{"id":103199,"date":"2025-05-11T22:23:16","date_gmt":"2025-05-11T22:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/103199\/"},"modified":"2025-05-11T22:23:16","modified_gmt":"2025-05-11T22:23:16","slug":"goldene-loewen-verliehen-venedig-eroeffnet-die-architekturbiennale-und-trauert-um-die-kuratorin-der-kunstbiennale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/103199\/","title":{"rendered":"Goldene L\u00f6wen verliehen: Venedig er\u00f6ffnet die Architekturbiennale \u2013 und trauert um die Kuratorin der Kunstbiennale"},"content":{"rendered":"<p>Die Architekturbiennale war gerade feierlich er\u00f6ffnet und die Goldenen L\u00f6wen verliehen worden, als die traurige Nachricht in Venedig eintraf: Die Kuratorin der kommenden Kunstbiennale, die Museumsdirektorin Koyo Kouoh, ist pl\u00f6tzlich verstorben.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Am Er\u00f6ffnungstag der Architekturbiennale von Venedig werden traditionell auch die Goldenen und Silbernen L\u00f6wen f\u00fcr den besten nationalen Pavillon und die besten Beitr\u00e4ge in der zentralen Ausstellung verliehen. Doch der 10. Mai 2025 wurde von einer traurigen Botschaft \u00fcberschattet. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/boulevard_nt\/article256098806\/Kunstbiennale-Macherin-Koyo-Kouoh-gestorben.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/boulevard_nt\/article256098806\/Kunstbiennale-Macherin-Koyo-Kouoh-gestorben.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Koyo Kouoh<\/a>, Kuratorin der Kunstbiennale, die im Jahr 2025 stattfindet, verstarb an diesem Tag im Alter von nur 57 Jahren. <\/p>\n<p>Die aus Kamerun stammende und teilweise in der Schweiz aufgewachsenen K\u00fcnstlerin war Direktorin des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa im s\u00fcdafrikanischen Kapstadt. Zuvor leitete sie ein Zentrum f\u00fcr Kunst, Wissen und Gesellschaft in Dakar im Senegal, das sie auch gegr\u00fcndet hatte. In ihren Ausstellungen hatte sie immer wieder afrikanische K\u00fcnstler in den Mittelpunkt gestellt. Sie war die erste aus Afrika stammende Kuratorin der Biennale. Ihr Konzept, von der man eine St\u00e4rkung der afrikanischen Kunst erwarten konnte, wollte sie in wenigen Tagen bekannt geben. <\/p>\n<p>Im Oktober 2024 hatte Kouoh in M\u00fcnchen aber auch einen Eklat ausgel\u00f6st. Bei einer Rede kritisierte sie die israelische Kriegsf\u00fchrung im Gazastreifen ohne den Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und die Geiselnahme zu ber\u00fccksichtigen sowie die deutsche Haltung zum Nahost-Konflikt. Sp\u00e4ter relativierte sie ihre Aussage. <\/p>\n<p>In einer Mitteilung zeigte sich die Biennale-Leitung nun \u00e4u\u00dferst best\u00fcrzt \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Tod von Koyo Kouoh, erinnerte an ihr \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliches intellektuelles und menschliches Engagement\u201c und sprach \u201eall jenen, die mit ihr den Weg der Forschung und des kritischen Denkens \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Kunst geteilt haben, ihr tiefes Mitgef\u00fchl und ihre Zuneigung aus\u201c. Auch Italiens Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni bekundete ihr Beileid. Zur Todesursache wurden keine Angaben gemacht.<\/p>\n<p>Sauber: Hauptpreis f\u00fcr eine Espressobar<\/p>\n<p>Die zentrale Ausstellung der Architekturbiennale mit dem Titel \u201eIntelligens. Natural. Artificial. Collective\u201c wurde in diesem Jahr von dem italienischen Architekten und Ingenieur Carlo Ratti kuratiert. Im Zentrum der Gro\u00dfausstellung mit mehr als 750 Teilnehmern: globale Herausforderungen wie der Klimawandel und die Bev\u00f6lkerungsentwicklung. <\/p>\n<p>Den Goldenen L\u00f6wen f\u00fcr den besten Einzelbeitrag gewann das amerikanische Architekturb\u00fcro Diller Scofidio + Renfro (beteiligt war unter anderem noch der Kritiker Aaron Betsky) f\u00fcr das Projekt \u201eCanal Cafe\u201c. Tats\u00e4chlich ist es eine der spektakul\u00e4rsten Installationen auf der Biennale: Am Rand des historischen Hafenbeckens im Arsenale blubbern auf einem Stahlgestell vier Zylinder vor sich hin. Oben wachsen Pflanzen heraus, von unten steigen Blasen auf. Von Trog zu Trog wird das Wasser heller. <\/p>\n<p>Sollte es auch, denn \u00fcber Schl\u00e4uche flie\u00dft das Wasser weiter zu den Kaffeemaschinen, aus denen die Baristas am Tresen daneben Espresso aufbr\u00fchen. \u201eCanal Cafe\u201c wurde als Gewinner ausgew\u00e4hlt, weil es zeige, wie die Stadt Venedig als Laboratorium funktioniere und gleichzeitig einen Beitrag zum \u00f6ffentlichen Leben am Wasser, so die Jury unter Vorsitz des Schweizer Kurators Hans Ulrich Obrist.