{"id":1042172,"date":"2026-05-24T03:17:26","date_gmt":"2026-05-24T03:17:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1042172\/"},"modified":"2026-05-24T03:17:26","modified_gmt":"2026-05-24T03:17:26","slug":"besser-als-das-oktoberfest-wie-sich-die-bayern-ihr-biergarten-idyll-erkaempft-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1042172\/","title":{"rendered":"Besser als das Oktoberfest: Wie sich die Bayern ihr Biergarten-Idyll erk\u00e4mpft haben"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Haferlschuhe knirschen im Kies, Kr\u00e4hen kr\u00e4chzen in den Kastanien \u2013 und das Wirtshaus im M\u00fcnchner Hirschgarten steht da wie eine Almh\u00fctte, die sie mitten in eine Millionenstadt gepflanzt haben. \u201eEinen Obazdn bitte sehr!\u201c \u2013 \u201eGerne. Wollen Sie eine zweite Brezn extra dazu?\u201c, fragt der Kellner im karierten Hemd, denn er wei\u00df: \u201eDas braucht\u2018s scho bei der gro\u00dfen Portion.\u201c Er stellt sich als Mutaz vor, er stammt aus dem Irak. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/in-der-welt-der-lieferdienstboten-tomer-gardis-roman-liefern-113612259\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">\u201eWir kommen von \u00fcberall her\u201c, sagt er und meint damit sich und die anderen Bedienungen, \u201eaus Serbien, Kroatien, T\u00fcrkei &#8230;\u201c<\/a>. Sie alle leisten einen harten Job und hoffen auf gutes Trinkgeld. Warum sich Mutaz hier trotzdem wohl f\u00fchlt? \u201eDas Tolle ist nat\u00fcrlich das Bier aus dem Holzfass\u201c, sagt er und schmunzelt. Sekunden sp\u00e4ter schiebt er schon eine dicke Kugel Obazda mit Zwiebeln und Radieschen \u00fcber die Tischdecke. Aber jetzt, \u201eentschuldigen Sie\u201c, muss er weiter. Auf Englisch muss er einem anderen Gast die Speisekarte erkl\u00e4ren.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u00c4hnlich geht es am Chinesischen Turm im Englischen Garten zu. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/wie-oktoberfest-ist-nicht-das-ganze-jahr-was-touristen-in-muenchen-lieben-und-erwarten-113772181\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">7.000 Pl\u00e4tze hat der zweitgr\u00f6\u00dfte Biergarten M\u00fcnchens<\/a> \u2013 und ist bei Touristen am beliebtesten. Amerikaner, Franzosen, Chinesen, und ja, auch ein paar M\u00fcnchner \u2013 auf so einer Bierbank scheint Platz f\u00fcr die halbe Welt. Ist das schon V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung? Ein bisschen Weltfrieden zwischen Kies und Kastanien? Was macht den Biergarten zu einem Ort, an dem ein gutes Gespr\u00e4ch noch m\u00f6glich ist \u2013 ohne Kummer, Streit und Weltkrise?\n  <\/p>\n<p>            Der Biergarten kennt keine Privilegien \u2013 man r\u00fcckt zusammen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Also erst die Recherche, dann die Ma\u00df: Anruf bei Alfons Schweiggert. Er stammt aus Alt\u00f6tting, ist Schriftsteller, Illustrator und obendrein eine Instanz in der Biergartenforschung. Wenn er philosophiert, klingt alles nach Gleichheit, Freiheit, Bierseligkeit: \u201eDort kommen Arm und Reich zusammen, der Professor sitzt gleich neben dem Stra\u00dfenkehrer. Hier sind alle Schranken aufgehoben.\u201c Denn der Biergarten kennt keine Privilegien: Sich einen Tisch reservieren? Unm\u00f6glich. \u201eMan r\u00fcckt zusammen, man schubst und dr\u00e4ngelt nicht, sondern freut sich gemeinsam auf den k\u00fchlen Trunk.\u201c Aber macht das den Biergarten schon einmalig? Im Bierzelt stehen doch dieselben Klappb\u00e4nke, dort flie\u00dft dasselbe Bier. Aber im Festzelt eskaliert der Spa\u00df eben oft schon zwei Schluck sp\u00e4ter: Suff und Gebr\u00fcll, und dann auch noch politische Reden auf der B\u00fchne. \u201eMir fehlt im Bierzelt manchmal der Freiraum\u201c, sagt Schweiggert, \u201eund da ist auch diese laute, krachende Musik.\u201c Raum und Luft, Gr\u00fcn und Freiheit findet er nur im Biergarten. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/wiesn-selbstversuch-wie-weit-kommt-man-2025-auf-dem-oktoberfest-mit-hundert-euro-111243714\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">\u201eDas Leben unter den Kastanien ist ein Gegenmodell zum Oktoberfest.