{"id":1028659,"date":"2026-05-18T16:58:58","date_gmt":"2026-05-18T16:58:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1028659\/"},"modified":"2026-05-18T16:58:58","modified_gmt":"2026-05-18T16:58:58","slug":"welt-der-physik-verhindern-dass-tumore-wiederkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1028659\/","title":{"rendered":"Welt der Physik: \u201eVerhindern, dass Tumore wiederkommen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Welt der Physik:\u00a0Was genau ist kaltes Plasma?<\/strong><\/p>\n<p>    <a data-target=\"#ajaxModal\" data-next=\"\/media?tx_wdpmedia_pi2%5Baction%5D=ajaxImage&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bcontroller%5D=Gallery&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bimage%5D=8275&amp;type=778&amp;cHash=ce564a2f99487f7244b1f064a5ec23e3\" class=\"wdp-gallery-link wdp-gallery-link-single\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.weltderphysik.de\/media\/?tx_wdpmedia_pi2%5Baction%5D=image&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bcontroller%5D=Gallery&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bimage%5D=8275&amp;cHash=4bed0ef671f5029b7d16abc8bfb673d8\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" title=\"Sander Bekeschus\" alt=\"Portr\u00e4t des Wissenschaftlers Sander Bekeschus\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/csm_20260210_Bekeschus_INP_47ce430178.jpg\" width=\"270\" height=\"270\"\/><\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p>Sander Bekeschus:\u00a0Wir arbeiten mit physikalischen Plasmen, es geht also nicht um das Blutplasma. Plasma gilt als vierter Aggregatzustand der Materie und entsteht, wenn einem Gas so viel Energie zugef\u00fchrt wird, dass seine Atome und Molek\u00fcle Elektronen freisetzen und geladene Ionen bilden k\u00f6nnen. In der Medizin wird hei\u00dfes Plasma etwa zum Stillen von Blutungen oder zum pr\u00e4zisen Schneiden von Gewebe genutzt. Es gibt aber technische M\u00f6glichkeiten, Plasma so weit abzuk\u00fchlen, dass es f\u00fcr schonendere medizinische Anwendungen geeignet ist, ohne das Gewebe zu verbrennen. Dieses sogenannte Kaltplasma wirkt \u00fcber reaktive Molek\u00fcle regulierend auf das Gewebe. Medizinische Ger\u00e4te\u00a0erzeugen Kaltplasma direkt aus Luft oder einem Edelgas, indem sie das Gas\u00a0mit elektrischer Energie anregen, ohne es dabei stark aufzuheizen.<\/p>\n<p><strong>Wie verbreitet sind Behandlungen mit Kaltplasma bereits in der Medizin?<\/strong><\/p>\n<p>Behandlungen mit Kaltplasma sind in Deutschland recht weit verbreitet und werden seit etwa zehn Jahren regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt. Kaltplasma wird zum Beispiel eingesetzt, wenn die Wundheilung nicht wie gew\u00fcnscht verl\u00e4uft\u00a0\u2013 gerade bei \u00e4lteren Patientinnen oder Patienten oder bei Personen mit Diabeteserkrankungen. Dann kann Kaltplasma helfen, da es eine sehr starke antimikrobielle Wirkung hat.<\/p>\n<p><strong>Sie und Ihr Team erforschen neue Ans\u00e4tze f\u00fcr den Einsatz von kaltem Plasma. Wof\u00fcr interessieren Sie sich genau?<\/strong><\/p>\n<p>Wir besch\u00e4ftigen uns mit Plasmatherapie bei der Behandlung von Krebs. Es gibt n\u00e4mlich den Fall, dass Tumore nach erfolgreicher chirurgischer Entfernung wieder auftreten. Das kann passieren, wenn einzelne Tumorzellen im Wundrand verbleiben. Deswegen wird h\u00e4ufig nach einer Tumorentfernung noch Strahlentherapie und Chemotherapie eingesetzt, um das Wiederauftreten der Tumore zu verhindern\u00a0\u2013 das gelingt h\u00e4ufig, aber nicht immer. Unsere Idee ist nun, kaltes Plasma einzusetzen, um die Wundr\u00e4nder nach dem chirurgischen Eingriff direkt zu behandeln und so Tumorzellen im Gewebe zu eliminieren. Dadurch lie\u00dfe sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs neu auftritt, m\u00f6glicherweise weiter verringern.