{"id":105071,"date":"2025-05-12T15:52:10","date_gmt":"2025-05-12T15:52:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/105071\/"},"modified":"2025-05-12T15:52:10","modified_gmt":"2025-05-12T15:52:10","slug":"der-politikwissenschaftler-herfried-muenkler-legt-ein-neues-buch-vor-das-viele-deutsche-provozieren-muss-deutschland-und-die-russland-frage-griff-zur-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/105071\/","title":{"rendered":"Der Politikwissenschaftler Herfried M\u00fcnkler legt ein neues Buch vor, das viele Deutsche provozieren muss: Deutschland und die Russland-Frage: Griff zur Macht"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_literatur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Literatur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 12.05.2025, 16:57 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autoren\/9784\/\" title=\"Zur Autorenseite von Michael Hesse\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" hesse=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Michael Hesse<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/38102861-menschen-im-bahnhof-ein-junger-bundeswehrsoldat-der-luftwaffe-und-ein-ziviler-begleiter-ste.jpeg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\" Ein junger Bundeswehrsoldat der Luftwaffe und ein ziviler Begleiter stehen in einer n&#xE4;chtlichen Bahnhofsgastst&#xE4;tte in Westdeutschland. Sie betrachten gemeinsam einen Ausweis oder ein Dokument. Auf dem Tisch davor stehen zwei Gl&#xE4;ser Bier. Aufnahme aus den fr&#xFC;hen 1960er-Jahren. \"\/>Zivilist und Soldat in den fr\u00fchen 1960er-Jahren, als die Wiederaufr\u00fcstung alles andere als selbstverst\u00e4ndlich war.  \u00a9\u00a0Imago Images<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Der Politikwissenschaftler Herfried M\u00fcnkler legt ein Buch vor, das viele Deutsche provozieren muss. Von Michael Hesse<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Wird er wirklich auf ihn warten? Mit leicht nassen H\u00e4nden vor Aufregung, ob er auch kommen wird? Aber es ist nicht ein Liebhaber, der kommen soll. Es ist der Feind. Die Rede ist von Wolodymyr Selenskyj, dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten, der in Istanbul auf Wladimir Putin, seinen russischen Amtskollegen, warten will. So hat er es angek\u00fcndigt. Putin hat den Vorschlag gemacht, sich am Donnerstag dort zu treffen und \u00fcber Krieg und Frieden zu sprechen. Es geht also um alles \u2013 oder nichts. Der russische Angriff auf die Ukraine, der eigentlich bereits im Jahr 2014 begann, hat nicht allein zu einer Neubewertung der Sicherheitslage gef\u00fchrt, er hat vor allem ganze Gesellschaftszweige voneinander entfernt.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">In der Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c wurde in der vergangenen Woche ein Debattenbeitrag abgedruckt, der die Forderung aufstellte, man m\u00fcsse mal \u00fcber Aufr\u00fcstung reden und diese nicht als unhinterfragbares Faktum der Vernunft darstellen. Diesen Fehler habe man ja bereits in der Pandemie gemacht und auch in Bezug auf unterlassene Gespr\u00e4che mit dem Kreml, als dieser seine Truppen l\u00e4ngst in der Ukraine stehen hatte. Unterzeichnet haben den Beitrag unter anderem die Schriftstellerin Juli Zeh und der Wiener Philosophie-Professor Robert Pfaller. Eine gro\u00dfe Welle hat der Beitrag nicht geschlagen, doch es gab einerseits in der \u201eZeit\u201c-Redaktion Widerspruch.  Zum anderen meldete sich der Milit\u00e4rexperte Carlo Masala, der erkl\u00e4rte: Wir m\u00fcssen reden, klar, aber nicht so.