{"id":1018511,"date":"2026-05-14T12:55:24","date_gmt":"2026-05-14T12:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018511\/"},"modified":"2026-05-14T12:55:24","modified_gmt":"2026-05-14T12:55:24","slug":"kulturzentrum-in-berlin-gruene-wollen-russisches-haus-in-der-hauptstadt-dichtmachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018511\/","title":{"rendered":"Kultur\u00adzentrum in Berlin \u2013 Gr\u00fcne wollen Russisches Haus in der Hauptstadt dichtmachen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321562\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321562.jpeg\" alt=\"Das Russische Haus z\u00e4hlt nach eigenen Angaben rund 200\u2009000 Besucher im Jahr.\"\/><\/p>\n<p>Das Russische Haus z\u00e4hlt nach eigenen Angaben rund 200\u2009000 Besucher im Jahr.<\/p>\n<p>Foto: Imago\/Berlinfoto<\/p>\n<p>Die EU-Sanktionen gehen am Russischen Haus in Berlin nicht spurlos vor\u00fcber. Am 2.\u2005April wurde dort eine kleine Ausstellung \u00fcber die sowjetischen Offiziere <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198772.kalter-krieg-abgestuerzt-aus-dem-unendlichen-himmel.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Boris Kapustin und Juri Janow<\/a> er\u00f6ffnet. Sie hatten, nachdem 1966 am Himmel \u00fcber Westberlin beide Triebwerke ihres Jagdflugzeugs ausgefallen waren, die Maschine noch in den St\u00f6\u00dfensee gelenkt und waren dabei t\u00f6dlich verungl\u00fcckt. Sie h\u00e4tten rechtzeitig mit dem Fallschirm abspringen k\u00f6nnen. Doch dann w\u00e4re das Flugzeug in ein Wohngebiet gekracht und Hunderte Menschen w\u00e4ren gestorben.<\/p>\n<p>Der damalige Regierende B\u00fcrgermeister Willy Brandt (SPD) w\u00fcrdigte mitten im Kalten Krieg diese Heldentat von Kapustin und Janow in einer Fernseh\u00fcbertragung des Senders Freies Berlin (SFB). Ausstellungsmacher <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194841.antifaschismus-russische-widerstandskaempfer-in-nazideutschland.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Hufen<\/a> wollte den Ausschnitt im Russischen Haus zeigen. Er erhielt jedoch vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) keine Lizenz daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Der Abgeordnete Alexander King (BSW) erkundigte sich nach den Gr\u00fcnden und bat, die Entscheidung zu \u00fcberdenken. Von Vize-Chefredakteurin Stephanie Pieper hat er daraufhin schriftlich die Auskunft erhalten, man habe nicht au\u00dfer Acht lassen k\u00f6nnen, wo die Ausstellung zuerst gezeigt werden sollte, bevor sie sp\u00e4ter noch im Luftfahrtmuseum Finowfurt zu sehen ist. Grunds\u00e4tzlich sei der RBB zwar immer geneigt, Ausstellungen mit Archivmaterial zu unterst\u00fctzen. Doch: \u00bbDas Russische Haus in Berlin wird, wie Sie mutma\u00dflich wissen, von der Organisation Rossotrudnitschestwo betrieben. Diese steht im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine seit 2022 auf der EU-Sanktionsliste.\u00ab So schreibt Pieper in einer E-Mail an Alexander King.<\/p>\n<p>Eigentlich versto\u00dfe bereits gegen die EU-Sanktionen, wer sich eine Eintrittskarte f\u00fcr ein Konzert im Russischen Haus kaufe, wird am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion im Pilecki-Institut am Pariser Platz gesagt. Die Podiumsdiskussion wird von zwei Arbeitsgemeinschaften der Gr\u00fcnen veranstaltet \u2013 von der Arbeitsgemeinschaft Ukraine und der Landesarbeitsgemeinschaft Europa. Es sollen Wege aufgezeigt werden, die EU-Sanktionen durchzusetzen.<\/p>\n<p>\u00bbMan darf denen nichts geben\u00ab, argumentiert der per Video\u00fcbertragung zugeschaltete Rechtsanwalt Patrick Heinemann. Aber wer sich eine Eintrittskarte kauft, gibt sein Geld. \u00c4hnlich formuliert es Stephan Bischoff, ein Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Robin Wagener (Gr\u00fcne). Bischoff zufolge d\u00fcrfe das Russische Haus seit 2022 wirtschaftlich nicht aktiv sein, aber das sei es \u00bbfortw\u00e4hrend\u00ab.<\/p>\n<p>Die DDR hatte den Block an der Friedrichstra\u00dfe 176-179 ab Herbst 1981 gebaut und der Sowjetunion geschenkt. Er wurde am 5.