\u201c<\/a>\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zur\u00fcck im Hirschgarten. Jeff hei\u00dft der Mann, der \u00dcbersetzungshilfe von Mutaz, dem Kellner aus dem Irak, bekommt. Er hebt zur Begr\u00fc\u00dfung seine rote Kappe. Aus Florida kommt er und berichtet stolz davon, dass er jedes Jahr nach Europa reist. Zwei Monate im Fr\u00fchling: Italien, Spanien und \u201ealways Germany\u201c, immer auch Deutschland. Was er an den Bierg\u00e4rten liebt? \u201eOh, die wundersch\u00f6ne Kulisse! Das macht die Menschen \u201arelaxed\u2018, sie wirken so entspannt.\u201c Erst noch eine Gabel vom Schweinsbraten, dann nippt Jeff an seinem trockenen Wei\u00dfwein, den ihm Mutaz serviert hat. Der Biergarten, ein Pl\u00e4tzchen des Friedens also? Na, so weit w\u00fcrde er nicht gehen, sagt Jeff, und \u00fcberhaupt sei der Frieden so ein verdammtes Thema heute.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1779592643_262_blob.jpg\" alt=\"Jeff aus Florida genie\u00dft die Ruhe im Hirschgarten.\" title=\"Jeff aus Florida genie\u00dft die Ruhe im Hirschgarten.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Jeff aus Florida genie\u00dft die Ruhe im Hirschgarten.<br \/>\n    Foto: Veronika Lintner<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Jeff aus Florida genie\u00dft die Ruhe im Hirschgarten.<br \/>\n    Foto: Veronika Lintner<\/p>\n<p>            Was am Biergarten gef\u00e4llt? \u201eRuhig, solide, gar nicht kapitalistisch\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ja, sein Pr\u00e4sident sei ein Rowdy ohne Benehmen, Donald Trump f\u00fchrt sich ungehobelt auf \u2013 aber trotzdem findet Jeff ihn gro\u00dfartig. Bomben auf den Iran? Ja! Streit mit der Nato? Aus guten Gr\u00fcnden! Und die vielen Migranten erst, \u201evor allem die muslimischen\u201c&#8230; Aber Jeff politisiert, ohne laut zu werden. Er hat ja auch einen Tisch ganz f\u00fcr sich allein. \u201eSie m\u00fcssten mal sehen, was hier am Wochenende los ist. Alles voll!\u201c, sagt Mutaz, der Kellner, und mit einem \u201eGria\u00df di\u201c wendet er sich dem n\u00e4chsten neuen Gast zu.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    F\u00fcnf Biertische weiter hat sich eine Gruppe in Schwarz versammelt: Vitaly, Bianca, Lou, Steph, vier t\u00e4towierte Metal-Fans aus England \u2013 und ihr Freund Tom aus Deutschland. \u201eNo pressure\u201c, sagen die Briten, hier sp\u00fcren sie so gar keinen Druck, sich anzupassen. Keine Lederhosenpflicht, \u201edu kannst hier du selbst sein\u201c. Das Konzept? \u201eRuhig und solide\u201c, findet Lou, und \u201egar nicht kapitalistisch, nicht so gierig nach Gewinn!\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/adobestock378638037.jpg\" alt=\"Der Biergarten als Ort f\u00fcr Mensch und Tier? Auch die Kr\u00e4hen scheinen sich am Chinesischen Turm wohlzuf\u00fchlen.\" title=\"Der Biergarten als Ort f\u00fcr Mensch und Tier? Auch die Kr\u00e4hen scheinen sich am Chinesischen Turm wohlzuf\u00fchlen.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Der Biergarten als Ort f\u00fcr Mensch und Tier? Auch die Kr\u00e4hen scheinen sich am Chinesischen Turm wohlzuf\u00fchlen.<br \/>\n    Foto: Stock Adobe<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Der Biergarten als Ort f\u00fcr Mensch und Tier? Auch die Kr\u00e4hen scheinen sich am Chinesischen Turm wohlzuf\u00fchlen.<br \/>\n    Foto: Stock Adobe<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der M\u00fcnchner Hirschgarten gilt als der gr\u00f6\u00dfte Biergarten auf der ganzen Welt \u2013 aber bayerisch soll er bleiben: Hier \u201egilt das Brauchtum!\u201c, erkl\u00e4rt ein Schild am Eingang, auf dem die alten Spielregeln auch geschrieben stehen. Essen selbst mitbringen? Ist erlaubt, ja sogar Tradition. Getr\u00e4nke mitbringen? Per Verordnung verboten. Experte Alfons Schweiggert wei\u00df schon, dass manche Kritiker gegen diesen Kodex n\u00f6rgeln: Das sei doch viel zu streng, nichts als Braucht\u00fcmelei. \u201eDas kann man doch alles \u00e4ndern? Aber nein, kann man nicht\u201c, sagt Schweiggert. \u201eVor allem, wenn man bedenkt, dass die ganze Gschicht\u2018 schon im 15. Jahrhundert begann.