{"id":1048399,"date":"2026-05-26T22:34:16","date_gmt":"2026-05-26T22:34:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1048399\/"},"modified":"2026-05-26T22:34:16","modified_gmt":"2026-05-26T22:34:16","slug":"abriss-des-wittwer-hauses-in-stuttgart-es-wird-uns-noch-leidtun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1048399\/","title":{"rendered":"Abriss des Wittwer-Hauses in Stuttgart: Es wird uns noch leidtun"},"content":{"rendered":"<p itemprop=\"description\">\n\t\tErneut ist ein prominentes Geb\u00e4ude vom Abriss-Alltag betroffen. Im Zentrum Stuttgarts soll das Haus der Buchhandlung Wittwer zerst\u00f6rt werden. Es ist nicht nur Zeugnis einer Bauepoche, sondern auch einer jungen Demokratie im Aufbruch.\n\t\t<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sah es noch ganz gut aus. Im September 2025 vermeldete Thalia, dass &#8222;die bisherige Fl\u00e4che umfassend saniert werden muss&#8220;. Diese &#8222;bisherige Fl\u00e4che&#8220;, von der die Rede ist, ist die in einem Haus in prominentester Stuttgarter Lage: in der K\u00f6nigstra\u00dfe, neben dem st\u00e4dtischen Kunstmuseum, am Schlossplatz. Das Geb\u00e4ude, 1968 bis 1970 nach dem Entwurf von Hans Kammerer und Walter Belz errichtet, entstand in Zusammenarbeit mit Max B\u00e4cher und geh\u00f6rte zum Ensemble des Kleinen Schlossplatzes, das Anfang der Nullerjahre durch den Neubau des Kunstmuseums transformiert wurde. Der Bau von Kammerer, Belz und B\u00e4cher entstand im Auftrag der Landesgirokasse und einem der immer noch bekanntesten Stuttgarter Familienunternehmen: der Verlagsbuchhandlung Wittwer. Sie er\u00f6ffnete 1970 auf drei Etagen und 700 Quadratmetern die damals gr\u00f6\u00dfte Buchhandlung der Republik. Fast alle Stuttgarter:innen kannten &#8222;den Wittwer&#8220; \u2013 entsprechend ist das Geb\u00e4ude bis heute mit diesem Namen verbunden, auch wenn seit 2018 Thalia hier B\u00fccher verkauft. Noch.<\/p>\n<p>Denn im M\u00e4rz wurde \u00f6ffentlich, dass es nichts wird mit der Sanierung. Das Wittwer-Haus soll abgerissen werden, seine markante Sichtbetonfassade soll verschwinden. Das Geb\u00e4ude ist heute im Besitz der Dinkelacker AG und soll so viele M\u00e4ngel haben, dass eine Sanierung sowohl aus technischen als auch aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht in Frage komme. Gesch\u00fctzt ist das Haus nicht: &#8222;Insgesamt kommt das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege zu dem Schluss, dass der dokumentarische und exemplarische Wert des Geb\u00e4udes als Gesch\u00e4ftshaus der Zeit des Brutalismus durch die Menge und St\u00e4rke der \u00dcberformungen so stark geschm\u00e4lert ist, dass eine Kulturdenkmaleigenschaft nicht begr\u00fcndet werden kann&#8220;, zitiert die Stuttgarter Zeitung das Amt. In Aussicht gestellt wird lediglich, dass Untergeschosse und Teile des Erdgeschosses erhalten werden sollen. Dass es f\u00fcr einen Neubau einen Architekturwettbewerb geben soll \u2013 ein eher schwacher Trost.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte nun eine Diskussion dar\u00fcber beginnen, ob diese Begr\u00fcndung eigentlich in Zeiten, in denen der Erhalt eine Maxime ist und damit die Notwendigkeit, Bauten auch immer wieder neu anpassen zu k\u00f6nnen, Teil eines Denkmalschutzbegriffs sein m\u00fcsste. Ob es also zum Denkmalschutz geh\u00f6ren k\u00f6nnte oder sollte, unverwechselbare Teile zu sch\u00fctzen und mehr als bisher in anderen Bereichen Freir\u00e4ume der Aneignung zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Immer noch, so k\u00f6nnte man argumentieren, ist die unverwechselbare Erscheinung des Baus besonders \u2013 seine sorgf\u00e4ltig abgewogene Mischung aus horizontaler Schichtung und vertikalen Komponenten, seine Komposition aus verschiedenen Volumen, den \u00fcber dem Erdgeschoss versetzten und mit gro\u00dfen Betontr\u00e4gern aufgesetzten Obergeschossen, seine bis ins Detail ausgearbeitete Skulpturalit\u00e4t der Sichtbetonelemente. W\u00e4re es m\u00f6glich, Denkmalschutz und Offenheit f\u00fcr \u00c4nderungen anders zu kombinieren, dann k\u00f6nnte auch das Haus von Rolf Gutbrod am Kleinen Schlossplatz in direkter Nachbarschaft unter Denkmalschutz stehen, wo ebenfalls beim sp\u00e4teren Umbau stark in die Substanz eingegriffen wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erneut ist ein prominentes Geb\u00e4ude vom Abriss-Alltag betroffen. 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