{"id":1051019,"date":"2026-05-28T00:10:15","date_gmt":"2026-05-28T00:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1051019\/"},"modified":"2026-05-28T00:10:15","modified_gmt":"2026-05-28T00:10:15","slug":"28-mai-tag-der-frauengesundheit-wechseljahre-und-dann-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1051019\/","title":{"rendered":"28. Mai, Tag der Frauengesundheit: Wechseljahre und dann \u2026? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Hitzewallungen, Schlaf- und Konzentrationsst\u00f6rungen, Stimmungsschwankungen \u2013 Frauen in den Wechseljahren erleben eine Vielzahl k\u00f6rperlicher und seelischer Ver\u00e4nderungen, auf die sie unterschiedlich reagieren: W\u00e4hrend die einen kaum etwas davon mitbekommen, f\u00fchlen sich andere so sehr beeintr\u00e4chtigt, dass sie \u00e4rztlich behandelt werden m\u00fcssen. Das ist Aufgabe von Expert:innen wie Dr. med. Julia Bartley vom Universit\u00e4tsklinikum Leipzig (UKL). Die Gyn\u00e4kologin setzt sich dar\u00fcber hinaus f\u00fcr eine bessere Erforschung des Themas ein.<\/p>\n<p>Um es gleich vorwegzunehmen, Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern markieren einen \u00dcbergang \u2013 \u201evon der reproduktiven Phase in die Phase, in der die Eierst\u00f6cke schweigen\u201c, beschreibt Dr. Julia Bartley das, was in der Lebensmitte einer jeden Frau passiert. Und trotzdem kann dieser \u00dcbergang mit Symptomen einhergehen, die vergleichbar mit denen von Krankheiten sind.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich handelt es sich bei den Wechseljahren um einen Prozess der hormonellen Umstellung, der sich mehr als zehn Jahre hinziehen kann. Dabei sinkt die Anzahl der Eizellen im Eierstock unter eine kritische Grenze, wodurch das zyklische Geschehen im Eierstock f\u00fcr die Ausbildung einer reifen Eizelle ins Stocken ger\u00e4t. Infolgedessen wird der Zyklus der Betroffenen unregelm\u00e4\u00dfig, auch die Blutung kann in St\u00e4rke und Dauer variieren, bis sie irgendwann ausbleibt.<\/p>\n<p>Frauen unterschiedlich stark von Wechseljahresbeschwerden betroffen<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt, der sogenannten Menopause, sind Frauen in Deutschland im Durchschnitt 51 Jahre alt und reagieren ganz unterschiedlich auf die Ver\u00e4nderungen ihres K\u00f6rpers. Aktuellen Studien zufolge gehen nur etwa 20 Prozent der Betroffenen unbeschwert durch diese Zeit. \u201eDie anderen 80 Prozent geben an, Wechseljahresbeschwerden zu haben\u201c, fasst die Fach\u00e4rztin der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Frauenheilkunde des UKL die Ergebnisse zusammen, \u201e15 bis 30 Prozent sind sogar schwer davon betroffen.\u201c<\/p>\n<p>Zu den bekanntesten Wechseljahresbeschwerden z\u00e4hlen Hitzewallungen, Schwei\u00dfausbr\u00fcche und Nachtschwei\u00df, in der Fachsprache vasomotorische St\u00f6rungen genannt. Daneben berichten Frauen von einer Vielzahl anderer Symptome wie Schlafst\u00f6rungen, Gelenkschmerzen, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Herzrasen, Haarausfall, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Scheidentrockenheit. <\/p>\n<p>Allerdings ist sich die Wissenschaft an dieser Stelle uneins, \u201eob diese Beschwerden wirklich daher r\u00fchren, dass der weibliche K\u00f6rper kein \u00d6strogen mehr produziert\u201c, sagt Dr. Bartley, \u201ees wird zunehmend diskutiert, dass vieles jenseits von vasomotorischen St\u00f6rungen oder Trockenheit und Hautver\u00e4nderungen im Genitalbereich mehr dem grunds\u00e4tzlichen Alterungsprozess geschuldet sein mag, als spezifisch den Wechseljahren. Zum besseren Verst\u00e4ndnis dieser Fragen sind weitere Studien erforderlich. Wir sind derzeit in der Planung f\u00fcr eine solche Studie.