{"id":1049147,"date":"2026-05-27T05:45:14","date_gmt":"2026-05-27T05:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1049147\/"},"modified":"2026-05-27T05:45:14","modified_gmt":"2026-05-27T05:45:14","slug":"1980-pandas-in-berlin-kurz-die-dinger-sind-suess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1049147\/","title":{"rendered":"1980: Pandas in Berlin \u2013 \u201ekurz, die Dinger sind s\u00fc\u00df\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Pandas kamen am 5. November 1980 in Berlin an \u2013 ein Geschenk Chinas an Deutschland. Sie wurden sofort die Lieblinge des Zoopublikums. Doch es gab auch politische Facetten. Die neue Folge unserer Serie zu 80 Jahren WELT.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Auflauf an diesem Mitwoch \u00fcbertraf alles, was Berlin in den vorangegangenen Jahren bei offiziellen Terminen erlebt hatte: Stra\u00dfenkreuzer der US-Mission und Dienstwagen des Senatsprotokolls bildeten die Kulisse auf dem Flughafen Tempelhof. Journalisten von mehr als hundert Zeitungen und Radiosendern, dazu acht Fernseh-Teams einschlie\u00dflich der US-Milit\u00e4rstation AFN berichteten \u00fcber das Ereignis. Selbst der amerikanische Stadtkommandant, Generalmajor Calvert Benedict, erschien zur Begr\u00fc\u00dfung. <\/p>\n<p>Dabei war am Mittag des 5. November 1980 an sich nur eine normale Transportmaschine der US Air Force aus Frankfurt\/Main kommend gelandet. Doch sie brachte eine ungew\u00f6hnliche Fracht in die geteilte Stadt: Tian Tian (auf Deutsch: \u201eHimmelchen\u201c) und <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20070318022745\/http:\/\/www.zoo-berlin.de\/erleben\/tierportraits\/bao-bao.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/web.archive.org\/web\/20070318022745\/http:\/\/www.zoo-berlin.de\/erleben\/tierportraits\/bao-bao.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Bao Bao<\/a> (\u201eSch\u00e4tzchen\u201c), zwei Gro\u00dfe Pandas, die ab sofort im Berliner Zoo leben sollten. <\/p>\n<p>Den beiden B\u00e4ren, die mit ihrem wei\u00dfen Fell und gro\u00dfen schwarzen Flecken wie Teddyb\u00e4ren wirkten, schien der ganze Wirbel nichts auszumachen. Ebenso wenig wie der insgesamt 22 Stunden lange Flug aus Chengdu nach Berlin. Ein VW-Bulli brachte die beiden K\u00e4fige der Pandas von Tempelhof nach Charlottenburg, wo sie zun\u00e4chst getrennt voneinander ihr eigens gebautes Luxus-Apartment bezogen: vier Zimmer, je einen Wohn- und einen Schlafraum pro Panda, dazu ein gemeinsames Schwimmbad und einen Spielplatz; Gesamtkosten: 750.000 Mark.<\/p>\n<p>\u201eKaum ein Tier ist eine gr\u00f6\u00dfere Sensation f\u00fcr einen Zoo als das <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/zoos.media\/zoos-retten-arten\/ailuropoda-melanoleuca-grosser-panda\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/zoos.media\/zoos-retten-arten\/ailuropoda-melanoleuca-grosser-panda\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Ailuropoda Melanoleuca<\/a>, das seit 20 Millionen Jahren in den nasskalten Rhododendron- und Bambusw\u00e4ldern der chinesischen Provinz Szetschuan an der tibetischen Grenze als Relikt einer fr\u00fchen Entwicklungsstufe \u00fcberlebt und t\u00e4glich 20 Kilo Bambus kaut\u201c, erkl\u00e4rte WELT-Redakteur Detlev Ahlers den Lesern. Und f\u00fcgte hinzu: \u201eDer rundliche Kopf, die kurzen