{"id":1025626,"date":"2026-05-17T11:09:13","date_gmt":"2026-05-17T11:09:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1025626\/"},"modified":"2026-05-17T11:09:13","modified_gmt":"2026-05-17T11:09:13","slug":"ohne-plan-zum-ziel-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1025626\/","title":{"rendered":"Ohne Plan zum Ziel \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Der moderne Mensch in den entwickelten Industriel\u00e4ndern verbringt, darauf deuten Studien hin, durchschnittlich bis zu acht Stunden t\u00e4glich am Bildschirm. Das Bed\u00fcrfnis nach Sinnsuche und Selbstwirksamkeit scheint inmitten dieser endlosen W\u00fcste der virtuellen \u00d6dnis meist vorprogrammiert. Was also tun?<\/p>\n<p>Zum Beispiel zur Abwechslung eine Gitarre in die Hand nehmen. So zumindest hat es Maxim Tschernych, Frontmann und Gesicht der Leipziger Band Zoomies, gemacht. 2023 ver\u00f6ffentlichte er mit \u00bbCarbonated Soft Drinks\u00ab eine erste Solo-EP. Sechs Songs, so bunt und knallig wie eine T\u00fcte Gummib\u00e4rchen. Synthesizer und Drum-Machines bestimmten das coole, mitunter aber eben auch unterk\u00fchlte Klangbild, das von kantigem New Wave und Synth Pop gepr\u00e4gt war. Ein Sound, der allzu typisch ist f\u00fcr die Leipziger DIY-Szene, in der sich Tschernych seit Jahren tummelt.<\/p>\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter sind die Zoomies auf ihrem selbstbetitelten Deb\u00fctalbum nicht mehr wiederzuerkennen. Vom artifiziellen New York der Achtziger, an das die EP klanglich erinnerte, geht es dieses Mal gewisserma\u00dfen ins sonnendurchflutete Kalifornien der Siebziger. Ein Orts- und Zeitwechsel, der mehr ausmacht, als man auf den ersten Blick denkt. <\/p>\n<p>Was ist passiert? \u00bbIch war es leid, so viel am Computer zu arbeiten\u00ab, sagt Tschernych r\u00fcckblickend. Stattdessen wollte er, dass die Songs organischer entstehen und auch mit Gitarre und Gesang allein funktionieren. Diese anvisierte Zielrichtung h\u00f6rt man dem neuen Werk zweifellos an. Mal erinnern die neun Songs des Albums an den ausgekl\u00fcgelten Indie-Pop der US-Amerikaner Wilco \u2013 wie im Opener \u00bbBats of America\u00ab. Mal, etwa im abschlie\u00dfenden \u00bbA New Joke\u00ab, an den fr\u00fchen LoFi-Folk-Ansatz von Adam Green. Und das nicht nur der warmen Stimme und s\u00fc\u00dfen Melodien wegen, sondern auch aufgrund eines so subtilen wie liebensw\u00fcrdigen Humors. So hei\u00dft es in besagtem Song an einer Stelle: \u00bbWanna hear a new joke \/ Where a horse meets the pope \/ Oh I forgot how it goes.\u00ab Ein verschrobenes Bild, das man sich auch als Filmszenerie inmitten eines alten Streifens von Aki Kaurism\u00e4ki vorstellen k\u00f6nnte. <br \/>Etwa die H\u00e4lfte der auf dem Album zu h\u00f6renden Instrumentalspuren hat der Multiinstrumentalist Tschernych selbst aufgenommen. Die meisten davon bei sich zu Hause. Das sparte nicht nur Studiokosten, sondern auch den mit einem begrenzten Zeit-Budget verbundenen Stress. <\/p>\n<p>Die restlichen Spuren steuerten befreundete Musikerinnen und Musiker bei. Mit vier von ihnen bildet er f\u00fcr die kommende Tournee ein Live-Quintett. Zwar gebe es keine \u00fcber die Tour hinaus fest definierte Besetzung, so Tschernych, doch sollen die Zoomies auch k\u00fcnftig ein Kollektiv bleiben.<\/p>\n<p>Erscheinen wird das Album bei dem bekannten Berliner Indie-Label Staatsakt. F\u00fcr Tschernych, der sich mit seinen Bands von Booking \u00fcber Promo bis hin zur Albumproduktion bisher immer in DIY-Manier \u00fcbte, ist das in puncto Professionalit\u00e4t ein echter Quantensprung. Andererseits, so sagt er, sei Staatsakt, das von dem Musiker und Autor Maurice Summen geleitet wird, ja letztlich auch nur ein Ein-Mann-Betrieb. Und damit weit entfernt von einer \u00bbgesichtslosen Firma\u00ab. Summen sei vor einiger Zeit auf die Zoomies aufmerksam geworden und habe ihn daraufhin auf einen Kaffee nach Berlin eingeladen. \u00bbIch bin ohne gro\u00dfen Plan in das Gespr\u00e4ch gegangen\u00ab, erz\u00e4hlt Tschernych, dem man diese Planlosigkeit zweifellos abnimmt. Doch gerade diese Abwesenheit von jeglichem Kalk\u00fcl ist es, die ihn wie auch seine Musik von karrieristisch anmutender, durchgestylter Durchschnitts-Indiemusik abhebt. In der dem Album beiliegenden Presseerkl\u00e4rung werden die Zoomies mit unverhohlener Euphorie als erster Americana-Act Leipzigs bezeichnet. Eine PR-\u00dcbertreibung, gewiss. Aber eine, die auf einen wahren Kern abzielt. Denn tats\u00e4chlich hatte es leisere, folkige Musik inmitten des stark von Wave, Punk und Post Punk gepr\u00e4gten Leipziger Musik-Undergrounds in den vergangenen Jahren mitunter schwer. Bis jetzt. Gut m\u00f6glich, dass die Karten mit dem Deb\u00fct der Zoomies neu gemischt werden.<\/p>\n<p>&gt; 23.5., Hitness Club, 20 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der moderne Mensch in den entwickelten Industriel\u00e4ndern verbringt, darauf deuten Studien hin, durchschnittlich bis zu acht Stunden t\u00e4glich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1025627,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[69923,6329,39050,96,57651,35531,3364,75769,29,220194,30,80,71,810,9803,859],"class_list":["post-1025626","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-70er","tag-band","tag-bands","tag-buehne","tag-buehnenmusik","tag-clubkultur","tag-de","tag-debuet","tag-deutschland","tag-gegenkultur","tag-germany","tag-kultur","tag-leipzig","tag-musik","tag-musikalische","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116589609992059074","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1025626","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1025626"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1025626\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1025627"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1025626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1025626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1025626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}