{"id":1055165,"date":"2026-05-29T16:49:25","date_gmt":"2026-05-29T16:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1055165\/"},"modified":"2026-05-29T16:49:25","modified_gmt":"2026-05-29T16:49:25","slug":"citybahn-strassenbahn-lebt-politisch-wieder-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1055165\/","title":{"rendered":"Citybahn\/Stra\u00dfenbahn lebt politisch wieder auf"},"content":{"rendered":"<p>Fast sechs Jahre nach dem \u201eNein\u201c zur Citybahn kehrt die Stra\u00dfenbahn zur\u00fcck auf die politische B\u00fchne.<\/p>\n<p>Es war kurz vor neun Uhr am Abend, als die Geister der Wiesbadener Verkehrspolitik zur\u00fcckkehrten. Im Stadtparlament wurde wieder \u00fcber die <strong><a href=\"https:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/citybahn\" type=\"post_tag\" id=\"1865\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Citybahn<\/a><\/strong> gesprochen \u2013 jenes Projekt, das die Stadt jahrelang besch\u00e4ftigte und 2020 in einem B\u00fcrgerentscheid scheiterte. Fast sechs Jahre sp\u00e4ter zeigt sich: <strong>Die Stra\u00dfenbahn ist noch lange nicht begraben<\/strong>.<\/p>\n<p>Was unter dem Aktenzeichen <strong><a href=\"https:\/\/piwi.wiesbaden.de\/antrag\/detail\/3739631\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">26-F-55-0012<\/a><\/strong> als Antrag der Linken f\u00fcr ein neues, unabh\u00e4ngiges Gutachten begann, entwickelte sich in der Stadtverordnetenversammlung rasch zu einer der emotionalsten Debatten. Zwischen sachlichen Argumenten \u00fcber <strong>Kapazit\u00e4tsgrenzen des Busverkehrs<\/strong>, Verweisen auf den B\u00fcrgerentscheid und einer satirischen Horror-Geschichte lagen einige Redebeitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>\u201eMit dem Bus allein werden wir die Ziele nicht erreichen\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Linke er\u00f6ffnete <strong>Daniel Winter<\/strong> die Debatte mit einem Blick auf den neuen Nahverkehrsplan. Dieser werde den \u00f6ffentlichen Nahverkehr zwar ab 2027 deutlich ver\u00e4ndern. Gleichzeitig zeigten die eigenen Fachgutachten der Stadt jedoch die Grenzen eines reinen Bussystems auf.<\/p>\n<p>Winter verwies darauf, dass der \u00d6PNV-Anteil in Wiesbaden seit Jahren bei rund 17 Prozent stagniere. Das Ziel des Green-City-Masterplans liege jedoch bei 25 Prozent bis 2035. \u201eDie f\u00fcr uns verpflichtende Zielmarke von 25 Prozent ist mit einem reinen Busbetrieb nicht erreichbar\u201c, sagte Winter und berief sich dabei auf die Gutachter des Nahverkehrsplans.<\/p>\n<p>Auch die einst von Citybahn-Gegnern ins Spiel gebrachte Alternative eines <strong>Bus-Rapid-Transit-Systems<\/strong> sei nie umgesetzt worden. Ebenso wenig habe der Test eines <strong>Doppelgelenkbusses<\/strong> konkrete Folgen gehabt. Die Stadt operiere deshalb weiterhin an denselben Kapazit\u00e4tsgrenzen wie vor Jahren.