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Die Geburt des Biergartens: \u201eGestattet seyn solle, selbst gebrautes\u00a0Merzenbier\u00a0in minuto zu verschlei\u00dfen\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Herzog Albrecht IV. erlie\u00df im Jahr 1487 eine bayerische Brauordnung: Nur in kalten Monaten durfte Bier gebraut werden. Aber wie hielt es k\u00fchl und frisch bis zum Sommer? <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/Muenchen-Wie-die-Isar-zur-Kampfzone-zwischen-Party-und-Natur-wurde-id54907676.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">\u201eAn den Flussh\u00e4ngen der Isar<\/a> wurden tiefe Bierkeller in den Boden gegraben. \u201aAuf den Bierkeller gehen\u2018, das sagt man heute noch mancherorts, wenn man den Biergarten meint.\u201c Gek\u00fchlt wurde das Bier zudem mit Eisbl\u00f6cken aus dem Fluss, damit das Oberg\u00e4rige nicht verdirbt. Und zwei weitere Tricks halfen: \u00dcber den Kellern streuten sie Kies auf den Boden und pflanzten Kastanien. Die B\u00e4ume spendeten bald ihre weiten Schatten und schlugen auch nur flache Wurzeln in der Erde. Keine Gefahr f\u00fcr die F\u00e4sser in der Tiefe.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Viele Menschen mussten damals zum Bierkeller wandern, um sich ihren fl\u00fcssigen Vorrat zu holen. \u201eUnd das macht man ja nicht mit dem Zahnputzbecher\u201c, sagt Schweiggert, \u201edas reicht nicht\u201c. Also erfanden die <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/bayern\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Bayern<\/a> die Ma\u00df. Doch damit nach Hause laufen? Brauer durften keine Gastwirtschaft am Keller betreiben \u2013 also planten sie einen Aufstand dagegen. 1812 musste K\u00f6nig Max I. Joseph die Lage kl\u00e4ren, bevor sie \u00fcbersch\u00e4umte: \u201eDen hiesigen Bierbrauern gestattet seyn solle, auf ihren eigenen Merzenkellern in den Monaten Juni, Juli, August und September selbst gebrautes\u00a0Merzenbier\u00a0in minuto zu verschlei\u00dfen, und ihre G\u00e4ste dortselbst mit Bier u. Brod zu bedienen&#8220;.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/adobestock229916742.jpg\" alt=\"Essen gehen, aber mit selbst Mitgebrachtem: ein klassisches Men\u00fc im Biergarten.\" title=\"Essen gehen, aber mit selbst Mitgebrachtem: ein klassisches Men\u00fc im Biergarten.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Essen gehen, aber mit selbst Mitgebrachtem: ein klassisches Men\u00fc im Biergarten.<br \/>\n    Foto: Stock Adobe<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Essen gehen, aber mit selbst Mitgebrachtem: ein klassisches Men\u00fc im Biergarten.<br \/>\n    Foto: Stock Adobe<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das gro\u00dfe \u201eAber\u201c folgt im Abgang der Verordnung. \u201eDas Abreichen von Speisen und anderen Getr\u00e4nken bleibt ihnen aber ausdr\u00fccklich verboten.\u201c Und bis heute bringen Besucher ihre eigene Brotzeit mit. Von Pizza und D\u00f6ner r\u00e4t Schweiggert ab, lieber Brot, Wurst, K\u00e4se und Radieschen. Schlicht, simpel, bodenst\u00e4ndig, so funktioniert das Biergarten-Prinzip: \u201eIch habe Durst, ich bleibe hier. Ein langer Tisch und eine Bank aus Holz, das gen\u00fcgt daf\u00fcr.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/489272096.jpg\" alt=\"Viel los am Chinesischen Turm. Zahlreiche Menschen tanzen beim traditionellen Kocherlball am Chinesischen Turm im Englischen Garten.\" title=\"Viel los am Chinesischen Turm. Zahlreiche Menschen tanzen beim traditionellen Kocherlball am Chinesischen Turm im Englischen Garten.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Viel los am Chinesischen Turm. Zahlreiche Menschen tanzen beim traditionellen Kocherlball am Chinesischen Turm im Englischen Garten.