{"id":1055345,"date":"2026-05-29T18:45:17","date_gmt":"2026-05-29T18:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1055345\/"},"modified":"2026-05-29T18:45:17","modified_gmt":"2026-05-29T18:45:17","slug":"e-mobilitaet-in-europa-sogar-belgien-haengt-uns-bei-der-antriebswende-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1055345\/","title":{"rendered":"E-Mobilit\u00e4t in Europa: Sogar Belgien h\u00e4ngt uns bei der Antriebswende ab"},"content":{"rendered":"<p>Zu Gast im Moove-Podcast ist Henning Ludes, der seit zehn Jahren die Automobilbranche ber\u00e4t und die Studie mitgestaltet hat. Hier finden Sie eine Interviewzusammenfassung (KI-unterst\u00fctzt) der Podcast-Aufnahme und das Gespr\u00e4ch in voller L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Interview-Zusammenfassung<\/p>\n<p>Luca Leicht: Henning, wer bist du und was ist deine Mission?<\/p>\n<p>Henning Ludes: Ich bin bei Berylls by AlixPartners t\u00e4tig, einem Beratungsunternehmen, das sich ausschlie\u00dflich mit Automobilit\u00e4t besch\u00e4ftigt. Ich k\u00fcmmere mich insbesondere um die E-Mobilit\u00e4t: von der Frage, ob sich Investitionen f\u00fcr OEMs in neue Plattformen lohnen, bis hin zur Analyse der Ladeinfrastruktur und ob unser Netz die wachsende Flotte tragen kann.<\/p>\n<p>Leicht: Wenn man eure Studie liest, wirkt es, als scheitere die E-Mobilit\u00e4t gar nicht an der Technik, sondern an Kosten, Tempo und der Politik. Siehst du das auch so?<\/p>\n<p>Ludes: Die EU verfolgt prinzipiell einen Kurs, die E-Mobilit\u00e4t in Europa zu f\u00f6rdern. An den Zahlen sieht man aber auch die gro\u00dfe Unsicherheit der Konsumenten: 2023 lag der EU-Verkaufsanteil bei 14 Prozent, 2024 gab es einen R\u00fcckgang. Das liegt oft daran, dass F\u00f6rderprogramme f\u00fcr Privatkunden wie der Umweltbonus auslaufen. M\u00e4rkte wie Norwegen machen das besser, indem sie ein konsequentes Ziel verfolgen und nicht alle drei Jahre eine Kehrtwende vollziehen, die alle verunsichert.<\/p>\n<p>Gerd Stegmaier: Ist das Problem eher die politische Message oder der konkrete Geldwert durch wegfallende F\u00f6rderungen?<\/p>\n<p>Ludes: Sowohl als auch. In den fr\u00fchen Jahren spielen Pr\u00e4mien eine Rolle, um Akzeptanz zu schaffen. Sp\u00e4ter n\u00e4hern sich die Gesamtkosten (TCO) \u00fcber den Lebenszyklus zwar an, aber die subjektive Unsicherheit bleibt. Wenn st\u00e4ndig \u00fcber das Verbrenner-Aus debattiert wird, verunsichert das den Privatkunden. Planbarkeit ist f\u00fcr Hersteller und Zulieferer das A und O.<\/p>\n<p>Leicht: Wo liegen die regionalen Unterschiede in Europa?<\/p>\n<p>Ludes: Norwegen ist der Primus mit 90 Prozent Verkaufsanteil und 30 Prozent Anteil in der Flotte. Dann folgen D\u00e4nemark, die Beneluxl\u00e4nder, Deutschland und Frankreich. In S\u00fcd- und Osteuropa liegen die Anteile oft noch unter 10 Prozent. Erfolgreich sind L\u00e4nder mit klarer Zielsetzung, attraktiven F\u00f6rderprogrammen f\u00fcr Gewerbe und einer Modellvielfalt, die \u00fcber das Premium-Segment hinausgeht.<\/p>\n<p>Leicht: Was ist die gr\u00f6\u00dfte Fehlannahme der Automobilindustrie beim Blick auf diese Zahlen?<\/p>\n<p>Ludes: Es wird zu sehr auf die Absatzzahlen geschaut. Wir haben in Europa im Schnitt nur drei Prozent elektrifizierte Fahrzeuge in der Flotte. Selbst wenn wir 20 Prozent Neuzulassungen haben, f\u00fcgen wir der Flotte pro Jahr effektiv nur etwa zwei Prozent hinzu. Wenn das \u00f6kologische Ziel die \u00dcberschrift ist, dann ist die Flotte der entscheidende Hebel, nicht nur der Absatz.<\/p>\n<p>Stegmaier: Haben wir eine Chance, das Ziel der EU \u2013 keine neuen Verbrenner ab 2035 \u2013 realistisch zu erreichen?<\/p>\n<p>Ludes: Eine Chance besteht, aber der Weg ist steinig. Selbst wenn die EU-Ziele umgesetzt werden, sind wir 2035 erst bei einem Flottenanteil von 30 Prozent BEVs. In L\u00e4ndern wie Italien oder Spanien, die heute unter 10 Prozent liegen, m\u00fcssten die gewerblichen Verk\u00e4ufe auf \u00fcber 60 Prozent steigen. Das Ziel auf dem Papier ist gut, aber es muss wirtschaftlich nachhaltig unterf\u00fcttert werden.<\/p>\n<p>Leicht: Ein elektrischer Polo soll zwischen 25.000 und 35.000 Euro kosten. Ist das f\u00fcr die breite Masse \u00fcberhaupt erschwinglich?<\/p>\n<p>Ludes: Aktuell sind wir in Europa noch nicht in der Preisparit\u00e4t zum Verbrenner. Deshalb wird der Hochlauf prim\u00e4r von Flottenfahrzeugen getrieben, die 60 Prozent des Marktes ausmachen. In L\u00e4ndern wie Belgien oder Deutschland ziehen diese Firmenwagen-M\u00e4rkte stark an. Der Privatkunde wird wahrscheinlich erst ab 2030 zum st\u00e4rkeren &#8222;Kick&#8220; f\u00fcr den Markt.