{"id":1024919,"date":"2026-05-17T03:43:35","date_gmt":"2026-05-17T03:43:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1024919\/"},"modified":"2026-05-17T03:43:35","modified_gmt":"2026-05-17T03:43:35","slug":"ex-praesident-von-lettland-ueber-russlands-paranoide-ideologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1024919\/","title":{"rendered":"Ex-Pr\u00e4sident von Lettland \u00fcber Russlands paranoide Ideologie"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/6849463161153248.webp\" fetchpriority=\"high\" width=\"4088\" height=\"2725\" alt=\"epa12942945 Russian President Vladimir Putin attends a ceremony to lay flowers at the Tomb of the Unknown Soldier by the Kremlin wall in central Moscow, Russia, 09 May 2026. Russia marks the 81st anni ...\" data-image-id=\"6849463161153248\" class=\"watson-snippet__image bg-grey-10 block h-auto w-full \"\/><\/p>\n<p>Wladimir Putin an der geschrumpften Parade zum Siegestag am letzten Samstag in Moskau.Bild: keystone<\/p>\n<p>Interview<\/p>\n<p>Lettlands Ex-Pr\u00e4sident Egils Levits geht davon aus, dass Russland auch nach Wladimir Putin eine Bedrohung f\u00fcr Europa bleibt. Am St.Gallen Symposium sprach er mit watson \u00fcber den EU-Beitritt der Ukraine und die Grenzen der Neutralit\u00e4t.<\/p>\n<p>17.05.2026, 05:3317.05.2026, 05:33<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/7024176356809664.webp\" alt=\"Peter Blunschi\" width=\"50\" height=\"50\" loading=\"lazy\" class=\"h-auto w-14 rounded-full\"\/><\/p>\n<p>Folge mir<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong\/><strong>Wir leben in einer Zeit der Multikrisen. Welche beunruhigt Sie am meisten?<br \/>Egils Levits: <\/strong>Es gibt zwei Krisen, die mir Sorgen bereiten. Erstens die Sicherheitskrise, insbesondere in Europa, aber auch in der Welt. Und zweitens die Krise der Demokratie, bei der man eine gewisse Erosion erkennen kann.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Die Niederlage von Viktor Orban bei der Wahl in Ungarn wurde als positives Signal f\u00fcr die Demokratie interpretiert. Oder wie sehen Sie das?<\/strong> <br \/>Ich bin vorsichtig optimistisch. Ein paar Tage vor der Wahl in Ungarn hatte ich gefordert, dass die Europ\u00e4ische Union im Fall eines erneuten Siegs von Orban Wege finden muss, um zu verhindern, dass ein oder mehrere Mitgliedstaaten die gesamte Union blockieren. Wahrscheinlich ist das nach der Wahl von Oppositionsf\u00fchrer P\u00e9ter Magyar nicht mehr so dringend. Eines seiner zentralen Wahlversprechen war, die europ\u00e4ischen Fondsgelder zu deblockieren. Daf\u00fcr muss er gewisse rechtsstaatliche Standards einhalten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/5532916765767780.webp\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"1334\" alt=\"epa10475445 Latvian President Egils Levits speaks during the the 59th Munich Security Conference (MSC) in Munich, Germany, 18 February 2023. More than 500 high-level international decision-makers meet ...\" data-image-id=\"5532916765767780\" class=\"watson-snippet__image bg-grey-10 block h-auto w-full \"\/><\/p>\n<p>Egils Levits (70) war von 2019 bis 2023 Pr\u00e4sident der baltischen Republik Lettland. Zuvor war er Richter und Diplomat, unter anderem als Botschafter f\u00fcr die Schweiz.Bild: EPA<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>In anderen osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern sieht es ebenfalls schwierig aus. Rum\u00e4nien ist neu hinzugekommen.<\/strong> <br \/>Rum\u00e4nien, ebenso Bulgarien oder die Slowakei. Aber man k\u00f6nnte auch Frankreich erw\u00e4hnen, wo es n\u00e4chstes Jahr Wahlen gibt. Und gem\u00e4ss den neusten Umfragen ist die AfD die st\u00e4rkste Partei Deutschlands. Mit ihr will niemand koalieren, zumindest derzeit.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Sie warnen schon lange vor der Bedrohung durch Russland. Sie ist Teil der Sicherheitskrise, die Sie erw\u00e4hnten. Wie gross ist das Problem derzeit?<\/strong> <br \/>Auf absehbare Zeit ist Russland mit der Ukraine besch\u00e4ftigt. Wir m\u00fcssen klar betonen, dass die Ukraine Europa verteidigt. Und wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass die Ukraine das tun kann. Aber ich gehe davon aus, dass es irgendwann zu einem fragilen Waffenstillstand kommen wird. Und Russland ist eine st\u00e4ndige Bedrohung durch seine Ideologie.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Wie w\u00fcrden Sie diese beschreiben?