{"id":1019256,"date":"2026-05-14T20:00:18","date_gmt":"2026-05-14T20:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1019256\/"},"modified":"2026-05-14T20:00:18","modified_gmt":"2026-05-14T20:00:18","slug":"kritik-zu-vaterland-wo-brad-pitt-ein-maschinengewehr-braucht-reicht-sandra-hueller-eine-backpfeife","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1019256\/","title":{"rendered":"Kritik zu Vaterland: Wo Brad Pitt ein Maschinengewehr braucht, reicht Sandra H\u00fcller eine Backpfeife"},"content":{"rendered":"<p class=\"bo-p\">Der Titel \u201eVaterland\u201c scheint sich f\u00fcr Was-w\u00e4re-wenn-Szenarien besonders gut zu eignen. So stellt <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/144580.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Robert Harris<\/a> in seinem <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/169850.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1994 mit Rutger Hauer verfilmten<\/a> gleichnamigen Roman die Frage, wie wohl eine Welt im Jahr 1964 aussehen w\u00fcrde, wenn Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen h\u00e4tte. Der polnische Regisseur <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/101543.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pawel Pawlikowski<\/a>, dessen \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/223850.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ida<\/a>\u201c 2015 mit dem Oscar f\u00fcr den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde, macht\u2019s in seinem siebten Langfilm eine Nummer kleiner: In seinem <b>\u201eVaterland\u201c<\/b> geht es \u201enur\u201c um die Frage, wie die Deutschlandreise von Thomas Mann (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/441.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hanns Zischler<\/a>) anl\u00e4sslich der Verleihung von gleich zwei Goethe-Preisen im Jahr 1949 wohl verlaufen w\u00e4re, wenn sich seine Tochter Erika (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/140889.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sandra H\u00fcller<\/a>), die 1933 mit ihm in die USA emigrierte, nicht da noch standhaft geweigert h\u00e4tte, jemals in ihrem Leben wieder deutschen Boden zu betreten.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Im Film jedenfalls begleitet Erika ihren Vater zun\u00e4chst in das von den Westm\u00e4chten kontrollierte Frankfurt am Main (Goethes Geburtsort) und dann in das unter sowjetischer Herrschaft stehende Weimar (Goethes Arbeits- und Sterbeort). Der deutsch-deutsche Roadtrip wird von Pawlikowski und seinem Co-Autor, dem deutschen Regisseur <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/202843.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Henk Handloegten<\/a> (\u201eBabylon Berlin\u201c), in nur 82 Minuten erstaunlich knackig durchgezogen. Ein paar kurze Begegnungen mit neuen Offiziellen und alten Bekannten im Westen, dann dasselbe noch mal im Osten, und pl\u00f6tzlich ist \u201eVaterland\u201c auch schon wieder vorbei. Fast m\u00f6chte man den Film in seinen Mitteln \u201ebescheiden\u201c nennen, aber daf\u00fcr sieht schon die Schwarz-Wei\u00df-Fotografie des bereits zweifach oscarnominierten Kameramanns <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/668342.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lukasz Zal<\/a> (\u201eCold War\u201c) auch diesmal wieder viel zu hochwertig aus \u2013 und dann werden auch noch die allerkleinsten Nebenrollen von namhaften Stars verk\u00f6rpert. <\/p>\n<p>                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" in=\"\" der=\"\" realit=\"\" kehrte=\"\" thomas=\"\" mann=\"\" zischler=\"\" mit=\"\" seiner=\"\" frau=\"\" nach=\"\" deutschland=\"\" zur=\"\" im=\"\" film=\"\" wird=\"\" er=\"\" von=\"\" tochter=\"\" erika=\"\" h=\"\" begleitet.=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/fd06ebe44b7b1d3f8dfb3d4bcf3c3dbb.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" alt=\"In der Realit\u00e4t kehrte Thomas Mann (Hanns Zischler) mit seiner Frau nach Deutschland zur\u00fcck. Im Film wird er von seiner Tochter Erika (Sandra H\u00fcller) begleitet. \"\/><\/p>\n<p>                                    Path\u00e9 Films<\/p>\n<p>                    In der Realit\u00e4t kehrte Thomas Mann (Hanns Zischler) mit seiner Frau nach Deutschland zur\u00fcck. Im Film wird er von seiner Tochter Erika (Sandra H\u00fcller) begleitet. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">So schaut <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/203408.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fritzi Haberlandt<\/a> nur kurz als Kellnerin einer ostdeutschen Kantine vorbei, um zu sagen, dass die K\u00fcche erst um 12 Uhr \u00f6ffnet und es bis dahin nur Sanddornsaft zu trinken gibt. Aber die Begegnungen mit bekannten Pers\u00f6nlichkeiten vom Frankfurter B\u00fcrgermeister (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/173457.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Waldemar Kobus<\/a>) bis zum ersten DDR-Kulturminister Johannes R. Becher (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/96544.