{"id":1043041,"date":"2026-05-24T13:08:22","date_gmt":"2026-05-24T13:08:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1043041\/"},"modified":"2026-05-24T13:08:22","modified_gmt":"2026-05-24T13:08:22","slug":"mikroben-erzeugen-strom-im-meer-und-ersetzen-teure-batterien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1043041\/","title":{"rendered":"Mikroben erzeugen Strom im Meer und ersetzen teure Batterien"},"content":{"rendered":"<p>Unterwasser-Sensoren liefern wichtige Daten f\u00fcr K\u00fcstenschutz, Meeresforschung und Sicherheit von K\u00fcstenbewohnern. Sie messen Temperaturen, verfolgen Tierwanderungen und registrieren Ger\u00e4usche unter Wasser. Solche Systeme helfen auch dabei, Sturmfluten fr\u00fcher zu erkennen, marine Hitzewellen besser zu \u00fcberwachen und langfristige Klimaver\u00e4nderungen in schwer erreichbaren Regionen zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem spielen sie beim Schutz kritischer Infrastruktur wie Unterseekabeln oder Pipelines eine wichtige Rolle. Das gr\u00f6\u00dfte Problem in der Nutzung dieser Ger\u00e4te ist erstaunlich schlicht: Irgendwann ist die Batterie leer. Ist der Akku ersch\u00f6pft, m\u00fcssen Schiffe ausr\u00fccken, Sensoren geborgen und Batterien ersetzt werden. Das kostet Zeit und Geld.<\/p>\n<p>Mikroben sollen Unterwasser-Sensoren mit Strom versorgen<\/p>\n<p>Forscher arbeiten deshalb an einer ungew\u00f6hnlichen L\u00f6sung: Mikroben sollen die Batterien k\u00fcnftig \u00fcberfl\u00fcssig machen. Die winzigen Organismen k\u00f6nnten dabei selbst zu Stromlieferanten f\u00fcr Unterwasser-Sensoren werden.<\/p>\n<p>Sie wandeln organisches Material im Wasser in elektrische Energie um, mit der die Sensoren betrieben werden k\u00f6nnen. Die Untersuchung stammt von der <a href=\"https:\/\/www.mtu.edu\/unscripted\/2026\/05\/michigan-tech-researchers-develop-selffueling-marine-battery-for-darpa-blue-program.html?utm_source=chatgpt.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Michigan Technological University<\/a> und l\u00e4uft im Rahmen des Programms BLUE (\u201eBioLogical Undersea Energy\u201c) der US-Forschungsagentur <a href=\"https:\/\/www.darpa.mil\/research\/programs\/biological-undersea-energy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">DARPA<\/a>.<\/p>\n<p>Wie mikrobielle Brennstoffzellen im Meer Strom erzeugen<\/p>\n<p>Die Technik basiert auf sogenannten mikrobiellen Brennstoffzellen. Solche Systeme kennt man bereits aus <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/technologie\/versteckte-schaetze-im-abwasser-klaeranlagen-liefern-wichtige-rohstoffe-auf-dem-weg-zur-klimaneutralitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Kl\u00e4ranlagen<\/a>. Dort finden Mikroben viele N\u00e4hrstoffe und k\u00f6nnen leicht Energie erzeugen. Im Meer ist das deutlich schwieriger.<\/p>\n<p>\u201eDie Grundidee ist, dass Mikroben w\u00e4hrend ihres Stoffwechsels Elektronen bewegen\u201c, erkl\u00e4rt die Biologin <a href=\"https:\/\/www.mtu.edu\/biological\/people-groups\/faculty-staff\/faculty\/marcarelli\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Amy Marcarelli<\/a>, Projektleiterin an der Michigan Tech. In einer Brennstoffzelle wandern diese Elektronen von einer Anode zu einer Kathode. Dabei entsteht nutzbarer Strom.<\/p>\n<p>Das Problem liegt im Meerwasser selbst. Es enth\u00e4lt deutlich weniger organisches Material als Abwasser. Gleichzeitig ist dort viel mehr Sauerstoff vorhanden. Aber zu viel Sauerstoff st\u00f6rt die Stromproduktion. \u201eWenn Sauerstoff vorhanden ist, nutzen Mikroben ihn zur Zellatmung, weil sie daraus die meiste Energie gewinnen\u201c, sagt Marcarelli. F\u00fcr die Batterie bleibt dadurch weniger elektrische Energie \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Aktivkohle als Schl\u00fcssel zu mehr Effektivit\u00e4t<\/p>\n<p>Damit das System trotzdem funktioniert, nutzt das Team granulierte Aktivkohle. Sie sammelt organische Stoffe aus dem Wasser und bietet den Mikroben gleichzeitig eine Oberfl\u00e4che zum Wachsen. <a href=\"https:\/\/cege.mtu.edu\/becker\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Jennifer Becker<\/a>, Co-Projektleiterin und Professorin f\u00fcr Umwelt- und Geotechnik, beschreibt den Stoff vereinfacht als ein \u201ereichhaltigeres Essen\u201c f\u00fcr die Organismen.