{"id":1024972,"date":"2026-05-17T04:18:14","date_gmt":"2026-05-17T04:18:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1024972\/"},"modified":"2026-05-17T04:18:14","modified_gmt":"2026-05-17T04:18:14","slug":"muenchen-pop-bibel-oder-manipulativ-dokus-zu-70-jahren-bravo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1024972\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen | Pop-Bibel oder manipulativ? \u2013 Dokus zu 70 Jahren \u00abBravo\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Als am 26. August 1956 die \u00abFilm- und Fernsehzeitschrift\u00bb mit dem Titel \u00abBravo\u00bb zum ersten Mal erscheint, ist das ein\u00a0Meilenstein. Generationen von Jugendlichen erfahren darin, was ihre Stars sie wissen lassen wollen und holen sich Sextipps bei \u00abDr.\u00a0Sommer\u00bb.<\/p>\n<p>Weil das in diesem Jahr 70 Jahre her ist, befassen sich nun zwei Dokumentationen mit dem Jugendmagazin. Sie stellen die Frage, was sie eigentlich war, diese Zeitschrift, die inzwischen nur noch einmal im Monat mit deutlich weniger Seiten erscheint &#8211; wegen Tiktok und so -, fr\u00fcher aber nicht nur ein Blatt unter vielen war, sondern das Leitmedium f\u00fcr Teenager im ganzen Land.\u00a0<\/p>\n<p>Pop-Bibel, Serviceheft oder Manipulation?\u00a0<\/p>\n<p>War \u00abBravo\u00bb eine Pop-Bibel? Ein Serviceheft f\u00fcr Jugendliche, die sich nicht trauten, ihre Eltern nach Petting zu fragen? Oder ein manipulatives Boulevard-Blatt, das vor allem auf Inszenierungen setzte und zwei Dinge f\u00f6rdern wollte: eine wiederkehrende Leserschaft und Konsum?<\/p>\n<p>Die erste Dokumentation, die schon am Samstag (17. Mai) auf RTL und online bei RTL+ zu sehen ist und \u00ab70 Jahre Bravo \u2013 Das gro\u00dfe Jubil\u00e4um\u00bb hei\u00dft, erz\u00e4hlt vor allem die Geschichte der Pop-Bibel und des Servicehefts.\u00a0<\/p>\n<p>Sie geht weit zur\u00fcck in der Geschichte und setzt auf Nostalgie, l\u00e4sst etwa Uschi Glas in Erinnerungen schwelgen, Thomas Anders \u00fcber seine Nora-Kette sprechen und den langj\u00e4hrigen Chefredakteur und Musikjournalisten Alexander Gernandt die Erfolge seines fr\u00fcheren Blattes aufz\u00e4hlen.\u00a0<\/p>\n<p>Erfundener \u00abRapper-Krieg\u00bb<\/p>\n<p>Und Oli P. sagt in der Dokumentation: \u00abOhne die &#8222;Bravo&#8220; w\u00e4re ich nicht hier.\u00bb Er erz\u00e4hlt aber auch, welche Rolle Inszenierungen in der Zeitschrift spielten, dass ein von der \u00abBravo\u00bb erfundener \u00abRapper-Krieg\u00bb mit Thomas D. von den Fantastischen Vier mit einer ebenso erfundenen Vers\u00f6hnung endete zum Beispiel.\u00a0<\/p>\n<p>Das ehemalige Caught-in-the-Act-Mitglied Eloy de Jong spricht auch von einer \u00abSchattenseite\u00bb des \u00ab&#8220;Bravo&#8220;-M\u00e4rchens\u00bb, als am Beispiel von Britney Spears thematisiert wird, was aus fr\u00fchem Ruhm werden kann.<\/p>\n<p>\u00abHeadlines, Hypes und Herzschmerz\u00bb<\/p>\n<p>Kritischer als die RTL-Variante ist die dreiteilige ARD-Dokumentation \u00abBravo \u2013 Headlines, Hypes und Herzschmerz\u00bb, die vom 23. Mai an in der Mediathek zu sehen ist und sich vor allem mit der absoluten Hochphase der Zeitschrift auseinandersetzt: den 90er und fr\u00fchen 2000er Jahren. Damals hatte \u00abBravo\u00bb, heute auf eine (weitgehende) Online-Marke von vielen zusammengeschrumpft, eine Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren und wurde von noch viel mehr Jugendlichen gelesen.