{"id":1031820,"date":"2026-05-19T22:40:15","date_gmt":"2026-05-19T22:40:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1031820\/"},"modified":"2026-05-19T22:40:15","modified_gmt":"2026-05-19T22:40:15","slug":"dinosaurier-aus-brasilien-irritator-geht-nach-hause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1031820\/","title":{"rendered":"Dinosaurier aus Brasilien: Irritator geht nach Hause"},"content":{"rendered":"<p>Wie kam es also dazu, dass der Irritator nun angeblich bald in seine Heimat zur\u00fcckkehrt? In einer schriftlichen Stellungnahme erkl\u00e4rt Lars Krogmann, wissenschaftlicher Direktor des Staatlichen Museums f\u00fcr Naturkunde Stuttgart, dass sich das baden-w\u00fcrttembergische Wissenschaftsministerium zwar nicht zur R\u00fcckgabe verpflichtet sieht, aber angesichts der hohen Bedeutung des Fossils f\u00fcr Brasilien bereit sei, dieses &#8222;im Rahmen eines Gesamtkonzeptes zur vertieften wissenschaftlichen Kooperation an Brasilien abzugeben&#8220;. Grund daf\u00fcr, schreibt Krogmann, sei &#8222;die \u00dcberzeugung, dass eine vertiefte Kooperation f\u00fcr beide Seiten von hohem wissenschaftlichem Nutzen w\u00e4re&#8220;.<\/p>\n<p>Junge Forscher:innen fordern R\u00fcckgabe<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich will die Landesregierung aber auch einen Shitstorm abwenden, wie er vor wenigen Jahren das Naturkundemuseum in Karlsruhe getroffen hat. Dieses hat 2023 einen Dinosaurier an Brasilien zur\u00fcckgegeben, der den vorl\u00e4ufigen Namen &#8222;Ubirajara jubatus&#8220; erhalten hatte. Die Namensgebung wurde allerdings mitsamt ihrer wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichung zur\u00fcckgezogen, als die problematische Erwerbsgeschichte des Fossils ans Licht kam. Unter den Autoren der zur\u00fcckgezogenen Studie: wieder Eberhard Frey, bis Januar 2022 Leiter der Geologischen Abteilung des Naturkundemuseums Karlsruhe. Unter anderem hatten das Museum und Frey widerspr\u00fcchliche und falsche Angaben dar\u00fcber gemacht, wann genau der vogel\u00e4hnliche kleine Dinosaurier nach Deutschland gekommen war. Letztlich lie\u00df sich nicht beweisen, dass der Kauf nicht nach der Ratifizierung der UNESCO-Konvention 2007 stattgefunden hatte, und das Fossil ging an Brasilien zur\u00fcck. Die baden-w\u00fcrttembergische Landesregierung, <a href=\"https:\/\/bnn.de\/karlsruhe\/karlsruhe-stadt\/innenstadt\/naturkundemuseum-muss-dino-fossil-an-brasilien-zurueckgeben-ubirajara-jubatus-ministerium-rio\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">so berichteten damals die Badischen Neuesten Nachrichten<\/a>, sei &#8222;stinksauer&#8220; auf das Museum in Karlsruhe gewesen. Zus\u00e4tzlich zu den rechtlichen Unsicherheiten hatte sich inzwischen eine Bewegung vor allem junger Pal\u00e4ontolog:innen und Jurist:innen zusammengeschlossen, um die R\u00fcckgabe des Fossils nach Brasilien zu fordern \u2013 unter anderem mit einer Kampagne in den sozialen Medien unter dem Hashtag #UbirajaraBelongstoBR. Das Thema traf offenbar einen Nerv: Auf der Webseite des Museums <a href=\"https:\/\/bnn.de\/karlsruhe\/karlsruhe-stadt\/saurieraffaere-hasskommentare-im-minutentakt-fuer-das-naturkundemuseum-karlsruhe\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">soll es regelrechte Hasskommentare gegeben haben<\/a>.<\/p>\n<p>Die Parallelen zur Causa Irritator sind offenkundig: Zwar ist hier klar, dass die Ausfuhr des Fossils lange vor Deutschlands Beitritt zur UNESCO-Konvention stattgefunden hat, Eigentum des brasilianischen Staates war und ist es dennoch. Auch hier wurde in sozialen Medien auf den Fall aufmerksam gemacht, nun unter dem Hashtag #IrritatorBelongstoBR. Ein <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/document\/d\/1LBDeM3a5mvTJwtB-lTshxVQT38PtOBYc2rvdN0GLQk8\/edit?tab=t.0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">offener Brief an Wissenschaftsministerin Petra Olschowski<\/a> (Gr\u00fcne), in dem die R\u00fcckgabe des Sch\u00e4dels gefordert wurde, bekam 268 Unterschriften, besonders von j\u00fcngeren Expert:innen. Sowohl beim Irritator als auch bei Ubirajara begegnet man teilweise den gleichen Personen, etwa Eberhard Frey. Frey ist nicht nur in beide F\u00e4lle verwickelt, sondern auch ein gl\u00fchender Verfechter des Ankaufs von Fossilien f\u00fcr deutsche Museen. Auf sein Konto und das seines britischen Kollegen David Martill, der auch bei der Beschreibung des Irritator mitgearbeitet hat, gehen noch weitere umstrittene Fossilien. Auch zu diesen l\u00e4uft eine R\u00fcckforderungskampagne. W\u00e4hrend die Landesregierung und das Naturkundemuseum sich bislang mit \u00f6ffentlichen Mitteilungen zur\u00fcckhalten, haben sich brasilianische und internationale Forschende bereits erfreut in der <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/science\/2026\/may\/02\/germany-brazil-irritator-dinosaur-skull-restitution\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Presse<\/a> <a href=\"https:\/\/www.science.org\/content\/article\/famed-brazilian-spinosaurus-fossil-finally-heads-home\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">ge\u00e4u\u00dfert<\/a>. Wann genau die R\u00fcckgabe stattfinden soll, ist indes noch unklar: Laut Museumsdirektor Krogmann werde dies in den kommenden Monaten mit den zust\u00e4ndigen Stellen in Brasilien besprochen. Ein Pressesprecher des Wissenschaftsministeriums schreibt auf Nachfrage, man wisse vermutlich im Juli mehr.<\/p>\n<p>Wer allerdings die Hoffnung hegt, in den n\u00e4chsten Monaten in Stuttgart noch einen letzten Blick auf Irritator challengeri zu erhaschen, wird entt\u00e4uscht werden. Das Fossil ist \u2013 wie der gr\u00f6\u00dfte Teil der Sammlung des Museums \u2013 nicht in der \u00f6ffentlichen Ausstellung zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie kam es also dazu, dass der Irritator nun angeblich bald in seine Heimat zur\u00fcckkehrt? 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