<\/p>\n<p>Die Bakterien bilden auf der Aktivkohle sogenannte Biofilme. Dort entstehen kleine sauerstoffarme Bereiche. In diesen Zonen k\u00f6nnen die Mikroben weiter Energie erzeugen, auch wenn im Wasser reichlich Sauerstoff vorhanden ist. Die Aktivkohle \u00fcbernimmt noch eine zweite Aufgabe. Sie speichert Elektronen wie ein kleiner Kondensator. Das hilft, Schwankungen in der Stromproduktion auszugleichen.<\/p>\n<p>Die Leistung der Bio-Batterie schwankt<\/p>\n<p>Beim Einpumpen von Meerwasser sinkt die Leistung der Brennstoffzelle zun\u00e4chst deutlich. Erst wenn der Sauerstoff verbraucht ist, steigt sie wieder. Die Forscher nennen das ein \u201eS\u00e4gezahn-Muster\u201c. Dieses st\u00e4ndige Auf und Ab senkt die durchschnittliche Stromproduktion. Deshalb versucht das Team, gespeicherte Elektronen aus der Aktivkohle gezielt wieder freizusetzen.<\/p>\n<p>\u201eWir haben das tats\u00e4chlich nachgewiesen, und das ist einer der Gr\u00fcnde, warum DARPA unser Projekt finanziert hat\u201c, sagt Becker. Ganz einfach ist das nicht: Mikroben brauchen selbst einen gro\u00dfen Teil der Energie zum \u00dcberleben. Nur der Rest kann genutzt werden. \u201eEs gibt nur eine begrenzte Menge Energie, die man aus einer mikrobiellen Brennstoffzelle holen kann.\u201c<\/p>\n<p>Trotz erfolgreicher Tests: Das Meer selbst bleibt die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung<\/p>\n<p>Die ersten Prototypen der Bio-Batterien waren noch gro\u00df und schwer:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>rund 30 Liter f\u00fcr die eigentliche Brennstoffzelle<\/li>\n<li>weitere 15 Liter f\u00fcr Elektronik und Steuerung<\/li>\n<li>mehr als 225 Kilogramm Gesamtgewicht<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erste Test lief in der Chesapeake Bay an der US-Ostk\u00fcste. Dort erzeugte das System aus Mikroben und Aktivkohle 30 Tage lang erfolgreich Energie unter Wasser. Auch die Steuerung funktionierte wie geplant. Der erste praktische Einsatz fand bereits im November 2025 statt.<\/p>\n<p>Die neue Version ist nun deutlich kompakter. Die Brennstoffzelle misst nur noch etwa 90 Zentimeter, das Steuerrohr rund 30 Zentimeter. Vier neue Einheiten wurden in der Galveston Bay getestet. Drei davon produzierten sehr gut Strom. Eine vierte verhielt sich anders und lieferte wichtige Hinweise f\u00fcr weitere Verbesserungen.<\/p>\n<p>Denn eine funktionierende Batterie allein reicht nicht. Das gesamte System muss <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/technologie\/gruener-wasserstoff-aus-salzwasser-loesen-mikroben-das-problem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Salzwasser<\/a>, Druck, Korrosion und die Begegnung mit kleinen Meeresbewohnern aushalten. Auch das sichere Einsetzen der Ger\u00e4te ist wichtig. Die Einheiten werden in etwa neun Metern Tiefe ausgebracht. Schon kleine Sch\u00e4den beim Absenken k\u00f6nnen die Leistung deutlich verschlechtern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/smartup-news.de-diese-bio-batterie-lebt-im-meer-und-koennte-sensoren-jahrelang-antreiben-jamey-ander.webp\" alt=\"Jamey Anderson und sein Team sorgen daf\u00fcr, dass die Bio-Batterie dem Meer standh\u00e4lt und sicher unter Wasser eingesetzt werden kann.\" class=\"wp-image-57436\" style=\"width:736px;height:auto\"  \/>\u00a9 Michigan Tech Jamey Anderson und sein Team vom Great Lakes Research Center der Michigan Technological University entwickeln die Bio-Batterie so, dass sie Salzwasser, Druck und Korrosion standh\u00e4lt und sich sicher im Meer aussetzen l\u00e4sst. \u00a9 Michigan Tech<\/p>\n<p>Ziel sind Sensoren, die jahrelang selbstst\u00e4ndig arbeiten<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes plant das Team ein System mit zehn mikrobiellen Brennstoffzellen. Es soll einen Monat lang in der Chesapeake Bay laufen. Danach wollen die Forscher berechnen, wie gut die Technik \u00fcber ein ganzes Jahr funktioniert. Zus\u00e4tzlich entstehen Modelle, die zeigen sollen, an welchen Orten weltweit genug organisches Material f\u00fcr diese Bio-Batterien vorhanden ist. <a href=\"https:\/\/www.mtu.edu\/mtri\/about\/staff\/directors-management\/sayers\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Michael Sayers <\/a>vom Michigan Tech Research Institute verbindet daf\u00fcr Felddaten, Labortests und Satellitendaten.