{"id":1020086,"date":"2026-05-15T04:26:14","date_gmt":"2026-05-15T04:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1020086\/"},"modified":"2026-05-15T04:26:14","modified_gmt":"2026-05-15T04:26:14","slug":"moshammer-mord-und-nsu-prozess-abschied-von-gerichtsgebaeude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1020086\/","title":{"rendered":"Moshammer-Mord und NSU-Prozess: Abschied von Gerichtsgeb\u00e4ude"},"content":{"rendered":"<p>Wenn an diesem Montag das neue Strafjustizzentrum in <a href=\"https:\/\/www.idowa.de\/regional\/muenchen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> eingeweiht wird, dann bedeutet das auch langsam aber sicher den Abschied von dem alten.<\/p>\n<p>In dem nicht unbedingt sch\u00f6nen, aber geschichtstr\u00e4chtigen und fast legend\u00e4ren grauen Block an der Nymphenburger Stra\u00dfe sind Urteile gef\u00e4llt worden, die ganz Deutschland bewegten.<\/p>\n<p>Zwischen 1972 und 1977 f\u00fcr damals 100 Millionen D-Mark errichtet, wird es seit August 1977 genutzt &#8211; f\u00fcr Strafprozesse der Landgerichte M\u00fcnchen I und II, des Amtsgerichts, des Oberlandesgerichts und nach einer Pause auch wieder des Bayerischen Obersten Landesgerichts.<\/p>\n<p>Auf einer Fl\u00e4che von fast 35.200 Quadratmetern fanden in den insgesamt 48 Sitzungss\u00e4len Prozesse statt, die nicht nur in Deutschland Schlagzeilen machten, sondern zuweilen auch dar\u00fcber hinaus. \u201eDas alte Strafjustizzentrum war fast 50 Jahre lang die Herzkammer der M\u00fcnchner Strafjustiz\u201c, sagt Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) der Deutschen Presse-Agentur. \u201eEs erlangte bundesweite Bekanntheit als Schauplatz bedeutsamer Strafprozesse.\u201c<\/p>\n<p>Ein R\u00fcckblick.<\/p>\n<p>Erst im vergangenen Jahr brachte die ARD den Fall als Vierteiler ins Fernsehen: den Mord am Inka-Pfad. Im Januar 1997 kommt eine Krebsforscherin aus M\u00fcnchen beim Wandern auf dem Inka-Pfad in Peru ums Leben. Ihr Ehemann gibt an, sie seien \u00fcberfallen worden &#8211; doch nach einem Indizienprozess, der drei Jahre sp\u00e4ter in M\u00fcnchen stattfindet, sind die Richter sicher: nicht unbekannte R\u00e4uber, sondern der Ehemann selbst hat seine Frau auf der Hochzeitsreise nachts im Zelt angeschossen und so schwer verletzt, dass sie ein paar Tage sp\u00e4ter starb. Er wird wegen Mordes verurteilt. Das Urteil ist 162 Seiten lang.<\/p>\n<p>In einem der gr\u00f6\u00dften Indizienprozesse der Nachkriegszeit werden die beiden M\u00f6rder des Volksschauspielers Walter Sedlmayr schon vier Jahre vorher, im Jahr 1993, im Geb\u00e4ude an der Nymphenburger Stra\u00dfe 16 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Justiz sieht es damals als erwiesen an, dass sein Ziehsohn und dessen Halbbruder, die jede Schuld bestreiten, den damals 64 Jahre alten Sedlmayr am 14. Juli 1990 erst gefoltert und dann mit einem Hammer aus Habgier erschlagen haben. Im Juli 1994 wird das Urteil rechtskr\u00e4ftig. Im Sommer 2007 wird einer der M\u00e4nner freigelassen, im Januar 2008 der Zweite.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlicher Fall ersch\u00fcttert die M\u00fcnchner Promi-Welt Jahre sp\u00e4ter: Im Januar 2005 wird der Modeguru Rudolph Moshammer in seinem Haus ermordet &#8211; von einem jungen Iraker, den er kurz vorher mit seinem Rolls Royce im Bahnhofsviertel aufgelesen hat, um ihn f\u00fcr Sex zu bezahlen. Noch im gleichen Jahr wird der Mann, der gestanden hat, den 64-J\u00e4hrigen umgebracht zu haben, zu lebenslanger Haft verurteilt. Auf der Richterbank sitzt damals Richter Manfred G\u00f6tzl, der sp\u00e4ter eines der wohl gr\u00f6\u00dften Verfahren f\u00fchren wird, das an der Nymphenburger Stra\u00dfe je verhandelt worden ist.<\/p>\n<p>Mehr als f\u00fcnf Jahre und \u00fcber 400 Verhandlungstage dauert es, bis G\u00f6tzl als Vorsitzender des zust\u00e4ndigen Senats am Oberlandesgericht (OLG) M\u00fcnchen die Rechtsterroristin Beate Zsch\u00e4pe im Juli 2018 nach einem international vielbeachteten Mammutprozess als Mitt\u00e4terin an den Morden der Terrorzelle NSU zu lebenslanger Haft verurteilt. Im M\u00fcnchner Prozess werden au\u00dferdem noch zwei Mitangeklagte wegen Beihilfe und zwei weitere M\u00e4nner als Unterst\u00fctzer verurteilt.