{"id":1021013,"date":"2026-05-15T13:21:14","date_gmt":"2026-05-15T13:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1021013\/"},"modified":"2026-05-15T13:21:14","modified_gmt":"2026-05-15T13:21:14","slug":"saarbruecker-afd-kritische-kuenstlerin-will-gelsenkirchen-verklagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1021013\/","title":{"rendered":"Saarbr\u00fccker AfD-kritische K\u00fcnstlerin will Gelsenkirchen verklagen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Jetzt geht es wohl vor Gericht. Die Saarbr\u00fccker K\u00fcnstlerin Melisa Kujevi\u0107 will die Stadt Gelsenkirchen verklagen. Hintergrund ist ihre Arbeit \u201eHallender Hass\u201c \u2013 die Stadt Gelsenkirchen hatte diese ein- und dann wieder ausgeladen. Kujevi\u0107 betont, dass es ihr nicht um Schadenersatz gehe, sondern um \u201eeinen Pr\u00e4zedenzfall\u201c mit bundesweiter Bedeutung. F\u00fcr sie ist das Ganze \u201emehr als ein einzelner Ausstellungskonflikt \u2013 es geht um die Kunstfreiheit\u201c.<\/p>\n<p>Wie kam es zu dem Konflikt?      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Was ist die <a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/saar-kultur\/kritik-an-ausladung-von-saarbruecker-installation-gelsenkirchen_aid-136469085\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vorgeschichte<\/a>? Im Oktober 2025 lief in Gelsenkirchen das st\u00e4dtische Festival \u201eGoldst\u00fccke\u201c mit Licht-Kunstwerken. Auch Arbeiten von Studentinnen, Studenten und Absolventen der Hochschule der Bildenden K\u00fcnste Saar (HBK) in Saarbr\u00fccken waren eingeladen: Nane Neu, Lea Stilgenbauer, Fabi Bohne, Julian Bohlinger, Kazuki Taguchi und Melisa Kujevi\u0107. Sie hatten sich im Juni 2025 in einer offenen Ausschreibung beworben, im Juli lud Kurator Hendrik Wendler die Gruppe zum Festival ein, erkl\u00e4rt Kujevi\u0107. Sie wollte in Gelsenkirchen <a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/so-kontrovers-ist-die-installation-hallender-hass-wirklich_aid-138027791\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eHallender Hass\u201c<\/a> zeigen: ihre HBK-Meisterpr\u00fcfung bei Professor Daniel Hausig, eine begehbare Raum-Installation mit Bildschirmen, die Aufm\u00e4rsche und rechtsextreme Gewalt zeigen, und mit projizierten Zitaten von Rechtsextremen, etwa: \u201eIch w\u00fcrde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anz\u00fcndet.\u201c S\u00e4tze nicht ausschlie\u00dflich von AfD-Mitgliedern, aber doch vor allem \u2013 ohne dass die Partei genannt wird. Denn die Installation solle allgemein \u201edie Normalisierung rechter Rhetorik im \u00f6ffentlichen Diskurs k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar machen\u201c, sagt Kujevi\u0107.<\/p>\n<p>Versto\u00df gegen \u201estaatliches Neutralit\u00e4tsgebot\u201c?      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Juli reiste ein Teil der Gruppe nach Gelsenkirchen zu einer Ortsbesichtigung, doch am 26.\u2005August erhielt Kujevi\u0107 vom Kurator eine telefonische Absage ihrer Arbeit, mit dem Hinweis auf \u201eeine Kontroversit\u00e4t\u201c, sagt die K\u00fcnstlerin. Auf schriftliche Nachfrage teilte das Kulturreferat Gelsenkirchens mit: Nach \u201eintensiver interner Pr\u00fcfung\u201c sei man zum Schluss gekommen, dass \u201edie Installation in der aktuell geplanten Form nicht mehr in das k\u00fcnstlerische Konzept des Festivals passt\u201c. Sie sei wegen ihres \u201eparteipolitischen Bezuges\u201c nicht vereinbar mit dem \u201estaatlichen Neutralit\u00e4tsgebot\u201c: vor dem Hintergrund, dass am 28. September eine Oberb\u00fcrgermeisterstichwahl stattf\u00e4nde (zwischen Norbert Emmerich von der AfD und Andrea Henze von der SPD, die die Wahl gewann). Dass das Festival erst nach dieser Stichwahl begann, war f\u00fcr das Kulturreferat kein Widerspruch: Die \u00f6ffentliche Werbung f\u00fcr \u201eGoldst\u00fccke\u201c beginne ja schon fr\u00fcher, argumentierte man. Die HBK-Gruppe zog daraufhin Ende September ihre Teilnahme solidarisch gemeinsam zur\u00fcck und teilte mit, hier werde das Argument der politischen Neutralit\u00e4t \u201ezur Entpolitisierung von Kunst\u201c missbraucht und auch dazu, \u201eunliebsame Inhalte zu unterdr\u00fccken\u201c.