsf\u00fchrung. Doch der Ukrainekrieg hat die Lage ver\u00e4ndert. Statt weniger hochkomplexer Systeme z\u00e4hlen pl\u00f6tzlich Masse, Geschwindigkeit und niedrige Produktionskosten. Gegen\u00fcber ukrainischen Wegwerfwaffen wirkt eine Reaper heute beinahe absurd teuer: Eine Maschine aus den letzten Produktionsreihen kostete rund 16 Millionen Dollar, 2025 wurde die Fertigung eingestellt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein weiterer strategischer Vorteil der Ukraine: \u00dcber das eigens entwickelte Gefechtsf\u00fchrungssystem DELTA analysiert das Land mit Hilfe von KI alle Bewegungen vom Schlachtfeld beinahe in Echtzeit \u2013 ein entscheidender Schritt in Richtung automatisierter Kriegsf\u00fchrung. F\u00fcr R\u00fcstungsfirmen sind diese Daten eine Goldgrube. Bisher verf\u00fcgten vor allem die USA \u00fcber vergleichbare Daten; ihre Konzerne konnten ihre Systeme so schneller trainieren und weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Europa hatte diesen Vorteil nie \u2013 bis jetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Armin Papperger vor einiger Zeit meinte, in der Ukraine sehe er keinerlei sinnvolle Innovation, erntete er viel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1017566,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-1017565","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116570928337130885","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1017565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017565\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1017566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1017565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1017565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1017565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}