<\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen durch das Plasma denn Tumorzellen eliminiert werden?<\/strong><\/p>\n<p>    <a data-target=\"#ajaxModal\" data-next=\"\/media?tx_wdpmedia_pi2%5Baction%5D=ajaxImage&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bcontroller%5D=Gallery&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bimage%5D=8278&amp;type=778&amp;cHash=0b9493022a9dbf27c87ef8850715ef34\" class=\"wdp-gallery-link wdp-gallery-link-single\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.weltderphysik.de\/media\/?tx_wdpmedia_pi2%5Baction%5D=image&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bcontroller%5D=Gallery&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bimage%5D=8278&amp;cHash=4838b1b29617ea9341603667cfe22cdb\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" title=\"Medizinische Behandlung mit Kaltplasma\" alt=\"Auf dem Bild ist ein Finger zu sehen, auf dem sich ein Ger\u00e4t befindet. Das Ger\u00e4t \u00e4hnelt einer Kugelschreiber-Spitze, von deren Mitte ein hell leuchtender Strahl ausgeht, der auf den Finger trifft.\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/csm_20260212_Kaltplasma_INP_07f7003c7e.jpg\" width=\"300\" height=\"169\"\/><\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p>\n                Medizinische Behandlung mit Kaltplasma\n            <\/p>\n<p>Wir wissen, dass die Plasmen aus der Raumluft sogenannte freie Radikale erzeugen, indem sie Energie auf die Luftmolek\u00fcle \u00fcbertragen, die dann chemisch umgebaut werden. Die resultierenden, chemisch reaktiven Molek\u00fcle k\u00f6nnen wir mithilfe des Plasmas auf und in das Gewebe hineintragen. Die Tumorzellen erfahren dann einen gewissen Stress durch die freien Radikale und k\u00f6nnen so absterben. Welche Mechanismen dabei im Gewebe wirken, ist allerdings noch nicht genau bekannt\u00a0\u2013 das ist ein Schwerpunkt unserer aktuellen Forschung.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen Sie dabei vor?<\/strong><\/p>\n<p>Wir untersuchen unter anderem, wie tief im Gewebe welche freien Radikale des Plasmas wirken k\u00f6nnen. Dazu haben wir eine bildgebende Technik eingesetzt, um erstmals systematisch Proben in drei Dimensionen nach Kaltplasma-Behandlung zu betrachten. F\u00fcr diesen Zweck haben wir neuartige 3D-Hydrogelmodelle, \u00e4hnlich einem Tumorgewebe, entwickelt. In diesem Modell k\u00f6nnen wir das Vordringen der reaktiven Molek\u00fcle genau verfolgen. Dazu vergleichen wir Aufnahmen aus 25 Schnittbildern entlang der Ausbreitungsrichtung des Plasmas bis zu einer Eindringtiefe von 1500 Mikrometern in den Hydrogel-Block. Wir haben au\u00dferdem verschiedene Zellen in das Gel eingegossen, um zu verstehen, wie tief das Plasma bei welchem Zelltyp, welchem Plasmamodus und welcher Behandlungsintensit\u00e4t, wirkt. Schlie\u00dflich haben wir noch eine Art Tumorwundmodell konstruiert: einen Hydrogelblock, der Zellen enth\u00e4lt und in den wir ein Loch hineinschneiden, um die Behandlung einer Tumorwunde zu analysieren.<\/p>\n<p><strong>Was haben Ihre Analysen ergeben?