{"id":1023214,"date":"2026-05-16T10:31:16","date_gmt":"2026-05-16T10:31:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1023214\/"},"modified":"2026-05-16T10:31:16","modified_gmt":"2026-05-16T10:31:16","slug":"weltmeister-der-erdbeobachtung-made-in-europe-kleinsatelliten-aus-finnland-sehen-einfach-alles-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1023214\/","title":{"rendered":"Weltmeister der Erdbeobachtung, made in Europe: Kleinsatelliten aus Finnland sehen einfach alles"},"content":{"rendered":"<p>Zwei junge Genies aus Polen und Finnland, Rafa\u0142 Modrzewski und Pekka Laurila, haben eines der besten Satellitensysteme der Welt gebaut. Aus 600 Kilometern H\u00f6he beobachten die Radarsensoren von ICEYE \u00d6lkatastrophen, Wirbelst\u00fcrme und Waldbr\u00e4nde. <\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die Nanosatelliten entdecken illegale Holzf\u00e4ller im Amazonas-Dschungel, sammeln Daten zu \u00dcberschwemmungen, vermessen Verw\u00fcstungsschneisen von Hurrikans und behalten suspekte Bewegungen und Ansammlungen von Milit\u00e4rger\u00e4t im Auge. <\/p>\n<p>Wie Fort Knox<\/p>\n<p>Einfach war es nicht, das von au\u00dfen so einladend und freundlich wirkende Geb\u00e4ude der ICEYE-Zentrale in einem Au\u00dfenbezirk von Helsinki betreten zu d\u00fcrfen. Erst recht nicht, da ich mit meiner mobilen Kameraausr\u00fcstung im Reporterrucksack nach Finnland gereist bin. <\/p>\n<p>Ich muss einen pers\u00f6nlichen QR-Code vorweisen. Und um an den zu gelangen, musste ich monatelang verhandeln und erkl\u00e4ren. Scharfe Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung, eine ellenlange Liste von No-Gos und Filmbeschr\u00e4nkungen, da staunt man. Auch wenn man als Euronews-Journalist schon so einiges erlebt hat.<\/p>\n<p>Doch seit die Milit\u00e4rs gemerkt haben, was die Mini-Dinger im All, made by ICEYE, so alles draufhaben, \u00e4hneln die Sicherheitsvorkehrungen hier im Norden Europas denjenigen von Fort Knox. Eine Kameralinse be\u00e4ugt mich. Obwohl angemeldet und auf die Minute p\u00fcnktlich, gibt es noch ein kurzes Kreuzverh\u00f6r \u00fcber die T\u00fcrsprechanlage.<\/p>\n<p>ICEYE liegt sicherheitstechnisch ideal. Auf der einen Seite gesch\u00fctzt durch einen finnischen Sumpf, auf der anderen durch ein Gerichtsgeb\u00e4ude \u2013 und der Portier, der mich direkt an der Sicherheitst\u00fcre einl\u00e4sst, tr\u00e4gt ein bequemes schwarzes Outfit und wirkt nahkampferprobt. <\/p>\n<p>Der Rugby-Mann an meiner Seite<\/p>\n<p>Kaum habe ich den Sitz von ICEYE betreten, reicht mich der Mann in Schwarz an Tim weiter. Mein jovialer, aber \u00e4u\u00dferst selbstbewusster Aufpasser hat eine solide Rugby-Karriere hinter sich \u2013 und wird mir von nun an nicht mehr von der linken Seite weichen. <\/p>\n<p>Auf der rechten Seite bekomme ich Begleitung durch eine nicht l\u00e4chelnde, scharf\u00e4ugige, junge Dame \u2013 auch sie wirkt recht sportlich \u2013 die mit Argusaugen alles \u00fcberwacht, was ich mit meiner Kamera aufnehme. <\/p>\n<p>Oder sagen wir besser, aufnehmen m\u00f6chte. Denn oft genug komme ich nicht dazu, zu filmen: Die Dame sagt in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit S\u00e4tze wie: \u201eStopp! Hier wird nicht gedreht, denn in der Glasscheibe des Flurs k\u00f6nnte sich die T\u00fcre der anderen Seite widerspiegeln!\u201c<\/p>\n<p>Das geh\u00f6rt hier mit zu den von mir vorab akzeptierten Spielregeln: Keine T\u00fcren im Bild, niemals! Feindliche Kommandoeinheiten sollen sich auf gar keinen Fall ein Bild von der inneren Architektur des Geb\u00e4udes machen d\u00fcrfen, auch nicht beim Ansehen einer spannenden Euronews-Reportage &#8222;Made in Europe&#8220;.<\/p>\n<p>Da fragt man sich ganz unwillk\u00fcrlich: Ja, haben die denn alle miteinander zu viele James-Bond-Filme gesehen? Andererseits ist da vielleicht wirklich was dran, an der Furcht vor russischen Spionen, chinesischen Spionen, nordkoreanischen Spionen, Industrie-Spionen&#8230; Beliefert ICEYE doch NATO-Staaten und hilft der Ukraine im Abwehrkrieg gegen den Aggressor im Kreml.<\/p>\n<p>Denn das, was die finnischen Supersatelliten-Zwerge mit den Mega-Sensoren dort oben von ihrer Erdumlaufbahn aus sehen und auswerten, das m\u00f6chten gar viele Herrscher dieser Erde \u2013 auch die anr\u00fcchigeren unter ihnen \u2013 sehen und auswerten. Und das soll verhindert werden.