Extremit\u00e4ten, die weiche Haut und die mit der schwarzen Umrandung \u00fcberproportional gro\u00dfen Augen sind ein Kindchenschema \u2013 kurz, die Dinger sind s\u00fc\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Zwei Tage gab man ihnen zur Eingew\u00f6hnung in ihr neues Heim, dann durften am Wochenende zum ersten Mal Zoobesucher durch Glasw\u00e4nde den beiden Pandas zusehen. Es wurde ein ungeheurer Ansturm: Mehr als 15.000 Menschen dr\u00e4ngten zu dem gro\u00dfen Gehege der B\u00e4ren. Zu den Besuchern z\u00e4hlten Bundeskanzler <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/archiv-artikel\/wie-kanzler-helmut-schmidt-berlins-panda-papa-wurde\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bz-berlin.de\/archiv-artikel\/wie-kanzler-helmut-schmidt-berlins-panda-papa-wurde&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Helmut Schmidt<\/a> und seine Frau Loki. Doch sie sahen nicht allzu viel: Bao-Bao knabberte an einem Apfel, Tian-Tian zeigte sich nicht. <\/p>\n<p>Erst als der Bundeskanzler gegangen war, schlug \u201eSch\u00e4tzchen\u201c zur Freude der Zuschauer einige Purzelb\u00e4ume. Helmut Schmidt nahm es gelassen und kommentierte: \u201eDie machen so wenig Krach. Man sollte sie in den SPD-Parteivorstand w\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Der Kanzler hatte daf\u00fcr gesorgt, dass der Berliner Zoo zu den beiden Tieren kam. Denn die Pandas waren ein Staatsgeschenk an den deutschen Regierungschef. Im Oktober 1979 hatte der Ministerpr\u00e4sident der Volksrepublik China Deutschland besucht\u00a0\u2013 und unter anderem gleich mehrere stundenlange Gespr\u00e4che mit Helmut Schmidt in kleinem Kreis gef\u00fchrt. Die beiden Politiker verstanden sich offensichtlich gut. <\/p>\n<p>Am Ende des letzten Gespr\u00e4chs, am 24. Oktober 1979 kurz vor ein Uhr, verst\u00e4ndigten sich die beiden Regierungschefs \u00fcber die Mitteilung an die Presse: \u201eBei dieser Gelegenheit sollte auch erw\u00e4hnt werden: 1. das Geschenk der zwei Pandab\u00e4ren; 2. die Tatsache, dass Ministerpr\u00e4sident Hua den Bundeskanzler zu einem Besuch in der VR China eingeladen hat.\u201c Bei einer Pressekonferenz sagte der Gast dann noch: \u201eIch hoffe, die Pandas werden den Deutschen Freude bereiten.\u201c<\/p>\n<p>Doch in welchen deutschen Zoo sollten sie kommen? Hua hatte laut eigenen \u00f6ffentlichen Angaben West-Berlin nicht besucht, weil die deutschen Gastgeber diesen Abstecher nicht eingeplant h\u00e4tten. Das l\u00f6ste Ver\u00e4rgerung bei der CDU\/CSU-Opposition aus, die dem SPD-Kanzler vorwarf, die Interessen der geteilten Stadt zu vernachl\u00e4ssigen. Immerhin w\u00e4re der Besuch des zweitm\u00e4chtigsten Repr\u00e4sentanten der Volksrepublik zu <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article236947609\/Deng-Xiaoping-Um-seine-Macht-zu-demonstrieren-liess-Deng-55-000-Soldaten-sterben.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article236947609\/Deng-Xiaoping-Um-seine-Macht-zu-demonstrieren-liess-Deng-55-000-Soldaten-sterben.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einer Zeit schwerer Spannungen zwischen Moskau und Peking <\/a>ein klares Signal gewesen.