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben vielversprechende Ergebnisse. Denn wir konnten zeigen, dass Tumorzellen vor allem im umliegenden Gewebe wirksam mit Kaltplasma bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnen. Mithilfe unserer Analysen wollen wir das Plasma nun gezielt anpassen und weiterentwickeln, um in echten Anwendungsf\u00e4llen die bestm\u00f6gliche Wirkung auf die Tumorzellen zu erzielen. Dar\u00fcber hinaus haben wir uns auch viel damit besch\u00e4ftigt, ob das Plasma bei sehr hohen Dosen die Bildung von Metastasen verst\u00e4rken oder toxisch auf die Gene wirken k\u00f6nnte. Daf\u00fcr sehen wir aber keinerlei Indizien.<\/p>\n<p><strong>Und wie geht es jetzt weiter?<\/strong><\/p>\n<p>    <a data-target=\"#ajaxModal\" data-next=\"\/media?tx_wdpmedia_pi2%5Baction%5D=ajaxImage&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bcontroller%5D=Gallery&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bimage%5D=8276&amp;type=778&amp;cHash=cbb5151a098b7b649129e4d4a266523b\" class=\"wdp-gallery-link wdp-gallery-link-single\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.weltderphysik.de\/media\/?tx_wdpmedia_pi2%5Baction%5D=image&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bcontroller%5D=Gallery&amp;tx_wdpmedia_pi2%5Bimage%5D=8276&amp;cHash=f8ce95a36a75605047f75369d441ad66\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" title=\"Im Labor\" alt=\"Der Wissenschaftler Sander Bekeschus f\u00fchrt ein Experiment in einem Labor durch. Dazu steht er an einem gro\u00dfen Ger\u00e4t im gl\u00e4sernen Innenraum und f\u00fcllt etwas aus einer Pipette in ein anderes Gef\u00e4?.\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/csm_20260210_Labor_INP_9fd9eade72.jpg\" width=\"300\" height=\"193\"\/><\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten bestehende Plasmager\u00e4te noch besser an unseren Anwendungsfall \u2013 das Eliminieren von einzelnen Tumorzellen in Geweben\u00a0\u2013 anpassen. Daf\u00fcr suchen wir auch kontinuierlich nach Partnern aus Forschung und Kliniken. Die klinische Erforschung neuer Ans\u00e4tze f\u00fcr die Kaltplasma-Technologie ist leider dadurch erschwert, dass Studien vorwiegend aus eigenen finanziellen Mitteln der Kliniken durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Die Sicherheit der Kaltplasma-Behandlung ist jedoch unstrittig und ausgiebig gezeigt.<\/p>\n<p><strong>Gehen Sie davon aus, dass die Methode bald schon in Kliniken eingesetzt wird?<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich spr\u00e4che nichts dagegen, schon morgen damit zu beginnen. Es gibt gute Konzepte, gute klinische Daten und Sicherheitsstudien. Au\u00dferdem gibt es jahrzehntelange positive Erfahrungen aus dem klinischen Einsatz von Kaltplasma f\u00fcr die Wundheilung. Und wir haben unsere Forschungsergebnisse mit Ger\u00e4ten erzielt, die bereits im klinischen Einsatz sind. Au\u00dferdem spricht f\u00fcr die Methode, dass die nutzbaren Ger\u00e4te zum Teil schon an den Kliniken vorhanden sind und die Plasmabehandlung relativ schnell durchgef\u00fchrt werden kann. Das k\u00f6nnte ein echter Game-Changer f\u00fcr Krebspatientinnen und \u2011patienten sein. Doch bis das Plasmaverfahren in medizinische Leitlinien rund um Tumoroperationen eingehen wird, werden sicherlich noch einige Jahre vergehen, da man daf\u00fcr noch erfolgreiche onkologische Studien ben\u00f6tigt. Solche Studien k\u00f6nnten dann aber f\u00fcr verschiedene Tumorerkrankungen gleichzeitig durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Welt der Physik:\u00a0Was genau ist kaltes Plasma? 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