{"id":1018338,"date":"2026-05-14T11:18:18","date_gmt":"2026-05-14T11:18:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018338\/"},"modified":"2026-05-14T11:18:18","modified_gmt":"2026-05-14T11:18:18","slug":"duesseldorfer-ist-deep-talk-coach-hier-sitzen-die-maenner-die-sich-hinterfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018338\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorfer ist Deep Talk-Coach: \u201eHier sitzen die M\u00e4nner, die sich hinterfragen\u201c"},"content":{"rendered":"<p data-tts-first-paragraph=\"\" class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Tom M\u00fcller sitzt in einem D\u00fcsseldorfer Caf\u00e9, bestellt einen Kakao \u2013 mit Hafermilch \u2013 und sagt einen Satz, der klingt, als h\u00e4tte er ihn tausendmal gedacht, aber selten ausgesprochen: \u201eHinter verschlossenen T\u00fcren merkt man, M\u00e4nner sind soziale Wesen.\u201c<\/p>\n<p>Seit drei Jahren veranstaltet er in D\u00fcsseldorf geschlossene Deeptalk-Kreise: in gemischten Gruppen, aber eben auch in Runden, in die nur M\u00e4nner kommen. Zw\u00f6lf Pl\u00e4tze gibt es. Ein Gro\u00dfteil der Teilnehmer kommt regelm\u00e4\u00dfig zu den Treffen, die oft in den kreativen Vierteln wie <strong>Flingern oder Unterbilk<\/strong> stattfinden.<\/p>\n<p>Neuanfang nach Trennung: Tom M\u00fcller setzt auf Gruppenintelligenz<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Gestartet hat Tom M\u00fcller als Moderator f\u00fcr Unternehmen in Projekten oder Krisen. Einmal moderierte er 28 Ingenieure \u2013 14 bauten Elektromotoren, 14 Verbrenner \u2013 und sie sollten gemeinsam eine Roadmap entwickeln. Er nennt das Gruppenintelligenz: keine Schwarmintelligenz, keine Masse, sondern eine heterogene Gruppe, die gemeinsam eine Idee entwickelt.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Diese Form der Unternehmensberatung betrieb er gemeinsam mit seiner damaligen Frau. Als diese nach 25 Jahren Beziehung sagte: \u201eIch kann mir auch noch ein Leben ohne dich vorstellen\u201c, gab M\u00fcller nicht nur das gemeinsame Leben auf. Er orientierte sich auch beruflich neu, begab sich in Therapie und wollte die Gruppenintelligenz, die er kannte, nutzen, um anderen aus schweren Zeiten herauszuhelfen \u2013 wie der, die er gerade selbst durchlebte.<\/p>\n<p>  Zwischen Burnout und Vaterschaft: Wer besucht die M\u00e4nnergruppen?<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Trennungen und Beziehungen sind in seinen Deeptalk-Kreisen h\u00e4ufig ein Thema. Doch der Abend beginnt immer gleich: M\u00fcller leitet eine kurze Achtsamkeits\u00fcbung an \u2013 wie die F\u00fc\u00dfe auf dem Boden stehen, wie der Atem geht, wie man einen Gedanken ziehen l\u00e4sst, ohne ihm hinterherzulaufen. Dann kommt die erste Frage in die Runde: Wer oder was bist du? Wie einzigartig bist du? <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Was er anbietet, ist keine Therapie, sondern Coaching. \u201eEine Therapie behandelt oder heilt\u201c, sagt M\u00fcller. \u201eCoaching fragt: Wo willst du hin? Ich frage: Wo bist du gerade?\u201c <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Die M\u00e4nner, die kommen, sind zwischen 28 und 83 Jahre alt. Rund 80 Prozent sind seit zwei oder drei Jahren regelm\u00e4\u00dfig dabei. Es gibt M\u00e4nner mit ADHS, M\u00e4nner, die eine Drogenkarriere hinter sich haben, oder M\u00e4nner, die nur ihr Aktienportfolio im Blick hatten \u2013 bis sie merkten, dass das nicht reicht. In der Altersstruktur liegen eigene Geschichten: Die J\u00fcngeren ringen mit Vaterschaft, Beziehung und Karriere gleichzeitig. Ab Mitte vierzig kommen Burnouts. Um die 55 fragt man sich: Wer bin ich noch, wenn die Arbeit wegf\u00e4llt? Und dann sitzt ein 83-J\u00e4hriger im Kreis und sagt, er habe langsam die Absprungkante erreicht. Das macht etwas mit den anderen.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/411930978_1778667570_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Tom M\u00fcller M\u00e4nner Deeptalks\" title=\"Tom M\u00fcller macht sich Notizen.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Tom M\u00fcller macht sich Notizen.<br \/>\n      \u00a9 keiner | Jalica Engelbarts\n    <\/p>\n<p>  Resilienz durch Zuh\u00f6ren: Die Regeln des Kreises<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Die Regel des Kreises ist simpel: Wer redet, bekommt den Raum. Die anderen h\u00f6ren zu \u2013 ohne zu kommentieren, ohne eigene Geschichten dazwischenzuschieben. \u201eWenn jemand von etwas erz\u00e4hlt und jemand unterbricht mit, das kenne ich auch, dann ist der andere aus seinem Rede- und Gedankenfluss raus.\u201c Nach einer Viertelstunde, sagt M\u00fcller, denken die meisten, sie kennen sich ewig.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">+++ <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/nrz_duesseldorf\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Folgen Sie der NRZ D\u00fcsseldorf jetzt auch bei Instagram!