{"id":1037152,"date":"2026-05-22T00:52:22","date_gmt":"2026-05-22T00:52:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1037152\/"},"modified":"2026-05-22T00:52:22","modified_gmt":"2026-05-22T00:52:22","slug":"die-us-anklage-gegen-raul-castro-und-die-geschichte-des-cia-terrors-gegen-kuba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1037152\/","title":{"rendered":"Die US-Anklage gegen Ra\u00fal Castro und die Geschichte des CIA-Terrors gegen Kuba"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/35690fd6-47dd-407b-a3c9-2ae58690d338.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Mitglieder der Brigade 2506, die 1961 in der Schweinebucht auf Kuba gefangen genommen wurden<\/p>\n<p>Im Jahr 1902 beendeten die USA ihre milit\u00e4rische Besetzung Kubas und die Kubanische Republik wurde offiziell ausgerufen. Am vergangenen Mittwoch, 124 Jahre sp\u00e4ter, sprach die Trump-Regierung ihre bisher unverh\u00fcllteste Drohung gegen Kuba aus.<\/p>\n<p>Das US-Justizministerium ver\u00f6ffentlichte eine Anklageschrift wegen Mordes und Verschw\u00f6rung gegen den 94-j\u00e4hrigen Ra\u00fal Castro im Zusammenhang mit dem Abschuss zweier Flugzeuge der in Miami ans\u00e4ssigen Exilgruppe \u201eBrothers to the Rescue\u201c im Jahr 1996.<\/p>\n<p>Castro, der seit fast einem Jahrzehnt aus seinen \u00f6ffentlichen \u00c4mtern ausgeschieden ist, war zuvor Pr\u00e4sident Kubas und Vorsitzender der regierenden Partei. Er war einer der Comandantes der Guerilla-Armee unter der F\u00fchrung seines Bruders Fidel, die 1959 an die Macht kam.<\/p>\n<p>Wenige Stunden vor der Ank\u00fcndigung der Anklage ver\u00f6ffentlichte Au\u00dfenminister Marco Rubio ein Video auf Spanisch, das sich direkt an die kubanische Bev\u00f6lkerung richtete. Rubio forderte darin einen Regimewechsel und trat f\u00fcr die Politik der Rekolonisierung ein, die Washington in ganz Lateinamerika verfolgt.<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung der Anklageschrift am Mittwoch in Miami erinnerte weniger an ein Gerichtsverfahren als vielmehr an einen Wahlkampfauftritt, bei der sich Washingtons konterrevolution\u00e4re Akteure versammelt hatten, um Donald Trump zu preisen und die Aussicht auf eine direkte US-Milit\u00e4rintervention gegen Kuba zu bejubeln.<\/p>\n<p>Inmitten dieser rechtsextremen Feier wurde eine Frage in auff\u00e4lliger Weise ignoriert: Wer wird f\u00fcr die 65 Jahre amerikanischer Gewalt, Morde und Terror gegen Kuba zur Rechenschaft gezogen?<\/p>\n<p>Die Anklage gegen Ra\u00fal Castro ist ein abscheulicher Akt politischer Propaganda, um eine geplante milit\u00e4rische Aggression gegen eine verarmte Nation mit weniger als 10 Millionen Einwohnern zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Die Anklageschrift bezieht sich auf einen drei Jahrzehnte zur\u00fcckliegenden Vorfall \u2013 der Abschuss von zwei Flugzeugen der Organisation \u201eBrothers to the Rescue\u201c am 24. Februar 1996 \u00fcber der Meerenge zwischen Florida und Kuba. Dieser Vorfall wurde von jeder US-Regierung seit der unter Bill Clinton systematisch falsch dargestellt. Die Clinton-Regierung, die Republikanische Partei und die Leitmedien verurteilten den Abschuss allesamt als \u201ekaltbl\u00fctigen Mord\u201c und beriefen sich dabei auf internationale Gesetze, die den Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt gegen zivile Flugzeuge verbieten. Die CIA beharrte darauf, dass Jos\u00e9 Basulto, der Pilot des Flugzeugs, das entkommen konnte, und die anderen keine bezahlten US-Geheimdienstagenten waren.<\/p>\n<p>Nichts davon stimmte. Die kubanische Botschaft in den Vereinigten Staaten reagierte auf die Anklage mit dem Hinweis, dass Kuba in den Jahren 1994 bis 1996 in mehr als 25 F\u00e4llen von Luftraumverletzungen durch \u201eBrothers to the Rescue\u201c formell Protest eingelegt hatte, was von Washington systematisch ignoriert wurde.