{"id":1025559,"date":"2026-05-17T10:28:20","date_gmt":"2026-05-17T10:28:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1025559\/"},"modified":"2026-05-17T10:28:20","modified_gmt":"2026-05-17T10:28:20","slug":"placido-domingo-am-staatstheater-wiesbaden-ein-teures-vergnuegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1025559\/","title":{"rendered":"Pl\u00e1cido Domingo am Staatstheater Wiesbaden: Ein teures Vergn\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">F\u00fcr Stars musste man schon immer etwas tiefer in die Tasche greifen. Sie sind ja auch im Einkauf teuer. Enrico Caruso soll 1908, als er in <a data-rtr-index=\"3\" title=\"Wiesbaden\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/thema\/wiesbaden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wiesbaden<\/a> den Herzog aus \u201eRigoletto\u201c sang, 10.000 Goldmark bekommen haben. In heutiger Kaufkraft d\u00fcrften das \u00fcber 100.000 Euro sein. Daf\u00fcr hat er dann auch mal eine Gratis-Arie vom Balkon des Palast-Hotels geschmettert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Ein Jahrhundert sp\u00e4ter lie\u00dfen sich seine Nachfolger im Startenor-Gewerbe ihre Wiesbadener Open-Air-Auftritte gut bezahlen. \u201eAlle wollen Pl\u00e1cido sehen\u201c, hie\u00df es im Juli 2007 vor dem Arienabend des S\u00e4ngers, der anno 1990 gemeinsam mit Jos\u00e9 Carreras und Luciano Pavarotti in Rom die Marke \u201eDie drei Ten\u00f6re\u201c begr\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">In Wiesbaden kosteten die Karten zwischen 60 und 320 Euro. Viel Geld f\u00fcr wenig Domingo, bem\u00e4ngelten Besucher.\u00a0Pl\u00e1cidos Marktwert scheint seither recht stabil geblieben zu sein, obwohl er wieder zu seinen baritonalen Urspr\u00fcngen abgesunken ist und am 21. Januar seinen 85. Geburtstag feiern durfte. Wobei es auch ein paar Jahre mehr sein k\u00f6nnten, wie Kenner und Liebhaber munkeln.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Karten f\u00fcr seinen \u201eglanzvollen Gala-Liederabend\u201c lediglich mit Klavierbegleitung, den das Staatstheater f\u00fcr 19. Mai ank\u00fcndigt, kosten zwischen 50 und 275 Euro. Trotzdem ist die Veranstaltung im Gegensatz zu deutlich g\u00fcnstigeren Maifestspiel-Programmen j\u00fcngerer Kollegen praktisch ausverkauft. Dar\u00fcber mag man sich wundern, muss aber auch ber\u00fccksichtigen, dass Charisma eher reift als altert. Und davon hat Domingo, k\u00fcnstlerisch immer die interessanteste Pers\u00f6nlichkeit des Tenor-Trios, sicher noch viel zu bieten in Oper, Operette und Zarzuela. Seinen Fans wird Perfektion ohnehin weniger wichtig sein als die Erinnerung an gro\u00dfe Emotionen. Auch an das Benefiz-Konzert in Rom 1990, am Vorabend des Finales der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft. Im Endspiel schlug Deutschland dann Argentinien 1:0.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Und sollten wir nicht alle mehr nach dem Wabi-Sabi-Prinzip h\u00f6ren und uns von jenem \u00e4sthetischen Konzept aus Japan leiten lassen, das die Sch\u00f6nheit in der Patina und den Spuren der Zeit sucht? Teetassen, die in der Kunst des Kintsugi mit Gold geflickt wurden, sind viel teurer als makellose Keramik und Gala-Tickets.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Vor einem Jahr trotzte Domingo in der Alten Oper dem Alter. Im Interview verriet er seinen Jungbrunnen: \u201eSingen h\u00e4lt mich in Form!\u201c Eher ausweichend antwortete er auf eine Frage zu den Vorw\u00fcrfen sexueller Bel\u00e4stigung, seinen Abschied von der Metropolitan Opera in New York und aus der Leitungsfunktion in Los Angeles. Er sei \u00fcberzeugt, \u201edass all dies eines nicht allzu fernen Tages gel\u00f6st sein wird\u201c. Dass er schon vor diesem Tag ausgerechnet von Wiesbadens gendersensibler Intendantinnen-Doppelspitze eingeladen wurde, sorgte bei der Maifestspiel-Pr\u00e4sentation im Februar f\u00fcr ein gewisses Erstaunen. Wenig sensibel ist auch, dass nun in der Ank\u00fcndigung die Sopranistin Guanqun Yu kaum sichtbar ist, was den Eindruck einer austauschbaren vokalen Begleiterscheinung unterstreicht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-e6712ff7=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Dem legend\u00e4ren Enrico Caruso war es \u00fcbrigens nicht verg\u00f6nnt, dem Alter singend zu trotzen. Er starb 1921 mit 48 Jahren. In Frankfurt sorgte er zwischen 1907 und 1911 f\u00fcr ausverkaufte Vorstellungen. Die Investition in einen Star wird sich schon damals gelohnt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcr Stars musste man schon immer etwas tiefer in die Tasche greifen. 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