{"id":1018499,"date":"2026-05-14T12:49:16","date_gmt":"2026-05-14T12:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018499\/"},"modified":"2026-05-14T12:49:16","modified_gmt":"2026-05-14T12:49:16","slug":"muenchen-parkhausmord-2006-zweifel-am-urteil-nach-20-jahren-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018499\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen Parkhausmord 2006: Zweifel am Urteil nach 20 Jahren &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer der aufsehenerregendsten Kriminalf\u00e4lle M\u00fcnchens in j\u00fcngerer Vergangenheit j\u00e4hrt sich an diesem Freitag zum 20. Mal: die Ermordung von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Charlotte_B%C3%B6hringer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Charlotte B\u00f6hringer<\/a>, einer verm\u00f6genden Witwe, die sich in den Kreisen der besseren Gesellschaft bewegte. Die damals 59-J\u00e4hrige war am Abend des 15. Mai 2006 brutal erschlagen und am n\u00e4chsten Tag von ihrem Neffen und einem Angestellten gefunden worden, in ihrer Wohnung auf dem Dach ihres Parkhauses in der Baaderstra\u00dfe. Der Tatort gab dem Fall einen pr\u00e4gnanten Namen: Parkhausmord.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der zwei Jahrzehnte zur\u00fcckliegende Kriminalfall entwickelt sich freilich gerade zu einer scheinbar unendlichen Geschichte\u00a0\u2013 obwohl er in den Augen der bayerischen Justiz als l\u00e4ngst aufgekl\u00e4rt gilt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/6e26023d-56fa-4038-a1c8-773fde20ee00.jpg\"   alt=\"Die Leiche B\u00f6hringers wurde in der Wohnung auf dem Dach ihres Parkhauses in der Baaderstra\u00dfe in M\u00fcnchen gefunden.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Die Leiche B\u00f6hringers wurde in der Wohnung auf dem Dach ihres Parkhauses in der Baaderstra\u00dfe in M\u00fcnchen gefunden. Robert Haas<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">B\u00f6hringers Neffe Benedikt T. ist im August 2008 vom Landgericht <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> wegen Mordes verurteilt worden; im April 2023 wurde er auf Bew\u00e4hrung aus der Haft entlassen. Dennoch ist die Angelegenheit nicht zu den Akten ins Archiv verfrachtet worden. Das Urteil war umstritten, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/muenchen\/muenchen-parkhausmord-charlotte-boehringer-benedict-t-wiederaufnahme-e261172\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">T. hat stets seine Unschuld beteuert; bis heute k\u00e4mpft er um seine Rehabilitierung und einen Freispruch<\/a>. Beim Oberlandesgericht (OLG) M\u00fcnchen liegt ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens, der dritte mittlerweile. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/parkhausmord-muenchen-wiederaufnahme-verfassungsbeschwerde-li.3319488\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">F\u00fcr den Fall, dass dieser ebenso abgelehnt werden sollte wie die vorherigen, hat T.s Anwalt Peter Witting angek\u00fcndigt, mit den Akten zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe zu gehen<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDie M\u00fchlen der Justiz mahlen langsam, aber so langsam m\u00fcssen sie auch nicht mahlen\u201c, kritisiert Witting: \u201eDas OLG tut gar nichts, zumindest nichts f\u00fcr mich Erkennbares.