{"id":1018879,"date":"2026-05-14T16:23:15","date_gmt":"2026-05-14T16:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018879\/"},"modified":"2026-05-14T16:23:15","modified_gmt":"2026-05-14T16:23:15","slug":"meta-verliert-vor-eu-gericht-italien-darf-zahlungen-an-verlage-erzwingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1018879\/","title":{"rendered":"Meta verliert vor EU-Gericht: Italien darf Zahlungen an Verlage erzwingen"},"content":{"rendered":"<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat eine Grundsatzentscheidung getroffen, die die Machtverh\u00e4ltnisse zwischen Tech-Konzernen und Medienh\u00e4usern neu justiert. Meta scheiterte mit dem Versuch, die italienische Regulierung zur Verg\u00fctung von Presseinhalten zu Fall zu bringen.<\/p>\n<p><strong>Luxemburg<\/strong> \u2013 Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) hat am Dienstag ein wegweisendes Urteil gef\u00e4llt: Nationale Aufsichtsbeh\u00f6rden d\u00fcrfen Digitalkonzerne wie Meta zwingen, f\u00fcr die Nutzung von Nachrichteninhalten zu zahlen. Die Entscheidung im Fall C-797\/23 best\u00e4tigt das italienische Modell, das Plattformen wie Facebook und Instagram zu \u201efairen Verg\u00fctungen\u201c f\u00fcr journalistische Inhalte verpflichtet.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Die Regulierung gro\u00dfer Plattformen nimmt stetig zu, wie die neuen Vorgaben des EU AI Acts f\u00fcr KI-Systeme verdeutlichen. 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Die sogenannten \u201eNachbarschaftsrechte\u201c aus Artikel 15 der Richtlinie hinderten Mitgliedstaaten nicht daran, Durchsetzungsmechanismen zu schaffen. Nationale Regulierer d\u00fcrften eingreifen, um eine faire Verg\u00fctung sicherzustellen \u2013 solange diese Zahlungen an die Zustimmung der Verlage zur Nutzung ihrer Inhalte gekoppelt seien.<\/p>\n<p>Transparenz als neues MachtinstrumentLesen Sie auch:<a href=\"https:\/\/borncity.com\/news\/apple-einigt-sich-auf-250-millionen-euro-vergleich\/\" class=\"bc-inline-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Apple einigt sich auf 250-Millionen-Euro-Vergleich<\/a><\/p>\n<p>Ein Kernpunkt des Urteils betrifft die Datenhoheit. Der EuGH best\u00e4tigte AGCOMs Befugnis, von Meta und anderen Plattformen die Offenlegung gesch\u00fctzter Daten zu verlangen \u2013 etwa Nutzeraufrufe, Klickraten und Werbeeinnahmen, die mit der Anzeige von Nachrichteninhalten verbunden sind. Bislang hielten die Tech-Konzerne diese Daten unter Verschluss.<\/p>\n<p>Das Urteil enth\u00e4lt zudem einen Schutz gegen \u201ealgorithmische Vergeltung\u201c. W\u00e4hrend laufender Verhandlungen d\u00fcrfen Plattformen die Sichtbarkeit von Presseinhalten nicht einschr\u00e4nken oder in Suchergebnissen herabstufen. Verlage hatten immer wieder beklagt, dass Tech-Konzerne ihre Kontrolle \u00fcber Traffic als Druckmittel einsetzten, um niedrigere Zahlungen durchzusetzen.<\/p>\n<p>Signalwirkung f\u00fcr die gesamte EU<\/p>\n<p>Italien hatte die EU-Richtlinie 2021 in nationales Recht umgesetzt. AGCOM erhielt 2023 die Befugnis, Verg\u00fctungsbenchmarks festzulegen, bei gescheiterten Verhandlungen zu vermitteln und detaillierte Verkehrs- und Werbedaten anzufordern. Meta hielt dies f\u00fcr einen Versto\u00df gegen europ\u00e4isches Recht \u2013 der EuGH sah das anders.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Verlegervereinigung begr\u00fc\u00dfte die Entscheidung. \u201eQualit\u00e4tsjournalismus h\u00e4ngt davon ab, dass Verlage ihre Investitionen zur\u00fcckverdienen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Angela Mills Wade. \u201eOhne Transparenz und regulatorischen Schutz k\u00f6nnen Medienunternehmen nicht auf Augenh\u00f6he verhandeln.\u201c<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Neben urheberrechtlichen Fragen stellen auch neue Cyber-Risiken und KI-Gesetze Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. 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Verlage in Ungarn und anderen L\u00e4ndern haben bereits Klagen gegen Google und Meta eingereicht, weil die Inhalte f\u00fcr das Training gro\u00dfer Sprachmodelle genutzt wurden.<\/p>\n<p>Rechtsexperten sehen in dem Urteil einen Pr\u00e4zedenzfall, der die rechtlichen Risiken f\u00fcr KI-Entwickler erh\u00f6ht, die Nachrichteninhalte ohne Lizenzvereinbarungen \u201escrapen\u201c oder zusammenfassen. Der EuGH hatte bereits Anfang 2026 Anh\u00f6rungen zu KI und Urheberrecht abgehalten \u2013 die jetzige Entscheidung unterstreicht den \u201eCreator-First\u201c-Ansatz der EU.<\/p>\n<p>Meta zeigt sich gespr\u00e4chsbereit<\/p>\n<p>Ein Meta-Sprecher erkl\u00e4rte, man pr\u00fcfe das Urteil und wolle konstruktiv mit den italienischen Beh\u00f6rden zusammenarbeiten. Der Konzern hatte in der Vergangenheit Zahlungsauflagen bek\u00e4mpft \u2013 in Kanada entfernte er zeitweise s\u00e4mtliche Nachrichteninhalte von seinen Plattformen. Ob Meta eine solche \u201eAtomoption\u201c auch in Europa zieht, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>Die finanzielle Belastung trifft Meta in einer phase versch\u00e4rfter Regulierung. Die EU-Kommission pr\u00fcft derzeit m\u00f6gliche Verst\u00f6\u00dfe gegen das Gesetz \u00fcber digitale Dienste (DSA) im Bereich Jugendschutz \u2013 Strafen von bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes w\u00e4ren m\u00f6glich.<\/p>\n<p>F\u00fcr die europ\u00e4ische Medienbranche ist das Urteil ein echter Erfolg. Indem der EuGH nationale Regulierer als Schiedsrichter im digitalen Nachrichtenmarkt best\u00e4tigt hat, signalisiert er: Die \u00c4ra, in der Plattformen einseitig den Preis f\u00fcr Nachrichteninhalte diktieren, k\u00f6nnte zu Ende gehen. Medienh\u00e4user in ganz Europa d\u00fcrften nun versuchen, ins Stocken geratene Lizenzverhandlungen mit neuer Verhandlungsmacht wieder aufzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat eine Grundsatzentscheidung getroffen, die die Machtverh\u00e4ltnisse zwischen Tech-Konzernen und Medienh\u00e4usern neu justiert. 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