<\/p>\n<p>Den Silbernen L\u00f6wen bekam das Professoren-Duo Kate Crawford aus New York und Vladan Joler aus Novi Sad f\u00fcr ihre Grundlagenforschung zu Systemen der kollektiven und k\u00fcnstlichen Intelligenz. \u201eCalculating Empires\u201c visualisiert, wie sich technische und soziale Strukturen \u00fcber f\u00fcnf Jahrhunderte hinweg gemeinsam entwickelt haben.<\/p>\n<p>Der Goldene L\u00f6we f\u00fcr die beste nationale Teilnahme an der 19. Internationalen Architekturausstellung von Venedig geht nach Bahrain f\u00fcr das Projekt \u201eHeatwave\u201c. Nach Meinung der Jury biete der Pavillon eine praktikable L\u00f6sung, wie man mit extremen Hitzebedingungen umgehen kann. \u201eAnpassung\u201c war auch Rattis Schlagwort f\u00fcr die Biennale. <\/p>\n<p>Und der \u00e4u\u00dferst hei\u00dfe W\u00fcstenstadt am Persischen Golf teilt anschaulich seine Erfahrungen: Man betritt einen Raum im Arsenale, in dem man sich auf gro\u00dfen Kissen niederlassen kann, um die Technologie zu verstehen, die unter dem Sandboden, in der Metallgitterdecke und in dem verbindenden R\u00f6hrensystem im Zentrum steckt. Ein geothermischer Brunnen und ein Solarkamin verteilen kalte Luft im Raum, so erlebt man das geniale Prinzip der passiven K\u00fchlung. <\/p>\n<p>Der Clou: Das Prinzip soll nicht nur in Innenr\u00e4umen funktionieren, sondern auch drau\u00dfen. \u201eEin Beispiel f\u00fcr umweltfreundliches, klimagerechtes Design f\u00fcr Arbeitsr\u00e4ume im Freien in hei\u00dfen Klimazonen\u201c, lobte die Jury, \u201ef\u00fcr \u00f6kologische Verantwortung, soziale Fairness und innovative architektonische L\u00f6sungen\u201c. Bahrain konnte den Hauptpreis nach 2010 bereits zum zweiten Mal gewinnen.<\/p>\n<p>\u201eStresstest\u201c im deutschen Pavillon<\/p>\n<p>Dagegen hatte der deutsche Pavillon, dem das in der fast 30-j\u00e4hrigen Geschichte der Architekturbiennale noch nie gelungen ist, auch diesmal keine Chance. Dabei war der Ansatz von \u201eStresstest\u201c durchaus \u00e4hnlich. Doch die Umsetzung leider allzu plakativ, statt praktikabel.<\/p>\n<p>Der Beitrag dreht sich um auch in unseren Breiten h\u00e4ufiger werdende Hitzeperioden und wie sie \u201eSt\u00e4dte, deren Bewohnende sowie die Gesamtheit der Flora und Fauna unter Stress\u201c setzen. Schon beim Eintritt mahnt ein schwingender Videoglockenkl\u00f6ppel, dass es allerh\u00f6chste Zeit wird. Ist es schon das Gel\u00e4ut zum Totengebet? <\/p>\n<p>Denn im Pavillon wird es dramatisch dystopisch. Ein 17-min\u00fctiger Film wirft den Blick in die Innenst\u00e4dte von Berlin, Rom, Madrid, Athen \u2013 und dann f\u00e4rbt sich die Sommeridylle langsam von oben im Stil eines Thermofotos ein: rot und r\u00f6ter. Wir sehen Drohnenfl\u00fcge \u00fcber versiegelte Metropolen, Betonburgen, Asphalt unter dem Smoghimmel, Fernsehnachrichten zu Hitzerekorden, dazu dr\u00e4ut nur der Soundtrack. <\/p>\n<p>Wir sehen erhitzte m\u00fcde Gesichter, traurige Kinderaugen, Schwei\u00dfperlen im Close-up. Dann aber Schnitt: dicke B\u00e4ume, Dachg\u00e4rten, gr\u00fcne Fassaden, M\u00fc\u00dfiggang im Schatten und ein Ave-Maria auf die Ohren. Doch die Abk\u00fchlung w\u00e4hrt nur kurz. Im zweiten Raum bekommt man die Wuthitze des Kuratorenquartetts dann selbst zu sp\u00fcren. <\/p>\n<p>Per W\u00e4rmebildprojektion darf man anschauen, wie einem der Kopf glutrot anl\u00e4uft, w\u00e4hrend man unter Infrarotstrahlern steht, die die Sonneneinstrahlung simulieren. Die Aussicht bietet der n\u00e4chste Raum, wo einige Hainbuchen wie heilige Totems aufgestellt sind und das Dachfenster ge\u00f6ffnet ist, auf dass ein L\u00fcftchen weht. Und ein gro\u00dfes Wanddiagramm zeigt noch ein paar weitere Optionen wie k\u00fcnstliche Verschattung oder hellere Fassaden als temperatursenkende Ma\u00dfnahmen. <\/p>\n<p>Alles richtig, alles seit Jahren bekannt, alles leider noch viel zu selten umgesetzt. Doch innovative, vielleicht sogar verhei\u00dfungsvolle L\u00f6sungsans\u00e4tze bleibt der deutsche Pavillon schuldig. Und so bleibt als nachhaltige Erinnerung mal wieder nur ein moralisch hoher Ton.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Architekturbiennale war gerade feierlich er\u00f6ffnet und die Goldenen L\u00f6wen verliehen worden, als die traurige Nachricht in Venedig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":103200,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[2250,1793,40889,29,214,30,1794,45,215,13239,16265],"class_list":{"0":"post-103199","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-architektur","9":"tag-art-and-design","10":"tag-biennalen","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-kunst-und-design","15":"tag-texttospeech","16":"tag-unterhaltung","17":"tag-venedig","18":"tag-woeller-marcus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114491543059376653","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103199"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103199\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}