{"id":10246,"date":"2025-04-06T11:04:11","date_gmt":"2025-04-06T11:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/10246\/"},"modified":"2025-04-06T11:04:11","modified_gmt":"2025-04-06T11:04:11","slug":"heiko-friedrich-wurde-als-baby-adoptiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/10246\/","title":{"rendered":"Heiko Friedrich wurde als Baby adoptiert"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEine Familie habe ich nicht\u201c, sagt Heiko Friedrich. Nach seiner Adoption im Babyalter war sein ganzes Leben gepr\u00e4gt von Unsicherheit. Wie er heute damit umgeht.<\/p>\n<p>\u201eEin emotionaler M\u00fcllhaufen\u201c, treffender k\u00f6nne man den psychischen Zustand nicht nennen, in dem er aufgewachsen sei, sagt Heiko Friedrich (49) aus Dortmund-Lichtendorf in aller Offenheit und Abgekl\u00e4rtheit. Der 49-j\u00e4hrige Lichtendorfer wurde als Baby adoptiert. Jetzt, als Erwachsener, hat er eine Selbsthilfegruppe f\u00fcr Menschen gegr\u00fcndet, die \u2013 wie er \u2013 Probleme mit ihrer Herkunft haben.<\/p>\n<p>\u201eDas tat gut zu sehen, dass man nicht allein ist mit seiner Verr\u00fccktheit\u201c, erkl\u00e4rt er. Zwar sei jedes Schicksal, jeder Lebensweg anders, aber alle, die er bei den ersten Treffen kennengelernt habe, vereine das Gef\u00fchl der Unsicherheit. \u201eAlle sind mindestens hoch-, wenn nicht \u00fcber-sensibel\u201c, sagt Heiko Friedrich.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/630_0900_4613626_Heiko_Friedrich1-1024x683.jpg\" alt=\"Heiko Friedrich aus Dortmund-Lichtendorf sitzt an einem Tisch. Vor ihm liegen zahlreiche Urkunden, die mit seine Adoption zusammenh\u00e4ngen.\" class=\"wp-image-2001613560\" title=\"Heiko Friedrich aus Dortmund-Lichtendorf sitzt an einem Tisch. Vor ihm liegen zahlreiche Urkunden, die mit seine Adoption zusammenh\u00e4ngen.\"  \/>Wer hat schon eine Abstammungs-, eine Geburts- und eine Staatsb\u00fcrgerurkunde? Der Lichtendorfer Heiko Friedrich hat auf der Suche nach seiner Herkunft einen dicken Ordner an Urkunden zusammengetragen.\u00a9 Martin Krehl<\/p>\n<p>Erst ins Kinderheim, dann zu Adoptiveltern<\/p>\n<p>Er selbst sei in der N\u00e4he von L\u00fcbeck zur Welt gekommen. Seine damals erst 17-j\u00e4hrige leibliche Mutter habe ihn abtreiben wollen, doch das Jugendamt habe davon abgeraten, wie Heiko Friedrich heute wei\u00df. \u201eVielleicht habe ich im Mutterleib gesp\u00fcrt, dass ich gar nicht gewollt war.\u201c<\/p>\n<p>Der kleine Heiko kam direkt aus dem Krei\u00dfsaal f\u00fcr sechs Monate in ein Kinderheim, danach zu einem Ehepaar, das selbst keine Kinder bekommen konnte \u2013 und laut Heiko Friedrich nicht wirklich gut mit Kindern klarkam. Die Adoptiveltern h\u00e4tten ihm schon ganz fr\u00fch erkl\u00e4rt, dass er \u201enicht aus Mamas Bauch gekommen\u201c sei. \u201eAber aus welchem Bauch denn dann, das haben sie mir nie gesagt\u201c, erz\u00e4hlt der heute 49-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Seine Adoptivmutter habe damals in seinem Beisein mit einem Kinderheim telefoniert, wenn ihre \u00dcberforderung zu gro\u00df geworden sei und gefragt, wann sie den Jungen bringen k\u00f6nne. Den jungen Heiko plagten unentwegt Schuldgef\u00fchle. \u201eIch wollte doch nur gefallen, stand st\u00e4ndig unter Leistungsdruck.\u201c<\/p>\n<p>Der erwachsene Heiko Friedrich sagt heute, er habe keine Familie. Eine pr\u00e4gende Erkenntnis f\u00fcr ihn: \u201eIch bin mein Leben lang von Fremden umgeben.\u201c Sein Adoptivvater, \u201eein Quartalss\u00e4ufer\u201c, wie Heiko Friedrich sagt, sei bereits vor zw\u00f6lf Jahren gestorben. Den Kontakt zu seiner Adoptivmutter beschr\u00e4nke er aus Selbstschutz auf ein Mindestma\u00df.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/630_0900_4613627_Heiko_Friedrich6-1024x683.jpg\" alt=\"Heiko Friedrich aus Dortmund-Lichtendorf steht an einem Feld.\" class=\"wp-image-2001613561\" title=\"Heiko Friedrich aus Dortmund-Lichtendorf steht an einem Feld.\"  \/>Heiko Friedrich l\u00e4uft regelm\u00e4\u00dfig seine f\u00fcnf Kilometer durch die Natur: \u201eMacht den Kopf frei\u201c, sagt er. Er liebt die Aussicht vom Haarstrang \u00fcber das Ruhrtal besonders.