{"id":1044824,"date":"2026-05-25T09:06:43","date_gmt":"2026-05-25T09:06:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1044824\/"},"modified":"2026-05-25T09:06:43","modified_gmt":"2026-05-25T09:06:43","slug":"palaestina-solidaritaet-leipziger-studierende-wollen-israelische-unis-boykottieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1044824\/","title":{"rendered":"Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t \u2013 Leipziger Studierende wollen israelische Unis boykottieren"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img321877\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/321877.jpeg\" alt=\"Student*innen halten eine Vollversammlung vor dem Uni-Geb\u00e4ude ab.\"\/><\/p>\n<p>Student*innen halten eine Vollversammlung vor dem Uni-Geb\u00e4ude ab.<\/p>\n<p>Foto: Anton Trexler <\/p>\n<p><strong>Seit wann gibt es \u00bbStudents for Palestine\u00ab in Leipzig?<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Initiative entstand 2023 als Reaktion auf <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1197215.ruestungsexporte-und-kooperationen-so-unterstuetzt-deutschland-israels-genozid.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">den Genozid in Gaza<\/a>. 2025 haben wir einen ausf\u00fchrlichen Bericht zu Kooperationen der Universit\u00e4t Leipzig mit israelischen Hochschulen erarbeitet. Vor diesem Hintergrund entstand auch die Kampagne f\u00fcr die Vollversammlung und der Aufruf, diese Kooperationen zu beenden.<\/p>\n<p><strong>Das Rektorat entzog die Genehmigung zur Nutzung eines H\u00f6rsaals f\u00fcr die Vollversammlung. Wie lief das ab?<\/strong><\/p>\n<p>Am Tag vor der Versammlung wurde uns der seit Wochen best\u00e4tigte H\u00f6rsaal gestrichen, zun\u00e4chst per Mail und ohne Begr\u00fcndung. Wir entschieden uns deshalb im Plenum f\u00fcr eine Verlegung an die Moritzbastei \u2013 auch aus Sorge vor einer polizeilichen R\u00e4umung, falls wir auf den Innenhof ausgewichen w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Gab es denn bereits fr\u00fcher Repressionen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir wurden stets anders behandelt als andere Gruppen, und in den zur\u00fcckliegenden Wochen hat sich die Situation zugespitzt. Das reicht von der Anwesenheit von Sicherheitskr\u00e4ften bei unseren Veranstaltungen bis zur Blockade der Rundmail, mit der die Vollversammlung bekanntgegeben wurde. Letzteres ist laut der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Studierendenrats nach dem s\u00e4chsischen Hochschulgesetz rechtswidrig. Das Rektorat versuchte zudem, die Versammlung zu delegitimieren, indem es behauptete, sie repr\u00e4sentiere die Studierenden nicht und stehe nicht im Einklang mit der Satzung des Studierendenrats. Das stimmt nicht, die Versammlung war vollkommen legal. Das Rektorat greift die demokratischen Institutionen der Universit\u00e4t an, weil es aus unserer Sicht nicht h\u00f6ren will, was die Studierenden zu sagen haben: Wer der sogenannten Staatsr\u00e4son widerspricht, soll zum Schweigen gebracht werden.<\/p>\n<p><strong>Die Hochschulleitung begr\u00fcndet ihr Vorgehen auch mit dem Schutz j\u00fcdischer Studierender und Mitarbeiter. Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Ihre Kampagne schaffe ein Klima der Ausgrenzung?<\/strong><\/p>\n<p>Interview<\/p>\n<p><strong>Orlando Becker<\/strong> ist Student an der Universit\u00e4t Leipzig und engagiert sich bei \u00bbStudents for Palestine Leipzig\u00ab. Im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab berichtet er von einem Beschluss der Vollversammlung der Studierendenschaft der Uni Leipzig am 19. Mai, in dem diese mit gro\u00dfer Mehrheit f\u00fcr einen akademischen Boykott israelischer Hochschulen votierte. Die Versammlung wurde unter freiem Himmel abgehalten, nachdem die Uni kurzfristig die Nutzung ihrer R\u00e4umlichkeiten untersagt hatte. Rektorin Eva In\u00e9s Obergfell begr\u00fcndete die Ma\u00dfnahme <a href=\"https:\/\/www.uni-leipzig.de\/newsdetail\/artikel\/universitaet-leipzig-entzieht-students-for-palestine-genehmigung-zur-hoersaal-nutzung-2026-05-18\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unter anderem damit<\/a>, dass es den Studierenden nicht mehr um \u00bbwissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern um eine parteiische Stellungnahme und die Absicht, die Wissenschaftsfreiheit einzuschr\u00e4nken\u00ab, gehe.