{"id":103889,"date":"2025-05-12T05:04:15","date_gmt":"2025-05-12T05:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/103889\/"},"modified":"2025-05-12T05:04:15","modified_gmt":"2025-05-12T05:04:15","slug":"berlin-wiegehtesuns-juedischer-student-in-berlin-jetzt-muss-man-erst-recht-was-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/103889\/","title":{"rendered":"Berlin: #wiegehtesuns | J\u00fcdischer Student in Berlin: &#8222;Jetzt muss man erst recht was machen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 12.05.2025 06:13 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der j\u00fcdische Student Lior Steiner engagiert sich seit Jahren gegen Antisemitismus. F\u00fcr seine politischen Aktionen erntet der geb\u00fcrtige Berliner neben Anerkennung auch viel Hass. Trotzdem macht er weiter &#8211; und hofft auf ein friedliches Zusammenleben.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn der Serie <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/thema\/wiegehtesuns\/index.html\" title=\"#Wiegehtesuns?\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">#Wiegehtesuns?<\/a> erz\u00e4hlen Menschen, wie ihr Leben gerade aussieht &#8211; pers\u00f6nlich, manchmal widerspr\u00fcchlich und kontrovers. rbb|24 will damit Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLior Steiner studiert Jura an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Der 20-J\u00e4hrige j\u00fcdische Berliner k\u00e4mpft seit Jahren gegen Antisemitismus und hat mit der J\u00fcdischen Studierendenvereinigung Berlin und Jewish Life Berlin zwei Organisationen gegr\u00fcndet, die sich stark machen gegen Hass gegen Israel. Lior ist im Berliner Westen geboren und aufgewachsen &#8211; vom Holocaust hat er schon fr\u00fch erfahren. So geht es Lior<\/p>\n<p class=\"textabsatz--contains-image  m-six l-five textabsatz columns twelve\">\nMeine Geschwister und ich sind fr\u00fcher h\u00e4ufig mit unserem Vater am Gleis 17 in Grunewald gewesen, von dem aus Berliner Juden und diejenigen, die nicht in das NS-Bild gepasst haben, deportiert worden sind in Arbeitslager und Konzentrationslager. Mein Vater hat uns das gezeigt, weil ihm wichtig war, dass wir die Geschichte so fr\u00fch wie m\u00f6glich kennenlernen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIch erinnere mich, dass das ganz, ganz komisch war. Vor allem dieser dunkle Gang war schon immer ziemlich gruselig. Der Wind, die Stille, das alles ist schon ein bisschen gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Da wird einem auch mulmig, wenn man wei\u00df, was hier vor vielen Jahren passiert ist. Es gibt keinen Ort in Berlin, der mich so bewegt, was die Thematik angeht. Er steht f\u00fcr mich f\u00fcr einen der Punkte, warum die NS-Zeit so schrecklich war.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1747026253_560_rbb-97644784-100.jpg\" alt=\"Gedenkst\u00e4tte Ravensbrueck (Quelle: dpa)\" title=\"97644784 | dpa\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Es ist schon ein Balanceakt, dass man respektvoll bleibt bei dem Thema&#8220;<\/p>\n<p>            Von Susanne Siegert kann man vieles \u00fcber Nazi-Verbrechen erfahren. Sie informiert vor allem junge Menschen auf Tiktok \u00fcber den Holocaust. Das funktioniere gut, sagt sie &#8211; allerdings habe das Gedenken im digitalen Raum auch seine Grenzen.<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2025\/04\/interview-tiktok-holocaust-nationalsozialismus-susanne-siegert.