\u00a9 Martin Krehl<\/p>\n<p>\u201eIn der Krise besser weglaufen\u201c<\/p>\n<p>Seinen leiblichen Vater hat er als Erwachsener nur kurz, quasi im T\u00fcrrahmen gesehen \u2013 wobei bis heute v\u00f6llig unklar ist, ob dieser Mann tats\u00e4chlich sein Vater ist. Der einzige Hinweis: Er hei\u00dft so, wie der Mann, den die Jugendamtsakte als leiblichen Vater nennt. Diese Akte ist Heiko Friedrichs einziger Herkunftsnachweis. Er h\u00fctet sie, seit er sie hat, wie einen Schatz, bl\u00e4ttert immer wieder durch die vergilbten Bl\u00e4tter, seziert jeden Satz.<\/p>\n<p>Der heute 49-J\u00e4hrige hat ein sehr wechselhaftes Leben hinter sich. Er hat jeweils zwei Kinder mit zwei verschiedenen Frauen. In die erste Ehe sei er hineingeschliddert: \u201eIch war 19 und wollte nicht zum Bund, die zogen Verheiratete mit Kindern nicht ein, das wusste ich\u201c. Aus beiden Beziehungen ist Heiko Friedrich geflohen. \u201eDas war das Muster, das ich gelernt hatte \u2013 in der Krise immer besser weglaufen.\u201c<\/p>\n<p>Heute lebt der gelernte Schlosser mit fast abgeschlossenem Sozialarbeit-Studium und 17 Jahren Selbstst\u00e4ndigkeit mit einer Computerschule f\u00fcr Senioren allein und plant, das angefangene Studium jetzt abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Viele unbeantwortete Fragen<\/p>\n<p>Seinen beiden M\u00fcttern hat Heiko Friedrich inzwischen verziehen, m\u00f6chte aber dennoch nur sporadischen Kontakt aufrechterhalten. Obwohl viele seiner Fragen dadurch vermutlich unbeantwortet bleiben werden: \u201eHabe ich leibliche Geschwister? Gibt es in meiner Familie so etwas wie Erbkrankheiten? Was habe ich sonst von meinem Vater, meiner Mutter?\u201c Antworten auf diese Fragen k\u00f6nnten ihm seinen Seelenfrieden bringen, sagt der 49-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck weit hat der sich diesen schon selbst erarbeitet \u2013 trotz H\u00f6hen und Tiefen. Auf Depressionen folgten Arztbesuche und Therapien, Klinikaufenthalte, Besuche bei Selbsthilfegruppen f\u00fcr Adoptierte in Berlin und K\u00f6ln. Er habe hart an sich und seiner Gef\u00fchlswelt gearbeitet, sagt Heiko Friedrich, B\u00fccher gelesen, Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Noch seien nicht alle Wunden verheilt, nicht alle Fragen gekl\u00e4rt, aber er habe jetzt die Ruhe daran zu arbeiten. Er traue seinen Gef\u00fchlen, sei optimistisch.<\/p>\n<p>Seine Erfahrungen m\u00f6chte er nun weitergeben und von denen anderer Adoptierter lernen. Die Resonanz auf die ersten Treffen seiner neuen Selbsthilfegruppe in Dortmund st\u00e4rke ihn sehr: \u201eSelbstf\u00fcrsorge und Selbstliebe sind bei mir noch zarte Pfl\u00e4nzchen, aber um die kann ich mich jetzt k\u00fcmmern.\u201c<\/p>\n<p>Selbsthilfegruppe Adoptierter in Dortmund<\/p>\n<ul strstyle=\"disc\">\n<li>Die neue Selbsthilfegruppe Adoptierter trifft sich jeden ersten und dritten Montag im Monat um 19 Uhr im Wilhelm-Hansmann-Haus, M\u00e4rkische Stra\u00dfe 21 in der Dortmunder Innenstadt. Sie richtet sich an Menschen aus Dortmund, dem Kreis Unna und Umgebung.<\/li>\n<li>Es wird ein gesch\u00fctzter Raum geboten, in vertraulichem Rahmen k\u00f6nnen Probleme angesprochen werden. Man tausche sich aus, es werde nicht therapiert, so Friedrich.<\/li>\n<li>Schwerpunktm\u00e4\u00dfig geht es um Tipps zur Herkunftssuche. Dar\u00fcber hinaus gibt es zum Beispiel \u00c4rzte- und Therapeutenlisten sowie Buch-Empfehlungen.<\/li>\n<li>Der Gr\u00fcnder der Selbsthilfegruppe, Heiko Friedrich, ist unter der Tel. (0231) 13 05 88 98 zu erreichen oder per E-Mail an <a href=\"https:\/\/www.ruhrnachrichten.de\/dortmund-sued\/selbsthilfegruppe-adoptiert-adoption-herkunft-probleme-leibliche-eltern-kinderheim-adoptiveltern-w1017155-2001613562\/mailto:heiko@shg-adoptierte.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">heiko@shg-adoptierte.de<\/a>. Wer an den Treffen interessiert ist, wird um vorherige Anmeldung gebeten.<\/li>\n<li>Kontakte zu bestehenden Selbsthilfegruppen in Berlin, Leipzig, im Rheinland und in Rosenheim sind gekn\u00fcpft und werden gepflegt.<\/li>\n<li>Es gibt eine Internetseite, auf der auch ein Flyer heruntergeladen werden kann: <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.shg-adoptierte.de\" rel=\"nofollow noopener\">www.shg-adoptierte.de<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eEine Familie habe ich nicht\u201c, sagt Heiko Friedrich. 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