{"id":1040471,"date":"2026-05-23T09:15:25","date_gmt":"2026-05-23T09:15:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1040471\/"},"modified":"2026-05-23T09:15:25","modified_gmt":"2026-05-23T09:15:25","slug":"die-camorra-und-die-gift-landschaft-bei-neapel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1040471\/","title":{"rendered":"Die Camorra und die Gift-Landschaft bei Neapel"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/muell-330.jpg\" alt=\"Eine Maschine entfernt M\u00fcll bei Acerra.\" title=\"Eine Maschine entfernt M\u00fcll bei Acerra. | ARD Rom\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 23.05.2026 \u2022 08:48 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Die Gegend um die italienische Stadt Acerra wird &#8222;Land der Feuer&#8220; genannt. Seit Jahrzehnten leidet sie unter Giftm\u00fcll der Mafia. Betroffene k\u00e4mpfen gegen Krebs, Angst und Beh\u00f6rdenversagen. Heute will der Papst sich mit ihnen treffen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/verena-schaelter-106.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Verena Sch\u00e4lter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/verena-schaelter-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Alessandro Cannavacciuolo und Michele Pannella sitzen in einem Kleinwagen und biegen auf einen Feldweg ab. Die beiden sind ein wenig nerv\u00f6s. Es k\u00f6nne sein, dass, wenn jemand Verd\u00e4chtiges kommt, sie sofort wieder gehen m\u00fcssen, warnen sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auf der linken Seite des Wegs t\u00fcrmt sich der M\u00fcll: Kleidung, ein K\u00fchlschrank, Autoreifen. Auf dem Feld direkt daneben wird Knoblauch angebaut, im Hintergrund ragt der Vesuv empor. Doch Cannavacciuolo und Pannella sind nicht allein wegen des M\u00fclls am Stra\u00dfenrand hier, sondern vor allem wegen des gro\u00dfen, dicht bewachsenen H\u00fcgels auf der anderen Stra\u00dfenseite.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das ist ein symbolischer Ort, denn das hier wurde von den 1970er- bis wahrscheinlich in die 1990er-Jahre als Deponie nicht nur f\u00fcr Haus-, sondern auch f\u00fcr Sonderm\u00fcll genutzt&#8220;, erkl\u00e4rt Cannavacciuolo. Niemand wei\u00df, welche Altlasten hier genau unter dem Gr\u00fcn liegen. Die Sonderm\u00fclldeponie war illegal und ist nur eine von vielen in der Gegend um die Stadt Acerra, die in der N\u00e4he Neapels liegt.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Michele Pannella und Alessandro Cannavacciuolo k\u00e4mpfen gegen die Verseuchung ihrer Heimat durch Giftm\u00fcll.\n                    <\/p>\n<p>    Missbildungen und Krankheiten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit den 1970er-Jahren hat die Camorra-Mafia f\u00fcr Unternehmen aus ganz Italien und sogar dem Ausland Hausm\u00fcll, Sonderm\u00fcll, Giftm\u00fcll und sogar radioaktives Material um Acerra illegal abgeladen und h\u00e4ufig verbrannt. Ein gewinnbringendes Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr die Camorra und korrupte Beh\u00f6rden &#8211; mit t\u00f6dlichen Folgen f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zum Beispiel f\u00fcr Alessandro Cannavacciuolos Onkel: Er war hier Schafhirte. Anfang der 2000er-Jahre kamen immer mehr Tiere mit schweren Missbildungen zur Welt. Auf Anordnung der Beh\u00f6rden musste die Familie die gesamte Herde t\u00f6ten, insgesamt etwa 4.000 Schafe.<\/p>\n<p>    H\u00f6chste Krebsrate Italiens<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kurz darauf wurde bei Alessandros Onkel Krebs diagnostiziert, drei Wochen sp\u00e4ter war er tot. Das ARD-Studio Rom hat die Familie Cannavacciuolo bereits 2008 besucht und mit Alessandros Cousin Vincenzo gesprochen. Im Interview damals erz\u00e4hlt Vincenzo, dass sich eine der M\u00fclldeponien direkt neben ihren Schafsweiden befunden habe. Dort seien dann sp\u00e4ter unter anderem Cadmium, Quecksilber und Aluminium gefunden worden. Alles sind Stoffe, die auch in extrem hoher Konzentration im Blut des Vaters nachgewiesen worden seien.