\u2005Juli 1984 er\u00f6ffnet. Kulturabkommen von 1993 und 2013 sichern dem Kulturzentrum die Existenz. Der Bund zahlt f\u00fcr das Grundst\u00fcck 70\u2009000 Euro Grundsteuer im Jahr an den Berliner Senat. Es ist quasi ein Austauschgesch\u00e4ft. Denn auf russischem Territorium arbeiten nach wie vor Goethe-Institute.<\/p>\n<p>F\u00fcr Stephan Bischoff aber z\u00e4hlt das alles nicht. \u00bbKeiner dieser Vertr\u00e4ge rechtfertigt das aktuelle Handeln\u00ab, sagt er am Montagabend. \u00bbDie EU-Sanktionen stehen \u00fcber diesen Vertr\u00e4gen.\u00ab Dass Russland als Reaktion auf Ma\u00dfnahmen gegen das Russische Haus in Berlin die Goethe-Institute in Moskau und St.\u2005Petersburg schlie\u00dfen k\u00f6nnte, ficht ihn nicht an. Denn die Goethe-Institute bieten Bischoff zufolge ja nur Deutschkurse an und \u00bbesoterische\u00ab Vortr\u00e4ge zu Mensch und Universum, die \u00bbkeinen Mehrwert\u00ab f\u00fcr die russische Zivilgesellschaft haben. Das sei verzichtbar. Doch das Au\u00dfenministerium sei \u00bbzu tr\u00e4ge\u00ab und ihm fehle der politische Wille, die EU-Sanktionen durchzusetzen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbAm Ende kriegen wir auch noch das Russische Haus geschlossen.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nBettina Jarasch\u2003Gr\u00fcnen-Fraktionschefin<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Ma\u00dfnahmen gegen das Russische Haus einzuklagen, ist allerdings schwierig bis unm\u00f6glich, wie Rechtsanwalt Heinemann eingesteht. Es kann auch nicht einfach der Strom abgeschaltet, sondern maximal die Energiezufuhr auf ein Minimum gedrosselt werden. Heinemanns Ansicht nach k\u00f6nnte man jedoch \u00bbkreativ\u00ab sein und kontrollieren, ob das Kulturzentrum modernen Anforderungen an den Brandschutz noch gen\u00fcge, und falls nicht, deshalb dichtgemacht werden k\u00f6nnte. Au\u00dferdem denkt Heinemann laut nach, ob die alte Baugenehmigung \u00fcberhaupt noch aufzutreiben ist. Falls nicht, k\u00f6nnte das Haus wom\u00f6glich als \u00bbSchwarzbau\u00ab deklariert werden, glaubt er.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen versprechen ihren W\u00e4hlern, etwas gegen das Russische Haus zu unternehmen, wenn sie nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September in der Hauptstadt wieder mitregieren. Dem Regierenden B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) werfen sie Unt\u00e4tigkeit vor.<\/p>\n<p>Die Bezirksb\u00fcrgermeisterin von Berlin-Mitte, Stefanie Remlinger (Gr\u00fcne), hat aber bisher auch nichts unternommen. Remlinger k\u00f6nne allerdings wenig tun, wird sie von Gr\u00fcnen-Fraktionschefin <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199095.wahlen-gruene-ziehen-unmotiviert-in-berliner-abgeordnetenhauswahl.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bettina Jarasch<\/a> in Schutz genommen. Jarasch selbst konnte fr\u00fcher als Berliner Verkehrssenatorin nicht viel mehr tun, als das Russische Haus nicht einzuladen, wenn mit Anliegern \u00fcber eine verkehrsberuhigte Friedrichstra\u00dfe gesprochen wurde. Au\u00dfenpolitik ist nun einmal Sache des Bundes.<\/p>\n<p>Unverdrossen \u00e4u\u00dfert Jarasch am Montagabend: \u00bbAm Ende kriegen wir auch noch das Russischen Haus geschlossen.\u00ab Die Politikerin erinnert an heftige Debatten innerhalb ihrer Partei, ob sie die Menschenrechte verteidigen wollen oder konsequente Pazifisten bleiben, als die sie sich einmal gegr\u00fcndet hatten. Die Menschenrechts-Richtung habe sich durchgesetzt. \u00bbDar\u00fcber bin ich froh\u00ab, sagt Jarasch. Der Krieg des russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin k\u00f6nne das nahe der polnischen Grenze liegende Berlin schnell treffen. Man m\u00fcsse sich vorbereiten, sagt sie.<\/p>\n<p>US-amerikanische Institutionen will Jarasch nicht schlie\u00dfen, obwohl US-Pr\u00e4sident Donald Trump ebenfalls v\u00f6lkerrechtswidrige Angriffskriege f\u00fchrt. Dass die Gr\u00fcnen keine Sympathien f\u00fcr Trump hegen, betont Jarasch. Doch gegen die USA gebe es keine EU-Sanktionen.