<\/strong><br \/>Wladimir Putin und seine Partei entwickelten sie aus verschiedenen Versatzst\u00fccken: aus dem klassischen Imperialismus des 19. Jahrhunderts, aus faschistischen Ideen der 1920er und 30er Jahre in Deutschland und Italien sowie aus dem russischen Exzeptionalismus und Missionarismus des 19. Jahrhunderts. Demnach hat Gott Russland den Auftrag gegeben, die Welt zu zivilisieren. Ich bin skeptisch, dass diese Ideologie nach Putin verschwinden wird. Sie kann auch mit einem anderen F\u00fchrer existieren. Solange viele Russen, vielleicht die Mehrheit, dieses Gift in sich tragen, bleibt Russland eine st\u00e4ndige Bedrohung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2759149991658715.webp\" loading=\"lazy\" width=\"5093\" height=\"3396\" alt=\"Russian President Vladimir Putin, center, accompanied by military personnel and their families, lights a candle while attending an Orthodox Christmas service at a church in Moscow Region, Russia, on W ...\" data-image-id=\"2759149991658715\" class=\"watson-snippet__image bg-grey-10 block h-auto w-full \"\/><\/p>\n<p>Wladimir Putin in einer Moskauer Kirche: Die russische Ideologie hat eine stark religi\u00f6se Komponente.Bild: keystone<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>In der Ukraine aber l\u00e4uft es f\u00fcr die Russen nicht mehr so gut.<\/strong><br \/>Die Ukraine hat sich auf erstaunliche Weise aufgerafft. Sie hat eine eigene milit\u00e4rische Industrie, die Drohnenindustrie, unter Kriegsbedingungen entwickelt. Sie ist sogar bereit, diese neue Technologie den Staaten im Nahen Osten zur Verf\u00fcgung zu stellen. Deshalb ist es sehr wichtig f\u00fcr Europa, dass die Ukraine sowohl der EU als auch der NATO beitritt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Die Vorbehalte dagegen sind gross. Wie soll das funktionieren?<\/strong><br \/>Es gibt sieben EU-Beitrittskandidaten: Ukraine, Moldau und die Staaten des Westbalkans. Darauf m\u00fcssen die EU und ihr Entscheidungsmechanismus vorbereitet werden. Ich habe vorgeschlagen, im Beitrittsvertrag zu vereinbaren, dass diese neuen Mitglieder f\u00fcr 15 Jahre auf ein Vetorecht verzichten. Damit sollten alle zufrieden sein. Die Kandidatenstaaten, weil sie drin sind, und die heutigen EU-L\u00e4nder, weil dadurch kein zus\u00e4tzliches Problem entsteht. Wie es danach weitergeht, wird man sehen, aber im Prinzip muss dieses Veto stark eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>\u00abDie Ukraine hat gezeigt, dass sie trotz dieses harten Winters widerstehen kann. Jetzt steht sie sogar etwas besser da als zuvor.\u00bb<\/p>\n<p>Egils Levits<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Sie pl\u00e4dieren f\u00fcr ein Europa der zwei Geschwindigkeiten?<\/strong><br \/>Es geht in diese Richtung. F\u00fcr mich handelt es sich auch um ein juristisches Problem: Das Veto oder nur schon die Drohung damit erf\u00fcllt manchmal den Tatbestand des Rechtsmissbrauchs. Das muss man ernst nehmen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Die Ukraine hat einen sehr harten Winter erlebt, mit Angriffen auf die Energie- und Heizinfrastruktur. Kann sie das noch einmal durchstehen?<\/strong> <br \/>Zwei Entwicklungen seit Jahresbeginn stimmen mich zuversichtlich: Die Ukraine hat gezeigt, dass sie trotz dieses harten Winters widerstehen kann. Jetzt steht sie sogar etwas besser da als zuvor. Gleichzeitig zeigt Russland gewisse Erm\u00fcdungserscheinungen. Vielleicht f\u00fchrt beides dazu, dass sich irgendeine L\u00f6sung abzeichnet.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Gleichzeitig liefert die Schweiz Generatoren an die Ukraine.<\/strong><br \/>Solche Dinge k\u00f6nnten helfen, dass es im n\u00e4chsten Winter besser l\u00e4uft.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Es heisst, Putin werde zunehmend paranoid. Ist sein Regime bedroht?<\/strong> <br \/>Paranoia ist das Charakteristikum dieser russischen Ideologie. Es ist die Vorstellung, dass Russland von der ganzen Welt umzingelt ist. Dagegen m\u00fcsse man offensiv vorgehen. Das ist v\u00f6llig paranoid. Europa kann darauf mit der Zusicherung reagieren, man wolle Russland nicht angreifen. Ich glaube aber nicht, dass das wirken wird, daf\u00fcr ist die Paranoia zu stark. Gegen\u00fcber einem solchen Staat kann man nur mit Abschreckung reagieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/6007640748843292.webp\" loading=\"lazy\" width=\"7940\" height=\"5284\" alt=\"epa12888588 German Chancellor Friedrich Merz (C) and Ukrainian President Volodymyr Zelensky (L) watch a presentation of military equipment and drones made in German-Ukrainian cooperation at the Chance ...