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Versammlung verwies eine j\u00fcdische Person mit israelischer Staatsb\u00fcrgerschaft darauf, dass j\u00fcdische Teilnehmende in propal\u00e4stinensischen Protesten \u00fcberdurchschnittlich stark vertreten sind. Der Schutz j\u00fcdischer Studierender ist f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlich. Genau deshalb halten wir die Gleichsetzung von Israel-Kritik mit Antisemitismus f\u00fcr problematisch. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191158.parteitag-der-linken-antisemitismusdefinition-ihra-laesst-sich-instrumentalisieren.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wir trennen klar zwischen Antisemitismus und Antizionismus<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Trotz der kurzfristigen Verlegung kamen rund 700 Studierende. Wie war die Stimmung?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr gut. Viele waren erleichtert, dass die Versammlung \u00fcberhaupt stattfinden konnte. Das Rektorat hat nicht weiter eingegriffen und nur aus der Ferne zugeschaut. Es gab lediglich neun Personen, die gegen uns demonstriert haben, darunter die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1196926.demos-in-leipzig-links-gegen-links.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Linke-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Im Zentrum stand der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198139.hertie-school-studierende-gegen-israelische-verbrechen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">akademische Boykott israelischer Hochschulen<\/a>. Was wurde beschlossen?<\/strong><\/p>\n<p>Unter anderem wird die Universit\u00e4t Leipzig in dem Beschluss aufgefordert, die genozidale Kriegsf\u00fchrung Israels \u00f6ffentlich zu verurteilen und alle Kooperationen mit israelischen Institutionen zu beenden. Zudem fordert die Versammlung die Einf\u00fchrung einer Zivilklausel, also das Verbot von Forschung zu milit\u00e4rischen Zwecken. Hochschulen werden zunehmend in milit\u00e4rische Verwertungsketten eingebunden. Gerade unter K\u00fcrzungsdruck w\u00e4chst die Abh\u00e4ngigkeit von milit\u00e4rischen Geldgebern. Eine Zivilklausel soll das grunds\u00e4tzlich ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Warum fordern Sie einen umfassenden Boykott israelischer Universit\u00e4ten und nicht nur die Beendigung einzelner problematischer Kooperationen?<\/strong><\/p>\n<p>In unserem Bericht \u00bbEnd Academic Complicity\u00ab zeigen wir, dass alle f\u00fcnf israelischen Partneruniversit\u00e4ten der Universit\u00e4t Leipzig in Milit\u00e4rforschung, Besatzungsstrukturen oder staatliche Ideologieproduktion eingebunden sind. An der Ben-Gurion-Universit\u00e4t in Be\u00b4er Scheva etwa gibt es sehr enge Verbindungen zum Milit\u00e4r: Kriegsger\u00e4t wird auf dem Campus gelagert, Studierende, die in Milit\u00e4reins\u00e4tzen dienen, bekommen Leistungspunkte. Die Universit\u00e4ten stehen auf besetztem Gebiet und <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199742.palaestina-solidaritaet-menschen-gedenken-in-berlin-der-nakba.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wurden auf den Ruinen pal\u00e4stinensischer D\u00f6rfer erbaut<\/a>. Kooperationen und Austauschprogramme normalisieren und legitimieren das. Israelische Universit\u00e4ten sind keine Bastionen der akademischen Freiheit \u2013 ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnte die Leipziger Vollversammlung Signalwirkung f\u00fcr andere Hochschulen haben?<\/strong><\/p>\n<p>Uns haben bereits viele Leute aus anderen St\u00e4dten kontaktiert, und es gibt Bestrebungen, solche Vollversammlungen auch an anderen Universit\u00e4ten einzuberufen.<\/p>\n<p><strong>Obwohl es sich um die erste Abstimmung dieser Art an einer deutschen Universit\u00e4t handelt, wird bislang kaum dar\u00fcber berichtet. Wie ist die mediale Zur\u00fcckhaltung zu erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist angesichts der Thematik nicht \u00fcberraschend, aber in diesem Fall schon besonders auff\u00e4llig. International ist die Resonanz deutlich gr\u00f6\u00dfer. Vor diesem Hintergrund wirkt die fehlende Berichterstattung in Deutschland umso bemerkenswerter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Student*innen halten eine Vollversammlung vor dem Uni-Geb\u00e4ude ab. 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