<\/p>\n<p>SPD mahnt zu einem neuen Verfahren<\/p>\n<p>F\u00fcr die SPD bekannte <strong>Simon Becker<\/strong> offen, dass Wiesbaden eine ernsthafte Diskussion \u00fcber seine Verkehrszukunft brauche. Gleichzeitig warnte er davor, die Fehler der Citybahn-Diskussion von 2020 zu wiederholen. Die damalige Auseinandersetzung habe die Stadtgesellschaft gespalten. <strong>Wer heute erneut \u00fcber eine Stra\u00dfenbahn sprechen wolle, m\u00fcsse dies mit Respekt vor dem damaligen B\u00fcrgerentscheid tun<\/strong>. Becker warf den Linken zudem vor, Teile des SPD-Wahlprogramms nahezu w\u00f6rtlich \u00fcbernommen zu haben. Seine Fraktion pl\u00e4dierte deshalb daf\u00fcr, den <strong>Antrag zun\u00e4chst in den Mobilit\u00e4tsausschuss zu \u00fcberweisen<\/strong>.<\/p>\n<p>Gr\u00fcne und Volt: Offen f\u00fcr Schienen, aber nicht jetzt<\/p>\n<p>\u00c4hnlich argumentierten die Gr\u00fcnen. <strong>Stadtverordneter Lukas Kissleer<\/strong> machte deutlich, dass aktuell Gespr\u00e4che \u00fcber eine neue Rathausmehrheit liefen. Er betonte, dass man zun\u00e4chst politische Mehrheiten organisieren m\u00fcsse, bevor man ein Projekt mit einer Tragweite wie einer Stra\u00dfenbahn erneut auf die Tagesordnung setze.<\/p>\n<p>Noch deutlicher wurde Volt-Fraktionschef Daniel Weber. Pers\u00f6nlich halte er einen schienengebundenen Nahverkehr f\u00fcr sinnvoll. \u201eJa, ich pers\u00f6nlich finde einen schienengebundenen Verkehr f\u00fcr so eine Gr\u00f6\u00dfe in so einer Stadt sinnvoll\u201c, sagte Weber. (Anm. d. Red. Wiesbaden ist die einzige Landeshauptstadt ohne Stra\u00dfenbahn). <strong>Ohne Umschweife verwies Weber auf die dramatische Haushaltslage der Stadt<\/strong>. \u201eWie sollen wir es denn finanzieren?\u201c, fragte er in Richtung der Bef\u00fcrworter.<\/p>\n<p>Bereits bestehende Projekte wie Wallauer Spange, Aartalbahn oder weitere Schienenvorhaben m\u00fcssten ebenfalls finanziert werden.<\/p>\n<p>Andreas Kowol erinnert an alte Gutachten<\/p>\n<p>Besonders aufmerksam verfolgt wurde der Beitrag vom  Verkehrsdezernenten Andreas Kowol. Der Gr\u00fcnen-Politiker erinnerte an <strong>das 2019 entwickelte Mobilit\u00e4tsleitbild<\/strong>. Damals lautete es im Ergebnis, dass eine Stadt wie <strong>Wiesbaden langfristig von einem Schienenverkehrssystem profitieren k\u00f6nne<\/strong>.<\/p>\n<p>Kowol erl\u00e4uterte ausf\u00fchrlich, warum sowohl Bus-Rapid-Transit-Systeme als auch Doppelgelenkbusse letztlich nicht weiterverfolgt wurden. <strong>Das BRT-System h\u00e4tte nahezu dieselben Eingriffe in den Stra\u00dfenraum verursacht wie eine Stra\u00dfenbahn<\/strong>. Doppelgelenkbusse wiederum seien technisch und wirtschaftlich problematisch gewesen. Gleichzeitig bremste Kowol jede Euphorie.<\/p>\n<p>Stra\u00dfenbahnprojekte h\u00e4tten Laufzeiten von zehn bis zwanzig Jahren. Voraussetzung seien F\u00f6rderf\u00e4higkeit, Akzeptanz und erhebliche Investitionen. \u201eDie wesentlichen Grundlagen liegen ja eigentlich vor. Wir m\u00fcssen sie umsetzen\u201c, sagte Kowol.