<br \/>\n    Foto: Sven Hoppe, dpa (Archivbild)<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Viel los am Chinesischen Turm. Zahlreiche Menschen tanzen beim traditionellen Kocherlball am Chinesischen Turm im Englischen Garten.<br \/>\n    Foto: Sven Hoppe, dpa (Archivbild)<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Yingchuan schaut skeptisch durch die Kastanien. Denn was sie da vor ihren Augen sieht, \u201eist das wirklich ein chinesischer Turm?\u201c, fragt die Frau aus China. F\u00fcnf D\u00e4cher, die sich stapeln und t\u00fcrmen, eine Holz-Pagode im asiatischen Stil \u2013 und das mitten in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-muenchen\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">M\u00fcnchen<\/a>. Yingchuan findet das am\u00fcsant und genie\u00dft den Ausblick: \u201eJe l\u00e4nger ich durch diese Stadt spaziere, umso sch\u00f6ner scheint mir alles.\u201c Es fasziniert sie, wie die Surfer im Englischen Garten auf der Eisbachwelle reiten, fast wie auf Hawaii. Und die Schw\u00e4ne im Westpark, im Japanischen Garten erst! Aber alle Wege f\u00fchren zur Bierbank: \u201eDer Biergarten war jetzt meine beste Wahl.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sie sah so viele schwitzende Jogger und Radler durch den Park schnaufen, \u201eund jetzt habe ich riesigen Hunger.\u201c Yingchuan l\u00e4chelt. Sie stammt aus China, lebt in den USA \u2013 und besucht gerade ihre Tochter, die in Erlangen studiert, um mit ihr einen Tag durch M\u00fcnchen zu spazieren. Die Tochter hei\u00dft Cheryl und kehrt gerade zur\u00fcck vom Ausschank. Sie kennt die passenden soziologischen Fachbegriffe: \u201eDer Biergarten ist ein perfektes Beispiel f\u00fcr einen \u201adritten Ort\u2018. Also f\u00fcr einen Platz, der ein Treffpunkt sein kann, ganz ohne Zwang. Ein Ort, der weder zu Hause noch Arbeit ist.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1779592645_88_blob.jpg\" alt=\"Chinesinnen vor dem Chinaturm: Yingchuan (links) und ihre Tochter Cheryl.\" title=\"Chinesinnen vor dem Chinaturm: Yingchuan (links) und ihre Tochter Cheryl.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Chinesinnen vor dem Chinaturm: Yingchuan (links) und ihre Tochter Cheryl.<br \/>\n    Foto: Veronika Lintner<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Chinesinnen vor dem Chinaturm: Yingchuan (links) und ihre Tochter Cheryl.<br \/>\n    Foto: Veronika Lintner<\/p>\n<p>            1995 brach in Bayern ein Augstand aus \u2013 es war die \u201eBiergartenrevolution\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Friedlich? Heimelig? Aber hart erk\u00e4mpft. 1995 brach in Bayern ein Aufstand aus, der bis heute als \u201eBiergartenrevolution\u201c gilt. Einem Anwohner war der Biergartenfrieden ein paar Dezibel zu laut: In der Waldwirtschaft nebenan brummte, quatschte, klirrte der Betrieb bis 23 Uhr, so wie in vielen anderen G\u00e4rten. Das nagte an seinen Nerven und er klagte sich von Gericht zu Gericht. W\u00e4r\u2018s nach ihm gegangen, h\u00e4tte ein Urteil gedroht: \u201eUm 21 Uhr sollten die G\u00e4rten schlie\u00dfen\u201c, erinnert sich Ursula Seeb\u00f6ck-Forster, die Vorsitzende des bayerischen Biergartenvereins. Emp\u00f6rung in ihrer Stimme: \u201eUm 21 Uhr! Im Sommer! Wo\u2018s fast noch taghell ist und der Abend erst begonnen hat.\u201c Also beschloss sie, zu k\u00e4mpfen: \u201eUns war klar, wenn dieser Biergarten f\u00e4llt, dann f\u00e4llt die ganze bayerische Biergartenkultur.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/5556855.jpg\" alt=\"Das Archivbild von 1995 zeigt die erste \u201ebayerische Biergarten-Revolution\u201c auf dem M\u00fcnchner Marienplatz, an der damals mehr als 7000 M\u00fcnchner teilgenommen hatten. Der Protest hatte sich an einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs entz\u00fcndet, nach dem ein Traditionsbiergarten wegen der L\u00e4rmbelastung durch motorisierte Besucher bereits um 21.30 Uhr schlie\u00dfen sollte.