{"id":1043647,"date":"2026-05-24T20:00:34","date_gmt":"2026-05-24T20:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1043647\/"},"modified":"2026-05-24T20:00:34","modified_gmt":"2026-05-24T20:00:34","slug":"la-belle-et-la-bete-am-staatstheater-augburg-die-schoene-und-das-biest-als-operngenuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1043647\/","title":{"rendered":"\u201eLa Belle et la Bete\u201c am Staatstheater Augburg: Die Sch\u00f6ne und das Biest als Operngenuss"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Es knurrt und schreit und kr\u00fcmmt sich: Das \u201eBiest\u201c schleicht \u00fcber die B\u00fchne. Kreischende Raben, geh\u00f6rnte Bullen und andere Fabelmonster muss es aus seinem Geisterschloss verjagen &#8211; bis es sich selbst vor lauter Liebeskummer die Haare rauft, vom Schopf bis zum borstigen Fell auf seiner Brust. Doch am Ende darf sich das Biest verwandeln im Nebel. Und zwar in einen heldenhaften S\u00e4nger, Stimmlage Bariton. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/unliebsame-ueberraschung-im-neuen-spielplan-des-staatstheaters-augsburg-114278814\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Premiere am Staatstheater Augsburg:<\/a> \u201eDie Sch\u00f6ne und das Biest\u201c gibt es hier im Martinipark jetzt als Oper zu erleben.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Verwandelt hat sich der Stoff ja schon oft, so wie das Biest selbst: Dieses alte, franz\u00f6sische Volksm\u00e4rchen, das vom Monster in uns Menschen erz\u00e4hlt, das <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/geschichte-100-jahre-disney-walts-welt-und-die-sache-mit-der-maus-id66222996.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">krallte sich die Filmfabrik Disney<\/a> im Jahr 1999. Liebliche Musik und bunte Trickfiguren, f\u00fcr den familienfreundlichen Grusel. Weniger bekannt dagegen: die Version von Jean Cocteau, 1946 schuf er aus dem Plot eine  surreale Schwarz-Wei\u00df-Fantasie \u00fcber Leid und Mitleid. Der Amerikaner Philip Glass hat zu diesen Kinobildern wiederum eine Filmmusik geschrieben. Und jetzt breitet das <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/organisationen\/aa-theater-augsburg\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Staatstheater<\/a> die Komposition zu einer vollwertigen, szenischen Oper aus. Spuk im Schloss: Wie viel M\u00e4rchen steckt in Glass\u2018 &#8222;La Belle et la B\u00eate&#8220;? Regisseurin Susanne Lietzow findet zwischen Grusel, Liebe und \u201eEs war einmal &#8230;\u201c auch den Witz. Sie inszeniert das Tier im Mann &#8211; und eine Frau als Heldin gegen ihren Willen.\n  <\/p>\n<p>            Philipp Glass schrieb die Musik zu Jean Cocteaus Version von \u201eDie Sch\u00f6ne und das Biest\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Oper bleibt bei der Legende: Ein armer Gesch\u00e4ftsmann verirrt sich auf seinem Heimweg im Nebel, im M\u00e4rchenwald, und fl\u00fcchtet sich in ein unheimliches Schloss. Dort fliegen ihm Speisen und Getr\u00e4nke zu &#8211; und er pfl\u00fcckt aus \u00dcbermut eine Rose, f\u00fcr seine Tochter. Fauxpas! Da krallt sich der Hausherr den Einbrecher. Dieses Biest, dieses Monster, stellt den armen Mann vor die Wahl: Entweder muss er auf der Stelle sterben &#8211; oder ihm als Geisel eine seiner T\u00f6chter schenken. Tochter Belle, die \u201eSch\u00f6ne\u201c, will ihren Vater nicht sterben lassen. Sie zieht in die Burg zum Biest, und in dieser verzauberten Wohngemeinschaft gewinnt sie sogar langsam Zutrauen zum Gastgeber. Sie sp\u00fcrt die Liebe im missverstandenen Monster. Und die Liebe in sich.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Harfe zupft und die Fl\u00f6te zaubert, die R\u00f6hrenglocken schlagen zur Geisterstunde im Schloss. Dann rei\u00dft Philip Glass\u2018 Musik ihre Zuh\u00f6rer in einen Strom, in einen fast pausenlosen Fluss von Klang. Mit jeder Welle und Woge, also mit jeder Wiederholung, \u00e4ndert und verwandelt sich die Melodie &#8211; aber eben nur um ein bisschen. Das verlangt Konzentration, Orientierung und Ausdauer von den Augsburger Philharmonikern. Der klare Taktschlag von Generalmusikdirektor Domonkos H\u00e9j\u00e0 l\u00e4sst aber keine Zweifel aufkommen, und trotzdem Raum f\u00fcr Spannung und Donnergrummel. Auch wenn in diesen Noten wenig, bis fast zu wenig geschieht: Es t\u00f6nt wie malerische Filmmusik &#8211; schlie\u00dflich war Glass in dieser Sparte auch dreimal f\u00fcr den Oscar nominiert.