{"id":1023271,"date":"2026-05-16T11:04:15","date_gmt":"2026-05-16T11:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1023271\/"},"modified":"2026-05-16T11:04:15","modified_gmt":"2026-05-16T11:04:15","slug":"giesinger-braeu-was-die-muenchner-kultbrauerei-in-augsburg-plant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1023271\/","title":{"rendered":"Giesinger Br\u00e4u: Was die M\u00fcnchner Kultbrauerei in Augsburg plant"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der \u00e4ltere Herr mit dem braunen Sakko wuchtet den zweiten Kasten Bier in den Kofferraum seines in die Jahre gekommenen VW Polo. Unter gro\u00dfz\u00fcgiger Auslegung der Stra\u00dfenverkehrsregeln hat er ihn halb auf dem Gehweg, halb in der Hofeinfahrt abgestellt. \u201eDes is fei nur f\u00fcr den Eigenbedarf\u201c, sagt er mit einem Augenzwinkern und steigt ein. Kommen und Gehen hier am Giesinger Berg, inmitten eines M\u00fcnchner Arbeiterviertels, das sein Underdog-Image lebt. Kein Zufall, dass ausgerechnet hier eine Geschichte geschrieben wird wie diese. Die Geschichte eines Mannes, der keine Kohle hat, aber eine Idee. Der sich mit den Gro\u00dfen anlegt, scheitert, wieder aufsteht. Die Geschichte von Steffen Marx und seinem Giesinger Br\u00e4u, der in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-muenchen\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">M\u00fcnchen<\/a> zum Kult wurde und bald <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/augsburg-aus-dem-cafe-bricks-wird-ein-mini-wirtshaus-114163655\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">auch den Augsburgern einen einschenken<\/a> will. Oder zwei.\n  <\/p>\n<p>            Anfangs durfte Giesinger gar kein M\u00fcnchner Bier brauen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am anderen Ende der Stadt sitzt jener Steffen Marx an einem Holztisch und macht sich eine Dose Bier auf. \u201eDas Ger\u00e4usch m\u00fcsste man eigentlich aufnehmen\u201c, sagt er und nimmt einen gro\u00dfen Schluck. \u201eUntergiesinger Erhellung\u201c steht auf der Dose. Der Name stammt aus einer Zeit, als er noch kein \u201eM\u00fcnchner Bier\u201c herstellen durfte. Aber dazu sp\u00e4ter.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Angefangen hat alles vor gut 20 Jahren in einer Doppelgarage in Untergiesing. Dort braute sich Marx mit ein paar Freunden einst seine erste Halbe zusammen, f\u00fcr den eigenen Durst und bald auch f\u00fcr die Nachbarn. Sie haben Spa\u00df, verdienen aber kein Geld. Und das wird lange so bleiben. Die entscheidende Wendung nimmt die Geschichte erst in jenem Hinterhof, aus dem gerade der alte VW Polo weggefahren ist.\n  <\/p>\n<p>            Steffen Marx st\u00fcrzt sich ins Abenteuer seines Lebens \u2013 oder in den Ruin?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am Giesinger Berg, gegen\u00fcber der Heilig-Kreuz-Kirche, die heute das Firmenlogo ziert, steht damals eine alte Trafohalle leer. Mit mehreren Gesellschaftern, einem Haufen kleiner Investoren, die sich mit ein paar Euro beteiligen und ihre Zinsen in Form von Bier bekommen, und mit zwei Millionen Euro Schulden bei der Bank st\u00fcrzt sich Marx ins Abenteuer seines Lebens \u2013 oder halt in den Ruin. Das kann damals keiner so genau sagen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am Anfang sammelt er noch das Leergut der Konkurrenz in der Stadt ein, f\u00fcllt die B\u00fcgelflaschen neu ab und klebt das eigene Logo drauf. Doch schon bald wird aus dem Giesinger Br\u00e4u ein unglaublicher Erfolg. Sogar einen Kinofilm war die Story wert. Premiere: im Gr\u00fcnwalder Stadion. Das liegt ein paar hundert Meter die Stra\u00dfe rauf und wird hier nur \u201edas Sechzger\u201c genannt, weil hier der TSV 1860 spielt, noch so ein Giesinger Underdog.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eDas Viertel ist unsere Heimat und ohne die Menschen dort w\u00e4ren wir jetzt nicht da, wo wir sind. Zwei-, dreimal standen wir kurz vor der Pleite, aber wir haben es geschafft und ich finde, das sollte eine Mutmacher-Geschichte f\u00fcr andere sein\u201c, sagt Marx. Doch nicht allen gef\u00e4llt diese Geschichte. Die \u201eGro\u00dfen Sechs\u201c sind alarmiert.\n  <\/p>\n<p>            Sechs M\u00fcnchner Bier-Dynastien teilten sich die Stadt auf<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seit Jahrhunderten pr\u00e4gten <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/wiesnwirte-auf-dem-oktoberfest-diese-menschen-verdienen-millionen-mit-den-zelten-29-09-2025-110625001\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">sechs Traditionskonzerne die Stadt \u2013 und haben sie unter sich aufgeteilt<\/a>: Hofbr\u00e4u, Paulaner, L\u00f6wenbr\u00e4u, Spaten, Hacker-Pschorr und Augustiner. Nur sie durften \u201eM\u00fcnchner Bier\u201c brauen und: nur sie d\u00fcrfen auf dem <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/veranstaltungen\/aa-oktoberfest\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Oktoberfest<\/a> ausschenken. Marx wollte das \u00e4ndern. Und brauchte daf\u00fcr schon wieder Geld. \u00dcber ein \u201eCrowdfunding\u201c sammelte er Kapital, um einen Tiefbrunnen bohren zu k\u00f6nnen. Unter den Investoren waren \u00fcbrigens auch eine Menge Augsburger. Das wird noch wichtig.