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Doch wie soll man reden? Deutschland ist ein Land, das starke pazifistische Str\u00f6mungen aufweist, nicht ohne Grund, wie ein Blick auf zwei Weltkriege verr\u00e4t. Andererseits hat auch US-Pr\u00e4sident Donald Trump mittlerweile bemerkt, dass Putin andere Ziele verfolgt, als etwa Juli Zeh oder Robert Pfaller glauben: Putin wolle das \u201eganze Ding\u201c, sagte Trump jetzt vor Unternehmern. Damit war die ganze Ukraine gemeint. Das hei\u00dft, Putin will sie in ihrer jetzigen Form zerst\u00f6ren. \u00dcber diese Aggression kann man nicht hinwegsehen, selbst wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass der Westen Russland in den 1990er Jahren hoch und heilig versprochen habe, die Nato nicht Richtung Osten zu erweitern.<\/p>\n<p>Die deutsche Z\u00f6gerlichkeit<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Was also tun? Eine Antwort hat Herfried M\u00fcnkler, emeritierter Politikwissenschaftler und Spezialist f\u00fcr politische Ideengeschichte, in seinem j\u00fcngsten Buch \u201eMacht im Umbruch\u201c vorgelegt. Darin geht es um Deutschlands Rolle in Europa und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, so der Untertitel. M\u00fcnkler vollzieht darin nicht nur eine R\u00fcckbesinnung auf das geopolitische Denken. Vielmehr entwirft er eine Diagnose des gegenw\u00e4rtigen Umbruchs der internationalen Ordnung, in der alte Gewissheiten \u2013 von der Pax Americana \u00fcber das Primat des V\u00f6lkerrechts bis zur Idee des \u201eWandel durch Handel\u201c \u2013 dramatisch an Geltung verlieren. Seine These ist klar: Wer sich heute nicht auf eine Welt der Machtkonflikte einstellt, wird nicht \u00fcber sie mitreden k\u00f6nnen. Und schon gar nicht gestalten.        <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">W\u00e4hrend autorit\u00e4re M\u00e4chte wie China und Russland gezielt und strategisch auf Machterweiterung hinarbeiten, reagiert Deutschland h\u00e4ufig defensiv, moralisch \u00fcberformt, wie M\u00fcnkler meint, z\u00f6gerlich \u2013 kurz: machtvergessen. Diese Haltung erkl\u00e4rt sich aus der historischen Hypothek des 20. Jahrhunderts. Doch M\u00fcnkler argumentiert, dass diese Tradition der Zur\u00fcckhaltung unter den Bedingungen einer entgrenzten und fragmentierten Weltordnung zunehmend dysfunktional ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Deutschland sei, so M\u00fcnkler, nicht mehr der Zuschauer im Konzert der M\u00e4chte, sondern \u2013 aufgrund seiner \u00f6konomischen St\u00e4rke und geopolitischen Lage \u2013 l\u00e4ngst ein Akteur, der Verantwortung \u00fcbernehmen m\u00fcsse. Diese Verantwortung lasse sich jedoch nicht mehr in der Sprache normativer Appelle oder \u00f6konomischer Soft Power artikulieren, sondern erfordere ein Denken, das \u201eInteressen\u201c nicht als Schimpfwort, sondern als strategischen Imperativ versteht. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">        Die EU, so M\u00fcnkler, hat \u00fcber Jahrzehnte hinweg ein Modell der Machtvermeidung kultiviert. Sie hat aus ihrer Geschichte den Schluss gezogen, dass Machtkonzentration gef\u00e4hrlich sei \u2013 und sich stattdessen auf ein regelbasiertes, multilaterales System verlassen. Doch in einer Welt, in der Regeln immer \u00f6fter von den St\u00e4rkeren geschrieben oder ignoriert werden, sei diese Strategie nicht mehr tragf\u00e4hig. Europa m\u00fcsse lernen, \u201emit einer Stimme\u201c zu sprechen, fordert M\u00fcnkler, und das gehe nur, wenn Deutschland seine F\u00fchrungsrolle anerkenne \u2013 und sie auch aus\u00fcbe.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Einen Weg sieht er in der Wiederbelebung des \u201eWeimarer Dreiecks\u201c, jener Verbindung von Paris, Warschau und Berlin. W\u00e4hrend Paris und Warschau die Schwingen dieses B\u00fcndnisses seien, k\u00f6nne Berlin den Leib bilden, an dem diese Halt finden. Genau das ist ja ein Ziel der neuen Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Die offene Frage ist, wie gro\u00df die Gemeinsamkeiten sein werden und ob sich nicht doch Interessensgegens\u00e4tze besonders zwischen Deutschland und Frankreich durchsetzen, die bereits Ex-Kanzler Scholz und auch Ex-Kanzlerin Merkel auf Distanz zu Paris brachten.