<\/p>\n<p>Feindaufkl\u00e4rug aus dem All<\/p>\n<p>Selbst durch dichte Wolkendecken und mitten in der Nacht \u00fcbermitteln die Kleinsatelliten ultrapr\u00e4zise Detailbilder. Auf feindlichen Flugh\u00e4fen identifizieren sie Flugzeugtypen. Die Augen von ICEYE verfolgen verd\u00e4chtige Schiffsbewegungen in den Weiten des Ozeans. <\/p>\n<p>Radartechniker Andrea aus Italien, sein t\u00fcrkischer Elektronik-Kollege Burak und Laborantin Kriti aus Nepal nehmen mich ausnahmsweise mit in den ultrasensiblen Testraum. Da liegt ein Teil des Wunderdings vor meinen Augen, Mitarbeiter fummeln an Kabeln und Konsolen, bereiten neue Checks vor. <\/p>\n<p>Aber klar, der neue Satellit Gen4 ist streng geheim. Also: Filmen verboten! Nur von der schwarzen Wand-, Decken- und Bodenverkleidung der Testzelle darf ich ein paar Aufnahmen machen. <\/p>\n<p>Tim (hinter meiner Schulter links) und das durchtrainierte Fr\u00e4ulein mit den Argusaugen (hinter meiner Schulter rechts) achten peinlichst genau darauf, dass kein einziger Kabelstrang, keine Seriennummer, kein Metallteil ins Blickfeld der Kamera rutscht. <\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr die mit modernster Technik vollgestopfte Thermodruckkammer. \u00dcber Tage, Wochen und manchmal sogar Monate werden dort Bauteile der Supersatelliten extremsten Bedingungen ausgesetzt: brutalster Hitze und K\u00e4lte, gruseligsten Druckverh\u00e4ltnissen\u2026 Hier wird Weltraum simuliert. <\/p>\n<p>Denn wenn die Nano-Dinger erstmal oben sind, kann man ja nicht mal eben einen Mechaniker vorbeischicken, wenn wegen Materialerm\u00fcdung irgendwann etwas nicht funktioniert. Also: Null Fehlertoleranz! Was wiederum bedeutet: Jede Menge Tests hier unten auf der Erde.<\/p>\n<p>Gen4 sieht sogar kleine Spiegeleier-Pfannen<\/p>\n<p>Alle anschnallen, jetzt kommen die Zahlen! Und die haben es in sich. Die jetzt in Erdumlauf gebrachte vierte Satellitengeneration von ICEYE (Gewicht: 200 Kilogramm) verbessert die Aufl\u00f6sung von bislang 25 Zentimetern auf nunmehr 16 Zentimeter. <\/p>\n<p>Also, damit das wirklich klar wird: Wenn unten auf dem Sportplatz der Basketball von Dirk Nowitzki \u00fcber das Spielfeld kullert, dann kann der von den \u201ealten\u201c ICEYE-Sensoren abgebildet werden. <\/p>\n<p>Das neue \u201eEis-Auge\u201c GEN4 schafft es sogar, eine kleine Bratpfanne (der Typ f\u00fcr ein bis h\u00f6chstens zwei Spiegeleier) zu entdecken. Und das, wie eingangs bereits erw\u00e4hnt, aus fast 600 Kilometer H\u00f6he! \u201eUnd damit ist das Ende noch nicht erreicht\u201c, sagt Damon Ollomon, einer der Vizepr\u00e4sidenten von ICEYE, im Euronews-Interview.<\/p>\n<p>Damon hat gesehen, dass ich was zum Filmen brauche und sich meiner angenommen. Der distinguiert artikulierende Brite ist so etwas wie der Verkaufsweltmeister des Unternehmens. Soeben hat er ein milliardenschweres Joint Venture mit dem deutschen R\u00fcstungsgiganten Rheinmetall unter Dach und Fach gebracht. Jetzt wirkt er zufrieden bis aufgekratzt \u2013 und zeigt mir ein gro\u00dfes Modell des GEN4-Satelliten (an dem die geheimen Spezialteile selbstredend nicht zu erkennen sind).<\/p>\n<p>Interview mit dem Verkaufsweltmeister<\/p>\n<p>Euronews: \u201eWow, sieht spannend aus, das Satellitenmodell. Ich bin neugierig, wie das funktioniert. Erkl\u00e4ren Sie doch mal die Grundz\u00fcge!\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eAlso das Wichtige bei einem Radar-Satelliten ist der Sensor, mit dem die Erdoberfl\u00e4che vom All aus abgebildet wird. Das m\u00fcssen Sie sich vorstellen, wie bei einem Auto mit Radarsensor gegen Wildwechsel. L\u00e4uft mitten in der Nacht oder bei Nebel ein Wildschwein \u00fcber die Stra\u00dfe, dann erkennt der Radarsensor das Tier auch dann, wenn f\u00fcr den Autofahrer die Sichtweite quasi bei Null liegt. Bei unseren Nano-Satelliten ist die ganze Ausr\u00fcstung hinter den Sonnensegeln angebracht, von den Abmessungen her hat das in etwa die Ausma\u00dfe einer Waschmaschine.\u201c <\/p>\n<p>Euronews: \u201eUnd was ist der Unterschied von GEN4 im Vergleich zu den Vorg\u00e4ngermodellen?\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eBeispielsweise die Sonnensegel, die sind etwas l\u00e4nger. Nach dem Ausfalten sind sie um die drei Meter lang und etwa einen Meter breit. Und mit 200 Kilogramm ist GEN4 auch etwas schwerer.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eNa ja, aber 200 Kilo ist doch immer noch leicht. Ein traditioneller Satellit wiegt doch oft 1000 Kilo, also eine Tonne. Warum baut ICEYE denn keine gro\u00dfen Satelliten, was soll denn der Vorteil der Kleinbauweise sein?\u201c <\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eKleiner bedeutet leichter. Und es ist kosteng\u00fcnstiger (denn Nutzlast in die Erdumlaufbahn zu bef\u00f6rdern, ist teuer). Und au\u00dferdem kann man kleine Satelliten schneller bauen, was wiederum hei\u00dft, dass Sie gleich mehrere davon haben k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eAha, es geht also darum, ganze Satellitenschw\u00e4rme zu bauen und nach oben zu bef\u00f6rdern?\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eGenau. Wenn wir die Satelliten an (befreundete) Nationen verkaufen, dann erwerben die mehrere, also jeweils vier, f\u00fcnf oder zehn. Das ist unser Angebot in diesem Marktsegment.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eUnd was soll das f\u00fcr Vorteile haben, f\u00fcnf kleine, statt einen gro\u00dfen Satelliten zu betreiben?\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eNehmen wir einmal an, Sie m\u00f6chten absichern, was im Raum Br\u00fcssel geschieht. Wenn Sie f\u00fcnf Satelliten haben, die \u00fcber Br\u00fcssel hinwegziehen, dann hei\u00dft das, dass sie den Gro\u00dfraum Br\u00fcssel mit einer sehr viel h\u00f6heren Frequenzrate im Blickfeld haben als mit nur einem gro\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eUnd sonst?