{"id":1027456,"date":"2026-05-18T05:08:14","date_gmt":"2026-05-18T05:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1027456\/"},"modified":"2026-05-18T05:08:14","modified_gmt":"2026-05-18T05:08:14","slug":"nuernberg-mobbing-pornos-gewaltvideos-was-geht-ab-im-klassenchat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1027456\/","title":{"rendered":"N\u00fcrnberg | Mobbing, Pornos, Gewaltvideos &#8211; Was geht ab im Klassenchat?"},"content":{"rendered":"<p>N\u00fcrnberg (dpa) &#8211; Zwei Viertkl\u00e4ssler schicken sich gegenseitig Nacktbilder &#8211; einer leitet die Aufnahmen in den Klassenchat auf WhatsApp weiter. Im Chat einer anderen Klasse sch\u00fcrt eine Gruppe Hass gegen einen Mitsch\u00fcler. Die Lehrerin und die Eltern bekommen davon lange nichts mit.\u00a0<\/p>\n<p>In Klassenchats teilen Kinder und Jugendliche oft Videos, fragen nach Hausaufgaben und diskutieren Schulthemen. Es kommt auch vor, dass dort Inhalte landen, die f\u00fcr die Augen Minderj\u00e4hriger nicht geeignet sind. Oft sind sie sogar strafbar. Dann werden sie zu einem Fall f\u00fcr die Polizei, wie die beiden oben genannten Beispiele.<\/p>\n<p>\u00abUns ist die Problematik mit den Klassenchats bewusst\u00bb, sagt Johannes Mayr. Er ist Pr\u00e4ventionsexperte beim Polizeipr\u00e4sidium Mittelfranken. Sein Job ist es, Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkr\u00e4fte \u00fcber Straftaten und problematische Inhalte im Internet und den sozialen Netzwerken aufzukl\u00e4ren. Daf\u00fcr steht er im Austausch mit Ermittlern, kennt also viele F\u00e4lle aus der Praxis.\u00a0<\/p>\n<p>Welche Probleme es mit dem Klassenchat gibt<\/p>\n<p>\u00abDie F\u00e4lle gehen wirklich querbeet durch alle m\u00f6glichen Paragrafen\u00bb, sagt er. Am h\u00e4ufigsten komme Streit und Mobbing vor mit Straftaten wie Beleidigungen, Drohungen und Verletzung von Bildrechten, wenn etwa Fotos der Opfer geteilt w\u00fcrden.\u00a0<\/p>\n<p>In Chats auf Kinderhandys finde man zum Teil auch pornografische Darstellungen &#8211; oder kinderpornografische bei Nacktbildern von minderj\u00e4hrigen Mitsch\u00fclern und Freunden; Gewaltvideos von Hinrichtungen oder Attentaten und verfassungsfeindliche Zeichen wie Hakenkreuze.\u00a0<\/p>\n<p>Wie gro\u00df das Problem bundesweit ist, l\u00e4sst sich nach Angaben der polizeilichen Kriminalpr\u00e4vention der L\u00e4nder und des Bundes nicht beziffern, da Straftaten in Zusammenhang mit Klassenchats in der Kriminalit\u00e4tsstatistik nicht eigens erfasst werden. Das bayerische Landeskriminalamt spricht zudem von einer hohen Dunkelziffer von Straftaten, welche nicht zur Anzeige gebracht werden.\u00a0<\/p>\n<p>Eine Aussage k\u00f6nne man zum Alter der Verd\u00e4chtigen bei der Verbreitung von Kinderpornografie \u00fcber Chats, soziale Netzwerke oder Messenger treffen, sagt Sprecherin Martina Plackmann von der polizeilichen Kriminalpr\u00e4vention. Demnach war im vergangenen Jahr fast die H\u00e4lfte der Verd\u00e4chtigen unter 18 Jahren. \u00abAktuell zeigt sich, dass auch besonders auf Messenger-Kan\u00e4le geachtet werden muss, da diese im Gegensatz zu Social-Media-Plattformen oft von Eltern erlaubt werden, dort inzwischen aber auch solche Inhalte kursieren\u00bb, erl\u00e4utert sie.<\/p>\n<p>Viele Kinder bekommen in der 4. oder 5. Klasse ihr erstes Smartphone und d\u00fcrfen meist Messenger wie WhatsApp nutzen, auch wenn das offizielle Mindestalter bei 13 Jahren liegt. \u00abFakt ist, dass Kinder heute viel j\u00fcnger sind, wenn sie das erste Handy bekommen\u00bb, stellt Stefanie Rack von der EU-Initiative Klicksafe fest.\u00a0<\/p>\n<p>Dass zunehmend schon Grundschulkinder ein Smartphone in der Hand und manche unkontrollierten Zugang zum Internet haben, bekommt auch der N\u00fcrnberger Polizeiexperte Mayr in seinem Berufsalltag zu sp\u00fcren. Die Anfragen von Grundschulen wegen Vorf\u00e4llen im digitalen Raum h\u00e4tten zugenommen, sagt er.\u00a0<\/p>\n<p>Generell seien die Anfragen von Eltern und Lehrkr\u00e4ften wegen einer Beratung in den vergangenen Jahren gestiegen. \u00abOb es ein zunehmender Bedarf ist, weil es mehr Probleme gibt, oder ob Schulen und Eltern einfach sensibler geworden sind, das kann ich nicht sagen.