{"id":1050878,"date":"2026-05-27T22:51:26","date_gmt":"2026-05-27T22:51:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1050878\/"},"modified":"2026-05-27T22:51:26","modified_gmt":"2026-05-27T22:51:26","slug":"stuttgarter-oberbuergermeister-hallo-hallo-hallo-so-spricht-frank-nopper-mit-den-leuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1050878\/","title":{"rendered":"Stuttgarter Oberb\u00fcrgermeister: Hallo! Hallo! Hallo! &#8211; So spricht Frank Nopper mit den Leuten"},"content":{"rendered":"<p> Fast w\u00e4re er an dem Mann am Marktplatz Neugereut vorbeigerannt, da dreht <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Frank_Nopper\" title=\"Frank Nopper\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frank Nopper<\/a> sich noch auf dem Absatz um, scannt aus den Augenwinkeln den Aufdruck auf der Fensterscheibe und sagt: \u201eHallo! Wie geht&#8217;s mit der Fahrschule?\u201c &#8211; \u201eIch wollt scho&#8216; sagen, der l\u00e4uft einfach vorbei!\u201c, antwortet der Angesprochene scherzhaft. Und dann: \u201eAch, es kommt doch alles net so schlimm wie gedacht!\u201c &#8211; \u201eJaja\u201c, sagt Nopper, \u201emanches kommt nicht ganz so dramatisch wie es aussieht.\u201c Dann geht&#8217;s weiter im Eilschritt, einen Stapel Stadtteilbl\u00e4ttle im Arm.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Oberb%C3%BCrgermeister\" title=\"Oberb\u00fcrgermeister\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Oberb\u00fcrgermeister<\/a> \u2013 Anzug, Krawatte, Einstecktuch \u2013 hat sich an diesem Nachmittag bei leichtem Schauer f\u00fcr ein St\u00fcndchen in den n\u00f6rdlichen Au\u00dfenbezirk kutschieren lassen. Er tr\u00e4gt mit dem Stadtseniorenrat Gerd Schmid den \u201eTreffpunkt Neugereut\u201c aus, und wahrscheinlich lassen sich bei diesem Kleinklein rechts vom Neckar gleich ein paar Merkmale der Nopper&#8217;schen Kommunikationsstrategie beobachten: Der OB will ran an die Leut\u2019, zumindest verbal, weshalb er jedem, der direkt oder am Rande seine Wege kreuzt sein \u201eHallo! Hallo! Hallo!\u201c entgegen ruft.\ufeff<\/p>\n<p>Da st\u00f6rt es ihn auch nicht, dass zwischen den 70er-Jahre-Hochh\u00e4usern Neugereuts tote Hose herrscht und nur wenige bestaunen k\u00f6nnen, wie bewundernswert rasant ihr OB das Bl\u00e4ttle in die Briefkastenschlitze verteilt. F\u00fcr ihn habe sich der Termin trotzdem gelohnt, wird Nopper, der schon mit 16 Jahre Wahlwerbung f\u00fcr den FDP-Grandseigneur Ralf Dahrendorf austrug, danach sagen. Als Zeichen der Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die ehrenamtliche Bl\u00e4ttle-Redaktion, aber auch als PR-Instrument: \u201eUntersch\u00e4tzen Sie die Mund-zu-Mund-Propaganda nicht.\u201c<\/p>\n<p>Nopper verglich Stuttgarter Grabkapelle mit dem Taj Mahal <\/p>\n<p>Seit vier Jahren ist der CDU-Mann nun im Amt und man tritt ihm nicht zu nahe, wenn man bilanziert, dass es zuletzt kommunikativ nicht immer ideal lief &#8211; zumindest auf den gro\u00dfen B\u00fchnen. Mit seiner <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.staedten-fehlt-geld-stuttgarts-ob-nopper-abschied-vom-schlaraffenland.62f260e1-2372-490d-8c4d-724bce8ec182.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201eAbschied-vom-Schlaraffenland\u201c-Aussage<\/a> l\u00f6ste Nopper viel Wut unter Menschen mit Behinderung aus. Die bezogen diese auf sich, dabei hatte der Oberb\u00fcrgermeister angeblich nur klar machen wollen, dass die fetten Haushaltsjahre halt vorbei sind \u2013 und zwar f\u00fcr alle. Auch die Rede beim Bundesparteitag der CDU im Februar in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> kam anders an als geplant: Frank Nopper verglich Stuttgart mit San Francisco und die Grabkapelle auf dem W\u00fcrttemberg mit dem Taj Mahal. Was eigentlich lokalpatriotisch und vielleicht sogar leicht augenzwinkernd gemeint war (der OB bekommt laut B\u00fcroleiter Winfried Klein Redeentw\u00fcrfe, aber \u00fcberarbeitet diese mit eigenen Ideen), entwickelte sich zum viralen Fremdsch\u00e4m-Hit.