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIsrael steht als das Land, wo Juden sich nach dem Holocaust sicher f\u00fchlen sollten. Und so hat jeder mit j\u00fcdischen Wurzeln weltweit irgendwie eine Verbindung zu dem Land. Ich freue mich und bin auch optimistisch, dass die deutsch-israelischen Beziehungen mit der neuen Regierung weiterhin bekr\u00e4ftigt werden. Ich sehe trotzdem, dass Deutschland viel zu wenig gemacht hat gegen den Antisemitismus, der hier herrscht, auch gegen den israelbezogenen Antisemitismus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWas ich nach dem 7. Oktober erlebt habe, besonders aus der islamistischen und linksextremen Szene, ist sehr einschneidend und ganz pers\u00f6nlich. Das war f\u00fcr mich so ein Zeichen: &#8222;Jetzt muss man erst recht was machen.&#8220;<br \/>\u00a0<br \/>Ich bin an der Uni und in verschiedenen Organisationen aktiv. Nach dem 7. Oktober habe ich aus der j\u00fcdischen Community heraus eine eigene Organisation gegr\u00fcndet. Wir haben Demonstrationen gemacht, weil wir gesehen haben, es passiert viel zu wenig auf politischer Ebene und vor allem gesellschaftlich. Das ist dann eben so gro\u00df geworden, dass mein Gesicht pl\u00f6tzlich \u00fcberall war. Und dann gab es Morddrohungen. Meine Nummer wurde irgendwo auf eine Toilette geschrieben. Ich bekam dann Drohanrufe. Irgendwann habe ich gesagt: Okay, ich habe noch ein Studium zu machen, ich habe noch mein Privatleben. Ich habe also die Sache f\u00fcr ein paar Monate unterbrochen, seit ein paar Monaten bin ich aber politisch wieder ziemlich aktiv.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rbb-audio-rbb24-inforadio-05-05-2025-kai-wegner-regierende-buergermeister-von-berlin-100.jpg\" alt=\"Stadtpanorama von Berlin (links) und Tel-Aviv (rechts). (Quelle: dpa)\" title=\"Audio: rbb24 Abendschau | 05.05.2025 | Julia Kubowicz\/Philipp H\u00f6ppner | dpa\"\/><\/p>\n<p>Mehr als ein H\u00e4ndedruck: Was Berlins St\u00e4dtepartnerschaften bedeuten<\/p>\n<p>            Berlin hat am Montag seine 19. St\u00e4dtepartnerschaft abgeschlossen \u2013 diesmal mit Tel Aviv. Doch was steckt hinter diesen kommunalen Freundschaften? Ein Blick auf Geschichte, Politik und den Sinn von St\u00e4dteverbindungen.<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2025\/05\/staedtepartnerschaft-berlin-tel-aviv-und-politische-bedeutung.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUngef\u00e4hr einmal die Woche kriege ich Nachrichten wie &#8222;sowas wie du geh\u00f6rt verbrannt.&#8220; Ich meide schon seit Jahren Brennpunktorte wie die Sonnenallee, Hermannplatz, weil vor allem in den j\u00fcdischen Kreisen bekannt ist, dass man da, wenn man eine gewisse Ansicht teilt oder eben j\u00fcdisch ist, nicht mehr so gern gesehen ist. Es gibt Orte wie Charlottenburg, Grunewald, da in Richtung Kudamm, da kann ich frei sein, machen, was ich will. Dort trage ich auch den Davidstern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIch glaube, viel mehr Dialog w\u00fcrde helfen. Ich habe ziemlich oft versucht, mit verschiedenen Menschen ins Gespr\u00e4ch zu kommen, die v\u00f6llig anderer Meinung sind als ich. Ich habe dabei auch erlebt, wie gesagt wurde: Du bist Zionist, mit dir spreche ich nicht. Sowas ist halt eine ganz schwierige Herangehensweise. Ein Gespr\u00e4ch damit anzufangen, dass man die Landkarte von Israel wegstreicht, ist nicht die Diskussionsgrundlage, die ich mir erhoffe.