{"id":1056106,"date":"2026-05-30T02:09:16","date_gmt":"2026-05-30T02:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1056106\/"},"modified":"2026-05-30T02:09:16","modified_gmt":"2026-05-30T02:09:16","slug":"leipzig-neuen-preis-fuer-junge-kunst-aus-ostdeutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1056106\/","title":{"rendered":"Leipzig: Neuen Preis f\u00fcr junge Kunst aus Ostdeutschland"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nVerlockend sieht er aus, der Glasflakon mit dem schweren Boden. Vor einer rosafarbenen Wand auf einer kleinen Konsole pr\u00e4sentiert, zieht er die Blicke sofort auf sich. K\u00fcnstlerin Franzi Goralski ermuntert dazu, n\u00e4herzutreten und auf den Gummiballon zu dr\u00fccken, der an einem Schlauch aus dem Verschluss ragt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSofort verteilt sich ein angenehmer Duft: S\u00fc\u00df, frisch und irgendwie aufregend. &#8222;Ich hab\u2019 mich gefragt, wie steht\u2019s eigentlich um die olfaktorische Vergangenheit queerer Orte?&#8220;, erl\u00e4utert die 34-J\u00e4hrige. Sie befasst sich in ihrer k\u00fcnstlerischen Arbeit mit der Dokumentation dieser R\u00e4ume, zu denen sie auch immaterielle, wie Lesekreise oder Partys, z\u00e4hlt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn einer raumgreifenden Installation im MdbK gibt sie Einblick in ihr Projekt. Der Duft ist eine Eigenkreation, mit der Goralski an die Poolpartys erinnern m\u00f6chte, zu denen sich im New York der 80er-Jahre der erste Motorradclub f\u00fcr Frauen traf. Daf\u00fcr recherchierte sie in New Yorker Archiven, und traf sich mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Ihre Duftkomposition ist eine Art k\u00fcnstlerische Suche nach der verlorenen Zeit.\n<\/p>\n<p><a name=\"Der\">Der<\/a> Duft einer l\u00e4ngst verklungenen Party<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Man versucht sich wo zu treffen, wo es eigentlich unm\u00f6glich ist, sich zu treffen&#8220;, sinniert die in Radebeul geborene K\u00fcnstlerin. &#8222;Und das ist, finde ich, ein ganz sensibler und ein total sch\u00f6ner Bereich.&#8220; Eine Ahnung von dieser Offenheit und Zartheit m\u00f6chte sie durch den Duft <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/leipzig-museum-kostenlos-104.html\" title=\"Leipzig: Diese 5 Museen kosten keinen Eintritt \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ins Museum<\/a> holen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nFranzi Goralski ist eine von vier Preistr\u00e4gerinnen des frisch aus der Taufe gehobenen Kunstpreises MdbK [jetzt] . Eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Jury w\u00e4hlte in diesem Jahr zudem die Medienk\u00fcnstlerin Mahshid Mahboubifar, die Fotografin und Installationsk\u00fcnstlerin Anna Perepechai und Bildhauerin Theresa Rothe f\u00fcr die Auszeichnung aus. Gestiftet vom F\u00f6rderverein des <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/ausstellung-mdbk-kunst-ddr-beckmann-depot-bilderkosmos-kultur-news-100.html\" title=\"Leipzig: MdbK zeigt Sch\u00e4tze aus dem Depot \u2013 DDR-Kunst und mehr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Museums der bildenden K\u00fcnste<\/a>, soll die mit viermal 5.000 Euro dotierte Auszeichnung k\u00fcnftig alle zwei Jahre verliehen werden.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Der Preis steht f\u00fcr das Engagement des Museums der bildenden K\u00fcnste und des F\u00f6rdervereins, diese jungen K\u00fcnstlerInnen ganz aktiv zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Katrin Klietsch, Kuratorin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>160 <a name=\"Bewerbungen\">Bewerbungen<\/a>\u00a0f\u00fcr neuen Preis in Leipzig<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie freie Kuratorin Katrin Klietsch, die f\u00fcr die Erstauflage der Auszeichnung die Projektleitung \u00fcbernahm, erkl\u00e4rt: &#8222;Der MdbK [jetzt] Preis der F\u00f6rderer wurde quasi aufgelegt, als junger Kunstpreis f\u00fcr K\u00fcnstlerInnen unter 35 aus der Region, und steht so ein bisschen f\u00fcr das Engagement des Museums der bildenden K\u00fcnste und des F\u00f6rdervereins, diese jungen K\u00fcnstlerInnen ganz aktiv zu f\u00f6rdern.&#8220; Zum einen geschehe dies durch das Preisgeld, so Klietsch. &#8222;Aber auch durch die M\u00f6glichkeit, in so einem gro\u00dfen Museum, wie dem MdbK, ausstellen zu k\u00f6nnen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAus 160 Bewerbungen schafften die vier K\u00fcnstlerinnen die H\u00fcrde der Auswahlkriterien. F\u00fcr ihre Wahl einigte sich die Jury auf einige grundlegende Kriterien, erl\u00e4utert Katrin Klietsch. Neben Originalit\u00e4t etwa eine Konsistenz in der Bearbeitung des Themas. &#8222;Also, dass man von den K\u00fcnstlerInnen davon \u00fcberzeugt wird, dass das Gew\u00e4hlte, das Mittel ist, um zu diesem Ausdruck zu kommen.