<\/p>\n<p>Nun muss man fairerweise erw\u00e4hnen, dass Fettn\u00e4pfchen f\u00fcr Politiker heute an jeder Social-Media-Ecke lauern. Bei Noppers Vorvorg\u00e4nger Wolfgang Schuster (CDU) fiel es wohl weniger auf, wenn dieser mal einen ungl\u00fccklichen Satz formulierte. Es berichteten vielleicht die Lokalzeitungen, kurz darauf beherrschte eine andere Schlagzeile die Debatte. Auch auf Bundesebene k\u00e4mpfen Politiker damit, dass das Internet nichts vergisst. Wenn Friedrich Merz in Angola deutsches Brot vermisst, verf\u00e4ngt sich das &#8211; millionenfach skaliert \u2013 im virtuellen Ged\u00e4chtnis. Frank Noppers Sprecher David Rau sagt, dass die Herausforderungen heute darin bestehen, teils in Echtzeit komplexe Sachverhalte pr\u00e4gnant und trotzdem differenziert auf den Punkt zu bringen. In dieser Dialektik liegt denn wahrscheinlich auch ein gewisses Fettn\u00e4pfchenpotenzial.<\/p>\n<p>Frank Nopper als \u201eradikalstes Gegenteil\u201c von <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Fritz_Kuhn\" title=\"Fritz Kuhn\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fritz Kuhn<\/a> <\/p>\n<p>F\u00fcr den Kommunikationswissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Frank_Brettschneider\" title=\"Frank Brettschneider\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frank Brettschneider<\/a> ist gerade <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.lied-der-jungen-arbeiter-deutsches-taj-mahal-noppers-virale-rede-wird-teil-von-neuem-stuttgart-song.4f809b6a-7225-4058-801a-60f794971d8e.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Noppers Taj-Mahal-Rede<\/a> symptomatisch f\u00fcr das, was ihm zufolge schief l\u00e4uft in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Kommunikation\" title=\"Kommunikation\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kommunikation<\/a> des Rathauschefs. \u201eZu viel Sch\u00f6nwetterkommunikation, zu wenige gro\u00dfe politische Linien\u201c, analysiert der Hohenheimer Forscher. Es werde nicht klar, welche Vision der Oberb\u00fcrgermeister f\u00fcr seine Stadt habe, wie er sie aus den multiplen Krisen dieser Zeit f\u00fchren wolle. Stattdessen lege er gro\u00dfes Gewicht auf die \u201eK\u00fcmmerer-Rolle\u201c, will sich der Sorgen der Leute annehmen. Das sei wichtig und richtig, Brettschneider lobt diese B\u00fcrgern\u00e4he explizit. Aber darin d\u00fcrfe sich das Tun und Reden eines Gro\u00dfstadt-Oberhaupts nicht ersch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.395b3902-a5d4-49cc-b6db-ff0da8cc5609.original1024.media.jpeg\"\/>     M\u00fcll, marode Schulen, Wohnungsnot \u2013 an drei Samstagen nimmt sich der Oberb\u00fcrgermeister in diesem Jahr Zeit f\u00fcr eine B\u00fcrgersprechstunde.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat Nopper eine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-rathaus-buergernaehe-im-losverfahren-so-lief-der-sprechtag-von-ob-frank-nopper.46d32e8d-0b47-4bb3-b937-11b5b0228450.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">wahre Charmeoffensive bei den Stuttgarterinnen und Stuttgartern gestartet<\/a> \u2013 und hebt sich insofern von seinem Vorg\u00e4nger Fritz Kuhn (Gr\u00fcne) ab, der Beobachtern eher als stringent, strategisch und wenig volksnah galt. Ein ehemaliger B\u00fcrgermeister soll gesagt haben, der aktuelle Amtsinhaber sei das \u201eradikalste Gegenteil\u201c von Fritz Kuhn. Bei \u00f6ffentlichen Reden spricht Nopper laut, bei Festivit\u00e4ten wie dem Wasen oder dem Weindorf zeigt er sich gerne. Wei\u00df er von jemandem den Namen, spricht er ihn fast schon penetrant damit an, zum Beispiel auf seinen