{"id":1020508,"date":"2026-05-15T08:38:17","date_gmt":"2026-05-15T08:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1020508\/"},"modified":"2026-05-15T08:38:17","modified_gmt":"2026-05-15T08:38:17","slug":"oliver-hardts-ausstellung-in-frankfurt-politischer-fortschritt-verlaeuft-nie-linear","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1020508\/","title":{"rendered":"Oliver Hardts Ausstellung in Frankfurt: Politischer Fortschritt verl\u00e4uft nie linear"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eInternal Review\u201c nennt der K\u00fcnstler, Autor und Filmemacher Oliver Hardt seine Ausstellung im Frankfurter Ausstellungsraum Synnika. Der befindet sich im Bahnhofsviertel in einem selbstverwalteten Hausprojekt, im Schatten der spiegelverglasten Bankt\u00fcrme. Man k\u00f6nnte an diesem Ort meinen, der Titel \u201einterne \u00dcberpr\u00fcfung\u201c spiele auf einen korrupten Immobiliendeal an, aber hier geht es um US-amerikanische Kulturpolitik, ihren radikalen Kurswechsel seit den 2000er Jahren und die aktuelle Situation in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Im Mittelpunkt der Schau steht der Dokumentarfilm \u201eThe Black Museum\u201c. \u00dcber f\u00fcnf Jahre hinweg hat der in Frankfurt lebende Oliver Hardt, der sich schon lange mit Schwarzer Kultur und US-Themen auseinandersetzt, die Entstehung des Smithsonian National Museum of African American History and Culture, kurz NMAAHC, in Washington begleitet. Der 52-min\u00fctige Film verbindet Interviews mit Mitarbeitenden und Besuchenden mit Ansichten der au\u00dfergew\u00f6hnlichen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Adjayes-Neubau-fuers-Studio-Museum-Harlem\/!6141197\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Museumsarchitektur von David Adjaye<\/a>. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Museumseroeffnung-in-Washington-DC\/!5339161\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das 2016 an der National Mall Washingtons er\u00f6ffnete Haus tritt als ein einzigartiger Ort hervor<\/a>, der von dem Anliegen getragen ist, die Gewaltgeschichte der Schwarzen Bev\u00f6lkerung in den USA sichtbar zu machen, um zu einem demokratischen Zusammenleben in der Gegenwart beizutragen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Bei Synnika h\u00e4ngt dem Film die gerahmte Kopie des pr\u00e4sidialen Dekrets 14253 vom M\u00e4rz 2025 gegen\u00fcber, das den Titel \u201eRestoring Truth and Sanity to American History\u201c tr\u00e4gt. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Trumps-neuer-Ballsaal\/!6124049\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Trump ordnet darin<\/a> eine ausschlie\u00dflich positive Darstellung der US-amerikanischen Geschichte an. Damit richtet er sich gegen H\u00e4user wie das NMAAHC. Unmittelbar daneben h\u00e4ngen die beiden administrativen Verf\u00fcgungen von August und Dezember 2025 zur Umsetzung des Dekrets. Eines davon tr\u00e4gt im Betreff den titelgebenden Begriff \u201eInternal Review\u201c.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>Oliver Hardt:<\/strong> \u201eInternal Review\u201c. Synnika Space, Frankfurt am Main, bis 5. Juni<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"4\">Sorgsam in eine Nische einger\u00fcckt, pr\u00e4sentiert Hardt weitere Exponate aus der Entstehungszeit des Museums. Unerbittlich f\u00fchren sie vor Augen, wie radikal sich die politische Kultur in den USA in den vergangenen zwei Jahrzehnten ge\u00e4ndert hat. Darunter sind drei Videoaufzeichnungen von Reden des Ex-Pr\u00e4sidenten Barack Obama. Der hatte sich zusammen mit seiner Frau noch f\u00fcr gesellschaftlichen Zusammenhalt eingesetzt. Obama w\u00fcrdigt die Erfolge des Civil Rights Movement, auch das NMAAHC, und er erinnert an die R\u00fcckschl\u00e4ge, die die Bewegung immer wieder zu verkraften hatte. Politischer Fortschritt, so wird deutlich, verl\u00e4uft nie linear.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/8432868\/1200\/Oliver-Hardt-Synnika-16-2-2026-DSC9089-sRGB-1800px.webp\" data-pswp-width=\"1200\" data-pswp-height=\"800\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Oliver-Hardt-Synnika-16-2-2026-DSC9089-sRGB-1800px.webp\" alt=\"Blick in die Ausstellung &quot;Internal Review&quot;\" title=\"Blick in die Ausstellung &quot;Internal Review&quot;\" height=\"443\" type=\"image\/webp\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Blick in die Ausstellung im Kunstraum Synnika im Frankfurter Bahnhofsviertel<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nJens Gerber<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"5\">Von den USA schl\u00e4gt Hardt den Bogen auch zur Situation in Deutschland: In schwarzen Pressemappen versammelt er Dokumente \u00fcber Eingriffe in die hiesige Kunst- und Kulturfreiheit. Auch das Wahlprogramm einer vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei aus Sachsen-Anhalt ist dabei, die <a href=\"\" class=\"link in-text-link\">nach dem Vorbild Trumps neue Vorgaben f\u00fcr \u00f6ffentliche Bauten fordert<\/a>. Wie fragil sind Kultureinrichtungen, wenn der Staat interveniert, lautet die eigentliche Frage der Ausstellung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"6\">\u201eInternal Review\u201c kann als politische Landschaft im Futur Zwei verstanden werden: Hardt f\u00fchrt mit dem NMAAHC vor Augen, wie langfristig f\u00fcr demokratische Projekte gek\u00e4mpft werden muss und wie schnell sie von rechten Kr\u00e4ften unter Druck gesetzt werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig ist \u201eInternal Review\u201c als Aufforderung zu verstehen, diesen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"7\">Im Modus des Futur Zwei wird <a href=\"https:\/\/taz.de\/Trumps-umstrittenes-Architektur-Dekret\/!6071014\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Trumps Dekret 14253<\/a> nur noch ein sch\u00e4biger Tiefpunkt rechter Kulturpolitik in den USA gewesen und die MAGA-Bewegung lediglich zu einer Schautafel im NMAAHC geworden sein. Deutschland und Europa werden eine autorit\u00e4re Wende erfolgreich abgewehrt und stattdessen Strategien f\u00fcr k\u00fcnstlerische Freiheit und demokratische Vielfalt entwickelt haben. Aber \u2013 das macht die Ausstellung auch klar \u2013 die Zeit daf\u00fcr l\u00e4uft schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eInternal Review\u201c nennt der K\u00fcnstler, Autor und Filmemacher Oliver Hardt seine Ausstellung im Frankfurter Ausstellungsraum Synnika. 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