\" title=\"Das Archivbild von 1995 zeigt die erste \u201ebayerische Biergarten-Revolution\u201c auf dem M\u00fcnchner Marienplatz, an der damals mehr als 7000 M\u00fcnchner teilgenommen hatten. Der Protest hatte sich an einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs entz\u00fcndet, nach dem ein Traditionsbiergarten wegen der L\u00e4rmbelastung durch motorisierte Besucher bereits um 21.30 Uhr schlie\u00dfen sollte.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Das Archivbild von 1995 zeigt die erste \u201ebayerische Biergarten-Revolution\u201c auf dem M\u00fcnchner Marienplatz, an der damals mehr als 7000 M\u00fcnchner teilgenommen hatten. Der Protest hatte sich an einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs entz\u00fcndet, nach dem ein Traditionsbiergarten wegen der L\u00e4rmbelastung durch motorisierte Besucher bereits um 21.30 Uhr schlie\u00dfen sollte.<br \/>\n    Foto: Ursula D\u00fcren, dpa (Archivbild)<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Das Archivbild von 1995 zeigt die erste \u201ebayerische Biergarten-Revolution\u201c auf dem M\u00fcnchner Marienplatz, an der damals mehr als 7000 M\u00fcnchner teilgenommen hatten. Der Protest hatte sich an einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs entz\u00fcndet, nach dem ein Traditionsbiergarten wegen der L\u00e4rmbelastung durch motorisierte Besucher bereits um 21.30 Uhr schlie\u00dfen sollte.<br \/>\n    Foto: Ursula D\u00fcren, dpa (Archivbild)<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seeb\u00f6ck-F\u00f6rster fand Menschen, die so f\u00fchlten wie sie \u2013 und zur Demo am Marienplatz kamen Massen: \u201eDa haben wir die Biergartenkultur symbolisch zu Grabe getragen.\u201c M\u00e4nner trugen schwarze Zylinder, bereit zur Beerdigung. Dazwischen Protestplakate: \u201eMia woin an langa Biergartenabend!\u201c und \u201eJa spinnt\u2018s ihr denn?\u201c. Der Protest h\u00e4tte die M\u00fcnchner Innenstadt fast geflutet, von 30.000 Demonstranten spricht Seeb\u00f6ck-F\u00f6rster. \u201eDas waren ganz normale Menschen, manche sagten mir: Ich war noch nie auf einer Demo. Unsere Motivation war, dass der Biergarten einfach zu ganz Bayern geh\u00f6rt.\u201c Denn dieser Ort schafft Freiheit f\u00fcr alle: \u201eWas bleibt denn einer Familie in der Gro\u00dfstadt, mit Kindern, Dreizimmerwohnung, ohne Balkon? Sie geht in den Biergarten, wenn sie mal im Freien essen gehen will. Da geht es eben nicht nur um etwas Sch\u00f6nes, etwas Nettes, nicht nur um die Gaudi.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Eine Revolution mit Erfolg: \u201eWir haben uns damals sehr schnell vom Freistaat eine Biergartenverordnung erk\u00e4mpft.\u201c Und die regelt bis heute das Recht auf lange Abende und eine selbst zubereitete Brotzeit. Und dann schw\u00e4rmt Seeb\u00f6ck-Forster, als w\u00e4re der Weg zum Biergarten wie eine Reise durch die W\u00fcste, die im Gr\u00fcn endet \u2013 vielleicht mit Menschen aus der ganzen Welt, aber sehr sicher mit einer Ma\u00df in der Hand.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Haferlschuhe knirschen im Kies, Kr\u00e4hen kr\u00e4chzen in den Kastanien \u2013 und das Wirtshaus im M\u00fcnchner Hirschgarten steht da&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1042173,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1827],"tags":[223278,772,3899,29,30,55264,1016,3844,1268,5157,143],"class_list":["post-1042172","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenchen","tag-alfons-schweiggert","tag-bayern","tag-biergarten","tag-deutschland","tag-germany","tag-hirschgarten","tag-irak","tag-kroatien","tag-muenchen","tag-serbien","tag-tuerkei"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116627390830987216","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1042172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1042172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1042172\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1042173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1042172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1042172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1042172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}