Sommer-Spazierg\u00e4ngen mit B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern durch die Bezirke. <\/p>\n<p>In diesem Jahr empf\u00e4ngt er au\u00dferdem an drei Samstagen von 9 bis 21 Uhr die Stuttgarter im 15-Minuten-Takt, wenn auch nicht die ganzen zw\u00f6lf Stunden lang durchg\u00e4ngig. Es ist vielleicht seine Auslegung einer direktdemokratischen \u201ePolitik des Geh\u00f6rtwerdens\u201c \u00e0 la Winfried Kretschmann. Die Kommunikationswissenschaft w\u00fcrde wohl sagen, er lege einen Draht zwischen Sender und Empf\u00e4nger ohne st\u00f6rende Kan\u00e4le dazwischen.<\/p>\n<p> Nopper verspreche gerne Hilfe, aber diese komme nicht immer <\/p>\n<p>Einer, der nicht bei der Stadt Stuttgart arbeitet, aber in den vergangenen Jahren viele berufliche Termine mit ihm hatte, sagt: \u201eNopper will wirklich mit den Leuten reden\u201c, sei extrem b\u00fcrgernah. Allerdings erreiche er damit vor allem ein bestimmtes Klientel. \u201eBei J\u00fcngeren, die am Marienplatz abh\u00e4ngen, steht in deren Gesicht ein gro\u00dfes Fragezeichen, wenn Nopper spricht\u201c, sagt der Mann. Au\u00dferdem monieren manche, der OB verspreche oft Hilfe (\u201eWir nehmen es mit!\u201c), diese komme aber nicht immer an oder die Anliegen versandeten in der Verwaltung. Noppers Sprecher David Rau hingegen schickt auf Nachfrage eine Liste mit zehn exemplarischen W\u00fcnschen und Klagen der B\u00fcrger aus der Sommertour 2025 (E-Roller-Chaos, Parkpl\u00e4tzeschwund, B\u00e4dle-Sanierung), die erfolgreich bearbeitet wurden.<\/p>\n<p>Es ist aber l\u00e4ngst nicht so, dass Nopper sich nur um die \u201ekleinen Leute\u201c k\u00fcmmern will. Sein Terminkalender ist \u00fcbervoll mit Vereinstreffen, Firmenbesuchen, Kulturveranstaltungen. Auf jedes Treffen bereite sich der OB inhaltlich sorgf\u00e4ltig vor, sagt sein B\u00fcroleiter. Wobei er mit manchen Blasen etwas mehr fremdelt als mit anderen. Bei einer Podiumsdiskussion der Schriftstellervereinigung PEN Berlin Ende Februar im Stuttgarter Literaturhaus freut sich der Moderator \u00fcber Noppers Anwesenheit in der ersten Reihe. Auf die Frage, warum er da sei, sagt der Oberb\u00fcrgermeister dann etwas reserviert: \u201eWeil Sie mich eingeladen haben.\u201c<\/p>\n<p>Auch mit der heimischen Wirtschaftselite l\u00e4uft es diesen Krisenzeiten zwischen Stellenabbau und Gewerbesteuereinbruch nicht immer rund. Im Dezember 2025 ging IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Susanne Herre in die kommunikative Offensive. Kritisierte die Erh\u00f6hung der Gewerbesteuer und die schleppenden Genehmigungsverfahren in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und im Bauamt der Stadt. Sie nehme den OB \u201ezu wenig wahr\u201c, schalt Herre, ihr fehle die \u201eWirtschaftslinie\u201c. Nopper reagierte verschnupft. Verwies darauf, dass er gegen die Gewerbesteuererh\u00f6hung gestimmt habe, aber als OB kein \u201ewirtschaftspolitischer Wunderheiler\u201c sei.<\/p>\n<p> D\u00fcnnh\u00e4utig im SWR-Interview <\/p>\n<p>Kommunikationsprofi Frank Brettschneider findet denn auch, dass Frank Nopper sich schnell angegriffen f\u00fchle. Dass er viel d\u00fcnnh\u00e4utiger ist als Fritz Kuhn, beobachten auch andere. Als Beispiel gilt das missgl\u00fcckten Interview mit dem SWR 2024, als der Rathauschef auf Fragen nach Problemen in der Stadtverwaltung schimpfend (\u201eDas \u00e4rgert mich sehr. Ich bin wirklich extrem ver\u00e4rgert!\u201c) das Gespr\u00e4ch abbrach. Als OB sei er nun mal der Gesamtverantwortliche f\u00fcr das Verwaltungshandeln, damit m\u00fcsse er souver\u00e4ner umgehen, sagt Brettschneider: \u201eEverybody\u2019s Darling zu sein, funktioniert nicht.