{"id":1022573,"date":"2026-05-16T04:13:15","date_gmt":"2026-05-16T04:13:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1022573\/"},"modified":"2026-05-16T04:13:15","modified_gmt":"2026-05-16T04:13:15","slug":"zentralratspraesident-fordert-ausweisung-antisemitischer-taeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1022573\/","title":{"rendered":"Zentralratspr\u00e4sident fordert Ausweisung antisemitischer T\u00e4ter"},"content":{"rendered":"<p><img post-id=\"103083\" fifu-featured=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/dts_image_85412_trkaokrrcc_348_800_600.jpg\" alt=\"Zentralratspr\u00e4sident fordert Ausweisung antisemitischer T\u00e4ter\" title=\"Zentralratspr\u00e4sident fordert Ausweisung antisemitischer T\u00e4ter\" width=\"100%\" align=\"LEFT\"\/><br \/>Foto: Josef Schuster (Archiv), via dts Nachrichtenagentur<\/p>\n<p>Berlin (dts Nachrichtenagentur) \u2013 Josef Schuster, Pr\u00e4sident des Zentralrats der Juden in Deutschland, spricht sich f\u00fcr eine m\u00f6gliche Ausweisung ausl\u00e4ndischer T\u00e4ter antisemitischer Gewalt aus.<\/p>\n<p>Mit Blick auf antisemitische Straftaten sagte Schuster der \u201eWelt am Sonntag\u201c, wenn es um Taten gehe, die Leib und Leben gef\u00e4hrdeten, halte er es f\u00fcr legitim, solche Ma\u00dfnahmen zu pr\u00fcfen und gegebenenfalls auch anzuwenden. Der Staat m\u00fcsse in der Lage sein, seine B\u00fcrger zu sch\u00fctzen. Zugleich pl\u00e4dierte Schuster f\u00fcr eine Versch\u00e4rfung des Strafrechts bei israelfeindlichen Delikten. Auf die Frage, ob etwa die Leugnung des Existenzrechts Israels strafrechtlich sch\u00e4rfer verfolgt werden m\u00fcsse, sagte er, er halte entsprechende Versch\u00e4rfungen f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<p>Kritisch \u00e4u\u00dferte er sich \u00fcber eine aus seiner Sicht zu gro\u00dfe Nachsicht gegen\u00fcber T\u00e4tern. Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die T\u00e4terperspektive sei bisweilen gr\u00f6\u00dfer als f\u00fcr die Opfer, sagte Schuster. Bew\u00e4hrungsstrafen d\u00fcrften nicht den Eindruck erwecken, man gehe als freier Mensch ohne Konsequenzen aus dem Gerichtssaal.<\/p>\n<p>Im Interview \u00e4u\u00dferte sich Schuster auch zu den Ursachen des Antisemitismus. Auf die Frage, ob er sich mit seiner Warnung von 2015 best\u00e4tigt f\u00fchle, die Masseneinwanderung syrischer Fl\u00fcchtlinge k\u00f6nne den Antisemitismus verst\u00e4rken, antwortete er mit einem \u201eJein\u201c. Die Entwicklung sei komplexer verlaufen, als er sie damals eingesch\u00e4tzt habe. Seit dem 7. Oktober 2023 sehe man eine Form von Antisemitismus, die sich aus verschiedenen Quellen speise \u2013 aus dem rechtsextremen Spektrum, aus linken Milieus und aus islamistischen Kreisen. Diese Gemengelage sei in ihrer Gesamtheit das eigentlich Besorgniserregende. Man k\u00f6nne heute durchaus argumentieren, dass die Zuwanderung auch indirekte Effekte gehabt habe, etwa insofern, als sie in Teilen der Gesellschaft, gerade am rechten Rand, zus\u00e4tzliche Ressentiments bef\u00f6rdert habe. Zugleich r\u00e4umte er selbstkritisch ein, dass er die Entwicklung so nicht vorausgesehen habe.<\/p>\n<p>Eine Rangfolge der Bedrohungen lehnte Schuster ab. F\u00fcr die Betroffenen mache es keinen Unterschied, ob die Bedrohung von rechts, von links oder aus islamistischen Kreisen komme. Allerdings habe der rechtsextreme Antisemitismus innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft nach wie vor den gr\u00f6\u00dferen Resonanzraum. Er sei tiefer verankert, historisch gewachsen und deshalb in seiner Wirkung nicht zu untersch\u00e4tzen. Die Gleichzeitigkeit und das Zusammenwirken dieser unterschiedlichen Str\u00f6mungen mache die Lage heute so schwierig.