\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eSollte ein Satellit einmal aus technischen Gr\u00fcnden ausfallen, dann kann er dort oben nicht repariert werden \u2013 und Sie k\u00f6nnen ihn auch nicht auf die Erde runterholen zur Reparatur. Aber wenn sie eine Vielzahl von Satelliten im Orbit haben, dann kann die durch einen Ausfall entstandene L\u00fccke umgehend ausgeglichen werden.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eGeben Sie uns doch einmal ein konkretes Anwendungsbeispiel, sagen wir bei der \u00dcberwachung von K\u00fcsten, nationalen Hoheitsgew\u00e4ssern oder des offenen Ozeans.\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eMit einem Software-Befehl kann man beispielsweise eine gr\u00f6bere Aufl\u00f6sung des Sensors programmieren, wenn es darum geht, gro\u00dfe Meeresoberfl\u00e4chen abzusuchen. Normalerweise ist es schwierig, ein Schiff in einem riesigen Ozean zu entdecken. Aber mit unseren Satelliten-Konstellationen geht das.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eUnd was dann? Wenn also irgendwo im Ozean ein Schiff entdeckt wird, dann kann der Satellit auf eine bessere Aufl\u00f6sung umstellen?\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eGenau, denn dann m\u00f6chten Sie vielleicht herausfinden, um welchen Schiffstyp es sich handelt. Schwimmt dort ein \u00d6ltanker? Eine Fregatte? Ein Schnellboot? Unter welcher Flagge f\u00e4hrt das Schiff? Steht es auf einer Sanktionsliste\u2026?\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eSoll das hei\u00dfen, Sie k\u00f6nnen ein Schiff vom Orbit aus klassifizieren, ihm einen Namen geben?\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eGenau das kann GEN4. Davon haben wir bereits zwei auf Umlaufbahn (Stand: April 2026, Anmerkung der Redaktion). Und im Laufe des Jahres stellen wir die gesamte Produktion auf GEN4 um.\u201c<\/p>\n<p>Besonders stolz sind die ICEYE-Leute in Helsinki auf ihre rasche Reaktionszeit. \u201eWir k\u00f6nnen Bilder innerhalb von zwei Stunden liefern, das werden wir in den Bereich von unter zehn Minuten dr\u00fccken\u201c, so Ollomon.<\/p>\n<p>Derzeit verf\u00fcgt ICEYE \u00fcber eine Satellitenkonstellation von \u00fcber 70 Satelliten in der Erdumlaufbahn. \u201eWir verf\u00fcgen \u00fcber die weltweit gr\u00f6\u00dfte Konstellation derartiger Satelliten\u201c, so Ollomon. Und dieser Vorsprung soll ausgebaut werden. \u201eWir produzieren j\u00e4hrlich 25 Satelliten und steigern das jetzt auf 50 pro Jahr\u201c, k\u00fcndigt Ollomon an. <\/p>\n<p>Euronews: \u201eAber dort oben fliegen doch bereits jede Menge Satelliten. Brauchen wir wirklich noch mehr?\u201c <\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eWenn irgendwo ein Ereignis eintritt, ganz egal, ob das ein (milit\u00e4rischer) Konflikt ist oder eine Naturkatastrophe, dann ben\u00f6tigt es viele einsatzbereite Satelliten. Nur so, mit Satellitenschw\u00e4rmen, l\u00e4\u00dft sich schnell erkennen, was vor sich geht. Nur so l\u00e4\u00dft sich viel sehen.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201eNa ja, es gibt ja auch Aufkl\u00e4rungsflugzeuge.\u201c<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201cEin Flugzeug oder ein Schiff loszuschicken und vor Ort zu bringen, dauert l\u00e4nger. Die Satelliten sind ja bereits vor Ort. Und sie k\u00f6nnen jahrelang in der Umlaufbahn bleiben. Sie sind also st\u00e4ndig einsatzbereit. Wenn sich ein Notfall, eine Krise oder Katastrophe weiterentwickelt, dann haben Sie das im Auge, im Stundentakt.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: \u201cEin Beispiel?\u201d<\/p>\n<p>Damon Ollomon: \u201eNehmen wir einen Waldbrand. Die Feuerwalze bewegt sich. Die Einsatzleitung unten vor Ort will wissen, wohin die Teams geschickt werden sollen, um Feuerschneisen anzulegen. Darum geht es beispielsweise.\u201c<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Wenn irgendwo ein Ereignis eintritt, sagen Sie. Das kann auch Krieg bedeuten. Welchen Nutzen k\u00f6nnen europ\u00e4ische Regierungen aus einer hochaufl\u00f6senden Satellitenbeobachtung in so einem Eventualfall ziehen?&#8220;<\/p>\n<p>Damon Ollomon: &#8222;Es dient souver\u00e4nen Nationen, die eigene Aufkl\u00e4rungsdaten ben\u00f6tigen als Grundlage f\u00fcr ihre eigenen, souver\u00e4nen Entscheidungen. Das ist ganz entscheidend.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Konkret?&#8220;<\/p>\n<p>Damon Ollomon: &#8222;Mit einer eigenen souver\u00e4nen Satellitenflotte kann eine Regierung bewerten, von woher sich eine Bedrohung n\u00e4hert, wie gro\u00df diese Bedrohung ist und wie auf diese Bedrohung reagiert werden kann, milit\u00e4risch oder diplomatisch.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Sie verkaufen Ihre Satellitenschw\u00e4rme ja nicht f\u00fcr umsonst. Was ist denn Ihr wichtigstes Argument, einen Verteidigungsminister oder Generalstabschef bei knapper Kasse davon zu \u00fcberzeugen, so eine Satellitenkonstellation anzuschaffen?