\u201c<\/p>\n<p>Dabei zeigt Nopper, dass er durchaus selbstironisch und locker sein kann, etwa auf seinem Insta-Account oder dem Tiktok-Auftritt der Stadt, wo er auch mal spielerisch mit Vorstellungen von seinem Arbeitsalltag umgeht. Als der Tiktoker @alper.46 schwadronierte, als B\u00fcrgermeister w\u00fcrde er alle Fahrradwege in Stuttgart sofort \u201ewegrei\u00dfen &#8211; nix Radwege \u00fcberall\u201c, lud der OB ihn kurzerhand zum Praktikum ein und zeigte das auf Instagram her. \ufeff<\/p>\n<p>Bei seinen Terminen vor Ort in den Wirtschaftsbetrieben bem\u00fcht sich Nopper ebenfalls um gute Stimmung. Zum Beispiel an einem Freitagmorgen, als er in Zuffenhausen die Firma Siemens besucht. Um 9.30 Uhr steigt der 64-J\u00e4hrige im blauen Anzug aus seinem Dienstwagen; einem Mercedes. \u201eSiemens bringt Licht ins Dunkel\u201c, verk\u00fcndet er; an dem Tag scheint die Sonne. Kurz danach beginnt er mit seinem Fragenmarathon an die Vertreter des Unternehmens: \u201eWas k\u00f6nnen wir tun, um Sie hier am Standort Stuttgart zu unterst\u00fctzen?\u201c, woraufhin ihm entgegnet wird: \u201eDie Autoindustrie st\u00e4rken!\u201c Sp\u00e4ter wird Nopper sagen, dass er \u00fcberzeugt sei, dass sich die Autoindustrie \u201eberappeln\u201c werde: \u201eSie wird anders und etwas kleiner zur\u00fcckkommen.\u201c<\/p>\n<p>Dann will er wissen, wie \u201eSiemensianer\u201c ticken. Welche Rolle Stuttgart und Baden-W\u00fcrttemberg bei Siemens spielten. Wo die erste Gesch\u00e4ftsstelle war. Wie viele Mitarbeiter 1894 f\u00fcr Siemens t\u00e4tig waren, als die Firma ihren ersten Standort in Stuttgart er\u00f6ffnet hat. Manches k\u00f6nnen ihm selbst die langj\u00e4hrigen Mitarbeitenden nicht beantworten. Ihnen geht es auch um etwas anderes: um Klimaneutralit\u00e4t, Fotovoltaik, W\u00e4rme, Energieneutralit\u00e4t, urbane R\u00e4ume, ein Wasserstoffprojekt am Stuttgarter Hafen, um eine Kooperation von Siemens und den Stadtwerken. Da wird Nopper stiller, er nickt nur noch gelegentlich.<\/p>\n<p> Titel sind f\u00fcr den Oberb\u00fcrgermeister wichtig <\/p>\n<p>Das Stilmittel der Vielfragerei setzt Nopper bei allen begleiteten Terminen ein. Ob das nun beim Bl\u00e4ttleverteilen in Neugereut ist (\u201eWie hoch ist die Auflage?\u201c &#8211; Wie oft erscheint das im Jahr?\u201c &#8211; \u201eWie viele Austr\u00e4ger gibt es?\u201c) oder beim Treffen mit Andreas Hofer, dem Chef der Internationalen Bauausstellung IBA, bei der langen Nacht der Museen (\u201eIst die Ausstellung etwas f\u00fcr Fachleute?\u201c, \u201eWas sagen Sie zum Tagblattturm?\u201c). Wer viel fragt, erf\u00e4hrt viel, das ist gut. Aber er muss auch weniger Antworten geben.<\/p>\n<p>Eine andere Auff\u00e4lligkeit ist der etwas anachronistisch wirkende Titel-Faible des Dr. Jur. Spricht er im Gemeinderat jemanden an, sagt er etwa \u201eStadtr\u00e4tin Schanbacher\u201c, B\u00fcrgermeisterkollegen nennt er \u201eHerr Verwaltungsb\u00fcrgermeister\u201c oder \u201eHerr Finanzb\u00fcrgermeister\u201c, zumindest, wenn Zuh\u00f6rer im Raum sind. Wobei das auch nicht immer zur gew\u00fcnschten Antwort f\u00fchrt. W\u00e4hrend des Rundgangs mit dem IBA-Chef wendet sich Nopper zwischendurch an \u201eunseren Baub\u00fcrgermeister\u201c, wie er Peter P\u00e4tzold nennt. Einmal sagt der Rathauschef: \u201eSie sind f\u00fcr alles zust\u00e4ndig, Herr Baub\u00fcrgermeister, genau wie ich.\u201c Woraufhin P\u00e4tzold erwidert: \u201eNein, da unterscheiden wir uns.\u201c<\/p>\n<p> Als junger Azubi wollte Nopper keinen Urlaub nehmen <\/p>\n<p>Bleibt noch der Anekdotenreichtum in der<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.irritation-im-stuttgarter-rathaus-dinge-die-andere-verbrechen-nopper-gibt-frust-antwort-in-kinder-interview.4aabe764-e0cf-4c5c-9b7b-72a5b9966c51.