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Antonio Marfella ist Onkologe am Nationalen Institut f\u00fcr Krebsforschung in Neapel. Viele seiner Patienten kommen aus der &#8222;Terra dei Fuochi&#8220; &#8211; zu Deutsch &#8222;Land der Feuer&#8220; &#8211; genannten Gegend, in der \u00fcber Jahrzehnte tonnenweise Giftm\u00fcll illegal vergraben oder verbrannt wurde. Boden und Luft einer ganzen Region wurden so vergiftet. Mehr als drei Millionen Menschen in rund 90 Gemeinden leben bis heute mit den Folgen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kampanien sei die j\u00fcngste Region Italiens und m\u00fcsste daher die ges\u00fcndeste sein, so Marfella. &#8222;Doch entgegen aller Logik und Natur sind wir die am st\u00e4rksten von Krankheiten betroffene, mit der h\u00f6chsten Zahl an j\u00e4hrlichen Krebsneuerkrankungen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Der Onkologe Antonio Marfella sagt, keine Region in Italien habe so hohe Zahlen an Krebserkrankungen wie jene, in der Acerra liegt.\n                    <\/p>\n<p>    Leben unter Drohungen der Mafia<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Cannavacciuolo, Pannella und andere Freiwillige k\u00e4mpfen seit Jahrzehnten dagegen, dass ihre Heimat vergiftet wird. Das gef\u00e4llt nicht jedem, einigen von ihnen seien die Autos angez\u00fcndet und die Hunde erschossen worden. &#8222;Es gab verschiedene Drohungen, gegen Alessandro aber auch gegen mich und andere, auch k\u00f6rperliche Drohungen, und zwar von Mitgliedern organisierter krimineller Banden&#8220;, erz\u00e4hlt Pannella.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch statt aufzuh\u00f6ren hat Cannavacciuolo mit anderen Betroffenen vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte in Stra\u00dfburg geklagt: &#8222;Cannavacciuolo und Andere gegen Italien&#8220; hei\u00dft der Fall offiziell. Der Vorwurf: Der italienische Staat habe von der Situation gewusst, aber nichts unternommen, um die Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Cannavacciuolo und die Anderen haben Recht bekommen. Jetzt muss Italien den M\u00fcll und die Umweltgifte beseitigen.<\/p>\n<p>    Sanierung als Milliardenaufgabe<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seitdem hat sich Manches zum Positiven ver\u00e4ndert: Allein im laufenden Jahr hat es 563 Anzeigen wegen Umweltdelikten gegeben, 34 Personen wurden verhaftet und es wurden Geldbu\u00dfen in H\u00f6he von rund vier Millionen Euro verh\u00e4ngt &#8211; deutlich mehr als im gesamten Jahr 2025.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Au\u00dferdem haben die Beh\u00f6rden mit der Sanierung der Region begonnen. 90 Deponien wurden ausgemacht, an 20 wird derzeit gearbeitet. Der Prozess ist langwierig, denn meist muss erst einmal gekl\u00e4rt werden, mit welcher Art von M\u00fcll und Giften man es zu tun hat. Insgesamt 60 Millionen Euro hat die Regierung bislang bereitgestellt, ben\u00f6tigt werden Sch\u00e4tzungen zufolge aber mindestens 2,5 Milliarden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Cannavacciuolo und Pannella bef\u00fcrchten, dass die Sanierung ihrer Heimat an der Finanzierung scheitern k\u00f6nnte. Umso mehr freuen sie sich, dass Papst Leo XIV. heute Acerra besucht &#8211; und damit die Aufmerksamkeit auf die Probleme in dieser Gegend lenkt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Papst will Gemeindemitglieder treffen, insbesondere Menschen, die Angeh\u00f6rige aufgrund der Verschmutzung verloren haben. Und Aktivisten wie Cannavacciuolo, die trotz aller Widerst\u00e4nde nicht aufgeh\u00f6rt haben, gegen die Verschmutzung ihrer Heimat zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 23.05.2026 \u2022 08:48 Uhr Die Gegend um die italienische Stadt Acerra wird &#8222;Land der Feuer&#8220; genannt. 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