\n  <\/p>\n<p>            Susanne L\u00fctzow inszeniert ein M\u00e4rchen mit Ironie in Augsburg<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Berlinerin Susanne von L\u00fctzow findet Bilder zu dieser Musik, sie spielt mit B\u00fchnenmagie &#8211; und Psychologie: Der Mann ist also ein Biest, in dem das Tier tobt, weil er sich h\u00e4sslich und ungeliebt f\u00fchlt. Deshalb sperrt er die Frau, die er zu lieben beginnt, in seine Mauern ein und droht zu sterben, falls sie ihn verl\u00e4sst. Klingt das nicht etwas toxisch? Die brave, h\u00fcbsche Belle dagegen liest ja lieber in ihren B\u00fcchern, als dass sie nach M\u00e4nnern blinzelt &#8211; und sie putzt wie eine Dienerin ihren Schwestern hinterher. Und ihr neuster Lebensauftrag als Frau lautet: das Biest durch ihre Liebe zu retten.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das Kleid, das er ihr schenkt, strahlt spektakul\u00e4r r\u00fcschig-rosa (fabelhafte Kost\u00fcme: Karoline Schreiber). Daf\u00fcr l\u00e4sst er seine Muskeln zucken, auf denen ein schwarzer Wald von Haaren w\u00e4chst. Es ist eine tolle Schau, wie sich Georges Khoukaz durch seiner Titelrolle als Biest k\u00e4mpft. Wie er tobt und andere T\u00e4nzer auf seine Schultern nimmt. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/wrestler-georges-khoukaz-mimt-tragende-rolle-in-der-oper-die-schoene-und-das-biest-114293263\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Der Trick dabei: Khoukaz ist im Hauptberuf Wrestler, also Schauk\u00e4mpfer<\/a> &#8211; und teilt seine Hauptfigur mit einem anderen. Er spielt das Tier im Mann, das Ungeheur mit seinen Instinkten. Doch der Bariton Wiard Witholt tritt zu ihm auf die B\u00fchne, wie der Geist zu seiner Seele, um die Gef\u00fchle auszuformulieren und zu singen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/labelleetlabetefotojan-pieterfuhr5324.jpg\" alt=\"Georges Khoukaz in Aktion.\" title=\"Georges Khoukaz in Aktion.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Georges Khoukaz in Aktion.<br \/>\n    Foto: Jan-Pieter Fuhr<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Georges Khoukaz in Aktion.<br \/>\n    Foto: Jan-Pieter Fuhr<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Trotz aller Poesie, und trotz kluger, romantischer Einf\u00e4lle, bleibt die B\u00fchne leider erstaunlich leer und unm\u00f6bliert. Sch\u00f6n, wenn sich dann etwas regt: Gruselig, aber auch schrullig, wie nachts die anderen Biester aus dem Nebel schleichen: T\u00e4nzer mit riesigen Tierk\u00f6pfen. \u00dcber die gro\u00dfe Videoleinwand galoppiert das Pferd des Ungeheuers, sein verzauberter Schimmel &#8211; und in der n\u00e4chsten Szene bl\u00fchen rote Rosen auf. Dazu trippelt auch eine Blume auf die B\u00fchne, eine T\u00e4nzerin mit riesigem Rosenbl\u00fctenhut. Von L\u00fctzow findet den Charme der Geschichte auch in solchen liebevollen \u00dcbertreibung. Vor allem tobt der Witz in Belles Familie.\n  <\/p>\n<p>            So vespielt ist Glass\u2018 \u201eLa Belle et la B\u00eate\u201c am Staatstheater Augsburg<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Verarmt, aber verw\u00f6hnt und arrogant: Ihre Schwestern treten als Papas Prinzessinnen auf. Mit ihren extralangen Fingern\u00e4geln sind sie gar nicht in der Lage, zum Beispiel einen handels\u00fcblichen W\u00e4schest\u00e4nder aufzuklappen. Wunderbare Momente: Olena Sloia und Jihyun Cecilia Lee (Sopran) drehen als kom\u00f6diantisches Duo kr\u00e4ftig auf. Auf der anderen Seite: die M\u00e4nner, um keinen Deut lebenstauglicher. Der Vater hat sein Leben verspielt, sein Sohn das Restverm\u00f6gen und dessen bester Freund Avenant ist ein Macho im Leoparden-Mantel, der Belle heiraten will. Der Gesang dieser Figuren? Ein schnelles Parlando, so gesungen, dass es halb gesprochen klingt. Die Gespr\u00e4che fetzen \u00fcber die harmonische Orchestermusik. So \u00fcberzeugt und bewegt auch das Paar dieser Nacht, \u201edie Sch\u00f6ne\u201c Luise von Garnier und \u201edas Biest\u201c Wiard Withold. Stark auch Daniel Carison, als Fiesling Avenant, und Kabelo Lebyana als Belles Bruder Ludovic. Sie werfen sich mit Musikalit\u00e4t ins Gespr\u00e4ch. Zwei Typen, die dem Biest mit dem Messer an den Hals r\u00fccken wollen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eLa Belle et la B\u00eate\u201c am Staatstheater Ausburg &#8211; eine verspielte, clevere Inszenierung auf der Suche nach Liebe und Selbstliebe, gegen das Unheimliche in jedem Menschen. \u201eLass uns gemeinsam Angst haben\u201c, ruft das Biest zur Sch\u00f6nen und sie schreiten in den Sonnenuntergang. Nein, in den d\u00fcsteren M\u00e4rchenwald.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es knurrt und schreit und kr\u00fcmmt sich: Das \u201eBiest\u201c schleicht \u00fcber die B\u00fchne. 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