&#8220;<\/p>\n<p>Damon Ollomon: &#8222;Klar, Souver\u00e4nit\u00e4t und Handlungsfreiheit haben einen Preis. Aber in einer Zeit der Not ist es wert, diesen Preis zu zahlen. Zumal unsere Kleinsatelliten im Vergleich zu gr\u00f6\u00dferen Satelliten recht g\u00fcnstig sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir eine Konstellation souver\u00e4ner Satelliten innerhalb von 18 Monaten liefern. Damit multiplizieren Sie die Schlagkraft Ihrer Streitkr\u00e4fte, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Spielen die Europ\u00e4er im Bereich der Satellitentechnik, der Hochtechnologie noch in der ersten Liga, im weltweiten Vergleich?&#8220;<\/p>\n<p>Damon Ollomon: &#8222;Europa hat viele F\u00e4higkeiten im Bereich der Weltraumtechnik. Das Ausbildungs- und Forschungsniveau ist sehr hoch. Wir haben viele Unternehmen, die in diesem Bereich t\u00e4tig sind. Und seit einigen Jahren kommt auch die entsprechende Finanzierung seitens unserer Regierungen. (&#8230;) Wenn Europa diesen Wettbewerbsvorteil halten will, dann m\u00fcssen wir schnell sein und die Grenzen des technologisch Machbaren noch weiter treiben.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Einmal angenommen, Ihr Telefon klingelt und Nordkorea ist am Apparat. Die m\u00f6chten vermutlich auch solche Super-Satelliten. Was sagen Sie denen dann?&#8220;<\/p>\n<p>Ollomon: &#8222;Wir verkaufen nicht an Nordkorea oder Russland oder sonstige L\u00e4nder, die auf einer Sanktionsliste der finnischen Regierung oder der Europ\u00e4ischen Union stehen. Derartige Gesch\u00e4fte wollen wir nicht t\u00e4tigen. Wir haben unsere souver\u00e4nen Satellitensysteme bislang an Finnland, Schweden, Deutschland, Polen, Griechenland und die Niederlande verkauft, um nur einige zu nennen.&#8220;<\/p>\n<p>Startkapital von der Europ\u00e4ischen Union<\/p>\n<p>ICEYE wurde 2014 gegr\u00fcndet. Erstes Startkapital gab es auch von der Europ\u00e4ischen Union. In Europa hat das Unternehmen unter anderem Ableger in Polen, Spanien, Deutschland, Gro\u00dfbritannien und Griechenland und besch\u00e4ftigt weltweit 1000 Menschen aus 70 L\u00e4ndern. Im vergangenen Jahr machte ICEYE einen Umsatz von 250 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Pekka Laurila ist einer der Gr\u00fcnder. Im Euronews-Interview hat der junge Finne einen Tipp f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union: \u201cTraut Euch was und setzt k\u00fchne Pl\u00e4ne sofort um, nicht erst in zehn Jahren. Europa hat Ressourcen! Also sollte man zumindest versuchen, Weltmeister zu werden. Geht das ernsthaft an!\u201d<\/p>\n<p>Interview mit dem ICEYE-Gr\u00fcnder<\/p>\n<p>Euronews: \u201cWie fing denn alles an?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cNun, alles begann gleich hier um die Ecke, an der Aalto-Universit\u00e4t. (Laurila zeigt aus dem Fenster Richtung Uni-Campus, Anmerkung der Red.) \u2013 Wir waren mit dabei in diesem universit\u00e4ren Satellitenprogramm. Damals, so vor 10, 15 Jahren, entstanden viele Satellitenforschungsprogramme. Und hier an der Aalto-Universit\u00e4t wurde Finnlands allererster Satellit gebaut.\u201d <\/p>\n<p>Euronews: \u201cWarum wurde das so ein Erfolg?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cMan muss Studenten nur eine superharte Nuss zu knacken geben und schon sammelt sich ein Top-Team. Wenn es um Herausforderungen geht, dann zieht das einen bestimmten Typ von Menschen an.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cUnd inhaltlich?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cWir entdeckten, dass es m\u00f6glich ist, auch mit geringer Finanzausstattung kleine Satelliten zu bauen. Und wie man das macht. Hinzu kam, dass die Universit\u00e4t mit einer Business School zusammenging, bei uns hier in Finnland geht das Hand in Hand. Daraus entstand dann die Aalto-Universit\u00e4t. Und die Studenten des Technikums wurden zu den Business-Kursen eingeladen. Dann kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Stanford-Universit\u00e4t und es hie\u00df: Jetzt formuliert doch mal eine gute Gesch\u00e4ftsidee!\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cWas war das Ergebnis?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cImmer kleinere Satelliten, die immer kosteng\u00fcnstiger wurden.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cHaben Sie so etwas wie eine Empfehlung an Universit\u00e4tsleitungen anderswo in Europa, wie man den Wissenstransfer von der universit\u00e4ren Forschung hin\u00fcber in die Realit\u00e4t des Marktes beschleunigen oder vereinfachen k\u00f6nnte?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cNa ja, eigentlich sind das ganz einfache Dinge. Wenn Menschen mit \u00e4hnlicher Geisteshaltung in so einer (forschungsintensiven) Atmosph\u00e4re zusammenkommen, dann ermutigt das. Aber wenn es dann darum geht, dass das auch wirtschaftlich und unternehmerisch Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, dann sollte man sicherstellen, dass es vor Ort vereinfachten Zugang zu ausreichend Risikokapital gibt. Dann k\u00f6nnen Ideen auch abheben.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cWenn es um Startkapital und Finanzierungsmodelle geht: Woher soll und kann das Geld kommen, ganz am Anfang einer Unternehmensgr\u00fcndung? Spielt hier die Europ\u00e4ische Union eine Rolle?