\" data-image-id=\"6007640748843292\" class=\"watson-snippet__image bg-grey-10 block h-auto w-full \"\/><\/p>\n<p>Wolodymyr Selenskyj und Friedrich Merz lassen sich eine von Deutschland und der Ukraine gemeinsam entwickelte Drohne erkl\u00e4ren.Bild: keystone<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Wie stellen Sie sich das konkret vor?<\/strong><br \/>Abschreckung besteht aus drei Elementen. Das erste sind echte milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten. Deshalb ist die Investition in die Verteidigung sehr wichtig. Europa hat dies beschlossen, langsam geht es in die richtige Richtung. Zweitens, und das ist das Problematische, braucht es den politischen Willen, sich im Falle eines Angriffs zu verteidigen. Mit seinem hybriden Informationskrieg gegen\u00fcber dem offenen, demokratischen Westen versucht Russland, diesen Verteidigungswillen zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Welches ist das dritte Element?<\/strong><br \/>Man muss diesen Willen und die F\u00e4higkeiten glaubw\u00fcrdig kommunizieren. Daraus entsteht Abschreckung. Und man muss der eigenen Bev\u00f6lkerung verst\u00e4ndlich machen, dass die Investition in die Verteidigung eine Investition f\u00fcr den Frieden ist. Wir machen das, damit es nicht zu einem Krieg kommt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>In Russland wird das Leben f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung durch die Inflation oder Internetsperren immer komplizierter. K\u00f6nnte das f\u00fcr Putin zum Problem werden?<\/strong><br \/>Wir im Westen messen das mit unseren Massst\u00e4ben. F\u00fcr uns ist schon ein paar Prozent Inflation eine Katastrophe. Die Russen sind sehr viel leidensf\u00e4higer. Sie leben in einem repressiven Staat und sind Unterdr\u00fcckung und Einschr\u00e4nkungen gewohnt.<\/p>\n<p>\u00abAngesichts der russischen Bedrohung und der chinesischen Aufr\u00fcstung ist das Dr\u00e4ngen von Trump, die Verteidigungsausgaben auf f\u00fcnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erh\u00f6hen, sehr vern\u00fcnftig.\u00bb<\/p>\n<p>Egils Levits<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Die NATO steht auch von Westen unter Druck, genauer von Donald Trump. Wie beurteilen Sie dieses Problem?<\/strong> <br \/>Es war schon in seiner ersten Amtszeit absehbar. Diese ablehnende Haltung zwingt Europa, seine eigene Rolle in der Welt zu \u00fcberdenken. Angesichts der russischen Bedrohung und der chinesischen Aufr\u00fcstung ist das Dr\u00e4ngen von Trump, die Verteidigungsausgaben auf f\u00fcnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erh\u00f6hen, sehr vern\u00fcnftig. Das wird jetzt gemacht, insofern hat Trumps Druck auch Positives bewirkt. Gleichzeitig ist der Sicherheitsschirm der Vereinigten Staaten in Europa sehr abrupt l\u00f6chrig geworden. Das ist schon ein Problem. Und nat\u00fcrlich Gr\u00f6nland, das ist eine, sagen wir mal, \u00fcberraschende Entwicklung.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Das heisst, Europa muss jetzt wirklich anfangen, seine Verteidigung zu verst\u00e4rken?<\/strong> <br \/>Ja, und zwar Europa insgesamt, nicht nur einzelne Staaten. Man muss die NATO-Strukturen dazu nutzen, dass Europa sich selbstst\u00e4ndig verteidigen kann. Dazu geh\u00f6rt, die Ukraine in diese europ\u00e4ischen Sicherheitsstrukturen einzubinden, vielleicht mit einem NATO-Beitritt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Es bringt nichts, auf die Zeit nach Trump zu hoffen?<\/strong><br \/>Es ist gut, einen Freund zu haben. Aber wenn er nicht vorhanden ist oder nicht gewillt zu helfen, muss man sich schon selbst helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>K\u00f6nnte das eigene Atomwaffen f\u00fcr Europa bedeuten?<\/strong> <br \/>Das wird diskutiert, Emmanuel Macron hat angeboten, seinen Nuklearschirm auszuweiten. Es gab auch Gespr\u00e4che mit Friedrich Merz. Ich denke, das geht in die richtige Richtung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/2203710268078055.webp\" loading=\"lazy\" width=\"6000\" height=\"4000\" alt=\"epa11882546 Specialists cut a loop of power line next to the border of Russia, Latvia, 08 February 2025. The Baltic states of Lithuania, Latvia, and Estonia on 08 February cut ties with Russia's  ...