<\/p>\n<p>Christian Hill macht aus der Citybahn ein Horror-M\u00e4rchen<\/p>\n<p>Den ungew\u00f6hnlichsten Auftritt des Abends lieferte FDP-Stadtverordneter Christian Hill. Statt Zahlen, Gutachten und Verkehrsmodellen pr\u00e4sentierte er den Stadtverordneten eine satirische Geschichte \u00fcber das <strong>Citybahn-Frankenstein-Monster<\/strong>. <\/p>\n<p>Mit sichtlichem Vergn\u00fcgen zeichnete Hill das Bild einer l\u00e4ngst begrabenen Citybahn, die von einem<strong> Roten Baron von Frankenstein <\/strong>wieder zum Leben erweckt werden solle. \u201eDie Citybahn liegt tief im Grab, beerdigt von einem Gro\u00dfteil der B\u00fcrger\u201c, begann Hill. Der \u201eRote Baron\u201c lade das tote Monster auf einen Eselskarren und bringe es in ein \u201efinsteres linkes Politlabor\u201c, wo dessen Wiederauferstehung vorbereitet werde. Vor den Toren versammelten sich laut Hill bereits die B\u00fcrger mit \u201eFackeln und Mistgabeln\u201c, um das Monster erneut zu stoppen. Der FDP-Politiker steigerte die Erz\u00e4hlung bis zu der Pointe, der \u201eRote Baron\u201c solle am besten auf eine Insel wie Kuba verbannt werden.<\/p>\n<p><strong>Im Stadtverordnetensaal sorgte die Rede gleicherma\u00dfen f\u00fcr Gel\u00e4chter, Kopfsch\u00fctteln und Emp\u00f6rung.<\/strong><\/p>\n<p>Linke kontert scharf<\/p>\n<p>Die Reaktion lie\u00df nicht lange auf sich warten. Linken-Fraktionschef Alexander von Seemen warf den Gegnern vor, Demokratie falsch zu verstehen. B\u00fcrgerentscheide seien keine Entscheidungen f\u00fcr die Ewigkeit. \u201eMan kann in der Demokratie immer wieder \u00fcber Dinge abstimmen\u201c, sagte von Seemen. Besonders scharf griff die Linke anschlie\u00dfend Christian Hill an. Daniel Winter erkannte nicht die Satire im Vortrag \u2013 <strong>sprach von einem \u201erassistischen Ausfall\u201c, nachdem Hill in seiner Rede Kuba und dessen Einwohner thematisiert hatte<\/strong>.<\/p>\n<p>Entscheidung vertagt<\/p>\n<p>Am Ende wurde weder f\u00fcr noch gegen eine neue Pr\u00fcfung der Citybahn entschieden. Die Mehrheit des Parlaments folgte dem Antrag von SPD und Gr\u00fcnen und \u00fcberwies die Angelegenheit in den Mobilit\u00e4tsausschuss. Dort wird die Debatte nun fachlich fortgesetzt.<\/p>\n<p>Eines allerdings wurde an diesem Abend deutlich: <strong>Die Citybahn mag den B\u00fcrgerentscheid von 2020 verloren haben. Politisch lebt sie weiterhin<\/strong> \u2013 und sorgt noch immer f\u00fcr hitzige Debatten im Wiesbadener Rathaus.<\/p>\n<\/p>\n<p>Foto \u2013 Die Debatte um die Citybahn kehrte zur\u00fcck. \u00a92026 KI-generiert<\/p>\n<p>Weitere Nachrichten aus dem <strong>Stadtteil Mitte<\/strong> <a href=\"https:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/mitte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">lesen Sie hier.<\/a><\/p>\n<p>Die ganze <strong><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/72QcZJRiUqw?si=ZTCr8sdws-ZvmEs0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stadtverordnetenverstammlung vom 28. Mai<\/a><\/strong> k\u00f6nnen Sie online ansehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/618001318cad4c6c8f295aed8c139916.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fast sechs Jahre nach dem \u201eNein\u201c zur Citybahn kehrt die Stra\u00dfenbahn zur\u00fcck auf die politische B\u00fchne. 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