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cEs gibt in Europa eine ganze Reihe national organisierter Forschungs- und Entwicklungsfunds f\u00fcr Startkapital. Mit Geld von der (finnischen) Regierung konnten wir an der Universit\u00e4t unseren ersten Sensor-Prototyp bauen. Hinzu kam Geld von der EU, aus dem F\u00f6rderprogramm EU HORIZON speziell f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen und Startups. Doch sehr rasch haben wir uns auch um Risikokapital bem\u00fcht.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cWas waren denn ganz zu Beginn die gr\u00f6\u00dften technischen Herausforderungen?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cDie Geschichte von ICEYE ist schon irgendwie extrem. Wir hatten uns vorgenommen, einen Radarsensor im Miniformat zu bauen. So etwas gab es bis dahin nirgendwo auf der Welt. F\u00fcr zwei 24j\u00e4hrige Studenten war das schon eine ganz sch\u00f6n hoch gelegte Messlatte. Das technologische Risiko war enorm. Sowas macht man dann einfach als junger Student, Du gehst leichter gro\u00dfe Risiken ein.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cWie hat sich dann der erste Satellitenstart angef\u00fchlt? K\u00f6nnen Sie sich noch an den Moment erinnern?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cJa, klar. Wir starteten von Indien. Ich war hier in Finnland im Kontrollzentrum. Das war ganz sch\u00f6n aufregend. Wir waren ein gro\u00dfes Risiko eingegangen, doch mit Erfolg. Das war ein gro\u00dfartiges Gef\u00fchl.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cNach vorne gedacht: Wohin geht die Reise? Was ist Ihre unternehmerische Vision? Wie sieht die Zukunft aus?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cWir sehen, dass es m\u00f6glich ist, die Welt mit einer Schicht aus wirklich objektiver Echtzeitinformation zu \u00fcberziehen. Das kann in vielen Gesch\u00e4ftsbereichen helfen, bis hin zu Nutzanwendungen f\u00fcr einzelne Verbraucher.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cWas ist denn der gesellschaftliche Mehrwert, der Nutzen f\u00fcr die Menschheit?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cWenn Sie wissen, was um sie herum geschieht, dann k\u00f6nnen Sie bessere Entscheidungen f\u00e4llen. Und Sie k\u00f6nnen eine sicherere Welt bauen.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cGeben Sie uns doch einmal ein konkretes Anwendungsbeispiel, um diese Idee zu verdeutlichen.\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cDerzeit arbeiten wir daran, die Versicherungsbranche umzukrempeln. Wenn wir ein Echtzeitraster an Informationen anbieten k\u00f6nnen, beispielsweise bei \u00dcberschwemmungen, ein Raster, das pr\u00e4zise anzeigt, welche Grundst\u00fccksparzelle wann, wie oft und wie hoch \u00fcberflutet wurde, dann stellen Sie damit der Branche ein Instrument zur Verf\u00fcgung, mit dem ganz neue Versicherungsprodukte entwickelt und angeboten werden k\u00f6nnen. Es gibt heutzutage Milliarden von Grundst\u00fccken, die \u00fcberhaupt keinen Versicherungsschutz gegen Hochwasser bekommen. Doch wenn Sie (mit exakten Informationen) Vertrauen aufbauen k\u00f6nnen, dann ergibt sich daraus ein sehr greifbarer sozialer Mehrwert.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cSehen wir uns einmal die Wachstumskurve Ihres Unternehmens an.\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cDas Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Wenn man sich die Geschichte von ICEYE ansieht, \u00fcber die vergangenen zehn Jahre, dann sieht man, dass wir uns jedes Jahr quasi verdoppelt haben. Was die Ziele betrifft, die Finanzierung, das Wachstum. Alles ohne Probleme. Jedes Jahr. Das ist Wandel mit Faktor 1000, \u00fcber zehn Jahre gesehen.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: \u201cMade in Europe, bedeutet das noch etwas im internationalen Vergleich, hinsichtlich Weltraumtechnik?\u201d<\/p>\n<p>Laurila: \u201cEine St\u00e4rke, die auch zu den enormen Wachstumsraten von ICEYE beigetragen hat, ist das dichte Netz von Hochtechnologiefirmen. Europa ist da sehr, sehr gut positioniert. Allerdings war es immer auch eine kleine Herausforderung, diese Startups so schnell und aggressiv zu expandieren, wie das beispielsweise in den USA oder auch in China, mit einem anderen Wirtschaftssystem, zu beobachten ist.\u201d<\/p>\n<p>Aalto &#8211; eine der besten Universit\u00e4ten Europas<\/p>\n<p>Die Sonne ist mittlerweile durch die Wolken gebrochen. Nach einem langen, harten Winter freuen sich die Finnen \u00fcber den Fr\u00fchling, auf dem benachbarten Universit\u00e4tscampus gehen P\u00e4rchen spazieren, lustig verkleidete Studenten streben zu einem Mai-Fest, auf B\u00e4nken wird erstes Eis geschleckt, das Klackern von Holzkegeln und fr\u00f6hliche Rufe sind zu h\u00f6ren, Menschen halten ihr Gesicht in die w\u00e4rmende Sonne. <\/p>\n<p>In internationalen Uni-Rankings erzielt Aalto regelm\u00e4\u00dfig Spitzenbewertungen. Aalto gilt als eine der besten Universit\u00e4ten Finnlands. 