<\/p>\n<p>Die \u201eBrothers to the Rescue\u201c sind keineswegs eine humanit\u00e4re Organisation. Sie nutzten ihre Flugzeuge, um wiederholt feindliche \u00dcberfl\u00fcge \u00fcber kubanischem Hoheitsgebiet durchzuf\u00fchren, wobei sie gelegentlich Havanna im Tiefflug \u00fcberflogen und Flugbl\u00e4tter abwarfen, in denen die Kubaner zum Aufstand gegen die Regierung aufgerufen wurden. Basulto, der selbst an der von der CIA organisierten Invasion in der Schweinebucht beteiligt gewesen war, hatte damit geprahlt, dass er an der U.S. Army School of the Americas in Panama in Terrortechniken ausgebildet worden sei. Er beteiligte sich an einer Aktion, bei der ein Hotel in Havanna von einem Boot aus beschossen wurde, und leistete sp\u00e4ter unter Anleitung der CIA Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Contra-Terrorbewegung in Nicaragua.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4ten seiner Gruppe waren eine kalkulierte Provokation, die darauf abzielte, eine Milit\u00e4rintervention der USA gegen Kuba auszul\u00f6sen. Der Abschuss war ein Akt der Selbstverteidigung gegen eine anhaltende, aggressive und von den USA unterst\u00fctzte Kampagne.<\/p>\n<p>Die Clinton-Regierung reagierte nicht mit milit\u00e4rischen Vergeltungsma\u00dfnahmen, gab jedoch ihren Widerstand gegen den sogenannten Helms Burton Act auf, ein Gesetz, mit dem weitreichende neue Sanktionen gegen ausl\u00e4ndische Unternehmen verh\u00e4ngt wurden, die in Kuba Gesch\u00e4fte t\u00e4tigten. Weiter untersagte das Gesetz auch nur eine minimale Aufhebung des US-Embargos.<\/p>\n<p>Die Anklage als Vorwand f\u00fcr einen Krieg<\/p>\n<p>30 Jahre sp\u00e4ter greift nun die Trump-Regierung mit grenzenlosem Zynismus auf diesen inszenierten Vorfall zur\u00fcck, um Castro anzuklagen. Die Anklage folgt genau dem Muster, das bereits gegen den venezolanischen Pr\u00e4sidenten Nicol\u00e1s Maduro zum Einsatz kam. Bevor ihn die USA beim milit\u00e4rischen Angriff auf Caracas am 3. Januar entf\u00fchrten, wurde Maduro unter falschen Vorw\u00fcrfen des Drogenterrorismus angeklagt.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/international-mayday-online-rally-2026.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1779411140_856_11d17052-6cfe-4508-a369-0296defc96b6.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1779411140_487_4b19da99-80bf-4b7c-8443-cc2e6d33b6f6.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Anklageschrift wurde von einer Arbeitsgruppe vorbereitet, die im M\u00e4rz von US-Staatsanwalt Jason Reding Qui\u00f1ones im s\u00fcdlichen Bezirk von Florida eingerichtet wurde, um kubanische Amtstr\u00e4ger in gro\u00dfem Umfang juristisch zu verfolgen. Als Sohn kubanischer Fl\u00fcchtlinge war Reding der erste Staatsanwalt, der in Trumps zweiter Amtszeit ernannt wurde, nach einer langen Karriere in der US-Armee und der Luftwaffe.<\/p>\n<p>Nicht nur wurde er letzten Monat zum Oberst der Reserve bef\u00f6rdert, er agiert derzeit auch als \u201eleitender Rechtsberater der Reserve\u201c f\u00fcr das US-Zentralkommando. In dieser Position ist er mit den Kriegsverbrechen befasst, die von den USA und Israel im gesamten Nahen Osten begangen werden, einschlie\u00dflich des Krieges gegen den Iran.<\/p>\n<p>Die Anklage muss im Zusammenhang mit den seit Monaten andauernden Bem\u00fchungen der Trump-Regierung gesehen werden, einen Vorwand f\u00fcr einen Krieg zu konstruieren. Ein Bericht von Axios behauptete k\u00fcrzlich unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter des Wei\u00dfen Hauses, die sich wiederum auf Geheimdienstinformationen beriefen, dass Kuba mehr als 300 Drohnen aus Russland und dem Iran gekauft habe. Zudem seien \u201ePl\u00e4ne diskutiert worden\u201c, den US-Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt in Guant\u00e1namo Bay sowie US-Marineschiffe und Key West in Florida anzugreifen.