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Nopperschen Kommunikation<\/a>. Oder anders gesagt: Was dem Kretschmann die Arendt ist, ist dem Nopper seine Anekdote \u2013 wobei man ihn mit jeder ein bisschen besser kennenlernt. Zum Beispiel beim Besuch der Stauffenberg-Gedenkst\u00e4tte. Als er h\u00f6rt, dass Stauffenberg auf dem Eberhard-Ludwigs-Gymnasium (Ebelu) war, erz\u00e4hlt er, dass sein Vater dieses Gymnasium besuchte. Und Loriot \u00fcbrigens ebenfalls. Einer Frau vom Killesberg, die in der B\u00fcrgersprechstunde den M\u00fcll beklagt, erz\u00e4hlt Nopper, dass eine Ex-Freundin von ihm auch am Killesberg gewohnt habe. In Neugereut berichtet er im Nachhall der Fahrschulbegegnung, dass er als alter Bundeswehrler alle F\u00fchrerscheine habe \u201eau\u00dfer Panzer\u201c, bei Siemens, dass das Unternehmen seines Gro\u00dfvaters um die Ecke war. Ein anderes Mal gibt er zum Besten, dass er vor seinem Jurastudium eine Banklehre gemacht hat. Als die Ausbildungsleiterin ihn damals ermahnt, dass er seinen Urlaub eintragen soll, sagte er: \u201eNee, das brauche ich nicht, lieber will ich alle Filialen kennenlernen.\u201c<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/media.media.ac020b50-7526-45e8-aabb-10b32610b691.original1024.media.jpeg\"\/>     Zu viel Sch\u00f6nwetter, zu wenig gro\u00dfe politische Linie \u2013 das kritisiert der Forscher Frank Brettschneider von der Universit\u00e4t an der Kommunikation des OB.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Diese Alltagsplaudereien, in denen nicht jeder Begriff auf die Goldwaage gelegt wird, es mehr um verbale Griffigkeit denn um Political Correctness geht, bedient das Faible der Menschen f\u00fcr Volksn\u00e4he und Geschichtle. Aber w\u00e4hrend in der Einszueins-Kommunikation Leutseligkeit und zugespitzte Redewendungen oft gut ankommen, kann das auf offizieller Politikebene und auf den Erregungsplattformen des Internets mitunter nach hinten losgehen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Art der Kommunikation leicht als etwas onkelhaft, vielleicht auch oberfl\u00e4chlich abtun, andererseits spiegelt sich darin Noppers Methodik der anekdotischen Evidenz. Er will vom Erleben des Individuums aus Politik machen, sich den Dingen aus der Graswurzelperspektive heraus n\u00e4hern. Am Rande eines Termins erz\u00e4hlt er beispielsweise, wie er in den 80er Jahren als Student zusammen mit Siegfried Schoch eine Ortschronik seines Heimatbezirks Degerloch recherchierte. Er habe dabei viel verstanden, sagt der OB, zum Beispiel aus welchen politischen Bewegungen heraus die Vereine entstanden, welche Bedeutung sie bis heute in der Geschichte der Stadt und deren Gef\u00fcge haben. Und warum es sich deshalb lohnt, f\u00fcr sie Politik zu machen. Von der kleinen Empirie ins Theoretische und Gro\u00dfe zoomen: Frank Nopper kann das durchaus. Er sollte es wohl nur \u00f6fter tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fast w\u00e4re er an dem Mann am Marktplatz Neugereut vorbeigerannt, da dreht Frank Nopper sich noch auf dem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1050879,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,40583,224709,28439,51970,30,3930,3748,168895,1441,12811,92814],"class_list":["post-1050878","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-fettnaepfchen","tag-frank-brettschneider","tag-frank-nopper","tag-fritz-kuhn","tag-germany","tag-kommunikation","tag-oberbuergermeister","tag-schlaraffenland","tag-stuttgart","tag-taj-mahal","tag-topt"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116648993987410666","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1050878","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1050878"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1050878\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1050879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1050878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1050878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1050878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}