{"id":103966,"date":"2025-05-12T05:48:08","date_gmt":"2025-05-12T05:48:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/103966\/"},"modified":"2025-05-12T05:48:08","modified_gmt":"2025-05-12T05:48:08","slug":"der-lange-weg-zum-kernfusionsreaktor-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/103966\/","title":{"rendered":"Der lange Weg zum Kernfusionsreaktor in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 12.05.2025 07:38 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die neue Bundesregierung will die Fusionsforschung in Deutschland st\u00e4rken. Ziel sei es, hierzulande den weltweit ersten Reaktor zu errichten. Doch Fachleute warnen vor \u00fcbertriebenen Erwartungen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Frank Grotel\u00fcschen, WDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Kernfusion &#8211; die kontrollierte Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium &#8211; gilt als potenziell unersch\u00f6pfliche und klimafreundliche Energiequelle. Anders als bei der Kernspaltung sollen dabei keine langlebigen radioaktiven Abf\u00e4lle entstehen. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, ein Kraftwerk zu bauen, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nImmerhin gab es in den vergangenen Jahren Fortschritte. Im Dezember 2022 gelang es der US-amerikanischen National Ignition Facility (NIF) erstmals, per Laser eine Verschmelzung zu z\u00fcnden. Auch in Europa gab es Erfolge: Der Joint European Torus (JET) in Gro\u00dfbritannien stellte 2023 einen Rekord auf und erzeugte in einem f\u00fcnf Sekunden w\u00e4hrenden Fusionsfeuer so viel Energie wie beim Verbrennen von zwei Kilogramm Braunkohle.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Deutschland forscht das Max-Planck-Institut f\u00fcr Plasmaphysik mit dem Stellarator <a href=\"https:\/\/www.ipp.mpg.de\/wendelstein7x\" title=\"Kernfusion Wendelstein\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Wendelstein 7-X<\/a> in Greifswald an der Magnetfusion. &#8222;Wendelstein 7-X ist kein Kraftwerk, sondern noch ein Experiment&#8220;, betont Projektleiter Thomas Klinger. Dennoch seien die Ergebnisse vielversprechend. &#8222;Die Anlage ist enorm gutm\u00fctig, sehr einfach zu betreiben. Und sie hat gute Daten geliefert.&#8220;<\/p>\n<p>    Start-ups dr\u00e4ngen auf Kommerzialisierung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeshalb wollen junge Firmen die Entwicklung nun vorantreiben und t\u00fcfteln an Konzepten f\u00fcr kommerzielle Stellaratoren. Das Prinzip: Wasserstoffgas wird in einem Magnetk\u00e4fig eingeschlossen und mit Mikrowellen auf \u00fcber 100 Millionen Grad erhitzt. Das M\u00fcnchner Start-up Proxima Fusion plant, bis 2031 einen Prototyp zu bauen. &#8222;Unsere Roadmap sieht bis Ende der 2030er-Jahre ein erstes Fusionskraftwerk vor&#8220;, sagt Mitgr\u00fcnder Jorrit Lion. Auch die Firma Gauss Fusion versucht sich mit Unterst\u00fctzung gr\u00f6\u00dferer Industrieunternehmen an der Sache.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm ein Kraftwerk zu bauen, setzen die Firmen auf neue Technik, etwa auf Magnete aus speziellen Materialien, sogenannten Hochtemperatur-Supraleitern, die viel st\u00e4rker sind als die jetzigen Modelle. Zudem arbeiten sie an einem System zur Erzeugung von Tritium. So hei\u00dft eine der beiden Wasserstoff-Sorten, die als Brennstoff dienen.<\/p>\n<p>    Wasserstoff unter Laserbeschuss<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch es gibt eine Alternative zur Magnetfusion &#8211; die Laserfusion. Dabei feuern Laser starke Lichtblitze auf ein K\u00fcgelchen aus gefrorenem Wasserstoff. Dadurch pressen sie es so stark zusammen, dass die Kerne verschmelzen k\u00f6nnen und Energie freisetzen. In Deutschland verfolgen zwei Start-ups dieses Prinzip: Focused Energy in Darmstadt will bis Anfang der 2030er-Jahre eine Testanlage mit 40 bis 50 Lasern bauen. Ein Kraftwerk allerdings m\u00fcsste Hunderte von Lasern haben, ein erster Prototyp soll bis Ende des n\u00e4chsten Jahrzehnts stehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Dann soll zehn Mal pro Sekunde ein Wasserstoff-K\u00fcgelchen von zwei bis drei Millimeter Durchmesser in die Reaktorkammer fallen&#8220;, erkl\u00e4rt Chefwissenschaftler Markus Roth. &#8222;Jedes Mal feuern unsere Laser auf die K\u00fcgelchen und z\u00fcnden eine Fusionsreaktion, bei der das 100fache der hineingesteckten Energie herauskommt.&#8220; Aber Laser, die ultrastarke Lichtblitze effizient erzeugen k\u00f6nnen, gibt es noch nicht. Doch die Branche zeigt sich optimistisch. &#8222;Um solche Laser zu entwickeln, haben wir vor einiger Zeit eine F\u00f6rderung von 45 Millionen Euro erhalten&#8220;, sagt Heike Freund, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des M\u00fcnchener Start-ups Marvel Fusion.<\/p>\n<p>    Enorme Herausforderungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch nicht alle teilen den Optimismus. &#8222;Das ist \u00fcberhaupt kein Selbstl\u00e4ufer&#8220;, meint Reinhard Gr\u00fcnwald vom B\u00fcro f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung. &#8222;Schon die Wahl geeigneter Materialien ist ein ziemliches Brett.&#8220; Denn die Herausforderungen an die Reaktorkomponenten sind enorm &#8211; sie m\u00fcssen gro\u00dfe Hitze und einiges an Radioaktivit\u00e4t aushalten. Offen auch die Frage nach dem Tritium, einem der Brennstoffe. Der Plan ist, dass sich die Reaktoren das Tritium w\u00e4hrend des Betriebs selbst herstellen &#8211; eine Technik, die kaum erprobt ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAngesichts dieser H\u00fcrden meinen manche, dass die Fusion nicht in 15 Jahren einsatzreif ist, sondern deutlich sp\u00e4ter. &#8222;Das geht nicht von heute auf morgen&#8220;, meint Gr\u00fcnwald. &#8222;Meines Erachtens wird nicht genug \u00fcber die Probleme gesprochen, bei denen im Moment noch nicht klar ist, wie man sie eigentlich l\u00f6sen will.&#8220;<\/p>\n<p>    Verl\u00e4sslicher Stromlieferant<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch selbst wenn es die Branche schafft, brauchbare Reaktoren auf die Beine zu stellen &#8211; werden sie \u00fcberhaupt wirtschaftlich sein? &#8222;Wir gehen nicht davon aus, dass die Fusion so g\u00fcnstig sein wird wie die Windenergie&#8220;, sagt Milena Roveda von Gauss Fusion. &#8222;Aber wir sehen sie als erg\u00e4nzende und Quelle f\u00fcr eine zuverl\u00e4ssige Grundlastversorgung.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKernfusion bleibt ein technisches Megaprojekt mit ungewissem Ausgang. Bis Reaktoren Strom liefern, muss noch manche Herausforderung gemeistert werden. Ob am Ende die Laserfusion das Rennen macht oder die Magnetfusion, ist noch offen. Doch der politische R\u00fcckenwind ist da, Investoren schie\u00dfen Millionen in die Technik. Der Traum lebt weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 12.05.2025 07:38 Uhr Die neue Bundesregierung will die Fusionsforschung in Deutschland st\u00e4rken. 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