<\/p>\n<p>Um Nazi-Ideologie ging es auch im Prozess gegen den fr\u00fcheren KZ-Wachmann John Demjanjuk vor dem Landgericht M\u00fcnchen I. Der 91-j\u00e4hrige geb\u00fcrtige Ukrainer stirbt 2012 in einem bayerischen Pflegeheim &#8211; zehn Monate nach seiner Verurteilung als Holocaust-Mitt\u00e4ter. Er war im Mai 2011 wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28.000 Juden im Lager Sobibor zu f\u00fcnf Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil wird nie rechtskr\u00e4ftig, weil Demjanjuk 2012 stirbt, bevor \u00fcber die von Verteidigung und Staatsanwaltschaft beantragte Revision entschieden wird.<\/p>\n<p>Eine Tennis-Legende, ein Formel-1-Funktion\u00e4r, Star-Koch Alfons Schuhbeck &#8211; und immer wieder Fu\u00dfball-Stars wie J\u00e9r\u00f4me Boateng oder Jens Lehmann: Das M\u00fcnchner Strafjustizzentrum hat zahlreiche ber\u00fchmte Angeklagte gesehen.<\/p>\n<p>Zu Unrecht, wie sich sp\u00e4ter herausstelle, wurde der Schauspieler G\u00fcnther Kaufmann im Jahr 2002 nach dem Tod eines befreundeten Steuerberaters verurteilt. 15 Jahre verh\u00e4ngte das Gericht wegen r\u00e4uberischer Erpressung mit Todesfolge &#8211; weil Kaufmann ein falsches Gest\u00e4ndnis abgelegt hatte, um seine Frau zu sch\u00fctzen. Erst nach Jahren im Gef\u00e4ngnis kam er auf freien Fu\u00df.<\/p>\n<p>Zu Unrecht sa\u00df auch Manfred Genditzki in Haft &#8211; und zwar noch deutlich l\u00e4nger als Kaufmann, n\u00e4mlich mehr als 13 Jahre lang. 1,3 Millionen Euro Entsch\u00e4digung hat er inzwischen bekommen, weil er f\u00fcr einen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, den es wohl nie gegeben hat.<\/p>\n<p>Die Ermittler hatten ihm vorgeworden, eine alte Frau in ihrer Badewanne get\u00f6tet zu haben, weil er an ihr Geld wollte. Als er nach jahrelangem Kampf und neuen Gutachten im Sommer 2023 in seinem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde, hatte selbst die Richterin Tr\u00e4nen in den Augen.<\/p>\n<p>Viele dieser gro\u00dfen Verfahren &#8211; wie der Freispruch von Genditzki und der NSU-Prozess &#8211; fanden im gr\u00f6\u00dften Saal des Geb\u00e4udes, dem legend\u00e4ren A 101 statt.<\/p>\n<p>\u201eDer A 101 ist sicherlich keine Sch\u00f6nheit. Bei so manchem langen Sitzungstag am Schwurgericht habe vermutlich nicht nur ich mir ein wenig Tageslicht gew\u00fcnscht\u201c, sagt Gerichtssprecher Laurent Lafleur. Dank des Saals h\u00e4tten auch gro\u00dfe Verfahren \u201emitten in der Stadt\u201c verhandelt und die Strafjustiz so f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung erfahrbar gemacht werden k\u00f6nnen. \u201eTrotzdem werde ich die Farbwahl der Innenausstattung, die ich als Staatsanwalt, Richter und Pressesprecher \u00fcber viele hundert Stunden erleben durfte, nicht vermissen.\u201c<\/p>\n<p>Bis Ende Juni soll das Geb\u00e4ude noch in Betrieb sein, ab dann wird nicht mehr ganz so zentral verhandelt &#8211; im an diesem Montag eingeweihten neuen M\u00fcnchner Strafjustizzentrum unterhalb des Olympiaparks.<\/p>\n<p>\n      Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder gepr\u00fcft.\n    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn an diesem Montag das neue Strafjustizzentrum in M\u00fcnchen eingeweiht wird, dann bedeutet das auch langsam aber sicher&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1020087,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[34362,772,416,29,7730,30,219227,2551,52771,219226,1268,67592,211830],"class_list":{"0":"post-1020086","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-alfons-schuhbeck","9":"tag-bayern","10":"tag-beate-zschaepe","11":"tag-deutschland","12":"tag-georg-eisenreich","13":"tag-germany","14":"tag-guenther-kaufmann","15":"tag-jens-lehmann","16":"tag-jerome-boateng","17":"tag-john-demjanjuk","18":"tag-muenchen","19":"tag-rudolph-moshammer","20":"tag-walter-sedlmayr"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116576700844710776","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1020086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1020086"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1020086\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1020087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1020086"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1020086"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1020086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}