<\/p>\n<p>Obwohl sich die Zoologischen G\u00e4rten von Duisburg, Frankfurt und Krefeld sowie Tierparks in K\u00f6ln, Stuttgart, M\u00fcnchen und Hamburg um die beiden Pandas bem\u00fchten, die in einigen Monaten nach Deutschland kommen sollten, entschied Schmidt sich f\u00fcr Berlin. Die offizielle Begr\u00fcndung lautete: \u201eWeil es in Berlin so viele \u00fcberzeugte Zoog\u00e4nger gibt und der B\u00e4r schlie\u00dflich Berlins Wappentier ist.\u201c Tats\u00e4chlich aber ging es wohl um Schadensbegrenzung.<\/p>\n<p>Nun musste die passende Unterkunft errichtet werden: An der Nordseite des kleinen Raubtierhauses im traditionsreichsten deutschen Tierpark entstand in Rekordzeit eine Villa f\u00fcr die Pandas. Ohne b\u00fcrokratische Hemmnisse, und sogar die Dreiviertelmillion f\u00fcr die Baukosten stand bereit.<\/p>\n<p>Inzwischen waren Bao Bao und Tian Tian in der chinesischen Provinz Szetschuan gefangen worden und warteten im Zoo auf den Transport nach Deutschland. Er startete am 3. November: 18 Stunden Flug mit einer Linienmaschine der Lufthansa nach Frankfurt, dort der Wechsel auf eine US-Maschine \u2013 wegen sowjetischer Vorbehalte durften nur Flugzeuge der westlichen Siegerm\u00e4chte des Zweiten Weltkriegs <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255744124\/Ohrenbetaeubender-Laerm-Sowjets-attackieren-Berlin-1965-mit-Ueberschall-Duesenjaegern.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255744124\/Ohrenbetaeubender-Laerm-Sowjets-attackieren-Berlin-1965-mit-Ueberschall-Duesenjaegern.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Luftkorridore nach West-Berlin<\/a> benutzen, weder deutsche noch Maschinen aus anderen Staaten. Dort angekommen, folgten der Empfang und der Weitertransport in den Zoo.<\/p>\n<p>Dreieinviertel Jahre sp\u00e4ter jedoch starb Tian Tian. Die Pandab\u00e4rin erlag am 8. Februar 1984 einer Gehirnhautentz\u00fcndung. In seiner letzten Amtshandlung als Regierender B\u00fcrgermeister vor seinem R\u00fccktritt wegen der Kandidatur als Bundespr\u00e4sident beklagte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article231737923\/Richard-von-Weizsaecker-Durchstarter-erst-mit-61-Jahren.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article231737923\/Richard-von-Weizsaecker-Durchstarter-erst-mit-61-Jahren.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Richard von Weizs\u00e4cker<\/a> den Tod \u201eeiner der gro\u00dfen Pers\u00f6nlichkeiten der Stadt\u201c. Bao Bao musste fortan meist alleine leben, denn alle Versuche scheiterten, eine andere B\u00e4rin dauerhaft nach Berlin zu holen.<\/p>\n<p>1991 bis 1993 war der Panda an den Zoo in London ausgeliehen, doch zu einer erfolgreichen Paarung mit Ming Ming kam es nicht. 1995 schickte China f\u00fcr zun\u00e4chst f\u00fcnf Jahre die B\u00e4rin Yan Yan nach Berlin \u2013 doch sie starb nach insgesamt zw\u00f6lf Jahren in Deutschland 2007 \u00fcberraschend an einer Darmverstopfung. Bao Bao war wieder alleine, schlief t\u00e4glich zehn Stunden und fra\u00df in der \u00fcbrigen Zeit fast st\u00e4ndig langsam vor sich hin. 2012 starb der etwa 34-j\u00e4hrige Pandab\u00e4r an Krebs. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter erhielt Berlin wieder ein Panda-P\u00e4rchen, nun aber nur noch als Leihgabe. 2019 kamen zwei Panda-Jungs auf die Welt, 2024 zwei M\u00e4dchen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei Pandas kamen am 5. November 1980 in Berlin an \u2013 ein Geschenk Chinas an Deutschland. 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