\u201c<\/p>\n<p>Hormontherapie in den Wechseljahren lange umstritten<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Diskussionen gibt es dar\u00fcber, wann und wie man Wechseljahresbeschwerden behandeln sollte. F\u00fcr Dr. Bartley und Kolleg:innen ist hier das Wohlbefinden der Betroffenen entscheidend: F\u00fchlen sich diese in ihrem Leben durch die Wechseljahrsbeschwerden eingeschr\u00e4nkt, raten die Spezialist:innen zur Behandlung \u2013 meist in Form einer Hormontherapie. Schon eine kurzfristige Behandlung sei letztendlich ein guter Test, welche Beschwerden im Einzelfall durch die Hormontherapie verbessert werden k\u00f6nnten und welche nicht.<\/p>\n<p>Die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden mit Hormonen war lange Zeit umstritten, nachdem eine US-amerikanische Studie zur Frauengesundheit abgebrochen werden musste. Die sogenannte Women Health Initiative (WHI)-Studie wurde in den 1980er\/90er Jahren in den USA und damit in einer Zeit konzipiert, in der Frauen in der Lebensmitte gro\u00dfz\u00fcgig mit \u00d6strogenen behandelt wurden \u2013 unter der Annahme, dass die Gabe von \u00d6strogenen in den Wechseljahren Frauen vor Arteriosklerose und damit vor Herzerkrankungen und auch anderen \u201eAlterungsprozessen\u201c sch\u00fctzt. <\/p>\n<p>Mit der Studie wollte man diesen Effekt beweisen. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass \u00d6strogene zwar Gef\u00e4\u00dfe vor Verkalkung sch\u00fctzen k\u00f6nnen, wenn die Einnahme fr\u00fch begonnen wird, sie gleichzeitig aber auch das Risiko von Blutgerinseln in den Venen und Arterien und damit das von Thrombosen, Herzinfarkten und Schlaganf\u00e4llen erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus belegte die Studie ein auf lange Sicht erh\u00f6htes Brustkrebsrisiko. \u201eWenn \u00d6strogene gegeben werden, m\u00fcssen Frauen, die noch eine Geb\u00e4rmutter haben, Gestagene einnehmen, um\u00a0 die Geb\u00e4rmutter vor Krebs zu sch\u00fctzen. In dieser und weiterer Studien wurde jedoch gezeigt, dass Gestagene die Entstehung von Brustkrebs nach einer Anwendungszeit von \u00fcber f\u00fcnf Jahren beg\u00fcnstigen.\u201c<\/p>\n<p>Neue Wege in der Wechseljahrestherapie<\/p>\n<p>Seitdem habe sich viel ver\u00e4ndert, sagt Dr. Bartley. \u201eWir wissen jetzt, dass sich eine Hormontherapie in den Wechseljahren nicht generell zur Vorbeugung eignet und nicht \u2018immer gut f\u00fcr alle\u2018 ist, sondern dass wir sehr viel differenzierter hinschauen m\u00fcssen, wem wir die Therapie empfehlen.\u201c Auch verwende man heute \u00fcberwiegend andere, sogenannte \u201enaturidentische\u201c Hormone. <\/p>\n<p>\u201eBeim \u00d6strogen senkt insbesondere die Gabe \u00fcber die Haut \u2013 per Gel, Spray oder Pflaster \u2013 das Thromboserisiko. Als Gestagen wird heutzutage gerne Progesteron verwendet, das zu weniger Brustkrebs f\u00fchrt als zum Beispiel das Gestagen der WHI-Studie.\u201c Damit h\u00e4tten Frauen mit ausgepr\u00e4gten vasomotorischen St\u00f6rungen oder Trockenheit im Genitalbereich insgesamt mehr Nutzen als Nachteile und \u201eauch f\u00fcr Frauen mit einem erh\u00f6hten Osteoporose-Risiko kann eine grunds\u00e4tzlich g\u00fcnstige Risiko-Nutzen-Balance bestehen.