<\/p>\n<p>Das Ziel ist ein System, das sich fast \u00fcberall einsetzen l\u00e4sst. Anderson beschreibt die Vision so: \u201eDie Idee eines Systems, das wir auf ein Boot laden, an 10.000 Orten weltweit einsetzen und sofort wissen k\u00f6nnen, dass dort Energie verf\u00fcgbar ist, ist ein echter Game-Changer.\u201c Gelingt das, k\u00f6nnten Unterwasser-Sensoren deutlich l\u00e4nger im Meer bleiben \u2013 ohne st\u00e4ndigen Batteriewechsel, ohne aufwendige Wartung, betrieben mit Strom direkt aus ihrer Umgebung.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Verwendung von Unterwasser-Sensoren scheitert nicht an ihrer Technik, sondern an leeren Batterien \u2013 Forscher der\u00a0Technischen Universit\u00e4t Michigan\u00a0entwickeln deshalb eine Bio-Batterie, bei der Mikroben aus organischem Material im Meer Strom erzeugen.<\/li>\n<li>Die mikrobielle Brennstoffzelle funktioniert, weil Bakterien w\u00e4hrend ihres Stoffwechsels Elektronen abgeben; Aktivkohle hilft dabei, organische Stoffe zu sammeln, Biofilme zu bilden und die Stromproduktion trotz st\u00f6rendem Sauerstoff im Meerwasser zu stabilisieren.<\/li>\n<li>Erste Tests liefen bereits 30 Tage erfolgreich unter Wasser, nun soll ein gr\u00f6\u00dferes System mit zehn Brennstoffzellen zeigen, ob Sensoren k\u00fcnftig \u00fcber Monate oder sogar Jahre ohne Batteriewechsel im Meer arbeiten k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00dcbrigens: <\/strong>W\u00e4hrend Mikroben im Meer k\u00fcnftig Sensoren mit Energie versorgen k\u00f6nnten, soll tief unter der Erde ein neues Geothermie-Kraftwerk rund um die Uhr Strom liefern \u2013 ganz ohne Sonne oder Wind. In Oregon setzt ein Unternehmen daf\u00fcr auf extreme Hitze aus mehreren Kilometern Tiefe und eine Bohrtechnik, die Gestein schmilzt. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/geothermie-kraftwerk-soll-strom-aus-300-grad-gestein-erzeugen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 Michigan Tech<\/p>\n<p>                Tags: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/batterie\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Batterie<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/bio-batterie\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bio-Batterie<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/darpa\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">DARPA<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/energie\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Energie<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/meer\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meer<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/meeresforschung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meeresforschung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/michigan-technological-university\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Michigan Technological University<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/mikroben\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mikroben<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/mikrobielle-brennstoffzelle\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mikrobielle Brennstoffzelle<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/smart-up-news\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Smart Up News<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/strom\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Strom<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/technologie\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Technologie<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/unterwasser-sensoren\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Unterwasser-Sensoren<\/a>            <\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unterwasser-Sensoren liefern wichtige Daten f\u00fcr K\u00fcstenschutz, Meeresforschung und Sicherheit von K\u00fcstenbewohnern. 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