\u00bb<\/p>\n<p>Was hinter den Posts steckt<\/p>\n<p>Doch wieso beschimpfen sich schon Kinder teilweise so heftig im Chat? Wieso teilen manche von ihnen absto\u00dfende und verst\u00f6rende Videos? \u00abEs findet eine Art Normverschiebung statt\u00bb, sagt Rack. Generell sei der Umgangston im Internet rauer, das sei auch bei Erwachsenen so. Die Kinder wachsen damit auf, dadurch komme es zu einer Abstumpfung und Normalisierung. \u00abDas Problem bei Heranwachsenden ist, dass sie keine oder weniger Folgenabsch\u00e4tzung kennen &#8211; also, wenn ich dieses oder jenes tue, was bewirkt das im anderen?\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Zum Teil teilten Kinder und Jugendliche munter Videos, ohne sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, ob andere die Nachrichtenflut \u00fcberfordern k\u00f6nne oder ob der Inhalt angemessen sei, hat Mayr festgestellt. So landeten mitunter aus jugendlichem Leichtsinn, Sensationslust oder wegen einer Mutprobe pornografische Darstellungen im Chat unter Minderj\u00e4hrigen wie Memes mit Riesenpenissen oder Sexpraktiken mit Tieren. \u00abDie Kinder sehen das teilweise als Spa\u00df, bei dem sie sich dann aber sowohl wissentlich als auch unwissentlich strafbar machen\u00bb, sagt der Experte.<\/p>\n<p>\u00abLetzten Endes geht es immer um Aufmerksamkeit\u00bb, sagt Rack. \u00abJugendliche finden es zum Teil witzig, rassistischen und rechtsextremen Content zu posten &#8211; oder auch mal, um ein M\u00e4dchen zu schockieren, ein Penisbild.\u00bb W\u00e4hrend Jugendliche fr\u00fcher anderen mit ihrem Moped oder der coolen Lederjacke imponieren wollten, nutzten sie heute daf\u00fcr digitale Inhalte, die aufregten oder erregten. \u00abDabei ist aber oft die Unkenntnis gro\u00df, was strafbar ist\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p>Was man tun kann<\/p>\n<p>Da setzen Mayr und Rack bei ihrer Arbeit an. Beide sehen Schulen und Eltern in der Pflicht, die Kinder besser beim Umgang mit digitalen Inhalten zu begleiten. \u00abEs ist enorm wichtig, dass Sch\u00fcler, die einen Klassenchat er\u00f6ffnen, die Regeln daf\u00fcr vorher festlegen\u00bb, sagt Rack. Dazu geh\u00f6re etwa, dass diese vereinbarten, bis zu welcher Uhrzeit Nachrichten geschickt und welche Inhalte geteilt werden d\u00fcrften sowie welche Sanktionen es bei Verst\u00f6\u00dfen gebe.\u00a0<\/p>\n<p>Aus Sicht von Mayr kommt es gar nicht so sehr auf das Alter der Kinder an, wann diese ihr erstes Smartphone bekommen, sondern darauf, dass die Eltern ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen. \u00abEs w\u00e4re der falsche Ansatz, wenn das Kind das Handy bekommt, um irgendwie darauf zu zocken\u00bb, sagt er. \u00abAber wenn man das Kind langsam an die digitale Welt heranf\u00fchrt, dann ist das eine gesunde Sache.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Eltern sollten nicht nur das Ger\u00e4t des Kindes mit einer App verwalten und so die Bildschirmzeit begrenzen, sagt er. \u00abMein Tipp an die Eltern ist immer, sich gemeinsam die Handyinhalte anzuschauen, also auch den Klassenchat und dar\u00fcber zu sprechen.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>An einer kritischen \u00dcberpr\u00fcfung sollte den Eltern auch aus einem anderen Grund gelegen sein: Sollten sie von kinderpornografischen Bildern in einem Klassenchat erfahren, m\u00fcssten sie einschreiten. Andernfalls machten sie sich strafbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"N\u00fcrnberg (dpa) &#8211; Zwei Viertkl\u00e4ssler schicken sich gegenseitig Nacktbilder &#8211; einer leitet die Aufnahmen in den Klassenchat auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1027457,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[772,752,3364,29,30,1724,198,1722,1114,1584,62,3783],"class_list":{"0":"post-1027456","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-bayern","9":"tag-bildung","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-gesellschaft","14":"tag-internet","15":"tag-jugendliche","16":"tag-kinder","17":"tag-kriminalitaet","18":"tag-medien","19":"tag-nuernberg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116593852776407066","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1027456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1027456"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1027456\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1027457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1027456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1027456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1027456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}