{"id":1020474,"date":"2026-05-15T08:19:12","date_gmt":"2026-05-15T08:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1020474\/"},"modified":"2026-05-15T08:19:12","modified_gmt":"2026-05-15T08:19:12","slug":"regen406-nuernberg-wohnraum-ohne-spekulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1020474\/","title":{"rendered":"Regen406 N\u00fcrnberg: Wohnraum ohne Spekulation"},"content":{"rendered":"<p>Zum Startschuss des neuen solidarischen N\u00fcrnberger Wohnprojektes gab es keinen Spatenstich. Stattdessen regnete es bei strahlendem Sonnenschein Konfetti. Das Projekt &#8222;Regen406&#8220;, benannt nach der Hausnummer in der Regensburger Stra\u00dfe, geht seinen eigenen Weg zum Wohntraum.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Zum einen ist es absurd, dass das Haus in Zeiten knappen Wohnraums seit vielen, vielen Jahren leersteht&#8220;, sagt Jana Stadler von der Projektinitiative. &#8222;Zum anderen muss bezahlbarer Wohnraum f\u00fcr alle geschaffen werden.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Geht das Konzept auf, stehe das Geb\u00e4ude f\u00fcr bezahlbare Mieten &#8211; sowohl f\u00fcr sie als auch f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen.<\/p>\n<p>Das Wohnprojekt vereint 17 Erwachsene, acht kleine Kinder und einen Hund, erg\u00e4nzt Lorenz Herrmann, einer der Mitinitiatoren. Vor drei Jahren haben sie das riesige Objekt mit einer Fl\u00e4che von rund 1.000 Quadratmetern Wohnfl\u00e4che aus dem Jahr 1939 aufgesp\u00fcrt. Dann begannen &#8222;langwierige, aber wohlwollende Verhandlungen&#8220; mit der Stadt N\u00fcrnberg als Eigent\u00fcmerin \u00fcber einen Kauf.<\/p>\n<p>Am Ende lief es auf eine Erbpacht hinaus, um den 18-j\u00e4hrigen Leerstand zu beenden. Im Dezember 2025 kaufte die Gruppe rund um &#8222;Regen406&#8220; das denkmalgesch\u00fctzte Haus f\u00fcr einen Euro.<\/p>\n<p>Das Mietsh\u00e4user Syndikat als Struktur gegen Wohnraumspekulation<\/p>\n<p>Rechtlich geh\u00f6rt das Haus der Regen406 GmbH. Die Projektgruppe verwaltet sich selbst in einem Hausverein. Zus\u00e4tzlich bekommt auch das Mietsh\u00e4user Syndikat aus Freiburg eine Minderheitsbeteiligung an der Immobilie. Es ist eine Art bundesweite Dachorganisation f\u00fcr solidarisches Wohnen und vernetzt und ber\u00e4t die einzelnen Projekte.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wenn ein Projekt mal in Schieflage gerate, &#8222;k\u00f6nnen wir \u00fcberbr\u00fccken&#8220;, sagt Jochen Schmidt, einer der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Mietsh\u00e4user Syndikats.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Bundesweit seien so bereits \u00fcber 210 Projekte realisiert worden. &#8222;Die Menschen sind total verschieden, vom Punker bis zum Rechtsanwalt&#8220;, beschreibt Schmidt die Zielgruppe dieser alternativen Wohnform.<\/p>\n<p>Weitere 20 Projekte seien derzeit im Aufbau, alle Hausvereine gegr\u00fcndet und Mitglied im Mietsh\u00e4user Syndikat. Dort werde ebenfalls &#8222;in einem langwierigen Prozess&#8220; entschieden, ob sich das Syndikat finanziell beteiligt. Das dauere \u00fcblicherweise schon mal ein Jahr, nicht jedes Objekt ist so g\u00fcnstig zu haben, wie das von &#8222;Regen406&#8220;. Seit zwei Jahren hat das Syndikat auch eine eigene Stiftung. Dorthin k\u00f6nnen Eigent\u00fcmer per Schenkung oder Testament ihre Immobilie vererben, erkl\u00e4rt Schmidt.