<\/p>\n<p>Stegmaier: Werden die ausrangierten Dienstwagen dann attraktive Gebrauchte f\u00fcr Privatkunden?<\/p>\n<p>Ludes: Das ist eine interessante Dynamik. Aktuell werden BEVs oft k\u00fcrzer gehalten, weil sich die Technologie bei Reichweite und Batterien so schnell \u00fcberholt. Ein gebrauchtes E-Auto ist weniger attraktiv, wenn Neufahrzeuge bereits die doppelte Reichweite bieten. Das verlangsamt den Substitutionseffekt in der Flotte, da Verbrenner tendenziell l\u00e4nger gefahren werden.<\/p>\n<p>Leicht: Warum funktioniert das System in Belgien so viel besser als in Deutschland?<\/p>\n<p>Ludes: Belgien nutzt steuerliche Abschreibungsvorteile f\u00fcr Unternehmen viel konsequenter. Man kann dort die Kosten f\u00fcr ein BEV zu 100 Prozent abschreiben, was ein enormer bilanzieller Vorteil ist. In Deutschland liegt der Fokus st\u00e4rker auf der Arbeitnehmerseite; zum Beispiel mit der 0,25-Prozent-Regelung. Die belgische Konsequenz f\u00fchrte dazu, dass der Sales-Anteil in vier Jahren von unter 10 auf \u00fcber 30 Prozent stieg.<\/p>\n<p>Leicht: Wie steht es um die Ladeinfrastruktur? In Deutschland herrscht oft die Angst, nicht laden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ludes: Faktisch steht Deutschland mit 45 Fahrzeugen pro HPC-Lader sehr gut da. In Norwegen kommen \u00fcber 100 Fahrzeuge auf einen Lader. Der Unterschied: In Norwegen laden 70 bis 80 Prozent zu Hause. Deutschland ist ein Fl\u00e4chen- und Transitland, in dem 40 bis 50 Prozent der Nutzer auf \u00f6ffentliche Infrastruktur angewiesen sind. Wir d\u00fcrfen beim Ausbau nicht pausieren, denn die Energienachfrage wird bis 2035 um den Faktor sechs steigen.<\/p>\n<p>Stegmaier: Hersteller wie BYD bringen nun High-Performance-Charger nach Europa. Brauchen wir diese Megawatt-Lader fl\u00e4chendeckend?<\/p>\n<p>Ludes: Die durchschnittliche Ladeleistung der Fahrzeuge \u00fcber die Dauer eines Ladevorgangs liegt heute unter 100 kW und wird auch in zehn Jahren eher bei 120 bis 130 kW liegen. Auch wenn immer mehr Fahrzeuge das Plateau der maximalen Ladeleistung l\u00e4nger halten werden k\u00f6nnen, brauchen wir also nicht \u00fcberall Megawatt-Charger. Viel wichtiger ist die Location: Der Lader muss direkt an den Verkehrsachsen stehen, ohne dass man 20 Minuten abfahren muss.<\/p>\n<p>Leicht: Was sind die wichtigsten Faktoren, damit die Entwicklung nicht stagniert?<\/p>\n<p>Ludes: Erstens: Klare, verl\u00e4ssliche Ziele der EU ohne st\u00e4ndige Debatten. Zweitens: Nachhaltige F\u00f6rderinstrumente, die auf zehn Jahre statt auf zwei Jahre ausgelegt sind. Und drittens: Ein attraktives Modellangebot europ\u00e4ischer Hersteller im Volumensegment zu Kosten, die f\u00fcr die breite Masse funktionieren. Wir m\u00fcssen den Berg sehen und uns darauf freuen, aber behutsam und wirtschaftlich nachhaltig vorgehen.<\/p>\n<p>Der Moove-Podcast als Video<\/p>\n<p>Henning Ludes zum E-Mobility-Ranking von Berylls by AlixPartners<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zu Gast im Moove-Podcast ist Henning Ludes, der seit zehn Jahren die Automobilbranche ber\u00e4t und die Studie mitgestaltet&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1055346,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,163215,187619,202329,1423,225504,31095,225506,1456,29,10345,548,663,158,3934,3935,13,225503,202331,14,15,913,12,225505,225507,12964],"class_list":["post-1055345","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-alternative-antriebe","tag-ams-aktuelles","tag-bbm-aktuelles","tag-belgien","tag-berylls-by-alixpartners","tag-bev","tag-bevs","tag-byd","tag-deutschland","tag-e-mobilitaet","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-headlines","tag-henning-ludes","tag-luca-leicht","tag-nachrichten","tag-news","tag-norwegen","tag-schlagzeilen","tag-tco","tag-tech-zukunft","tag-umweltbonus"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116659350897500470","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1055345","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1055345"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1055345\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1055346"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1055345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1055345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1055345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}