<\/a> +++<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Das hat f\u00fcr ihn zwei Dimensionen. Wer \u00fcber sich spricht und sich selbst zuh\u00f6rt, setzt sich noch intensiver damit auseinander und gewinnt dabei Abstand. Wer zuh\u00f6rt, wird angehalten, die eigenen Reaktionen zu beobachten: Urteile ich? Bin ich schon bei mir? Wenn jemand dieselbe Geschichte zum dritten Mal erz\u00e4hlt, unterbricht M\u00fcller: \u201eDas hast du genau so schon erz\u00e4hlt. Was ist das Neue?\u201c Was dabei entsteht, nennt er Resilienz \u2013 die F\u00e4higkeit, Probleme durch Reflexion selbst zu l\u00f6sen, statt immer wieder gegen dieselbe Wand zu laufen.<\/p>\n<blockquote class=\"mx-auto my-10 flex flex-col items-center gap-y-4 text-center md:w-[80%]\">\n<p class=\"rich-text expressive-copy-xl text-copy-primary\">Du musst den Ton angeben, dich nicht entschuldigen, dich rar machen. Das finde ich total doof.<\/p>\n<p>       Tom M\u00fcller, Deeptalk-Coach\n    <\/p><\/blockquote>\n<p>  Gegenentwurf zu Andrew Tate und toxischer M\u00e4nnlichkeit<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Drau\u00dfen, im Netz, l\u00e4uft w\u00e4hrenddessen eine andere Debatte \u00fcber M\u00e4nner. M\u00e4nner wie Andrew Tate, der sich selbst \u201eAlpha Male\u201c nennt. \u201eDu musst den Ton angeben, dich nicht entschuldigen, dich rar machen.\u201c M\u00fcller h\u00f6rt das und sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eDas finde ich total doof.\u201c Manchmal sitzen M\u00e4nner in seinen Kreisen, die mit solchen Inhalten in Ber\u00fchrung gekommen sind. \u201eBei mir geht es nicht darum, wie kriege ich eine Frau ins Bett. Hier sitzen die M\u00e4nner, die sich hinterfragen.\u201c Und dann sagt er den Satz, den er oft denkt: \u201eEigentlich kommen zu mir nur die Guten. Die, die etwas an sich \u00e4ndern wollen.\u201c<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Warum aber braucht es R\u00e4ume nur f\u00fcr M\u00e4nner? Die Gespr\u00e4che am Tresen, sagt M\u00fcller, laufen immer auf dasselbe hinaus: alle bl\u00f6d au\u00dfer mir. Das k\u00f6nne es nicht sein. In seinen Kreisen geht es nicht um Solidarit\u00e4t, sondern um kritische Auseinandersetzung. Wer immer wieder Beziehungen f\u00fchrt, die nach vier Monaten enden, ist die Konstante \u2013 und das muss ausgesprochen werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wut und famili\u00e4re Traumata \u00fcberwinden<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Auch Wut ist in seinen Kreisen ein Thema. M\u00fcller beschreibt sie nicht als Pers\u00f6nlichkeitsmerkmal, sondern als H\u00fclle. \u201eF\u00fcr mich war Wut immer wie ein gusseiserner Deckel, der \u00fcber dem Gef\u00fchl sitzt.\u201c Darunter liegen oft Angst, Trauer, Schmerz. Bis der Deckel zu wackeln beginnt, hat sich darunter schon einiges angestaut.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\"><strong>Lesen Sie auch diese Nachrichten aus D\u00fcsseldorf<\/strong><\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Warum M\u00e4nner so verkapseln, hat f\u00fcr M\u00fcller einen einfachen Grund: Sie lernen es fr\u00fch. St\u00e4rke zeigen, nicht klagen, weitermachen. Gef\u00fchle geh\u00f6ren nicht nach au\u00dfen. Sexualit\u00e4t, Missbrauch, Scham \u2013 das sind Themen, bei denen es in seinen Kreisen leiser wird. Sie fallen h\u00f6chstens als Randnotiz. \u201eDas ist dieses In-sich-Reinfressen.\u201c M\u00fcller kennt das aus eigener Erfahrung. Er verlor seinen Vater mit neun Jahren \u2013 und schon am Grab sagten ihm die Erwachsenen: Du musst jetzt stark sein, du bist jetzt der Mann im Haus. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Er hat gesehen, wie famili\u00e4re Traumata sich still fortschreiben, von Generation zu Generation, in Familien, in denen man sagte: Ich gehe doch nicht zum Psychiater, ich bin doch nicht verr\u00fcckt. In seinen Kreisen beobachtet er M\u00e4nner, die genau das langsam aufdr\u00f6seln \u2013 die lernen, von einem Gef\u00fchl zu ihrem eigenen Bed\u00fcrfnis zu kommen. \u201eEs lohnt sich, zu fragen: Was ist mein Anteil daran und was kann ich \u00e4ndern?\u201c<\/p>\n<p>    <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tom M\u00fcller sitzt in einem D\u00fcsseldorfer Caf\u00e9, bestellt einen Kakao \u2013 mit Hafermilch \u2013 und sagt einen Satz,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1018339,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[3364,29,3405,30,1209],"class_list":{"0":"post-1018338","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-duesseldorf","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116572658630400855","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1018338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1018338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1018338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1018339"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1018338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1018338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1018338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}