{"id":1029204,"date":"2026-05-18T22:01:18","date_gmt":"2026-05-18T22:01:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1029204\/"},"modified":"2026-05-18T22:01:18","modified_gmt":"2026-05-18T22:01:18","slug":"woody-allens-neurosengarten-feiert-umjubelte-premiere-an-der-koe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1029204\/","title":{"rendered":"Woody Allens \u201eNeurosengarten\u201c feiert umjubelte Premiere an der K\u00f6"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Woody Allen kam nicht aus New York zur Urauff\u00fchrung im Theater an der K\u00f6 angereist. Schade. Aber ist ja immerhin schon 90. Doch der garstige Humor \u00fcber die Intellektuellen Schickeria im Big Apple, die besser ihren Psychiater kennt als Partner oder ihren Hausarzt, die bitterb\u00f6se Ironie \u00fcber das ewig triebgesteuerte Fremdgehen und verkorkste Typen soweit das Auge aus dem 35. Wolkenkratzer-Stockwerk reicht \u2013 all\u2018 die Markenzeichen des Kult-Regisseurs und das, was seine Streifen weltbekannt machte, wird derzeit im Theater an K\u00f6 rauf und runter konjugiert.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Denn Woody der Gro\u00dfe, der kaum noch Filme dreht, hat ein Theaterst\u00fcck geschrieben \u201eVollversammlung im Neurosengarten\u201c. Das Ren\u00e9 Heinersdorff ins Deutsche \u00fcbersetzte und auf die Programme seiner Theater setzte. Nach einem Versuch in Essen war die Premiere in seinem Schadow-Arkaden-Theater ein Volltreffer. Wenn die Turbo-Inszenierung von Katarina Schmidt auch manchmal ziemlich harsch \u00fcber die Rampe kommt und stellenweise bildungsb\u00fcrgerlich hohe Anspr\u00fcche stellt \u2013 Jubel und Ovationen f\u00fcr f\u00fcnf Darsteller und Regisseurin waren anhaltend. Viele Anspielungen in Rededuellen auf russische Weltliteratur von fr\u00fcher \u2013 Dostojewskis \u201eSchuld und S\u00fchne\u201c und seine Hauptfigur Raskolnikow inklusive \u2013 man muss sie nicht kennen, um die Spitzen der rhetorischen Pfeil- und Bogen-Spiele zu ahnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heimlich wird in Theaterkreisen diese Auff\u00fchrung als \u201aWelt-Urauff\u00fchrung\u201c gehandelt. Denn in seiner Heimat New York hatte das Film-Genie Allen zuletzt wieder viel \u00c4rger \u2013 unter anderem wegen seiner N\u00e4he zu Jeffrey Epstein, des andauernden Medien-Rummels und wegen m\u00f6glicher Verstrickungen in Gewalt und Missbrauchsvorw\u00fcrfen. Kein Wunder, dass er von US-Produzenten und Theatermachern derzeit eher gemieden wird. Dass Heinersdorff mit der \u00dcbersetzung und Auff\u00fchrungen die Initiative ergriff, beweist seinen Mut zum Risiko.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Worum geht\u2019s? Um Neurosen. Oberhalb und unterhalb der G\u00fcrtellinie. \u00c4hnlich wie in Woodys Filmen. Die kultiviert jeder, der im nobel eleganten Appartement in modischem Look in New Yorks Uppertown verkehrt. Es geh\u00f6rt Jake und Sheila, die sich, wie sie betonen, hei\u00df und innig lieben. Und eine gute Tat vollbringen wollen. Sie laden Sheilas Schwester Fay ein, um sie zu verkuppeln. Fay, ein gebildeter Blaustrumpf und Buchh\u00e4ndlerin, hat sich einmal verguckt in Richard Statler, seines Zeichens Verleger, der auch die Romane des Autors Jake herausgibt. Richard erscheint an dem Abend als Gast, in adrettem Anzug in Fliederfarben (Markus Angenvorth). Reich, ungebunden und voller Hemmungen knetet er wie ein verlegener Penn\u00e4ler seine H\u00e4nde, h\u00e4lt den Kopf meist in Schr\u00e4glage. Und ist mindestens genauso verklemmt wie Fay, die, in pastellfarbigem Gelb, st\u00e4ndig Selbstgespr\u00e4che f\u00fchrt und alte Geschichten erz\u00e4hlt, die Sheila in- und auswendig kennt und mitsprechen kann. Die Gastgeber bem\u00fchen sich redlich und hoffen, dass die zwei Gro\u00dfstadt-Neurotiker irgendwie zusammenfinden. K\u00f6nnte gelingen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dummerweise hat Jake gleichzeitig seine Ex geladen \u2013 Boots (Stiefel). Eine \u201abipolare Nymphomanin\u2018 aus dem Bilderbuch, die gerade einen neuen Lover (einen Kunstmaler) per Messerstich ins Jenseits bef\u00f6rdert hat. Und in phosphorrotem Kleidchen mit ultraknappem R\u00f6ckchen Zuflucht sucht und hinein st\u00fcrmt (\u00fcberspitzt als Wirbelwind: Dorkas Kiefer). Sie mischt die m\u00fchevolle Gediegenheit der Abend-Gesellschaft auf. Hemmungslos und hyperventiliert, dreist und unverbl\u00fcmt flirtet sie drauflos, gibt sich einen Touch zu vulg\u00e4r. Was Gastgeberin Sheila (streng und auf den Punkt gespielt: Aline Hochscheid) eifers\u00fcchtig macht und auf die Palme bringt. Und st\u00f6rt; denn ihr Plan droht zu scheitern \u2013 Schwesterchen Fay (Bianca Spiegel als extrem naive Unschuld vom Lande) unter die Haube zu bringen. Richard \u2013 auf wen der wohl abf\u00e4hrt? Die Richtung ist vorgegeben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ralph Stech \u00fcberzeugt als Jake, der bei aller Liebe zu Sheila schwach wird, als seine Ex den Raum betritt und sofort in Erinnerungen schwelgt. Nicht alles, aber vieles l\u00e4uft f\u00fcr die gute Fay schief. Nicht f\u00fcr alle gibt\u2019s ein Happy End. Doch das Publikum hat in Schmidts temporeicher Inszenierung gen\u00fcgend Gelegenheiten, sich \u00fcber spitzz\u00fcngige Wortgefechte, schwarzhumorige Psychiater- und Psycho-Parodien und temperamentvollen Tiraden zu am\u00fcsieren. Nicht nur Sigmund Freud(t) sich. Bis 15., Juni. D\u00fcsseldorf Theater an der er K\u00f6. TEL: 0211\/ 322 333<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Woody Allen kam nicht aus New York zur Urauff\u00fchrung im Theater an der K\u00f6 angereist. Schade. 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