{"id":1026322,"date":"2026-05-17T17:41:16","date_gmt":"2026-05-17T17:41:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1026322\/"},"modified":"2026-05-17T17:41:16","modified_gmt":"2026-05-17T17:41:16","slug":"drill-europe-drill-eu-staaten-gehen-an-ihre-fossilen-reserven-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1026322\/","title":{"rendered":"Drill, Europe, Drill? EU-Staaten gehen an ihre fossilen Reserven \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag ist es so weit. Der Kanzler hat sich angesagt. Der Wirtschaftsminister sowieso. Und auch die nieder\u00f6sterreichische Landeshauptfrau wird sich zum Wochenstart in Wittau einfinden. Hier, eine halbe Autostunde \u00f6stlich von Wien, verk\u00fcndete der teilstaatliche Energiekonzern OMV vor drei Jahren \u00d6sterreichs gr\u00f6\u00dften Gasfund in vier Jahrzehnten. Die gesch\u00e4tzte f\u00f6rderbare Menge liegt bei 48 Terawattstunden Gas. Damit k\u00e4me das Land etwa sechs Monate durch. In dieser Woche soll die Produktion starten \u2013 und das Timing k\u00f6nnte nicht besser sein, frohlockt man bei der OMV. Vor f\u00fcnf, sechs Jahren w\u00e4re so ein Projekt noch nach allen Regeln der Kunst torpediert worden, hei\u00dft es hinter vorgehaltener Hand. \u201eHeute sind wir froh, dass wir uns getraut haben.\u201c<\/p>\n<p>Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus als Folge der US-Attacken auf den Iran haben Europa vor Augen gef\u00fchrt, wie naiv es war, die eigene Energieversorgung so bedenkenlos \u201eoutzusourcen\u201c. \u00d6l und Gas stillen immer noch den Gro\u00dfteil des Energiebedarfs der Europ\u00e4er. In beiden F\u00e4llen ist der Kontinent jedoch beinahe zur G\u00e4nze auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen \u2013 und damit allen geopolitischen Wirren voll ausgeliefert.  Kaum hat Europa Russland als Gaslieferanten abgesch\u00fcttelt, lauert mit dem Ersatzexporteur USA schon das n\u00e4chste Klumpenrisiko. Und bei Diesel und Kerosin zeigt erst die Krise im Nahen Osten, wie abh\u00e4ngig die EU von den Produzenten am Persischen Golf war. In Europa selbst geht die \u00d6l- und Gasproduktion hingegen seit Jahren stark zur\u00fcck. Derzeit stillen die 27 EU-L\u00e4nder mit 33 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr nur noch ein Zehntel ihres Bedarfs aus eigener Kraft. <\/p>\n<p>Das liegt einerseits daran, dass viele \u00d6l- und Gasfelder schon alt sind und nur noch wenig abwerfen. Andererseits ist der R\u00fcckgang der fossilen Produktion auch politisch gewollt. \u00d6l und Gas galten in den letzten zehn Jahren in der EU-Kommission als Auslaufmodell. Stattdessen sollte der rasante Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken den Kontinent langfristig unabh\u00e4ngig von fossilen Gasimporten machen. Daran ist im Grunde nichts falsch. Nur hat sich eben gezeigt, dass der Weg dorthin l\u00e4nger dauert, als anfangs versprochen. Bis Verkehr und Industrie weitgehend elektrifiziert sind und ein auf Erneuerbaren basierendes neues Stromsystem wirklich stabil l\u00e4uft, wird noch viel Zeit vergehen. Erd\u00f6l und vor allem Erdgas werden also so schnell aus dem Energiemix nicht verschwinden. <\/p>\n<p>Diese Erkenntnis, gepaart mit den aktuellen Versorgungsn\u00f6ten und hohen Gaspreisen, will nun eine Reihe an EU-Staaten nutzen, um die eigenen Bodensch\u00e4tze doch noch zu heben. Zypern, das auf den gr\u00f6\u00dften unangetasteten Reserven sitzt und derzeit die Ratspr\u00e4sidentschaft inne hat, forcierte das Thema dieser Tage bei einem Treffen der EU-Energieminister. Bei vielen Mitgliedsl\u00e4ndern l\u00e4uft Zypern damit offene T\u00fcren ein. Griechenland hat eben die erste Offshore-Gasexploration seit fast vier Jahrzehnten erlaubt. In Rum\u00e4nien liefern die OMV und Romgaz seit Mai 2025 Erdgas aus dem Schwarzen Meer. Italien \u00fcberlegt, die 2019 gestoppte Produktion auf hoher See wieder aufzunehmen. Polen sucht nach Projekten in der Ostsee.  <\/p>\n<p>Auch Norwegen will 2029 drei Gasfelder \u00f6ffnen, die vor fast 30 Jahren geschlossen wurden. Selbst Bohrungen in der Beringsee sind ein Thema. \u201eVor dem Ukrainekrieg wurde in Europa viel dar\u00fcber geredet, wie man von \u00d6l und Gas loskommen k\u00f6nnte\u201c, sagte der norwegische Energieminister Terje Aasland dem britischen \u201eGuardian\u201c. \u201eHeute fragt man mich jeden Tag, wann ich mehr liefern kann\u201c. <\/p>\n<p>Aber wie viel des k\u00fcnftigen Bedarfs k\u00f6nnte Europa auf eigene Faust decken? Die neue Gasf\u00f6rderung in Wittau ist auf europ\u00e4ischer Ebene kaum nennenswert. Laut Daten der GeoSphere Austria h\u00e4tte das Land noch Erd\u00f6l f\u00fcr 12,7 Jahre und Gas f\u00fcr 7,64 Jahre in heimischen Lagerst\u00e4tten vorr\u00e4tig. F\u00fcr ganz Europa (EU inklusive UK und Norwegen) sch\u00e4tzt die US-Energiebeh\u00f6rde EIA eine technisch f\u00f6rderbare Gasmenge von 13\u2005Billionen Kubikmetern. 2,2 Billionen davon w\u00e4ren wirtschaftlich zu f\u00f6rdern, sagt die Internationale Vereinigung der \u00d6lproduzenten.  <\/p>\n<p>Doch diese Mengen sollten tunlichst im Boden bleiben, kontern L\u00e4nder wie Spanien oder Irland und stimmen in den Chor der Umweltsch\u00fctzer mit ein. Das sei notwendig, um die Erderw\u00e4rmung nicht weiter anzuheizen, diene aber auch dem wirtschaftlichen Wohl der B\u00fcrger, meint die spanische Ministerin Sara Aageston. 2018 seien die Strompreise auf der iberischen Halbinsel noch zu 75 Prozent vom Gaspreis getrieben worden. Der Ausbau der Erneuerbaren habe den Wert auf zehn Prozent gedr\u00fcckt \u2013 wovon die spanischen Stromkunden heute profitierten. <\/p>\n<blockquote class=\"quote\">\n<p class=\"u-ltp-xl\">\n        \u00bbDer Iran-Krieg erinnert Europa erneut, wie naiv es war, die eigene Energieversorgung so bedenkenlos outzusourcen.\u00ab\n    <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wenn Europa in seiner Energiepolitik unabh\u00e4ngig(er) werden will, f\u00fchrt kein Weg an einem raschen Aufbau einer stabilen und verl\u00e4sslichen Stromversorgung auf Basis von Wasser, Wind, Sonne und Kernkraft vorbei. Deshalb in Fundamentalopposition gegen alle Bohrl\u00f6cher zu gehen, hilft ebenso wenig, wie die Forderung, jeden Tropfen \u00d6l und Gas aus dem europ\u00e4ischen Boden zu pressen. Denn ganz so einfach, wie die beiden Lager behaupten, ist die Rechnung nicht. So ist norwegisches Pipelinegas etwa zehnmal weniger klimasch\u00e4dlich als Fl\u00fcssiggas-Importe aus den USA, sagt Rystad Energy. Gleichzeitig ist europ\u00e4isches Gas zwar \u201esicherer\u201c als Importe aus fragilen Weltregionen, aber eben meist auch deutlich teurer. Europa tut gut daran, in Energiefragen nach mehr Unabh\u00e4ngigkeit zu streben. Nur auf den Taschenrechner darf der Kontinent dabei nicht vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Montag ist es so weit. Der Kanzler hat sich angesagt. Der Wirtschaftsminister sowieso. 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