\u201c Das sieht man beim OLG anders. Einen Zeitpunkt f\u00fcr eine Entscheidung k\u00f6nne er \u201ederzeit nicht nennen\u201c, l\u00e4sst OLG-Sprecher Laurent Lafleur wissen: \u201eDie Bearbeitungsdauer ist auf den gro\u00dfen Umfang und die erhebliche Komplexit\u00e4t des Verfahrens zur\u00fcckzuf\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Schon der Prozess in den Jahren 2007 und 2008 war mit 93 Verhandlungstagen einer der l\u00e4ngsten in der M\u00fcnchner Gerichtsgeschichte \u2013 da es weder ein Gest\u00e4ndnis noch eine Tatwaffe noch Augenzeugen gab, wurde das Urteil nur aufgrund von Indizien gef\u00e4llt. Der damalige Richter Manfred G\u00f6tzl schmiedete eine Kette von 14 solcher Indizien, die seiner Ansicht nach in ihrer Gesamtheit auf Benedikt T. als T\u00e4ter deuteten. Als Motiv legte der Richter zugrunde, dass T. den Abbruch seines Jura-Studiums vertuschen wollte, das seine Tante als Voraussetzung verlangt hatte, um sp\u00e4ter die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Parkhauses zu \u00fcbernehmen. Einen anderen T\u00e4ter oder ein anderes Motiv schloss G\u00f6tzl in seiner Urteilsbegr\u00fcndung kategorisch aus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dass man rund die H\u00e4lfte dieser 14 Indizien auch zugunsten des Angeklagten h\u00e4tte auslegen k\u00f6nnen, fanden nicht nur T.s Verteidiger, sondern auch andere Rechtsgelehrte und Kriminalisten. Das f\u00fchrte im Lauf der Jahre immer wieder zu Antr\u00e4gen auf Revision oder Wiederaufnahme des Verfahrens. Wittings j\u00fcngster Antrag umfasst 375 Seiten. Darin enthalten sind ausf\u00fchrlich belegte Hinweise auf einen anderen Tatablauf, als vom Landgericht angenommen sowie auf weitere Motive, mithin also auf andere m\u00f6gliche T\u00e4ter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eingereicht hatte Witting diesen Antrag im September 2022, vor mehr als dreieinhalb Jahren. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/parkhausmord-charlotte-boehringer-benedikt-t-landgericht-augsburg-lux.CuvnxjBZkH446GQrct3tKY\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nach zwei Jahren Aktenstudium hatte das Amtsgericht Augsburg, an welches die Pr\u00fcfung verwiesen worden war, im Dezember 2024 tats\u00e4chlich zwei Punkte der Argumentation f\u00fcr schl\u00fcssig und zul\u00e4ssig befunden.<\/a> Zum einen ging es um eine wom\u00f6glich falsche Aussage einer Zeugin im Prozess, zum anderen um neue Gutachten zum Tatgeschehen. Beides seien \u201em\u00f6glicherweise neue Beweismittel\u201c, teilten die Augsburger Richter mit; sie schlossen deshalb \u201eeine m\u00f6gliche Auswirkung auf den Schuldspruch nicht aus\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDas ist man den Betroffenen schuldig, dass man Klarheit schafft\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch sowohl die Staatsanwaltschaft in Augsburg als auch die Generalstaatsanwaltschaft in M\u00fcnchen legten umgehend Beschwerde dagegen ein, den Prozess noch einmal aufzurollen. Seitdem liegen die Akten f\u00fcr eine endg\u00fcltige Entscheidung beim OLG M\u00fcnchen. Im September 2025 hat Witting zuletzt eine Stellungnahme dazu abgegeben. Er h\u00e4lt die lange Bearbeitung f\u00fcr \u201eunzumutbar\u201c und findet: \u201eDas ist man den Betroffenen schuldig, dass man Klarheit schafft.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit dem Parkhausmord hat es weitere F\u00e4lle gegeben, in denen die bayerische Justiz sich schwer tat, ein Urteil zu revidieren. Bei dem 2006 f\u00e4lschlicherweise in die Psychiatrie eingewiesenen Gustl Mollath aus N\u00fcrnberg dauerte es acht Jahre. Der 2010 wegen eines vermeintlichen Mordes an einer Rentnerin in Rottach-Egern verurteilte Manfred Genditzki sa\u00df sogar 13 Jahre in Haft, ehe er letztlich freigesprochen wurde: Mit Hilfe neuer Gutachten stellte sich der Tod der Rentnerin als Unfall heraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einer der aufsehenerregendsten Kriminalf\u00e4lle M\u00fcnchens in j\u00fcngerer Vergangenheit j\u00e4hrt sich an diesem Freitag zum 20. 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