<\/p>\n<p>Die kubanische Botschaft zeigte die absurde Widerspr\u00fcchlichkeit des Berichts auf: \u201eAxios erfindet eine \u201aDrohnenbedrohung\u2018, nur um wenige Abs\u00e4tze sp\u00e4ter zu gestehen: \u201aUS-Regierungsvertreter gehen nicht davon aus, dass Kuba aktiv einen Angriff plant.\u2018\u201c Die kubanische Regierung f\u00fcgte hinzu, dass \u201eKuba das Land ist, das angegriffen wird\u201c, und verwies dabei auf das im Januar verh\u00e4ngte US-Energieembargo, durch das jedes Land mit Strafz\u00f6llen bedroht wird, das \u00d6l an Kuba verkauft. In der Folge geriet das Stromnetz der Insel in einen Zustand des Zusammenbruchs.<\/p>\n<p>Die Bilanz des US-Terrors gegen Kuba<\/p>\n<p>Der 20. Mai w\u00e4re ein passendes Datum, um diejenigen anzuklagen, die f\u00fcr eine der l\u00e4ngsten und r\u00fccksichtslosesten Terror-Kampagnen der modernen Geschichte verantwortlich sind: die des US-Imperialismus gegen Kuba.<\/p>\n<p>Das Datum markiert die Ausrufung der Kubanischen Republik im Jahr 1902 nach dem Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges, als die USA die spanischen Kolonien Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen in Besitz nahmen.<\/p>\n<p>Zwischen 1917 und 1923 besetzten US-Marinesoldaten die Insel, unterdr\u00fcckten Streiks und setzten die Interessen US-amerikanischer Unternehmen durch.<\/p>\n<p>Das formelle Ende der US-Milit\u00e4rbesatzung ging mit dem sogenannten Platt Amendment einher, durch das Washington sich das uneingeschr\u00e4nkte \u201eRecht\u201c einr\u00e4umte, milit\u00e4risch in kubanische Angelegenheiten einzugreifen, wann immer es dies f\u00fcr angebracht hielt. Die Regierung unter Fidel Castro strich den 20. Mai aus dem offiziellen Kalender \u2013 in Anerkennung der Tatsache, dass die \u201eUnabh\u00e4ngigkeit\u201c von 1902 eine koloniale Vereinbarung war, die sich als Republik ausgab.<\/p>\n<p>Die 65 Jahre ununterbrochenen US-Terrors gegen Kuba \u2013 ebenso wie die derzeit eskalierende Kampagne f\u00fcr einen Regimewechsel \u2013 zielten darauf ab, jegliche Hindernisse f\u00fcr die Wiederherstellung jener Art von Beziehungen zu beseitigen, die unter dem Platt Amendment und der Diktatur von Fulgencio Batista vor 1959 herrschten. Das Ziel ist die Wiederherstellung der praktisch kolonialen Beziehungen, die es amerikanischen Banken und Konzernen erm\u00f6glichten, Kubas Land, seine Versorgungsunternehmen, Eisenbahnen und die Zuckerindustrie zu kontrollieren, w\u00e4hrend die Mafia freie Hand hatte, jene Bordelle und Casinos zu betreiben, die von US-Politikern und Gesch\u00e4ftsleuten frequentiert wurden. Batista t\u00f6tete 20.000 Menschen, um diese Ordnung aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Als Fidel Castro 1959 die von den USA unterst\u00fctzte Diktatur Fulgencio Batistas st\u00fcrzte, reagierte Washington umgehend. Freigegebene CIA-Dokumente best\u00e4tigen, dass die verdeckten Operationen der USA gegen Kuba begannen, noch bevor Castro sich \u00fcberhaupt der Sowjetunion angeschlossen hatte \u2013 was bedeutet, dass die Angriffe weniger mit der Ideologie des Kalten Krieges zu tun hatten als damit, die Pl\u00fcnderung der Insel durch US-Konzerne zu verteidigen.<\/p>\n<p>Die Geschichte des sp\u00e4teren US-Terrors geh\u00f6rt zu den am ausf\u00fchrlichsten dokumentierten in der modernen Geschichte. Sie begann im M\u00e4rz 1960 mit dem Bombenanschlag auf die \u201eLa Coubre\u201c, ein franz\u00f6sisches Schiff. Dieses transportierte Waffen, zu deren Kauf Kuba von Europa gezwungen worden war, nachdem Washington sich geweigert hatte, Waffen zu verkaufen. Die Bomben waren so eingestellt, dass sie nacheinander detonierten, damit die Rettungskr\u00e4fte, die auf die erste Explosion reagierten, von der zweiten \u00fcberrascht w\u00fcrden. \u00dcber 100 Menschen starben, Hunderte weitere wurden verletzt.