\u201c <\/p>\n<p>Einzige Ausnahme, so die Expertin, seien die Frauen, die \u201esehr fr\u00fch\u201c, das hei\u00dft vor ihrem 45. Lebensjahr, oder gar \u201evorzeitig\u201c und damit vor ihrem 40. Lebensjahr in die Wechseljahre k\u00e4men. \u201eDiese m\u00fcssen eine Hormon-Ersatztherapie bis etwa zum 50. Lebensjahr erhalten, um eine fr\u00fchzeitige Gef\u00e4\u00dfverkalkung und Knochenentkalkung zu verhindern und bed\u00fcrfen einer besonderen Begleitung und Beobachtung.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus r\u00e4t die Expertin Frauen, sich in den Wechseljahren ausgewogen und anti-entz\u00fcndlich zu ern\u00e4hren und auf Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten zu verzichten. Alkohol verst\u00e4rke menopausale Beschwerden, w\u00e4hrend Rauchen dazu f\u00fchre, dass Frauen fr\u00fcher in die Wechseljahre k\u00e4men. \u201eWir wissen auch, dass Frauen grunds\u00e4tzlich von Bewegung profitieren\u201c, so Dr. Bartley weiter. Unklar dagegen sei, inwieweit nicht-hormonelle medikament\u00f6se Therapien etwa mit Antidepressiva oder therapeutische Ans\u00e4tze wie eine Verhaltenstherapien helfen. \u201eDa sind die Untersuchungen und auch die individuellen Berichte sehr unterschiedlich.\u201c<\/p>\n<p>Wechseljahre noch kaum Thema in der Forschung\u00a0<\/p>\n<p>Um die Forschung auf dem Gebiet voranzutreiben, haben sich betroffene Frauen vielerorts zusammengeschlossen. Mit Initiativen wie \u201eWir sind 9 Millionen\u201c sorgen sie daf\u00fcr, dass Wechseljahre und die Ver\u00e4nderungen, die sie mit sich bringen, mehr Aufmerksamkeit bekommen. Dadurch sei das Thema auch in der Politik angekommen, sagt Dr. Bartley. Das mache Hoffnung, dass es bald auch systematische Studien zu Frauen in den Wechseljahren aus Deutschland gebe.<\/p>\n<p>Wichtig w\u00e4re aus ihrer Sicht dabei, eine gute Balance zwischen Stigmatisierung und Wahrnehmung zu finden, denn nicht alle Frauen, die sich in diesem \u00dcbergang bef\u00e4nden, h\u00e4tten auch Beschwerden. \u201eDa w\u00fcnsche ich mir einen sehr differenzierten Blick darauf. Dazu geh\u00f6rt auch, und auch das ist eine Forderung dieser Initiative, dass man erhebt, was Frauen sich eigentlich an Unterst\u00fctzung w\u00fcnschen.\u201c All dies sollte im Kontext gesehen werden, das Thema Frauengesundheit nicht l\u00e4nger zu bagatellisieren, egal ob es sich um Regelbeschwerden, Endometriose, unerf\u00fcllter Kinderwunsch oder Wechseljahre handelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hitzewallungen, Schlaf- und Konzentrationsst\u00f6rungen, Stimmungsschwankungen \u2013 Frauen in den Wechseljahren erleben eine Vielzahl k\u00f6rperlicher und seelischer Ver\u00e4nderungen, auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":339096,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,859,19768],"class_list":["post-1051019","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-leipzig","tag-sachsen","tag-ukl"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1051019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1051019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1051019\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/339096"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1051019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1051019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1051019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}