<\/p>\n<p>Dem Russischen Haus wird am Montagabend wieder einmal vorgeworfen, es mache Propaganda. Als Beleg daf\u00fcr diente in der Vergangenheit immer wieder ein im Kino des Russischen Hauses gezeigter Dokumentarfilm, in dem Ukrainer angeblich als Faschisten dargestellt werden. Wenn aber von 300 Filmen, die von 2022 bis 2025 im Kino des Hauses liefen, nur ein Film Propaganda gewesen sein soll, dann ist das nach Ansicht von <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192829.kulturzentrum-unter-druck-russisches-haus-in-berlin-anton-tschechow-ein-putin-agent.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Direktor Pavel Izvolskiy<\/a> ein Beleg daf\u00fcr, dass das Russische Haus \u00bbeigentlich null Propaganda\u00ab mache. Denn wenn die Kritiker Beispiele derart suchen und finden m\u00fcssten, dann gebe es offensichtlich keine, sagte Izvolskiy dem \u00bbnd\u00ab im vergangenen Jahr. F\u00fcr Politik sei die Botschaft zust\u00e4ndig, winkte er ab. Das Russische Haus k\u00fcmmere sich um Kultur.<\/p>\n<p>Der eine kritisierte Film war eine Dokumentation \u00fcber die Ermordung der Juden in Belarus w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs, der vor lediglich zw\u00f6lf Zuschauern zum 80.\u2005Jahrestag der Vernichtung des Ghettos von Minsk vorgef\u00fchrt wurde, wie Pavel Izvolskiy dem \u00bbnd\u00ab sagte. \u00bbNiemand hat diesen Film gesehen, aber alle behaupten, in diesem Film werden alle Ukrainer als Nazis dargestellt \u2013 und das ist eine L\u00fcge.\u00ab<\/p>\n<p>Gezeigt hatte das Russische Haus \u00fcbrigens auch \u00bbLeto\u00ab (Sommer) \u2013 einen von der Kritik sehr gelobten Spielfilm \u00fcber den unangepassten sowjetischen Rockmusiker Viktor Zoi (1962\u20131990). Regisseur Kirill Serebrennikow war 2017 w\u00e4hrend der Dreharbeiten in St.\u2005Petersburg festgenommen worden, weil er angeblich 68\u2005Millionen Rubel unterschlagen hatte. Weltweite Proteste und ein Brief des franz\u00f6sischen Au\u00dfenministers an Wladimir Putin \u00e4nderten nichts daran: Der Regisseur blieb unter Hausarrest und konnte nicht bei den Filmfestspielen in Cannes auftreten.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321563\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321563.jpeg\" alt=\"F\u00fcr die meisten Veranstaltungen ist der Eintritt frei.\"\/><\/p>\n<p>F\u00fcr die meisten Veranstaltungen ist der Eintritt frei.<\/p>\n<p>Foto: Imago\/Itar-Tass<\/p>\n<p>Dennoch sagt die Ukrainerin Iryna Shulikina \u00fcber das Kulturzentrum an der Friedrichstra\u00dfe: \u00bbEs ist super gruselig.\u00ab Das riesige Haus repr\u00e4sentiere von allen Seiten die russische Macht. Dass der Aggressor hier im Herzen Berlins ungehindert agieren k\u00f6nne, schmerze sie sehr. Shulikina ist Vorsitzende des proukrainischen Vereins Vitsche und bedauert, dass viele Ostdeutsche glauben, die Sowjetunion sei der Befreier vom Faschismus gewesen.<\/p>\n<p>Das klingt nach der Desinformation, die hier eigentlich der Gegenseite vorgeworfen wird. Gr\u00fcnen-Fraktionschefin Bettina Jarasch stellt dann aber klar, man k\u00f6nne russischen und sowjetischen Soldaten nur dankbar sein f\u00fcr die Befreiung vom Faschismus. Doch Wladimir Putin vereinnahme die Geschichte im Krieg gegen die Ukraine.<\/p>\n<p>Der BSW-Abgeordnete <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199218.bsw-bsw-berlin-abschiebung-aus-dem-abgeordnetenhaus.html?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alexander King<\/a> hat die Veranstaltung am Montagabend besucht. Er hat sich geduldig alles angeh\u00f6rt und einmal gefragt, ob die Anwesenden \u00fcberhaupt jemals das Russische Haus besucht haben. King bleibt bei seiner Meinung, dass man dieses Kulturzentrum nicht schlie\u00dfen sollte. \u00bbMan kann nicht zum Frieden kommen, wenn man alle Kontakte abbricht\u00ab, erkl\u00e4rt er dem \u00bbnd\u00ab am Dienstag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Russische Haus z\u00e4hlt nach eigenen Angaben rund 200\u2009000 Besucher im Jahr. 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