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Intervention war die Invasion in der Schweinebucht im April 1961 mit einer von der CIA organisierten und finanzierten Truppe von etwa 1.400 kubanischen Exil-S\u00f6ldnern. Kuba schlug sie im Verlauf der gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Niederlage der USA in der Region zur\u00fcck, doch nicht bevor nicht 176 Menschen get\u00f6tet und \u00fcber 300 verwundet worden waren. Danach entwarf der US-Generalstab im M\u00e4rz 1962 die Operation Northwoods \u2013 inzwischen freigegebene Pl\u00e4ne f\u00fcr die Inszenierung von Terroranschl\u00e4gen unter falscher Flagge in US-St\u00e4dten sowie Entf\u00fchrungen von US-Flugzeugen, um Vorw\u00e4nde f\u00fcr einen Angriff der USA auf Kuba zu schaffen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Das Church Committee von 1975 enth\u00fcllte acht Mordanschl\u00e4ge der CIA auf Fidel Castro zwischen 1960 und 1965 und dokumentierte dabei den Einsatz von explodierenden Muscheln, giftigen Zigarren, vergifteten Stiften und die Zusammenarbeit mit der Mafia. Die kubanische Spionageabwehr hat insgesamt 638 einzelne Attentatspl\u00e4ne dokumentiert.<\/p>\n<p>Ein besonders finsteres Komplott ist das Einschleppen von Krankheiten: Kuba f\u00fchrt den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest 1971 und die Epidemie des Dengue-Fiebers 1981 auf das absichtliche Einschleusen von Erregern durch die USA zur\u00fcck. Am Dengue-Fieber starben 158 Menschen, darunter 101 Kinder.<\/p>\n<p>Die Opfer des von den USA gelenkten oder mit den USA in Verbindung stehenden Terrorismus gegen Kuba seit 1959 werden auf mehr als 3.000 Tote und fast 2.100 Verletzte beziffert. Diese Zahlen basieren auf Aufzeichnungen der kubanischen Regierung und Augenzeugenberichten, die von Forschern zusammengetragen wurden, darunter Keith Bolender, und mit einzelnen Vorf\u00e4llen in den freigegebenen Akten abgeglichen wurden.<\/p>\n<p>Kein einziger T\u00e4ter dieser Verbrechen wurde von der US-Regierung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Die Netzwerke, die sie ausbildeten, organisierten, finanzierten und vor Strafverfolgung sch\u00fctzten, wurden von der CIA und dem US-Staat aufgebaut und verteidigt.<\/p>\n<p>Das zeigt sich am deutlichsten in der Karriere von Luis Posada Carriles. Der in Kuba geborene und von der CIA in Fort Benning (Georgia) ausgebildete Posada half bei der Organisation der Invasion in der Schweinebucht und wurde anschlie\u00dfend zu einem der erfolgreichsten Terroristen in der Geschichte Lateinamerikas. Er operierte jahrzehntelang mit dem Wissen, dem Schutz und zeitweise mit aktiver Anleitung des US-Geheimdienstes. Er war einer der Hauptorganisatoren des Bombenanschlags auf den Flug 455 der Cubana Airlines im Jahr 1976, dem t\u00f6dlichsten Terrorangriff in der Luftfahrt auf dem amerikanischen Kontinent vor dem 11. September 2001. Damals kamen alle 73 Passagiere an Bord ums Leben, darunter ein ganzes Team der kubanischen Junioren-Fechtmannschaft.<\/p>\n<p>Venezuela, wo das Attentat von 1976 geplant wurde und wo Posada eingeb\u00fcrgert worden war, verhaftete ihn im Zusammenhang mit dem Anschlag und hielt ihn jahrelang fest, bevor er 1985, noch w\u00e4hrend er auf seinen Prozess wartete, aus dem Gef\u00e4ngnis floh.<\/p>\n<p>Er organisierte 1997 die Bombenanschlagsserie auf Hotels in Havanna, bei der der italienische Tourist Fabio Di Celmo ums Leben kam, und wurde im November 2000 in Panama-Stadt mit 200 Pfund Sprengstoff im Rahmen eines Komplotts gegen Fidel Castro festgenommen. 2004 wurde er unter starkem Druck der USA von der scheidenden Pr\u00e4sidentin Panamas Mireya Moscoso begnadigt.