14.000 junge Menschen aus aller Welt studieren hier. Tech, Business und Design sind die drei Grundpfeiler, auf denen Aaltos guter Ruf beruht.<\/p>\n<p>Finnlands erster Satellit im All &#8211; gebaut von Studenten<\/p>\n<p>Mit seinem Nano-Satelliten-Programm hat Professor Jaan Praks weltweit f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt. Er ist gewisserma\u00dfen der universit\u00e4re Vater nicht nur von Finnlands erstem Satelliten im All (passenderweise auf den Namen Aalto getauft), sondern auch Geburtshelfer zahlreicher Weltraum-Startups.<\/p>\n<p>Ich treffe Praks in einem Geb\u00e4ude, das ICEYE direkt gegen\u00fcberliegt. In der hohen Eingangshalle wird gerade eine Weltraumausstellung vorbereitet, \u00fcber einem Sofa liegt ein Astronautenanzug der ESA, in Glasvitrinen ist ein Aalto-Satellit neben finnischem Space-Hightech ausgestellt. <\/p>\n<p>Praks nimmt mich mit in \u201cseine\u201d Erfinderwerkstatt, Studenten t\u00fcfteln an Modulen, ein junger Mann l\u00f6tet mithilfe eines Riesenmikroskops Mini-Verbindungen, hinter einem Regal bereitet eine Gruppe volumin\u00f6se Kisten f\u00fcr ein Outdoor-Experiment f\u00fcr Strahlenmessungen vor. Daneben ein Reinraum, in dem drei Studenten aus Finnland und Deutschland Chips kontrollieren.<\/p>\n<p>Erfolgsrezept aus der Erfinderwerkstatt<\/p>\n<p>Praks freut sich \u00fcber das Gespr\u00e4ch, kommt freundlich-sachlich sofort auf den Punkt:\u201cUnser Ziel war es, den ersten Satellit f\u00fcr unser Land zu bauen. Diese Herausforderung zog ganz au\u00dferordentlich begabte Studenten an. Wir hatten Erfolg, bauten dann tats\u00e4chlich Finnlands ersten Satelliten. Und diese talentierten Studenten gingen anschlie\u00dfend noch sehr viel weiter, gr\u00fcndeten ihre jeweils ganz eigene Erfolgsgeschichte.\u201d<\/p>\n<p>Doch hier geht es nicht um sch\u00f6ne Erinnerungen und eine goldene Vergangenheit. Hier geht es um hochaktuelle Forschung und nach wie vor erstaunliche Startups. Bei Aalto schie\u00dfen Jungunternehmen aus dem Boden wie anderswo die Pilze nach dem Regen. <\/p>\n<p>Professor Praks: \u201cAuch heute entstehen neue Tech- und Raumfahrtunternehmen aus unserer Forschung. Unser j\u00fcngstes Startup ist gerade einmal wenige Wochen alt. Und was die finanziellen Rahmenbedingungen betrifft, die das erm\u00f6glichen: Wir haben sehr langfristig angelegte F\u00f6rderprogramme, die insbesondere ganz zu Beginn der Innovationskette greifen.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Wie schaffen Sie und Ihre Studenten es, universit\u00e4re Ausbildung und Forschung mit der Welt der Unternehmen und der Wirtschaft zu verbinden?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Die Mischung macht es. Wir bringen unsere Teams immer in engen Kontakt mit anderen Zweigen. Die Wirtschaftsstudenten, Technik-Studenten und manchmal sogar die Kunststudenten kennen und treffen sich. Daraus entsteht Neues, denn das erm\u00f6glicht jedem Einzelnen im Team, \u00fcber das volle Wissensspektrum zu verf\u00fcgen, um voranzukommen.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis f\u00fcr Studenten?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Studenten ben\u00f6tigen nicht nur Wissen und F\u00e4higkeiten. Sie ben\u00f6tigen auch Tr\u00e4ume und Optimismus, um ihre F\u00e4higkeiten richtig einzusetzen.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Und was k\u00f6nnen Sie dazu beitragen, als Professor?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Ich helfe jungen Menschen dabei, ihre Tr\u00e4ume in eine realistische Richtung hin zu entwickeln. Und dann ist da dieses Weltraum-Labor, die ganze moderne Ausr\u00fcstung und Technik, womit man die Tr\u00e4ume der Studenten umsetzen kann, so dass aus Tr\u00e4umen etwas Reales entsteht.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Wie erkl\u00e4ren Sie sich, dass gerade viele baltische und skandinavische Staaten so innovationsfreudig sind, dass ausgerechnet hier so viel Neues entsteht?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Finnland beispielsweise ist sehr pragmatisch. Wir hier in Finnland arbeiten an Systemen und Projekten, die funktionieren sollen, die einen echten Mehrwert abwerfen, echte Vorteile mit sich bringen. Wir haben eine funktionierende Innovationsf\u00f6rderung und auch Beschleunigungsprogramme, mit denen gute Projekte auf Hochtouren gebracht werden.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;An was forschen Sie und Ihre studentischen Teams denn derzeit?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Als n\u00e4chsten Schritt haben wir uns sehr niedrige Erdumlaufbahnen vorgenommen. Die Atmosph\u00e4re dort ist ein gro\u00dfes Problem. Also experimentieren wir mit innovativen Satellitenh\u00fcllen, mit speziellen Formen und neuartigem Design f\u00fcr derartige Satelliten. Und dabei arbeiten wir auch mit den Universit\u00e4ten von Helsinki und Turku in Estland zusammen. Ziel ist es, einen Weg zu finden, dass Satelliten l\u00e4nger in sehr niedrigen Erdumlaufbahnen bleiben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Haben Sie so etwas wie eine Kernbotschaft? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Junge Menschen, Jugend, jugendliche Unbeschwertheit, das sind die allerwichtigsten Bestandteile, um so etwas wie eine funktionierende Startup-Kultur zu schaffen. Junge Menschen sind furchtlos. Oft blenden sie Schwierigkeiten, die ihnen auf ihrer Reise zum Erfolg bevorstehen k\u00f6nnten, aus. Und das ist etwas Gutes. Denn diese jugendliche Begeisterungsf\u00e4higkeit muss gest\u00e4rkt und gef\u00f6rdert werden, wenn wir bessere Jungunternehmen und bessere Innovation an unseren Universit\u00e4ten haben wollen.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Und wo steht Ihrer Meinung nach Europa im internationalen Vergleich?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Wir sind ganz bestimmt wettbewerbsf\u00e4hig. Unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit beruht auf soliden Grundlagen, auf einem sehr guten Bildungssystem und auf hervorragenden Studenten.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Gibt es etwas, was noch nicht so perfekt funktioniert? Was sollte verbessert werden?&#8220;<\/p>\n<p>Praks: &#8222;Bei Ausschreibungen sollten innovative Unternehmen besser beteiligt werden. Wir sollten einen Weg finden, dass innovative Produkte auch beschafft werden. Innovation braucht Zugang zum Markt.&#8220;<\/p>\n<p>Aalto-Absolventen haben 15.000 Arbeitspl\u00e4tze geschaffen<\/p>\n<p>170 Firmen logieren direkt auf dem Universit\u00e4ts-Campus. Fakult\u00e4tsgeb\u00e4ude und Startups stehen hier Seite an Seite. Die Welt der Wirtschaft und die Welt der Universit\u00e4t sind hier st\u00e4ndig auf Tuchf\u00fchlung. Das hilft: Aus Forschern werden Jungunternehmer. Hier einige Zahlen als Beleg: 30 Milliarden Euro \u2013 das ist der Wert der von Aalto-Absolventen gegr\u00fcndeten Unternehmen. 15.000 Arbeitspl\u00e4tze wurden so geschaffen \u2013 \u201emade by Aalto\u201c.<\/p>\n<p>Im staubfreien Reinraum von Professor Praks Weltraumlabor treffe ich Marius Anger. Der Doktorand aus Deutschland ist Teamchef, neben ihm reinigen zwei finnische Kollegen Satellitenbausteine und \u00fcberpr\u00fcfen deren Qualit\u00e4t. Anger notiert die Ergebnisse. Es herrscht eine entspannte Atmosph\u00e4re, Konzentration und witzige Bemerkungen wechseln sich ab.<\/p>\n<p>Der junge Mann bewirbt sich gerade. Noch z\u00f6gert Anger zwischen einer universit\u00e4ren Laufbahn (hier k\u00e4me eine erstklassige Universit\u00e4t in den Niederlanden in Frage) und einer Karriere in der Privatwirtschaft. Derzeit hat er zwei Bewerbungen laufen, unter anderem bei ICEYE.<\/p>\n<p>Anger legt eine Pause ein, schiebt Stift und Tabellen beiseite: \u201cWas wir hier an der Aalto-Universit\u00e4t schaffen? Wir bauen Satelliten von Anfang an, mit allem was dazugeh\u00f6rt. Dann fliegen wir die in den Weltraum. Als Student oder Mitarbeiter lernst Du hier die echte Welt kennen. Und das macht nat\u00fcrlich dann auch den Unterschied aus, wenn es darum geht, eine eigene Firma, ein eigenes Startup zu gr\u00fcnden, denn es ist wichtig zu wissen, was man tut und wie das im Detail funktioniert, oder?\u201d <\/p>\n<p>Egal ob Kapital gebraucht wird f\u00fcr Studenten-Startups oder ein Kontakt in die Gesch\u00e4ftswelt, der Vize-Pr\u00e4sident von Aalto, Janne Laine, hat direkte Telefonnummern von Top-Managern. Und wenn ein Student mit einer guten Idee mit einem Firmenchef reden m\u00f6chte, dann gibt Laine die Handynummer weiter, ganz egal in welchem Semester der Student sich befindet. <\/p>\n<p>Flache Hierarchien sind top<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Was k\u00f6nnten Europas Unis von Aalto lernen?&#8220;<\/p>\n<p>Janne Laine: \u201cWir legen unseren Teams nahe, dass sie sich st\u00e4ndig und sehr eng r\u00fcckkoppeln mit Kunden und allen Beteiligten. Schon ganz am Anfang legen wir Wert darauf, Kunden zu finden und mit an Bord zu holen, schon in der ersten Minute eines Projekts. Unternehmerische Kultur und der Aufbau von Vertrauen sind sehr wichtig. Und als dritten Erfolgsfaktor nenne ich die flache Hierarchien hier bei uns.\u201d<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Was ist das Besondere hier an der Aalto-Universit\u00e4t?&#8220;<\/p>\n<p>Laine: &#8222;Wir haben 53.000 Quadratmeter vermietet, gr\u00f6\u00dftenteils an Firmen. Und diese Unternehmer k\u00f6nnen mit uns hier auf dem Campus eng zusammenarbeiten. Das ist so schon etwas ungew\u00f6hnlich, in dieser Form, auch im gesamteurop\u00e4ischen Vergleich. So werden Unternehmer, Studenten und Forscher ganz direkt zusammengebracht, durch die r\u00e4umliche N\u00e4he.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Manchmal sieht man als junger Mensch, als Student nicht sofort das Potential, das in einer neuartigen Idee, in einem innovativen Forschungsvorhaben, in einem mutigen Projekt steckt. Wie k\u00f6nnen Sie da helfen?&#8220;<\/p>\n<p>Laine: &#8222;Wir haben spezielle Erfinderprogramme, insbesondere f\u00fcr Forscher. Das sind Crash-Kurse und Trainingseinheiten, man k\u00f6nnte auch Coaching sagen. Dabei geht es um Skalierung, Wachstumsm\u00f6glichkeiten, wie man den Markteintritt organisiert, es geht um Patentschutz und darum, wie man Kunden findet.