&#8220; Auch eine Prognose darauf, wie sich die k\u00fcnstlerische Position nach diesem Preis und der Ausstellung weiter entwickeln wird, sei in die Bewertung eingeflossen. Und: &#8222;Am besten eine ganz klare Handschrift, die wir meiner Meinung nach jetzt bei allen vier Preistr\u00e4gerinnen auch sehen k\u00f6nnen&#8220;, res\u00fcmiert sie.\n<\/p>\n<p><a name=\"Pluesch\">Pl\u00fcsch<\/a> und Parf\u00fcm, Fotos vom Krieg und die Suche nach Vorg\u00e4ngerinnen<\/p>\n<p class=\"text\">\nSo zeigt Anna Perepechai in zwei R\u00e4umen Dokumentarfotografien und private Erinnerungsst\u00fccke aus ihrer Ukrainischen Heimat, die zeigen, wie sich der Krieg in die Landschaft und die Gesichter der Menschen eingegraben hat.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMahshid Mahboubifar kam aus dem Iran nach <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/leipzig-sehenswuerdigkeiten-sightseeing-highlights-106.html\" title=\"Leipzig: 10 beeindruckende Sehensw\u00fcrdigkeiten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leipzig<\/a>. In einem Video geht sie unter anderem der Geschichte des Gem\u00e4ldes &#8222;Die Iranerin M.M.&#8220; nach, das Inge Wunderlich in den 70er-Jahren malte. Theresa Rothe hat einen ganzen Raum in eine Mischung aus Kinderzimmer und Gruselkabinett verwandelt. Aus Silikon und knallbuntem Pl\u00fcsch gestaltet sie Figuren mit \u00fcberlangen Armen oder sich bewegenden K\u00f6pfen. Stellvertreter f\u00fcr ihre eigenen, oft ambivalenten Gef\u00fchle.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Gerade die Gef\u00fchle oder die Gedanken, die einfach schwer aussprechlich sind. Wenn man mit sich hadert. Psychische Probleme, die immer mehr werden oder auch schon immer da sind&#8220;,  z\u00e4hlt Theresa Rothe auf. Betroffene t\u00e4ten sich selber oft schwer damit, diese Gef\u00fchle zu verbalisieren, sich selbst gegen\u00fcber einzugestehen. &#8222;Und dann ist es nat\u00fcrlich noch viel schwieriger, das anderen gegen\u00fcber einfach klar zu machen, ohne sich verr\u00fcckt zu f\u00fchlen oder zu sch\u00e4men&#8220;, meint sie.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nRothe hofft, mit ihren haarigen Gesellen ein bisschen mehr Weichheit und Sensibilit\u00e4t im Umgang mit Gef\u00fchlen zu erm\u00f6glichen. Hat man sich erstmal an eine der von ihr im Schachbrettmuster mit Pl\u00fcsch bezogenen Museumsw\u00e4nde gekuschelt, f\u00fchlt man von ihrer wunderbar skurrilen und zugleich zutiefst menschlichen Kunst verstanden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nOb emotional aufgeladener Pl\u00fcsch oder ein Parf\u00fcm f\u00fcr eine l\u00e4ngst verklungene Party. Fotos einer harten Kriegsrealit\u00e4t oder die subtile Suche nach Vorg\u00e4ngerinnen auf dem Weg ins Unbekannte: Die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/sachsen-aktuelle-ausstellungen-museen-kunst-grafik-358.html\" title=\"Leipzig, Dresden, Kamenz: Die spannendsten Ausstellungen in Sachsen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausstellung<\/a> zum Kunstpreis MdbK jetzt zeigt, wie vielf\u00e4ltig und lebendig junge Kunst zurzeit ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Verlockend sieht er aus, der Glasflakon mit dem schweren Boden. Vor einer rosafarbenen Wand auf einer kleinen Konsole&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1056107,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[2076,3364,29,39100,30,66,2075,167104,71,11819,81,59576,859],"class_list":["post-1056106","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-ausstellung","tag-de","tag-deutschland","tag-gegenwartskunst","tag-germany","tag-kulturnachrichten","tag-kunst","tag-kunstpreis","tag-leipzig","tag-mdbk","tag-mdr","tag-museum-der-bildenden-kuenste","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116661096617267495","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1056106","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1056106"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1056106\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1056107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1056106"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1056106"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1056106"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}