{"id":1049539,"date":"2026-05-27T09:38:19","date_gmt":"2026-05-27T09:38:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1049539\/"},"modified":"2026-05-27T09:38:19","modified_gmt":"2026-05-27T09:38:19","slug":"laute-sichtbarkeit-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1049539\/","title":{"rendered":"Laute Sichtbarkeit \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Zwei B\u00fchnen, siebzig St\u00e4nde und acht Stunden Zeit. Auf dem Marktplatz findet am Samstag, den 30. Mai zwischen 14 und 22 Uhr das mittlerweile siebte \u00bbFrauen*Flinta*Festival\u00ab in Leipzig statt. Neben Musik aus verschiedenen Genres, wie Hip-Hop, Disco, Funk und Gospel wird es St\u00e4nde, Lesekreise und eine Podiumsdiskussion geben.<\/p>\n<p>\u00bbEs gibt kein Zur\u00fcck! Ohne uns keine Zukunft!\u00ab lautet das Motto in diesem Jahr. Es soll Sichtbarkeit f\u00fcr die Gleichstellung und Selbstbestimmung von Flinta-Personen schaffen. Gleichzeitig positionieren sich die Veranstaltenden gegen die Zunahme menschenfeindlicher Meinungen und den global wachsenden, ultra-konservativen Block. Mit dem Motto rekurriert es au\u00dferdem auf seine Anf\u00e4nge. Aus der Initiative der Gr\u00fcnenmitglieder im Stadtrat, Katharina Krefft und Gesine M\u00e4rtens, entstand das erste Festival 2015, um ein Gegengewicht zur 1000-Jahr-Feier anl\u00e4sslich der Leipziger Stadtrechtsverleihung auf dem Stadtfest zu bilden. Auf der Webseite der Festivalleitung hei\u00dft es: \u00bb1000 Jahre Leipzig wurden m\u00f6glich durch Kraft, Beharrlichkeit, Kreativit\u00e4t und den Mut zu Ver\u00e4nderungen von Menschen. Meistens stehen aber bei der W\u00fcrdigung nur die Leistungen von M\u00e4nnern im Vordergrund.\u00ab Vor allem \u00fcber Musik sollte diese Schieflage korrigiert werden. Dass das Festival damals wie heute diese aktivistische Haltung einnimmt, zeigte sich alsbald in der Abgrenzung seitens des Stadtfests. Die entsprechenden Veranstaltenden h\u00e4tten die Verantwortlichen des Festivals darum gebeten, die Inhalte auf der B\u00fchne doch \u00bbnicht ganz so politisch\u00ab zu gestalten. Das berichten Arzu Cornelia Tarhan und Christine Rietzke im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer. Beide sind Mitglieder des Vereins Frauenkultur, der neben dem Werk 2-Verein, der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft und dem Verein Lebenszeiten das Festival auf die Beine stellt. Nach dem Hinweis der Veranstaltenden h\u00e4tte es die Abspaltung vom Stadtfest gegeben, wodurch das Festival ab dem zweiten Jahr zu einem eigenen Termin, unabh\u00e4ngig vom Stadtfest, stattfand.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnungsrede zur Veranstaltung h\u00e4lt dieses Jahr die Leipziger Kulturb\u00fcrgermeisterin und OBM-Kandidatin Skadi Jennicke. Dazu sprechen Leipzigs Gleichstellungsbeauftragte Mandy Uhlig und die Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch. Das musikalische Programm setzt sich aus einer Reihe nationaler und internationaler Acts zusammen. Unter anderem bespielen die ukrainische Hip-Hop-Gruppe Fo Sho, der Frauenchor Canta Animata sowie die Disco- und Soul-K\u00fcnstlerin Deslin Ami Kaba die zwei B\u00fchnen. Au\u00dferdem kommen die Rapperin Futurebae und DJ Beb\u00e9 G, die Afrobeats, RnB und Hip-Hop auflegt. Rundherum stehen die gesamte Zeit \u00fcber 70 Vereine und Initiativen bereit, die allesamt zu verschiedenen Mitmachangeboten einladen \u2013 von einer feministischen Leseecke der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft \u00fcber Infost\u00e4nde unterschiedlicher feministische Vereine bis hin zu einer Podiumsdiskussion, in der es um die Frage geht, wie sich eine Bewegung f\u00fcr