<br \/>\u00a0<br \/>Dass ich mich f\u00fcr die Situation in Nahost rechtfertigen muss, passiert eigentlich jede Woche. Aber man muss ja unterscheiden zwischen der Regierung in Israel, zwischen der Armee, die die Befehle der Regierung ausf\u00fchrt und zwischen j\u00fcdischen Menschen oder pro-israelischen Menschen in Deutschland und im Rest der Welt. So gro\u00df wie der Support in der j\u00fcdischen Community f\u00fcr Israel ist, ist auch die Kritik an der Regierung von Benjamin Netanjahu. Wobei man auch sagen muss, wer den Krieg angefangen hat. Und nach meiner pers\u00f6nlichen Meinung gibt es durchaus auch eine Berechtigung, dort in Gaza Krieg zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rbb-audio-fritz-22-04-2025-josephine-neumann-im-gespraech-mit-daniel-claus-und-selly-kahya-100.jpg\" alt=\"Archivbild: Mahn- und Gedenkstaette auf dem Gelaende des ehemaligen faschistischen Konzentrationslagers Sachsenhausen im gleichnamigen Ortsteil von Oranienburg bei Berlin. (Quelle: dpa\/Heinrich)\" title=\"Audio: Fritz | 22.04.2025 | Josephine Neumann im Gespr\u00e4ch mit Daniel Claus und Selly Kahya | dpa\/Heinrich\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Viele Sch\u00fcler wissen gar nicht, was passiert ist&#8220;<\/p>\n<p>            Vor 80 Jahren wurde das KZ Sachsenhausen von der Roten Armee befreit. Den Soldaten boten sich entsetzliche Bilder. Heute ist Sachsenhausen eine Gedenkst\u00e4tte. Josephine f\u00fchrt hier als FSJlerin Schulgruppen \u00fcber das Gel\u00e4nde &#8211; kein einfacher Job.<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/thema\/wiegehtesuns\/gedenkstaette-sachsenhausen-freiwilligendienst-kz-fuehrungen-brandenburg.html\" title=\"mehr\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mehr<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVom Erstarken der AfD habe ich ehrlich gesagt wenig mitbekommen, weil ich seit dem 7. Oktober ausschlie\u00dflich aus der linksextremen und islamistischen Szene Hass abbekommen habe. Dennoch kenne ich die Strukturen der AfD so, wie man sie mitbekommen hat. Und das erschreckt mich nat\u00fcrlich sehr, man sollte niemals irgendeine Form des Extremismus dulden und schon gar nicht die Form des Rechtsextremismus, weil wir gesehen haben, wohin das damals gef\u00fchrt hat.<br \/>\u00a0<br \/>Es gibt viele Leute, die mich unterst\u00fctzen, f\u00fcr die ich sehr dankbar bin, meine Familie, meine Freunde. Und solange das steht, kann nichts schief gehen, w\u00fcrde ich sagen. Ich bin immer noch davon \u00fcberzeugt, dass wir es irgendwann hinkriegen, gemeinsam hier miteinander friedlich zu leben. Auch wenn man es weltweit vielleicht nicht schafft, vielleicht k\u00f6nnen wir Vorreiter sein in Deutschland, da wo alles mal ganz anders ausgesehen hat.<br \/>\u00a0<br \/>Innerhalb der j\u00fcdischen Community sind wir ziemlich gespalten. Da gibt es diejenigen, die wirklich Angst haben, die ihr Studium abgebrochen haben, oder die an gewissen Unis \u00fcberhaupt nicht studieren, so wie an der Freien Universit\u00e4t (FU) Berlin zum Beispiel. Es gibt also Stimmen, denen es super, super schlecht geht und die aus Deutschland raus wollen &#8211; auch in meinem Alter. Es gibt aber auch die, die sich davon nichts nehmen lassen.<br \/>\u00a0<br \/>Gespr\u00e4chsprotokoll: Christina Rubarth<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSendung: rbb24 Abendschau, 12.05.2025, 19:30 Uhr<\/p>\n<p>                                        <a class=\"backlink__link\" href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2025\/05\/lior-steiner-juedischer-student-berlin-antisemitismus-israel-deu.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Rundfunk Berlin-Brandenburg\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1745108282_195_lra-rbb-logo-100.svg.svg+xml\" height=\"40\" width=\"40\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 12.05.2025 06:13 Uhr Der j\u00fcdische Student Lior Steiner engagiert sich seit Jahren gegen Antisemitismus. 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