<\/p>\n<p>Zum Verh\u00e4ltnis zu Moscheegemeinden sagte Schuster, viele st\u00fcnden unter t\u00fcrkischem Einfluss, insbesondere solche, die von Ditib betrieben w\u00fcrden. Die politische Agitation aus der T\u00fcrkei finde ihren Weg auch in die Gemeinden \u2013 bis in die Predigten hinein, und zwar in einer Tonlage, die antisemitische Narrative bediene. Auf die Frage nach ausreichendem Widerstand aus den muslimischen Gemeinden gegen Antisemitismus sagte er, er nehme vor allem ein sehr lautes Schweigen wahr. Nach au\u00dfen gebe es mitunter Erkl\u00e4rungen, die f\u00fcr ihn oft eher ein Feigenblatt seien. Innerhalb der Gemeinden selbst scheine das Thema kaum stattzufinden. Zugleich betonte er, es w\u00e4re falsch, pauschal allen Muslimen antisemitische Einstellungen zu unterstellen.<\/p>\n<p>Schuster forderte von den islamischen Verb\u00e4nden, dass Antisemitismus in den Gemeinden offensiv thematisiert werde \u2013 in all seinen Facetten. Es m\u00fcsse klar sein, dass es sich um eine Form der Menschenfeindlichkeit handele. Gerade von Menschen, die selbst Diskriminierung erf\u00fchren, erwarte er hier mehr Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob die Zivilgesellschaft schw\u00e4chele, sagte Schuster, die politische Propaganda aus pro-pal\u00e4stinensischen Kreisen sei breiter aufgestellt und oft wirkungsvoller als die israelische oder j\u00fcdische Perspektive. Hinzu komme ein deutliches zahlenm\u00e4\u00dfiges Ungleichgewicht: Auf rund 5,5 Millionen Muslime k\u00e4men nur etwa 125.000 Juden. Das beeinflusse auch die mediale Durchschlagskraft.<\/p>\n<p>Zur Metapher des gepackten Koffers sagte Schuster, sie stehe heute f\u00fcr eine neue Qualit\u00e4t. W\u00e4hrend sie fr\u00fcher eher symbolisch gewesen sei, gebe es inzwischen reale \u00dcberlegungen \u2013 insbesondere bei der j\u00fcngeren Generation -, ob j\u00fcdisches Leben in Deutschland dauerhaft eine Zukunft habe. Einen R\u00fcckzug j\u00fcdischen Lebens aus der \u00d6ffentlichkeit sieht er bereits. Viele Gemeinden verlagerten Aktivit\u00e4ten ins Innere und st\u00fcnden dabei unter erheblichem Schutz. Die Perspektive, dass j\u00fcdische Einrichtungen ohne Polizeischutz auskommen, sehe er auf absehbare Zeit nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Foto: Josef Schuster (Archiv), via dts Nachrichtenagentur Berlin (dts Nachrichtenagentur) \u2013 Josef Schuster, Pr\u00e4sident des Zentralrats der Juden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1022574,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,147,296,1937,29,30,1940,1938,16,55],"class_list":{"0":"post-1022573","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-ausland","11":"tag-berlin","12":"tag-berlin-news","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-nachrichten-aus-berlin","16":"tag-news-aus-berlin","17":"tag-politik","18":"tag-wirtschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116582312124798864","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022573","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1022573"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022573\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1022574"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1022573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1022573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1022573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}