<\/p>\n<p>Finanzierung zwischen F\u00f6rderung und Direktkrediten aus der Zivilgesellschaft<\/p>\n<p>Trotz des symbolischen Kaufpreises hat die denkmalgerechte Sanierung bis hin zu den Gemeinschaftsr\u00e4umen ihren Preis. Von den 2,4 Millionen Euro kommt die H\u00e4lfte als F\u00f6rderkredit zur energetischen Sanierung von der KfW-Bank. F\u00fcr den Rest werden Direktkredite von Unterst\u00fctzern, Freunden und Familie gebraucht. So seien bereits 850.000 Euro zusammengekommen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Direktkredite sind superwichtig, und wir bieten eine lokale und nachhaltige Geldanlage f\u00fcr soziale Mieten&#8220;, sagt Stadler. Die privaten Geldgeber k\u00f6nnen ihren Kreditzins selbst zwischen 0,0 und 2,0 Prozent festlegen. Die Projektbeteiligten stottern dieses Geld dann nach und nach ab, indem sie monatlich Miete f\u00fcr ihr Haus zahlen.<\/p>\n<p>Das Haus ist Teil eines gro\u00dfen Ensembles, das einst im Dritten Reich R\u00fcstungsminister und Architekt Albert Speer entworfen hatte. Es diente als Unterkunft f\u00fcr die damalige Deutsche Arbeitsfront. Verschleppte Fremd- und Zwangsarbeiter wurden in dem sogenannten Gemeinschaftslager untergebracht, um f\u00fcr den Bau des benachbarten Reichsparteitagsgel\u00e4ndes zu schuften.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dort zeitweise US-Soldaten untergebracht. Ab 1947 belegte ein Altenheim einen Teil des Areals. In ihrem neuen Haus, so Herrmann, waren auch Obdachlose untergebracht, es diente als Lagerfl\u00e4che und fiel dann in einer Art Dornr\u00f6schenschlaf.<\/p>\n<p>Wohnraum entziehen statt verkaufen: Ein Modell gegen Spekulation<\/p>\n<p>Dass es die Gruppe mit ihrer alternativen Wohnform bereits so weit geschafft hat, ist f\u00fcr Lorenz Herrmann keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Er selbst hat schon reichlich Erfahrung gesammelt. Mit f\u00fcnf Gleichgesinnten hat er zuvor das alternative Wohnprojekt &#8222;Kr\u00e4hengarten&#8220; im Westen N\u00fcrnbergs realisiert. Doch nun braucht er f\u00fcr seine kleine Familie mehr Platz. &#8222;Ein klassisches Eigenheim wollten wir uns nicht anschaffen.&#8220;<\/p>\n<p>Stattdessen findet sich eine Gruppe mit Architekten, Psychologen, Stadtentwicklerin und Nachhaltigkeitsmanagerin, die nicht nur selbst anders und gemeinsam wohnen will.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Wir haben die Vision vom bezahlbaren Wohnen f\u00fcr alle, statt Immobilienspekulationen&#8220;, unterstreicht Herrmann.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es gehe auch um Nachhaltigkeit und \u00d6kologie. Neue Geb\u00e4ude seien in ihrer Herstellung ein gro\u00dfer CO2-Emittent. Daher m\u00fcsse man im Bestand das Wohnen weiterentwickeln. &#8222;Wir zeigen mit diesem Leuchtturmprojekt, dass es geht.&#8220;<\/p>\n<p>Offene T\u00fcren im Modellprojekt: Wie Beteiligung Stadtentwicklung ver\u00e4ndert<\/p>\n<p>Deshalb wurde der symbolische Spatenstich auch in einen Tag der offenen T\u00fcr eingebettet. Interessierte konnten sich \u00fcber die Hintergr\u00fcnde informieren oder den Sonnentag mit Kuchen und veganer Pizza genie\u00dfen. W\u00e4hrend eine erste Besichtigungsgruppe noch vor dem Haus wartet, schaut sich Javana Gonnzen mit Tochter Vilja, Sohn Alvar und Mann Jonas Urbasik, im ersten Stock ein Teilmodell ihres k\u00fcnftigen Heimes an.<\/p>\n<p>Er m\u00f6chte genau dieses Zimmer, ruft der f\u00fcnfj\u00e4hrige Alvar ganz bestimmt aus. Geht nicht, hei\u00dft es von den Eltern. Erst werde entkernt und saniert, ganz am Ende werden die Zimmer verteilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum Startschuss des neuen solidarischen N\u00fcrnberger Wohnprojektes gab es keinen Spatenstich. 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