{"id":1035879,"date":"2026-05-21T13:04:27","date_gmt":"2026-05-21T13:04:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1035879\/"},"modified":"2026-05-21T13:04:27","modified_gmt":"2026-05-21T13:04:27","slug":"essstoerungen-holt-euch-hilfe-neue-therapie-koennte-leid-von-magersuechtigen-mindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1035879\/","title":{"rendered":"Essst\u00f6rungen: \u201eHolt euch Hilfe!\u201c &#8211; Neue Therapie k\u00f6nnte Leid von Magers\u00fcchtigen mindern"},"content":{"rendered":"<p>Statt in einer Klinik k\u00f6nnen junge Magers\u00fcchtige k\u00fcnftig von zu Hause aus therapiert werden. Betroffene in Stuttgart k\u00f6nnen diesen Behandlungsweg nun ausprobieren.<\/p>\n<p> Die Krankheit kam bei Alex (Name von der Redaktion ge\u00e4ndert) schleichend. Sie habe einfach weniger gegessen, berichtet sie sp\u00e4ter ihrer \u00c4rztin. Die heute 15-J\u00e4hrige war immer eine sehr gute Sch\u00fclerin und neigt zum Perfektionismus. Abzunehmen und viel <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Sport\" title=\"Sport\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sport<\/a> zu machen f\u00fchlte sich anfangs gut an. Mit der Zeit merkte sie, dass Hungern ihrem K\u00f6rper schadete. Sie versuchte, ihren Zwang vor ihren Eltern zu verstecken &#8211; bis es zu offensichtlich wurde, dass Alex an Magersucht leidet. <\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war die Krankheit jedoch schon weit vorangeschritten. \u201eDie Patientin war in einer akuten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Krise\" title=\"Krise\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krise<\/a>, ihr ging es schlecht. Doch gleichzeitig hatte sie Angst vor der Behandlung, denn Teil der Krankheit ist es nun mal, nicht zunehmen zu wollen\u201c, erkl\u00e4rt Verena Haas, Leiterin des Forschungsbereichs Essst\u00f6rungen in der Berliner Charit\u00e9. Inzwischen befindet sich Alex aber auf dem Weg der Besserung. Geholfen hat ihr eine neue, familienbasierte Therapie, die sie und andere Patienten im Rahmen einer Studie testen. F\u00fcr die ehrgeizige Sch\u00fclerin war es wichtig, dass sie dabei nicht aus ihrem Umfeld gerissen wurde. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.b18d421f-403d-411e-af16-e0aee461da69.original1024.media.jpeg\"\/>     Ern\u00e4hrungstherapeutin Verena Haas leitet die Fiat-Studie.    Foto: privat    <\/p>\n<p>Verena Haas leitet die sogenannte Fiat-Studie, an der sich 23 Kliniken in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Deutschland\" title=\"Deutschland\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> &#8211; darunter das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.psychischen-erkrankungen-im-fokus-von-depression-bis-essstoerung-diese-klinik-hilft-bei-der-rueckkehr-ins-leben.90020c56-007c-4468-bb37-29c04438699d.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Diakonie Klinikum in Stuttgart <\/a>&#8211; beteiligen. Auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universit\u00e4tsklinikums T\u00fcbingen war an den Vorbereitungen und Schulungen zu der Studie beteiligt, musste sich dann aber aus dem Projekt zur\u00fcckziehen, da die Spezialstation f\u00fcr Essst\u00f6rungen umzog und keine Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die Teilnahme mehr frei waren. \u201eInhaltlich gab es aber keinerlei Bedenken gegen die Studie\u201c, versichert Sprecherin Claudia L\u00f6we.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig sollen magers\u00fcchtige Patienten die Wahl haben  <\/p>\n<p>In der Studie wird eine alternative, familienbasierte Therapie mit einer klassischen station\u00e4ren Therapie verglichen &#8211; mit dem Ziel, dass von Magersucht <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.gesundheit-essstoerungen-nehmen-stark-zu-vor-allem-unter-maedchen.9e4fa3ac-7b4c-4105-ba5b-701ba462cdd9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">betroffene Kinder und Jugendliche <\/a> k\u00fcnftig die f\u00fcr sie passendere Behandlung w\u00e4hlen k\u00f6nnen. In L\u00e4ndern wie Gro\u00dfbritannien, USA, Kanada, Neuseeland und Australien hat es sich bereits bew\u00e4hrt, wenn von Magersucht betroffene Kinder und Jugendliche w\u00e4hrend der Therapie zuhause wohnen bleiben k\u00f6nnen.<b>\u00a0<\/b>Und auch eine Pilotstudie der Charit\u00e9 kam zu dem Ergebnis, dass die Behandlungsergebnisse zwischen station\u00e4rer und familienbasierter Therapie vergleichbar sind. <\/p>\n<p>\u201eDer Vorteil des familienbasierten Ansatzes liegt darin, dass die Betroffenen in ihrem famili\u00e4ren und schulischen Umfeld bleiben und dort gesund werden k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Verena Haas. Bei 30 Prozent der schwer erkrankten jungen Menschen habe dies in einer Pilotstudie zwar nicht ausreichend geholfen und die Patienten mussten letztlich station\u00e4r aufgenommen werden. Doch die restlichen 70 Prozent seien nach einem Jahr Behandlung auf einem guten Weg. Um die ermutigenden Ergebnisse zu verifizieren, wird die Studie nun deutschlandweit ausgeweitet. <\/p>\n<p>Bisher haben sich 90 Familien gefunden, die per Zufallsprinzip entweder der station\u00e4ren oder der familienbasierten Therapie zugeordnet werden &#8211; insgesamt werden jedoch 200 Betroffene ben\u00f6tigt. Am Diakonie Klinikum ist die Nachfrage nach station\u00e4ren Behandlungspl\u00e4tzen weiterhin hoch, die meisten Familien k\u00f6nnen sich bisher noch keine rein ambulante Behandlung vorstellen. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.98b81c56-3ead-415d-95db-323a32372ae9.original1024.media.jpeg\"\/>     Susanne Rue\u00df ist Chef\u00e4rztin am Diakonie Klinikum   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>.    Foto: Diakonie Klinikum Stuttgart     <\/p>\n<p>Dabei ist Susanne Rue\u00df, Chef\u00e4rztin der Klinik f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Diakonie Klinikum Stuttgart, \u00fcberzeugt davon, dass mit dem neuen Ansatz k\u00fcnftig viel Leid gemindert werden kann. \u201eIch sehe es vor allem als gro\u00dfe Chance, dass Patienten, die noch am Anfang der Erkrankung stehen, schnell geholfen werden kann, damit die Krankheit nicht chronisch wird\u201c, sagt Rue\u00df. <\/p>\n<p>Sie gibt zu bedenken, dass Anorexie unter den psychischen Erkrankungen die h\u00f6chste Sterblichkeitsrate hat: Diese liegt bei f\u00fcnf bis zehn Prozent. \u201eEs ist eine schwere Erkrankung, die oft untersch\u00e4tzt wird, da gesellschaftlich ein <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.skinnytok-ende-von-body-positivity-schlankheitswahn-erobert-social-media.40c944c2-73fa-41c3-b1db-db6061791347.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">schlankes Idealbild <\/a>vorherrscht\u201c, betont die \u00c4rztin. Von der Komplikationsrate k\u00f6nne man die Erkrankung durchaus mit einer onkologischen Behandlung vergleichen. \u201eNiemand w\u00fcrde doch bei einer Krebserkrankung sagen, dass man mal schaut, ob das von allein wieder weg geht.\u201c<\/p>\n<p>Dass sich bisher noch nicht ausreichend viele Familien f\u00fcr die Studie gefunden haben, erkl\u00e4ren sich Haas und Rue\u00df damit, dass die Patienten es dem Zufallsprinzip \u00fcberlassen m\u00fcssen, ob sie station\u00e4r in einer Klinik oder telemedizinisch mit der familienbasierten Therapie behandelt werden. <\/p>\n<p>Auch stehen manche Familien der neuen Variante skeptisch gegen\u00fcber. Denn in der ersten Phase dieser Therapieform sind es die Eltern, die daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass ihr Kind bei den Mahlzeiten gen\u00fcgend isst. So geht es anfangs vor allem darum, Gewicht zuzulegen, da sich so die Prognose verbessert. \u201eDiese erste Phase ist sehr schwer\u201c, erkl\u00e4rt Haas. \u201eJede Familie muss f\u00fcr sich selbst individuelle L\u00f6sungen finden.\u201c Begleitet werden die Familien dabei per Videoanruf von speziell geschulten Therapeutinnen und Therapeuten, das medizinische Monitoring findet in Pr\u00e4senz statt.<\/p>\n<p> In der zweiten Phase treten die Eltern in den Hintergrund und die Jugendlichen k\u00f6nnen Schritt f\u00fcr Schritt altersgem\u00e4\u00df selbst die Verantwortung f\u00fcr ihr Essverhalten \u00fcbernehmen. In der dritten Phase sind die Patienten zwar schon stabilisiert, doch die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Essst%C3%B6rung\" title=\"Essst\u00f6rung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Essst\u00f6rung<\/a> ist oft noch vorhanden, nur weniger ausgepr\u00e4gt. Nun geht es darum, die Betroffenen in einem dann k\u00f6rperlich und mental besseren Zustand weiter zu unterst\u00fctzen, ihre individuellen Themen zu bearbeiten und die durch die Krankheit verpassten, jugendlichen Entwicklungsschritte nachzuholen. <\/p>\n<p>Die \u00c4rztinnen gehen fest davon aus, dass die familienbasierte Therapie eine L\u00fccke f\u00fcllen k\u00f6nnte, die aktuell zwischen Diagnose und station\u00e4rer Behandlung entsteht. \u201eDie station\u00e4re Therapie wird aber weiter f\u00fcr viele Patienten wichtig bleiben. Es geht nicht um eine Konkurrenz, beide Therapieformen haben ihre Berechtigung\u201c, erkl\u00e4rt Haas. Wichtig sei, dass Magersucht nicht unbehandelt bleibe. Auch Alex appelliert im Gespr\u00e4ch mit ihrer \u00c4rztin an andere Betroffene: \u201eHolt euch Hilfe. Allein ist es nicht zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p> Hilfe bei Magersucht  <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Beratung <\/strong><br \/>Als erste Anlaufstelle f\u00fcr junge Menschen mit Essst\u00f6rungen ist die Beratungsstelle Abas im Gesundheitsladen, Lindensp\u00fcrstra\u00dfe 32, in Stuttgart geeignet. Weitere Informationen finden sich unter <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsladen-stuttgart.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.gesundheitsladen-stuttgart.de<\/a> <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Fiat-Studie <\/strong><br \/>An der Studie k\u00f6nnen Patienten zwischen acht und 18 Jahren mit der Hauptdiagnose einer Anorexia nervosa (Magersucht) teilnehmen, die gesetzlich versichert sind. Weitere Informationen finden sich unter <a href=\"https:\/\/fbt-fiat.de\/start\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">fbt-fiat.de\/start<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Statt in einer Klinik k\u00f6nnen junge Magers\u00fcchtige k\u00fcnftig von zu Hause aus therapiert werden. 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