\" data-image-id=\"2203710268078055\" class=\"watson-snippet__image bg-grey-10 block h-auto w-full \"\/><\/p>\n<p>Arbeiter demontieren im Februar 2025 eine Stromleitung zwischen Lettland und Russland und machen den baltischen Staat unabh\u00e4ngig von russischer Energie.Bild: keystone<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>F\u00fcr Europa bleibt auch die Energieversorgung ein Problem. Deutschland etwa ist sehr anf\u00e4llig geworden.<\/strong><br \/>Die Bev\u00f6lkerung hat die Atomkraft nicht in allen, aber in vielen Staaten lange abgelehnt. Dabei schafft sie eine gewisse Unabh\u00e4ngigkeit. Es werden jetzt kleine Atomkraftwerke entwickelt, die in Frankreich bis Mitte der 2030er Jahre verf\u00fcgbar sein sollen. Das ist mittelfristig eine L\u00f6sung, aber auch die erneuerbaren Energien produzieren schon heute einen sehr hohen Anteil. Man kann ihn weiter erh\u00f6hen und versuchen, diese \u00dcbergangszeit durch Diversifizierung zu managen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>In Lettland mussten Sie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine das Energieproblem ziemlich rasch l\u00f6sen.<\/strong><br \/>Wir haben den Vorteil, dass die H\u00e4lfte unserer Energie aus der Wasserkraft kommt. Das ist eine st\u00e4ndige erneuerbare Quelle. Hinzu kommen die anderen erneuerbaren Energien. Und wir haben auf Fl\u00fcssiggas umgestellt und sind nicht mehr abh\u00e4ngig von russischer Energie.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Die Schweiz ist weder EU- noch NATO-Mitglied. Man hat manchmal den Eindruck, bei uns habe man den Ernst der Lage nicht erkannt. <\/strong><br \/>Die Schweiz ist von Freunden umzingelt (lacht). Sie ist in einer sehr gl\u00fccklichen geografischen Lage. Aber die Schweiz profitiert von der Verteidigungsf\u00e4higkeit und dem Verteidigungswillen Europas. Ich stelle fest, dass viele in der Schweiz das auch so sehen und dar\u00fcber nachdenken, wie man dazu beitragen kann.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>In der Schweiz finden viele, wir sollten auf Diplomatie setzen, statt aufzur\u00fcsten.<\/strong><br \/>Diplomatie ist gut, aber man darf sich darin nicht t\u00e4uschen. Es gibt viele Situationen, in denen Diplomatie weiterhelfen kann. Und es gibt solche, in denen sie nicht wirklich zur L\u00f6sung des Problems beitragen kann. F\u00fcr Diplomatie m\u00fcssen beide Seiten eine gewisse \u00dcberschneidung der Interessen haben. Das ist nicht immer der Fall, und da ist die Diplomatie relativ hilflos. Das muss man anerkennen, statt sie als Ausrede zu nutzen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Sie haben vor dem Deutschen Bundestag darauf verwiesen, dass Lettland in beiden Weltkriegen je ein Drittel seiner Einwohner verloren hat. Wir Schweizer sind verschont geblieben. Fehlt uns dadurch die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr solche Probleme?<\/strong> <br \/>Vielleicht macht uns dieses historische Ged\u00e4chtnis sensibler f\u00fcr die Realit\u00e4t. Aber die Schweiz liegt in der Mitte Europas. Dieser Kontinent hat sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Krieg und Gewalt gemacht. Ich glaube, die Schweiz sieht sich selbst als Teil Europas. Also nicht der Union, aber Europas (lacht).<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><strong>Die Neutralit\u00e4t ist bei uns auch ein wichtiges Thema. Kann sie in der heutigen Welt noch funktionieren?<\/strong> <br \/>Schweden und Finnland haben erkannt, dass die Neutralit\u00e4t nicht hilft, wenn eine Bedrohung vorhanden ist. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte sich Lettland ebenfalls f\u00fcr neutral erkl\u00e4rt. Das hat auch nicht geholfen, ebenso wenig Belgien vor dem Ersten Weltkrieg. Man sollte bereit sein, aus der Geschichte gewisse Schl\u00fcsse zu ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wladimir Putin an der geschrumpften Parade zum Siegestag am letzten Samstag in Moskau.Bild: keystone Interview Lettlands Ex-Pr\u00e4sident Egils&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1024920,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-1024919","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116587856978037741","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1024919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1024919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1024919\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1024920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1024919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1024919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1024919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}