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">M\u00fcnkler schreibt nicht alarmistisch, aber mit einer leisen Dringlichkeit. Er beschreibt, wie Macht heute funktioniert \u2013 und wie die alten Modelle der Machtaus\u00fcbung zur\u00fcckkehren: \u00fcber territoriale Kontrolle, \u00fcber Rohstoffabh\u00e4ngigkeiten, \u00fcber milit\u00e4rische Pr\u00e4senz und technologische Standards. Die liberale Weltordnung, einst als unumkehrbar gedacht, steht zur Disposition. Das bedeutet nicht das Ende des Multilateralismus \u2013 aber dessen Rahmenbedingungen haben sich verschoben.<\/p>\n<p>Ein unbequemes Buch in schwieriger Zeit<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">M\u00fcnklers Buch ist ein Versuch, die Fundamente au\u00dfenpolitischen Denkens neu zu vermessen \u2013 allerdings setzt es in entscheidenden Fragen auf eine Rationalit\u00e4t von politisch Verantwortlichen, nicht dem eigenen Land schaden zu wollen. In den USA l\u00e4sst sich gerade beobachten, dass eine Regierung durchaus bereit ist, einer Politik zu folgen, bei der das eigene Land Nachteile hat. Einige haben M\u00fcnkler vorgeworfen, die R\u00fcckkehr zur Machtpolitik allzu bereitwillig zu akzeptieren und die normativen Ressourcen liberaler Ordnungen zu untersch\u00e4tzen. Zudem habe er vor einigen Jahren noch genau das Gegenteil geschrieben, dass die Zeit der Geopolitik endg\u00fcltig vor\u00fcber sei. So kann man sich irren. Aber Geschichte ist nun einmal kein teleologisch strukturierter Prozess, daran hat Karl Marx noch geglaubt, heute z\u00e4hlt dies zu den Mythen der Geschichtstheorie. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">M\u00fcnkler ist in seiner Prognose auffallend vorsichtig. Es kann ja auch alles anders kommen. Rechtsradikale Str\u00f6mungen k\u00f6nnen in Paris die Macht an sich ziehen, in Polen war das ja vor dem Wahlerfolg von Donald Tusk der Fall. Was dann? Die derzeitige Ann\u00e4herung Gro\u00dfbritanniens an die EU in machtpolitischer Hinsicht hat M\u00fcnkler bereits im Blick. Darin liegt in der Tat eine Chance. Europa wirkt wieder etwas st\u00e4rker. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eMacht im Umbruch\u201c ist ein unbequemes Buch. Es fordert dazu heraus, das eigene Selbstverst\u00e4ndnis zu \u00fcberdenken. Es ist ein Appell, sich auf die Regeln eines Spiels einzulassen, das andere l\u00e4ngst wieder spielen. Aber muss man solche \u201eSpiele\u201c um jeden Preis so spielen wie die anderen? Das ist die gro\u00dfe Frage unserer Zeit. Wie verhindert man Erpressungen von einem Land, das sich die Aggression auf die Fahnen geschrieben hat, ohne selbst in blinden Militarismus zur\u00fcckzufallen?  <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Eines ist klar, wer Macht gestalten will, darf sie nicht einfach tabuisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Literatur Stand: 12.05.2025, 16:57 Uhr Von: Michael Hesse DruckenTeilen Zivilist und Soldat in den fr\u00fchen 1960er-Jahren,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":105072,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-105071","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114495667920429049","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105071"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105071\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/105072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=105071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=105071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}