<\/p>\n<p>Aufgrund von anhaltendem internationalem Druck verhaftete die Bush-Regierung Posada, lehnte jedoch eine Auslieferung an Venezuela und Kuba ab. Jos\u00e9 Pertierra, der in Washington t\u00e4tige Anwalt, der die Interessen Venezuelas vertritt, bemerkte mit bei\u00dfender Ironie: \u201eDer einzige Beweis f\u00fcr Folter in Kuba, den ich gesehen habe, stammt von der US-Milit\u00e4rbasis in Guant\u00e1namo Bay.\u201c<\/p>\n<p>Die einzige Anklage, die die US-Regierung letztendlich gegen Posada erhob, war Meineid: Er hatte Einwanderungsbeamte w\u00e4hrend einer Einb\u00fcrgerungsanh\u00f6rung \u00fcber seine Rolle bei den Bombenanschl\u00e4gen auf Hotels in Havanna belogen. Im Jahr 2011 sprach ihn ein Bundesgericht in El Paso sogar frei. Posada Carriles starb 2018 im Alter von 90 Jahren friedlich in einem Pflegeheim f\u00fcr Veteranen in Florida.<\/p>\n<p>Ohne diese Vorgeschichte zu pr\u00fcfen, hat jetzt dieselbe US-Regierung eine Anklage gegen Ra\u00fal Castro angek\u00fcndigt, weil er das Abfangen von Flugzeugen angeordnet haben soll, die von einem Netzwerk unter der Leitung eines der engsten Mitarbeiter Posadas\u2019 betrieben wurden.<\/p>\n<p>Das derzeitige Vorgehen gegen Kuba ist keine Verirrung. Es ist der konzentrierte Ausdruck einer umfassenderen Strategie des US-Imperialismus, jedes Land zu vernichten, das seine globale Vorherrschaft herausfordert. Dieselbe Logik zeigt sich in der Zerst\u00f6rung des Irak, Afghanistans, Libyens und Syriens, im V\u00f6lkermord in Gaza, dem Krieg gegen den Iran und der Entmachtung von Venezuelas Pr\u00e4sident Maduro.<\/p>\n<p>Am 14. Mai empfing die kubanische Regierung CIA-Direktor John Ratcliffe in Havanna. Bei einem Treffen mit Ra\u00fal Guillermo \u201eRaulito\u201c Rodr\u00edguez Castro, dem Enkel des ehemaligen Pr\u00e4sidenten, und Vertretern des Innenministeriums forderte Ratcliffe \u201egrundlegende Ver\u00e4nderungen\u201c. Das Treffen signalisiert, dass die nationalistische Strategie Kubas an ihr historisches Ende gelangt ist: Die Castro-F\u00fchrung, die sechs Jahrzehnte CIA-Terror \u00fcberstanden hat, sitzt nun dem CIA-Direktor gegen\u00fcber und verhandelt \u00fcber die Bedingungen ihrer eigenen Unterwerfung. Die Arbeiterklasse in Kuba und international muss die notwendigen politischen Schlussfolgerungen ziehen.<\/p>\n<p>Die \u201elinken\u201c nationalistischen Regierungen in Mexiko, Brasilien und Kolumbien sind voll und ganz Komplizen der Regimewechsel-Operation und der Treibstoffblockade, mit der Kuba ausgehungert wird.<\/p>\n<p>Der Weg nach vorn liegt in der unabh\u00e4ngigen politischen Mobilisierung der Arbeiterklasse in den USA, Kuba und weltweit: Hafenarbeiter, Transportarbeiter, \u00d6larbeiter und andere m\u00fcssen sich weigern, die Blockade durchzusetzen, und einem milit\u00e4rischen Angriff auf Kuba Widerstand leisten \u2013 im Rahmen des Kampfs gegen das kapitalistische System, in dem imperialistischer Krieg und Terror die Politik bestimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mitglieder der Brigade 2506, die 1961 in der Schweinebucht auf Kuba gefangen genommen wurden Im Jahr 1902 beendeten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1037153,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":["post-1037152","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-usa","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-united-states","tag-united-states-of-america","tag-us","tag-usa","tag-vereinigte-staaten","tag-vereinigte-staaten-von-amerika"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116615496178067024","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1037152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1037152"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1037152\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1037153"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1037152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1037152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1037152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}