<\/p>\n<p>Rechnung wird nicht bezahlt      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Dezember 2025 stellte die Gruppe schriftlich Fragen an die Stadt Gelsenkirchen: Wer hat \u00fcber die Absage entschieden? Die Oberb\u00fcrgermeisterin, das Kulturreferat oder der Kurator? Wird die Stadt Dokumente zur Einsicht freigeben? Das wurde bisher nicht beantwortet. Eine Rechnung der HBK-Gruppe \u00fcber Transport- und Reisekosten (3.482 Euro) wurde nicht bezahlt: Gelsenkirchen gehe, teilt das Kulturreferat mit, \u201eweiterhin von einem rechtm\u00e4\u00dfigen Verhalten der Stadt aus, weswegen kein Ersatz der Aufwendungen\u201c m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im sonstigen Schweigen vermutet Kujevi\u0107 eine \u201eVerz\u00f6gerungstaktik\u201c und die Hoffnung der Stadt, dass die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler irgendwann aufgeben und das mediale Interesse am Ganzen erlahmt (unter anderem berichteten Deutschlandfunk, WDR und die \u201eTagesschau\u201c). Die \u201eS\u00fcddeutsche Zeitung\u201c zitiert den Berliner Rechtswissenschaftler Christoph M\u00f6llers, der feststellt, eine K\u00fcnstlerin m\u00fcsse nicht neutral sein. \u201eEr habe sie deshalb ermutigt, zu klagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201ePraxis der kommunalen Selbstzensur\u201c?      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kujevi\u0107, Lehrbeauftragte an der HBK und kulturpolitische Sprecherin und Ratsfrau der Fraktion der Partei \u201eDie Partei\u201c in Saarbr\u00fccken, bereitet nun eine Feststellungsklage vor dem Verwaltungsgericht vor. Ziel sei eine \u201egerichtliche Feststellung, dass der Ausschluss rechtswidrig war\u201c, teilt sie mit. Es gehe um die \u201everfassungsrechtliche Kl\u00e4rung\u201c, dass kommunale Verwaltungen \u201ekritische Kunst nicht unter Berufung auf ein fehlinterpretiertes Neutralit\u00e4tsgebot aus \u00f6ffentlich finanzierten R\u00e4umen entfernen d\u00fcrfen\u201c \u2013 letztlich drohe eine \u201ePraxis der kommunalen Selbstzensur\u201c. Ein Urteil dazu h\u00e4tte \u201egegebenenfalls Pr\u00e4zedenzwirkung weit \u00fcber Gelsenkirchen hinaus\u201c, schreibt Kujevi\u0107 auf der Seite ihrer Crowdfunding-Aktion, mit der sie Geld f\u00fcr die Auseinandersetzung sammelt. Das Ziel liegt bei 22.000 Euro, um vor allem die Anwaltskosten der Berliner Kanzlei Raue zu decken, die unter anderem die Berliner Philharmoniker und das Berliner Ensemble rechtlich ber\u00e4t, die Berlinale und den Suhrkamp-Verlag.<\/p>\n<p>Was geschieht mit dem Geld?      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Zuwendungen gehen laut Kujevi\u0107 auf ein f\u00fcr das Verfahren eingerichtetes Konto und w\u00fcrden ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Prozessf\u00fchrung verwendet; jeder Euro \u00fcber 22.000 gehe an Organisationen, die sich \u201ef\u00fcr Kunstfreiheit und gegen Rechtsextremismus einsetzen\u201c. Seit Ende April l\u00e4uft die Sammel-Aktion, bisher sind knapp 16.000 Euro zusammengekommen. Die Aktion ist ein \u201eAlles-oder-Nichts-Crowdfunding\u201c \u2013 die gesammelten Gelder werden erst eingezogen, wenn die 22.000 Euro erreicht sind, ansonsten ist die Aktion geplatzt. Die Frist l\u00e4uft bis 28. Mai. \u201eIch bin sehr zuversichtlich, dass wir das zusammenbekommen. Und wenn nicht, muss es andere Wege geben. Aufgeben werde ich nicht.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jetzt geht es wohl vor Gericht. Die Saarbr\u00fccker K\u00fcnstlerin Melisa Kujevi\u0107 will die Stadt Gelsenkirchen verklagen. 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