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Jedenfalls: Nur, wer sein Bier mit Tiefenwasser aus dem Stadtgebiet braut, darf das Ergebnis offiziell \u201eM\u00fcnchner Bier\u201c nennen. Neben einer M\u00fcllkippe im Norden der Stadt fand Marx ein passendes Grundst\u00fcck. Dort wurde gebohrt, dort steht heute das Werk 2, in dem der 48-J\u00e4hrige gerade seine zweite Dose Bier aufmacht.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Um die Marke bekannter zu machen, er\u00f6ffnet Giesinger Br\u00e4u au\u00dferdem 2019 in einer kleinen Bude in der Innenstadt seinen ersten Stehausschank. Ein Konzept, das dem Naturell des Chefs entspricht. \u201eIch will nicht in irgendwelchen Strategiesitzungen hocken, sondern selbst drau\u00dfen vor Ort sein, ein paar Bier trinken, mit den Leuten quatschen\u201c, sagt er. F\u00fcr ihn ist so ein Stehausschank \u201edie bayerische Variante einer italienischen Espresso-Bar\u201c. Inzwischen gibt es acht davon in M\u00fcnchen. Der erste Laden au\u00dferhalb der Stadtgrenzen startet im Juli \u2013 in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a>. Und das ist kein Zufall.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die N\u00e4he ist Marx wichtig und dass es die Marke Giesinger dort schon im Handel gibt. Und dann sind da ja noch all die Augsburger Investoren, die damals beim Brunnen geholfen haben. \u201eAu\u00dferdem gibt es eine Menge Leute dort, die zur Arbeit nach M\u00fcnchen pendeln. Da konnten wir es einfach nicht l\u00e4nger verantworten, dass all die V\u00e4ter auf dem Heimweg dauernd an unseren L\u00e4den in M\u00fcnchen h\u00e4ngengeblieben sind und dann so sp\u00e4t nach Hause kamen. Also haben wir gesagt: Wir bringen ihnen ihr Feierabendbier nach Augsburg\u201c, sagt er, nicht ganz so bierernst.\n  <\/p>\n<p>            N\u00e4chstes Ziel: Giesinger Br\u00e4u will endlich auf die Wiesn<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Expansion soll den Underdog, der inzwischen 130 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt und 13 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht, auch einem anderen, einem gro\u00dfen Ziel entgegenbringen: Giesinger Br\u00e4u will auf die Wiesn. Die zwei wichtigsten Kriterien erf\u00fcllt er inzwischen: Er braut mit M\u00fcnchner Tiefenwasser und schafft die Mengen, die f\u00fcrs Oktoberfest gebraucht werden. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/wie-wird-man-wiesnwirt-was-die-stadt-muenchen-und-die-brauereien-mitzureden-haben-30-09-2025-110629919\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Um ein Zelt auf der Theresienwiese zu bekommen<\/a>, muss man aber halt auch die richtigen Leute kennen und \u00fcberzeugen. Die \u201eGro\u00dfen Sechs\u201c werden da eher nicht helfen. Immerhin: Der neue Oberb\u00fcrgermeister Dominik Krause kommt selber aus Giesing. Vielleicht bringt das ja was.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Im Werk 2, in dem tausende Flaschen und Bierkisten auf F\u00f6rderb\u00e4ndern unterwegs sind, gibt es an der Wand ein Graffiti: \u201eAuf der Wiesn 2018\u201c, steht da. Die Jahreszahl wurde sp\u00e4ter durchgestrichen, durch 2019 ersetzt. Auch durchgestrichen. Und so geht das seither immer weiter. Aber Marx war ja noch nie ein Typ f\u00fcrs Aufgeben. \u201eIch wollte eigentlich auf der Wiesn sein, wenn ich 50 werde. Das w\u00e4re n\u00e4chstes Jahr, k\u00f6nnte also knapp werden. Aber wenn es noch ein Jahr l\u00e4nger dauern sollte, w\u00fcrde ich das notfalls auch unterschreiben\u201c, sagt er, l\u00e4chelt und stellt die zweite Dose auf den Tisch. Sie ist leer.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der \u00e4ltere Herr mit dem braunen Sakko wuchtet den zweiten Kasten Bier in den Kofferraum seines in die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1023272,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[680,772,219842,29,30,6787,185017,219841,1268,8765,25211,603,41324],"class_list":{"0":"post-1023271","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-bierbranche","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-giesing","14":"tag-giesinger-berg","15":"tag-kultbrauerei","16":"tag-muenchen","17":"tag-steffen-marx","18":"tag-stehausschank","19":"tag-vw","20":"tag-vw-polo"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1023271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023271\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1023272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1023271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1023271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1023271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}