{"id":1048068,"date":"2026-05-26T19:00:43","date_gmt":"2026-05-26T19:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1048068\/"},"modified":"2026-05-26T19:00:43","modified_gmt":"2026-05-26T19:00:43","slug":"uk-sanktioniert-htx-und-russisches-a7-netzwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1048068\/","title":{"rendered":"UK sanktioniert HTX und russisches A7-Netzwerk"},"content":{"rendered":"<p>Das britische Aussenministerium hat 18 Entit\u00e4ten sanktioniert, darunter die Krypto-B\u00f6rsen HTX (ehemals Huobi) und Exmo. Die UK Sanktionen gegen HTX richten sich gegen ein russisches Krypto-Netzwerk mit einem Jahresvolumen von \u00fcber 90 Mrd. USD.<\/p>\n<p>HTX z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten globalen Krypto-Handelsplattformen. Sie wickelt Handel, Settlement und Verwahrung digitaler Verm\u00f6genswerte ab. \u00dcber solche B\u00f6rsen lassen sich Kapitalfl\u00fcsse grenz\u00fcberschreitend bewegen. Folglich gelten sie als attraktive Kan\u00e4le f\u00fcr die Umgehung von Finanzbeschr\u00e4nkungen. Die Plattform entstand 2013 in China. Nach der \u00dcbernahme durch das Umfeld von TRON-Gr\u00fcnder Justin Sun im Jahr 2022 firmiert sie seit der Umbenennung 2023 als HTX. Bereits seit Februar 2026 l\u00e4uft zudem ein Verfahren der britischen Finanzaufsicht FCA wegen unerlaubter Krypto-Werbung gegen\u00fcber britischen Verbrauchern. Seither steht HTX auf der Warnliste der Beh\u00f6rde. Gleichzeitig stammten gem\u00e4ss Similarweb zuletzt 31.64% des Desktop-Traffics aus Russland &#8211; der gr\u00f6sste Anteil einer einzelnen Herkunfts-Jurisdiktion. Die Designierungen traten mit sofortiger Wirkung in Kraft. Weiterhin erweitern sie ein Regime, das seit 2022 kumulativ \u00fcber 3&#8217;300 russlandbezogene Sanktionen umfasst.<\/p>\n<p>Das A7-Netzwerk: Wie Russland Sanktionen \u00fcber Krypto umgeht<\/p>\n<p>Das sogenannte A7-Netzwerk ist ein kremlgest\u00fctztes System zur Umgehung westlicher Sanktionen. Es finanziert die Beschaffung von Milit\u00e4rg\u00fctern und verarbeitet ebenso Einnahmen aus russischen \u00d6lverk\u00e4ufen \u00fcber digitale Kan\u00e4le. Im vergangenen Jahr bewegte diese Struktur nach Angaben der britischen Beh\u00f6rden \u00fcber 90 Mrd. USD. Das entspricht etwa der H\u00e4lfte der j\u00e4hrlichen russischen Milit\u00e4rausgaben. Die Infrastruktur gilt daher als systemischer Bestandteil der russischen Kriegsfinanzierung.<\/p>\n<p>Im Zentrum des Netzwerks steht der rubelgedeckte Stablecoin A7A5. Dieser Token soll bis Januar 2026 kumulativ \u00fcber 100 Mrd. USD an On-Chain-Transaktionen erreicht haben, weniger als ein Jahr nach seinem Start. Die Reichweite verteilte sich dabei auf rund 250&#8217;000 Transfers \u00fcber mehr als 41&#8217;000 Konten. Schliesslich galt A7A5 zeitweise als gr\u00f6sster nicht dollargedeckter Stablecoin weltweit. Nach Verh\u00e4ngung westlicher Sanktionen sank das t\u00e4gliche Volumen jedoch von einem H\u00f6chststand <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/hintergrund\/krypto-kriminalitaet-explodiert-154-milliarden-usd-illegale-transaktionen-in-2025\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">von 1.5 Mrd. USD auf rund 500 Mio. USD<\/a>.<\/p>\n<p>Die Architektur entstand als Nachfolgestruktur der B\u00f6rse Garantex, die 2022 von den USA und der EU sanktioniert wurde. Nachdem US-Beh\u00f6rden im M\u00e4rz 2025 deren Domain beschlagnahmt hatten, verlagerte sich die Aktivit\u00e4t schrittweise auf neue Plattformen. Die britische Sanktionsbeh\u00f6rde OFSI hatte zumal bereits im Januar 2026 vor dem Missbrauch von Krypto-Assets zur Sanktionsumgehung gewarnt. Letztlich zeichnet sich eine Eskalations-Spirale ab: Auf jede sanktionierte B\u00f6rse folgt eine neue Struktur mit \u00e4hnlicher Funktion.