Gleichberechtigung vor Grabenk\u00e4mpfen sch\u00fctzen kann. Als Highlight verweist Rietzke auf die Gruppe Masketiere, die mit \u00fcberdimensionalen Kost\u00fcmen einen sogenannten Walking Act performen werden. <\/p>\n<p>Auf den Marktplatz als Veranstaltungsort fiel die Wahl aus zwei Gr\u00fcnden. Zum einen wolle man an den emanzipatorischen Ursprung vom 2015er Stadtfest ankn\u00fcpfen und zum anderen einen Ort finden, der f\u00fcr so viele Menschen wie m\u00f6glich zug\u00e4nglich ist, erkl\u00e4rt Tarhan. Auf dem Markt erreiche man die Menschen, die im Alltag weniger Ber\u00fchrungspunkte mit feministischen Diskursen h\u00e4tten. Das spiegelt sich ebenso in der kombinierten Namensgebung aus \u00bbFrauen\u00ab und \u00bbFlinta\u00ab wider. \u00bbWir wollen mittenrein in die Leute, die sonst seltener davon mitbekommen\u00ab, sagt sie. Mitten in der Innenstadt einen Safe Space f\u00fcr ein feministisches Festival zu schaffen, sei eine Herausforderung. Laut Tarhan k\u00f6nne das \u00fcber die Artists, St\u00e4nde, das Publikum und \u00fcber das breit aufgestellte Awareness-Team geschaffen werden. Rietzke verweist darauf, dass letzteres in diesem Jahr so gro\u00df sei wie noch nie. Mit mehreren Schichten \u00e0 zwei bis vier Personen, die eine erste Anlaufstelle f\u00fcr Schutzsuchende seien.<\/p>\n<p>Die Moderation des Festivals \u00fcbernimmt Autorin und Comedienne Katharina Linnepe, die laut Rietzke, bei aller Feierlichkeit, immer wieder \u00bbden Finger in die Wunde\u00ab legen und Br\u00fccken zum ernsten Hintergrund der Veranstaltung schlagen wird. Denn: eine weitere zentrale Forderung im Programm der Organisation bezieht sich auf ein Leben ohne strukturelle Gewalt. Das Thema soll durch die Angebote \u00fcber den gesamten Tag hinweg angesprochen werden. \u00bbGewalt durchzieht unseren Alltag in jeder Form\u00ab, stellt Rietzke fest. Zum Beispiel in Form von sexualisierter Gewalt gegen\u00fcber jungen Menschen. Sie erz\u00e4hlt, dass Erfahrungen aus Workshops mit Kindern und Jugendlichen zeigen w\u00fcrden, wie allgegenw\u00e4rtig die Gewaltform in dieser Altersgruppe ist. \u00bbVielen f\u00e4llt es zudem schwer, das Erlebte \u00fcberhaupt als Gewalt zu erkennen und klar zu benennen.\u00ab Dabei spannt sie einen Bogen ins Gro\u00dfe. Die weltweit wachsenden ultra-konservativen Bestrebungen seien eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die Emanzipation von Flinta-Personen. \u00bbNiemand, der vom Patriarchat bevorteilt wird, gibt diese Macht gern auf\u00ab, bedauert sie. Dazwischen liegen laut ihr Fragen wie: \u00bbWie werden Bilder erzeugt? Auf welche Art und Weise Stra\u00dfenraum geschaffen oder Wohnen organisiert? Wie wird Geschichte geschrieben? Auf tausenderlei Art und Weise gibt es strukturelle, patriarchale Gewalt.\u00ab <\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber gebe es dennoch Hoffnung, betont Tarhan. Die erste M\u00e4nnerdemo einen Tag vor dem internationalen Frauentag 2026 in Wien oder die Protestaktion \u00bbM\u00e4nner gegen Gewalt\u00ab am Himmelfahrtstag in Berlin w\u00fcrden zeigen, dass ein gr\u00f6\u00dfer werdender Teil der Gesellschaft das patriarchale Bollwerk aufzubrechen versucht. Auch das Leipziger \u00bbFrauen*Flinta*Festival\u00ab k\u00f6nne seinen Beitrag dazu leisten. <\/p>\n<p>&gt; Frauen- und Flinta- Festival, 30.5., Marktplatz,\u00a0<br \/><a href=\"https:\/\/www.leipzigerfrauenfestival.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.leipzigerfrauenfestival.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei B\u00fchnen, siebzig St\u00e4nde und acht Stunden Zeit. Auf dem Marktplatz findet am Samstag, den 30. 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