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Vor Jahren hie\u00df es immer, die USA und einige asiatische Staaten k\u00f6nnen Innovation und Wissenstransfer aus der Forschung in die Wirtschaft. Europa hinke dabei hinterher. Wie sieht das heute aus, ganz aktuell?&#8220;<\/p>\n<p>Laine: &#8222;Wenn man sich das Forschungsniveau ansieht bei uns in Europa, dann ist ganz klar, dass wir nicht hinterherhinken. Etwas anderes ist die Skalierung, wie man vorhandenes Potential wirtschaftlich nutzen kann, der Zugang zu Risikokapital. Es ist heutzutage kein Problem, an Startup-Kapital in Europa zu gelangen. Aber wenn es um sp\u00e4teres Wachstum, um das Hochskalieren geht, da k\u00f6nnten wir in Europa noch besser werden. Auch beim dem, was B-to-B-Business genannt wird, auch dort haben wir Nachholbedarf.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Haben Sie einen Ratschlag an Entscheidungstr\u00e4ger in Br\u00fcssel, in den Hauptst\u00e4dten Europas?&#8220;<\/p>\n<p>Laine: &#8222;Es sollten grenz\u00fcberschreitende Cluster-Strukturen von Elite-Universit\u00e4ten geschaffen werden. Cambridge, Oxford, M\u00fcnchen und so weiter. Diese Kernst\u00e4dte mit Spitzenuniversit\u00e4ten sollten enger zusammenarbeiten.&#8220;<\/p>\n<p>Euronews: &#8222;Was tun, damit made in Europe auch k\u00fcnftig noch in der Weltliga ganz vorne mitspielt?&#8220;<\/p>\n<p>Laine: &#8222;Es gibt immer noch so viel ungenutztes Potential an den Universit\u00e4ten. Wir sollten \u00fcberall in Europa den universit\u00e4ren Sektor anregen, voll und ganz auf Innovation zu setzen und zwar auf Innovation, die neue Gesch\u00e4ftsfelder er\u00f6ffnet.&#8220;<\/p>\n<p>Spaziergang am See mit Shay Strong<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tage habe ich mich am Rande des idyllischen Sees neben Aalto und ICEYE mit der Astrophysikerin Doktor Shay Strong verabredet. Die US-Amerikanerin leitet die Datenauswertung bei ICEYE. <\/p>\n<p>In ihrer Freizeit nutzt sie jede sich bietende Outdoor-Gelegenheit. Strong ist stark auf lange Distanzen: strategischer Weitblick, das ist ihre Dom\u00e4ne bei ICEYE. Und auch im privaten ist sie die Ausdauer-Powerfrau: als Wildwasserschwimmerin braucht sie langen Atem \u00fcber weite Strecken bis zum n\u00e4chsten Ufer. Die besten Ideen kommen ihr oft im Wasser.<\/p>\n<p>Die Superbilder aus dem All helfen bei der milit\u00e4rischen Fernaufkl\u00e4rung. Aber auch beim Katastrophenmanagement: Wo brennt es? Welche Gebiete wurden \u00fcberschwemmt? Wo wird der Urwald abgeholzt? ICEYE hat den \u00dcberblick.<\/p>\n<p>Was ging in Ihnen vor, als die ersten guten Satellitenbilder aus dem All bei Ihnen eintrafen, frage ich sie. Strong kann sich noch gut erinnern: \u201cOh, sowas ist echt aufregend! Es f\u00fchlt sich an wie eine ruhige Revolution. Denn mit dem, was wir machen, schaffen wir fast so etwas wie eine ganz neuartige Infrastruktur.&#8220;<\/p>\n<p>Strong weiter: &#8222;Du hast auf einmal diesen erstaunlichen, wunderbaren Zugang zu all diesen Informationen. Damit k\u00f6nnen wir wirklich etwas bewegen f\u00fcr Menschen, die von Naturkatastrophen betroffen sind. Wir k\u00f6nnen auch die Sicherheit der Grenzen verbessern.\u201d<\/p>\n<p>Dr. Strong denkt einen Moment nach:\u201cIst die Arbeit, die wir bei ICEYE leisten, nutzbringend f\u00fcr die Menschheit? Ich w\u00fcrde sagen, Ja! Wir produzieren Bilder und Daten ja nicht f\u00fcr irgendwelche Konsumg\u00fcter, beispielsweise. Sondern wir halten fest, was auf der Erde geschieht.\u201d<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend frage ich Strong nach Ihrer pers\u00f6nlichen Motivation. Sie l\u00e4chelt kurz, dann sagt sie: \u201cWas mich antreibt, ist der Wunsch, meine Zeit einem Vorhaben zu widmen, durch das die Welt hoffentlich zu einem besseren Ort wird, dank unserer Daten. Mit diesen Informationen kann man bessere Entscheidungen treffen, auch in Europa. Denn wir navigieren durch eine sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernde Umwelt, eine sich wandelnde Welt.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei junge Genies aus Polen und Finnland, Rafa\u0142 Modrzewski und Pekka Laurila, haben eines der besten Satellitensysteme der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1023215,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,4714,451,14,15,1171,12,425,10156],"class_list":{"0":"post-1023214","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-innovation","17":"tag-militaer","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-satellit","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-technologie","23":"tag-weltall"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116583798530110416","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1023214"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023214\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1023215"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1023214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1023214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1023214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}