<\/p>\n<p>HTX und Exmo im Visier: Belege f\u00fcr direkte Verbindungen<\/p>\n<p>Das Verkehrsprofil von HTX deutet auf eine starke russische Nutzerbasis hin. Die Similarweb-Daten verorten 31.64% des Desktop-Traffics in Russland. Brasilien folgt mit 6.61%, die Ukraine mit 6.07% und Indien mit 4.17% liegen deutlich dahinter. Hongkong rangiert mit 2.59% noch weiter hinten, was die russische Dominanz im Verkehrsprofil unterstreicht. Diese Konzentration f\u00e4llt vor dem Hintergrund des seit Februar 2026 laufenden FCA-Verfahrens auf. Laut den britischen Beh\u00f6rden soll ausserdem eine namentlich nicht genannte grosse globale Krypto-B\u00f6rse \u00fcber 1.5 Mrd. USD in die H\u00e4nde des Kremls geleitet haben. Dieser Vorwurf wurde offiziell jedoch nicht mit HTX verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Bei Exmo sind die Verbindungen konkreter dokumentiert. Die Plattform wickelte direkte Transaktionen von \u00fcber 1 Mio. USD mit Garantex ab. Auf der Liste steht ebenfalls Sergey Mendeleev. Er ist ferner als Mitgr\u00fcnder von Garantex sowie der Nachfolgeplattformen Exved und InDeFi Bank dokumentiert. Seine genaue Verbindung zu Exmo Exchange geht aus den vorliegenden Informationen allerdings nicht eindeutig hervor. Insgesamt ergibt sich ein Bild gestaffelter N\u00e4he zu russischen Sanktionsumgehungs-Strukturen, das von belegten Transaktionen bis zu personellen \u00dcberschneidungen reicht.<\/p>\n<p>UK Sanktionen f\u00fcr HTX: westliche Koordination und Konsequenzen<\/p>\n<p>Die Massnahme f\u00e4llt in eine Phase versch\u00e4rfter britischer Krypto-Regulierung. Seit dem 1. Mai 2026 gilt f\u00fcr alle registrierten Krypto-Unternehmen im Vereinigten K\u00f6nigreich eine verbindliche Sanktions-Compliance-Pflicht. Die aktuellen Designierungen z\u00e4hlen somit zu den ersten operativen Anwendungen nach Inkrafttreten dieser Pflicht. Sie senden deshalb ein deutliches Signal an Plattformen mit hohem Russland-Bezug.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Wenn der Kreml glaubt, er kann unsere Sanktionen umgehen, indem er sich hinter Krypto-Netzwerken [\u2026] versteckt, irrt er sich gewaltig. [\u2026] Wir greifen die Infrastruktur an, die seine Kriegswirtschaft unterst\u00fctzt.&#8220; &#8211; Yvette Cooper, Aussenministerin des Vereinigten K\u00f6nigreichs<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die britische Initiative steht zudem nicht allein. Die EU verabschiedete im April 2026 ihr <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/legal-compliance\/eu-plant-vollstaendiges-verbot-aller-krypto-transaktionen-mit-russland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">20. Sanktionspaket gegen Russland<\/a>. Dessen Krypto-Massnahmen sind seit dem 24. Mai 2026 in Kraft und zielen auf Verteiler von Tokens wie A7A5. Bereits zuvor hatten OFAC, das UK und die EU die Garantex-Nachfolgeb\u00f6rse Grinex sanktioniert. Das Vorgehen erstreckte sich \u00fcber mehrere Stufen: OFAC im M\u00e4rz 2025, das UK im August 2025 und die EU im Oktober 2025 mit ihrem 19. Paket. Im April 2026 stellte Grinex nach einem Cyberangriff den Betrieb ein. Westliche Sanktionen haben Russland nach Sch\u00e4tzungen bislang \u00fcber 450 Mrd. USD gekostet, das \u00c4quivalent von zwei Jahren Kriegsfinanzierung.<\/p>\n<p>Was die Designierungen f\u00fcr Krypto-B\u00f6rsen weltweit bedeuten<\/p>\n<p>Operativ d\u00fcrften die Sanktionen f\u00fcr HTX und Exmo zun\u00e4chst das Einfrieren s\u00e4mtlicher Verm\u00f6genswerte im Vereinigten K\u00f6nigreich bedeuten, dazu ein Verbot britischer Finanzdienstleistungen. Das ist die \u00fcbliche Folge einer UK-Designierung. F\u00fcr die beiden B\u00f6rsen reihen sich die Massnahmen in ein etabliertes Regime ein, das seit Februar 2022 \u00fcber 3&#8217;300 russlandbezogene Designierungen umfasst. Mitdesigniert wurden ferner eine kyrgisische Bank, die laut dem britischen Ausseministerium Zahlungen f\u00fcr das A7-Netzwerk abwickelte, sowie drei georgische Unternehmen. Letztere betreiben Russland-fokussierte B\u00f6rsen. Diese geografische Ausweitung auf Zentralasien und den Kaukasus zeigt, dass die Sanktions-Architektur \u00fcber den engeren Krypto-Sektor hinausgreift.<\/p>\n<p>Der wirtschaftliche Druck auf Russland l\u00e4sst sich beziffern. Infolge dieses Drucks senkte Moskau im Mai 2026 seine Wachstumsprognose f\u00fcr das laufende Jahr von 1.3% auf 0.4% und halbierte die Erwartung f\u00fcr 2027. F\u00fcr andere B\u00f6rsen mit hohem Russland-Exposure markieren die Designierungen folglich eine neue Risikolage. In ihr wird ein hoher Anteil russischer Nutzer zum direkten regulatorischen Haftungsfaktor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das britische Aussenministerium hat 18 Entit\u00e4ten sanktioniert, darunter die Krypto-B\u00f6rsen HTX (ehemals Huobi) und Exmo. 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