\u00a0<\/p>\n<p>Darin geht es auch um einen sexualisierten Blick auf junge Musiker, Boyband-Mitglieder und M\u00e4dchen, die von Journalisten gefragt wurden, ob sie denn nun endlich ihr erstes Mal gehabt h\u00e4tten, und Schlagzeilen \u00fcber sich lesen mussten wie \u00abBl\u00fcmchens Knospen bl\u00fchen\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Bl\u00fcmchen: \u00abWiderliche Formulierungen\u00bb<\/p>\n<p>\u00abEs gab wirklich widerliche Formulierungen\u00bb, sagt S\u00e4ngerin Jasmin Wagner, die in den 1990er Jahren das Teenie-Ph\u00e4nomen Bl\u00fcmchen (\u00abHerz an Herz\u00bb) war. Die Journalisten w\u00e4ren \u00aballe gefeuert worden, wenn sie das heute geschrieben h\u00e4tten\u00bb, meint sie. Sie sagt aber auch: \u00abDie &#8222;Bravo&#8220; war damals der direkte Draht zu den Herzen der Fans. Wer dort nicht stattfand, war praktisch unsichtbar.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDie &#8222;Bravo&#8220; war das analoge Instagram, auf das man sich eine Woche lang gefreut hat\u00bb, sagt Oli P. in der ARD-Doku. Ex-Boyband-S\u00e4nger de Jong denkt heute noch ungern an eine \u00abBravo\u00bb-Story, in der eine sich anbahnende Liebesgeschichte mit einem Fan inszeniert wurde &#8211; wohl auch, um von seiner Homosexualit\u00e4t abzulenken. Denn: \u00abMein Manager wollte keinen schwulen Jungen sehen in seiner Band\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Die Legende lautete damals, er habe das M\u00e4dchen bei einer Autogrammstunde entdeckt, es \u00fcber die \u00abBravo\u00bb wiedergefunden und nach Amsterdam eingeladen. Heraus kam eine Foto-Love-Story, romantische Grachten-Fahrt inklusive. \u00abDas M\u00e4dchen war gecastet\u00bb, sagt der 53-J\u00e4hrige. \u00abIch fand das peinlich.\u00bb<\/p>\n<p>Angelo Kelly spricht von gef\u00e4lschtem Interview<\/p>\n<p>Angelo Kelly (\u00abAn Angel\u00bb) erz\u00e4hlt in beiden Dokumentationen, einmal sei ein Interview mit ihm gef\u00e4lscht worden. Auf die Frage, f\u00fcr wen er das Lied \u00abI Can`t Help Myself\u00bb geschrieben habe, habe er geantwortet: \u00abf\u00fcr ein M\u00e4dchen\u00bb &#8211; seine heutige Ehefrau. In der Zeitschrift habe aber sp\u00e4ter gestanden: \u00abf\u00fcr meinen Vater\u00bb. Die Begr\u00fcndung: \u00abDas k\u00f6nnen wir so nicht machen. Die M\u00e4dels da drau\u00dfen denken, der hat `ne Freundin\u00bb, sagt der 44-J\u00e4hrige, der inzwischen seine eigene Kelly-Family gegr\u00fcndet hat. \u00abDa war ich sauer.\u00bb<\/p>\n<p>\u00ab&#8220;Zu haben&#8220; war das Erste, was ich auf Deutsch gelernt habe\u00bb, erinnert sich der Niederl\u00e4nder de Jong. Es sei der \u00abBravo\u00bb wichtig gewesen, die Sehnsucht der M\u00e4dchen, die die Zeitschrift gekauft h\u00e4tten und weiter h\u00e4tten kaufen sollen, zu befeuern. Sein \u00f6ffentliches Coming-out hatte er erst, nachdem er sich bei einer \u00abBravo Supershow\u00bb in seinen inzwischen gestorbenen Band-Kollegen Stephen Gately (1976-2009) von Boyzone verliebt hatte.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abPop ist eine Illusion\u00bb, meint Ex-Chefredakteur Gernandt. \u00abWir haben da &#8211; auch im Sinne der Fans &#8211; letztendlich geholfen, diese Illusion zu bewahren.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Als am 26. 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