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Devid Striesow<\/a>) fallen auch nicht viel ausf\u00fchrlicher aus. Gerade zu Beginn beim Empfang nach der Verleihung in Frankfurt f\u00fchlen sich einige Dialoge an, als sei es vor allem darum gegangen, besonders viele wissenswerte bis am\u00fcsante Wikipedia-Snippets in m\u00f6glichst wenig Zeilen unterzubringen. Wobei Pawlikowski sich und seinem Publikum wiederholt kathartische Ausbr\u00fcche g\u00f6nnt: So l\u00e4sst Thomas Mann die Richard-Wagner-Enkel Wieland (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/264019.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Enno Trebs<\/a>) und Wolfgang (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/253579.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theo Trebs<\/a>) mit einer Bemerkung abblitzen; so sch\u00f6n und treffend kann vermutlich wirklich nur ein Literaturnobelpreistr\u00e4ger beleidigen.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Und wo wir schon bei Was-w\u00e4re-wenn-Szenarien sind: Wo <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/15570.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Quentin Tarantino<\/a> in \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/60208.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Inglourious Basterds<\/a>\u201c, dem Auftakt seiner Alternativ-History-Trilogie, noch <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/12302.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brad Pitt<\/a> das Maschinengewehrfeuer direkt in Adolf Hitlers Visage er\u00f6ffnen lie\u00df, bekommt Erika Mann nun zumindest die Chance, ihrem Ex-Mann Gustaf Gr\u00fcndgens (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/502776.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joachim Meyerhoff<\/a>), dem Nazi-Schauspieler Nr. 1, eine gepfefferte Backpfeife zu verpassen. Eine Aufgabe, die Sandra H\u00fcller nat\u00fcrlich ganz famos bew\u00e4ltigt. Seit ihrem 2023er Cannes-Doppelschlag \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/297303.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anatomie eines Falls<\/a>\u201c und \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/266159.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">The Zone Of Interest<\/a>\u201c scheint sie nicht mehr aufzuhalten zu sein, auch in diesem Jahr hat sie bereits den Silbernen B\u00e4ren der Berlinale f\u00fcr \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/319893.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rose<\/a>\u201c gewonnen und mit \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/282076.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Astronaut<\/a>\u201c einen globalen Megahit gelandet. Es gibt wohl kaum jemanden, den man lieber auf einer Reise durch das zerbombte Deutschland begleiten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Eng und streng<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Aber man sollte aus den kurzen kathartischen Spitzen auch nicht die falschen Schl\u00fcsse ziehen. Wer die bisherigen Filme von Pawlikowski kennt, der wei\u00df, dass seine Arbeiten meist etwas Strenges, oft auch Akademisches an sich haben. \u201eVaterland\u201c ist zwar sein bislang vermutlich kurzweiligster Film, aber auch in der K\u00fcrze der Zeit werden gewichtige Themen verhandelt: Mit seiner deutsch-deutschen Doppel-Rede zum 200. Goethe-Geburtstag sp\u00fcrt Thomas Mann schlie\u00dflich nicht weniger als der Frage nach, ob es so etwas wie ein \u201egutes Deutschland\u201c \u00fcberhaupt jemals geben konnte und selbst jetzt noch geben kann. Kameramann Zal fasst das in gestochenem Schwarz-Wei\u00df in streng-statische 4:3-Bilder, die sogar noch enger als ohnehin schon wirken, weil Pawlikowski den Gro\u00dfteil des Geschehens \u00fcberwiegend in der unteren H\u00e4lfte der Leinwand ansiedelt.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">In der oberen H\u00e4lfte bleibt so oft ungew\u00f6hnlich viel Raum f\u00fcr W\u00e4nde oder Himmel. Aber ein echtes Gef\u00fchl von Freiheit kommt trotzdem nur einmal auf, als Erika Mann in Weimar allein durch einen Park mit Goethe-Statuen spaziert und die Kamera sich pl\u00f6tzlich zum ersten Mal mit ihr mitbewegt. <\/p>\n<p class=\"bo-p\"><b>Fazit: In grandiosen Schwarz-Wei\u00df-Bildern gefasste Alternativ-History-Version von Thomas Manns Deutschlandreise 1949 \u2013 angesichts der vielen knackig gehaltenen Begegnungen vergehen die 82 Minuten f\u00fcr einen Film des sonst so akademisch-strengen Pawel Pawlikowski fast schon wie im Fluge, selbst wenn sich manche Dialoge wie pointierte Wikipedia-Zusammenfassungen anh\u00f6ren.<\/b><\/p>\n<p class=\"bo-p\">Wir haben \u201eVaterland\u201c beim Filmfestival von Cannes gesehen, wo der Film seine Weltpremiere im offiziellen Wettbewerb gefeiert hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Titel \u201eVaterland\u201c scheint sich f\u00fcr Was-w\u00e4re-wenn-Szenarien besonders gut zu eignen. 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